Eismeister Zaugg
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS SICH DER EV ZUG VON HAROLD KREIS TRENNT --- Zugs Emanuel Peter, Zugs Carl Klingberg, Zugs David McIntyre, Zugs Cheftrainer Harold Kreis und Zugs Nolan Diem, von links, im zweiten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Samstag, 8. April 2017, in der Bossard Arena in Zug.  (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Was kommt als nächstes? Der EV Zug hat sich vom Cheftrainer Harold Kreis getrennt. Bild: KEYSTONE

Wie Zug den perfekten Gärtner für seine «Hockey-Wohlfühloase» gefunden hat

Der neue Trainer in Zug heisst Dan Tangnes (39). Sportchef Reto Kläy ist ein genialer Schachzug gelungen. So oder so kommt es gut.



Ist Dan Tangnes (39) ein grosser Trainer? Nein, ist er nicht. Er scheiterte zuletzt mit Linköping dreimal hintereinander in den Viertelfinals. So gesehen passt er zur Hockey-Wohlfühloase Zug.

Aber eine solche Einschätzung ist polemisch. Wofür sich der Chronist gleich entschuldigt. Eine neue Herausforderung ist immer eine neue Chance. Ein dynamischer, junger skandinavischer Trainer passt durchaus zum «Ausbildungsclub» Zug – auch wenn die vorbildliche Nachwuchsförderung inzwischen eine wunderbare, pädagogisch wertvolle Ausrede für die fehlende Leistungskultur in der ersten Mannschaft geworden ist.

Und wir sollten Sportchef Reto Kläy nicht unterschätzen. Er hat seinerzeit als Sportchef beim SC Langenthal mit Jason O’Leary in Österreich einen in der Schweiz zuvor unbekannten Meistertrainer gefunden.

EVZ Zug Sportchef Reto Klaey spricht anlaesslich einer Pressekonferenz am Dienstag, 29. August 2017, in Zug. (KEYSTONE/Siggi Bucher)

Reto Kläy. Bild: KEYSTONE

Zugs Sportchef ist ein grosser Hockey-Diplomat. Grosses Kino, wie er den freundlichen Harold Kreis ohne Aufsehen zu erregen und in Umgehung jeder Polemik kostengünstig aus dem noch ein Jahr gültigen Vertrag nach Düsseldorf «transferiert» hat. Einen Trainer mit gültigem Vertrag nahezu kostenlos und ohne Hilfe von Rechtsanwälten und zur allseitigen Zufriedenheit und in Harmonie wegzuschicken ist so ziemlich die höchste Kunst eines Sportchefs.

Dem Chef ist ein Meisterwerk gelungen

Mit der bereits vorzeitig aus Schweden vermeldeten Anstellung von Dan Tangnes ist Reto Kläy wieder ein Meisterstück gelungen. Sogar eines mit Erfolgsgarantie. Erfolgsgarantie? Die gibt es im Sport nicht. Selbst bei höchstdotieren skandinavischen Trainern wissen wir nicht, ob sie sich in unserer ganz speziellen Hockeykultur durchsetzen können.

Kari Jalonen ist in Bern erfolgreich (zweimal Qualifikation gewonnen, einmal Meister). Der mehrfache schwedische Meistertrainer Hans Wallson ist hingegen in Zürich kläglich gescheitert.

«Selbst bei höchstdotieren skandinavischen Trainern wissen wir nicht, ob sie sich in unserer ganz speziellen Hockeykultur durchsetzen können.»

Fachlich sind skandinavische Trainer ohne Fehl und Tadel. Eine «Verlotterung» der ihnen anvertrauten Mannschaft ist nicht zu befürchten. Ob sie erfolgreich sind, hängt weitgehend davon ab, ob sie arrogant einfach ihr Ding durchziehen, und davon ausgehen, dass die Spieler in der Schweiz gleich «funktionieren» wie daheim oder ob sie dazu in der Lage sind, ihre Methoden an unsere speziellen Verhältnisse anzupassen.

Vor allem bei Skandinaviern, die nie ausserhalb ihres Kulturkreises gespielt oder als Trainer gewirkt haben, ist die Gefahr gross, dass sie auf die Eigenverantwortung der Spieler setzen wie zuletzt Hans Wallson. Dass sie vergessen, dass Spieler ja junge Männer sind, die fürs Spielen und nicht fürs Arbeiten bezahlt werden, und dass sie die Feinarbeit zwischen «Ego-Flattieren» und «Schleifpapier-Psychologie» vernachlässigen.

In diesem Fall gibt es eine Erfolgsgarantie

Aber im Fall von Dan Tangnes und Zug gibt es doch eine Erfolgsgarantie. Ein Scheitern eines skandinavischen Trainers muss nämlich kein sportliches Unglück sein. Inzwischen haben wir ein sehr schönes Beispiel, dass es dann nur darauf ankommt, den richtigen Zeitpunkt für die Amtsenthebung zu finden. Und dass sich Nordamerikaner nach wie vor am besten als «Nottrainer» eignen, um eine Mannschaft von der «skandinavischen Grippe» zu heilen. Hans Kossmann hat als Nachfolger von Hans Wallson die ZSC Lions soeben bis ins Finale geführt.

Hans Kossmanns Amtszeit läuft bekanntlich am Ende dieser Saison aus. Die ZSC Lions haben bereits im Dezember Serge Aubin als neuen Trainer für die nächsten zwei Jahre unter Vertrag genommen.

