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Frau Freitag steht auf Gelb und Hochleistung. 
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Bild:kafi freitag
FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Darf man vom Besuch verlangen, die Schuhe auszuziehen? Und wenn ja; wie formuliert man es am besten? Vielen Dank für Ihre Antwort und herzliche Grüsse, Silvia, 33

04.01.2016, 13:12

Liebe Silvia

Kaum eine Frage wird in Savoir-vivre-Ratgeberkolumnen mehr gestellt als diese. Daher habe ich mich gefragt, ob ich mich ihr auch noch widmen soll.

Natürlich kenne ich die gängigen Antworten. Sie klingen immer gleich, sind so furchtbar sterbenslangweilig eindimensional. Man wird da sofort als kleinherziger Spiesser abgetan, wenn man den Strassendreck nicht im Haus haben möchte. Spannend wird es allerdings, wenn man sich die StilexpertInnen hinter den Antworten mal genauer anschaut. Diese haben nämlich oft gar keine Kinder oder dann aber keine im Babyalter mehr. Und ja, das spielt in Bezug auf ebendiese Frage tatsächlich eine Rolle, wie ich finde! Ich weiss nämlich noch ganz genau, wie es für mich war, als mein Sohn noch klein war und sich das Leben hauptsächlich auf dem Boden abspielte. Exakt in dieser Phase war ich einmal mit ihm in Japan unterwegs und fand es irre entspannend, dass es selbstverständlich war, die Strassenschuhe vor dem Wohnbereich abzustellen. Die Idee von eingetretener Hundescheisse auf meinem Fussboden hat auch mich an den Rand gebracht und meine Gäste haben in dieser Zeit die Schuhe auch ausziehen müssen, ich war da ziemlich rigoros. Gottlob habe ich einen sehr toleranten Freundeskreis. Oder zumindest einen, der es super draufhat, so zu tun, als wäre das nicht weiter schlimm.

Manchmal macht es Sinn, wenn man ein Thema von einer anderen Seite angeht. Ach was! Das macht immer Sinn, liebe Silvia!

Natürlich können Sie sich hübsche Filzüberschuhe anschaffen und dann zusehen, wie Ihre Gäste in Highheels darin wie Störche durchs Museum staken, oder diese gleich zur Putzkolonne machen. Wenn Sie das Begrüssungsritual aber nicht zu einer Lachnummer verkommen lassen möchten, empfehle ich Ihnen eher, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Kaufen Sie sich einen professionellen Dampfsauger, der gleichzeitig Staub saugt und den Boden mit kochend heissem Dampf desinfiziert. Ich habe mir schon vor Jahren einen solchen von Kärcher gekauft und mir dieses Jahr zu Weihnachten das neue Modell, den SV 7, geschenkt und ich muss Ihnen sagen, seit dieses gelbe Teil bei mir lebt, bin ich ein besserer Mensch. Wo ich früher in einen vollen Staubsaugerbeutel hyperventilieren musste, weil die liebe Kinderschar die Wohnung zu einer Werkstatt umfunktioniert hat, bleibe ich heute entspannt und gelassen und lasse den SV 7 die Drecksarbeit machen. Wo früher meine Gäste die hübschen Schuhe im Eingang stehen lassen mussten, dürfen sie sie heute auch bei Schmuddelwetter anbehalten.

Manchmal macht es Sinn, wenn man ein Thema von einer anderen Seite angeht. Ach was! Das macht immer Sinn, liebe Silvia! Investieren Sie in eine grossartige Lösung, anstatt das Problem eliminieren zu wollen, und ich verspreche Ihnen, das Thema ist vom Tisch und dieser frei für ein gemütliches Abendessen mit Freunden!

Einen guten Start ins neue Jahr wünsche ich Ihnen! Und alles Liebe! Ihre Kafi.

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Liebe Kafi. Mein Partner, Vater unseres fast einjährigen Sohnes, macht mir in letzter Zeit häufiger die Hölle heiss. Er findet, wenn ich nur mein Bad putze und nur meine Wäsche (und die vom Baby) wasche, sei ich eine Egoistin. 
Liebe Kafi. Eine meiner engsten Freundinnen kopiert sehr viel von dem, was ich mache. 
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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.



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