Zurich's coach Hans Kossmann during the fifth match of the playoff final of the National League of the ice hockey Swiss Championship between the HC Lugano and the ZSC Lions, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Saturday, April 21, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

ZSC-Coach Hans Kossmann. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Und so hat Reto Kläy in der Trainerfrage sozusagen den Batzen und das Weggli: entweder wird Dan Tangnes in Zug ein grosser Bandengeneral. Dann ist alles gut. Und sollte der Norweger scheitern, dann kopiert Zugs tüchtiger Sportchef einfach die ZSC Lions und holt in der Weihnachtspause – richtig – Hans Kossmann. Auf, dass es in Zug in den Playoffs rockt wie diese Saison bei den ZSC Lions.

Die Leitung nicht dem Rockstar überlassen

Hans Kossmann kann sich also im Sommer gut von seinem ZSC-Abenteuer erholen, sich um die Renovation seiner Liegenschaften in Vancouver kümmern und sich mit den modernen, global funktionierenden Kommunikationsmitteln über die Gänge und Läufe in Zug auf dem laufenden halten. Ein Deal wäre im Falle eines Falles rasch gefunden: sein Agent Dani Giger verfolgt die Partien der Zuger meistens im Stadion in der firmeneigenen Loge.

Natürlich wäre Hans Kossmann die naheliegende Trainer-Lösung gewesen. Zugs Hockeykultur ist stark nordamerikanisch geprägt. Aber Zug ist eines der führenden Hockeyunternehmen im Land. Hier gibt man sich nicht einfach mit einer handgestrickten, profanen, einfachen Lösung zufrieden.

Es muss eine überraschende Lösung sein. Und ein zu sehr auf Erfolg programmierter, rauer Bandengeneral, der die beschauliche Ruhe zu sehr stört, mögen in Zug weder der kluge Präsident noch der besonnene Geschäftsführer noch der nette Sportchef und erst recht nicht die freundlichen Spieler. Die Führung eines Opernhauses wird schliesslich auch nicht einem Rockstar überlassen.

Despacito mit Eishockey-Spielern

abspielen

Video: watson/Laurent Aeberli, Reto Fehr, Lea Senn

Eishockey Saison 2017/18

27 «grandiose» Weihnachts-Geschenke aus den Fan-Shops der Schweizer Klubs

Link zum Artikel

«Es war kein finanzieller Entscheid» – Grégory Hofmann erklärt seinen Wechsel zum EV Zug

Link zum Artikel

Den Kopf durchlüften – HCD-Captain Andres Ambühl hofft in der Nati auf belebende Impulse

Link zum Artikel

So gut sind die 17 neuen Ausländer der National-League-Klubs

Link zum Artikel

«Wo die wilden Spielerhändler schaffen» – Zug auf dem Weg zur Nummer 1 im Land

Link zum Artikel

Alle Playoff-Topskorer seit der Saison 2002/03

Link zum Artikel

Niklas Schlegel, der neue Marco Bührer

Link zum Artikel

#adventshockey – wen ausser Tanne Richard und Zimti Pestoni kennst du noch?

Link zum Artikel

Biel-Manager Daniel Villard: «Unser Budget ist zu klein, um immer Titelkandidat zu sein»

Link zum Artikel

«Ad-Meier-able» – Timo Meier hat jetzt mehr Tore erzielt als Sidney Crosby

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

16
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jiri Lala 26.04.2018 09:17
    Highlight Highlight Der erinnert äusserlich sehr an Guy Boucher vom SCB ... hoffe für Zug nicht, dass er auch so coacht..
  • Vinz Roberts 25.04.2018 13:35
    Highlight Highlight Ist Zug tatsächlich nichts besseres eingefallen? Ein Norweger, der die Schwedische Philosophie lebt, jedoch diese in der Schweiz 0 Erfolg hatte. Es scheint als wären die Zauberschweden aus Zürich den Zugern irgendwie in Vergessenheit geraten... Bin mal gespannt😄
    • goldmandli 25.04.2018 14:34
      Highlight Highlight Abgesehen von den beiden Schweden waren Skandinavier nicht unerfolgreich in der Schweiz. Slettvol, ehlers, Jalonen. Von daher bin ich vorerst zuversichtlich.
    • SalamiSandwich 25.04.2018 14:38
      Highlight Highlight Hmm
      Ja mol was für en Verglich🤦🏻‍♂️
      Du vergleichst gerade zwei komplette verschidene Arten von Trainer. Nur weil sie beide die schwedische Hockey Philosophie pflegen, heisst das nicht das sie gleich ticken. Auch bei den Schweden gibt es gute und schlechte Trainer.
      Es ist falsch wenn ein Klub eine Niete von einem Land x verpflichtet und das Experiment schief geht. Wer nichts wagt, wird auch nichts gewinnen.
    • Vinz Roberts 25.04.2018 18:32
      Highlight Highlight Achtung Jalonen ist Finne die haben eine andere und eigene Philosphie. Mit Slettvol zu vergleichen mit den ZSC Schweden hinkt auch nach. Das waren andere Umstände als heute. Zudem hatten die Schweden von Zürich den Besten Ruf als Sie kamen... Und was der EVZ und der ZSC gemeinsam haben ist ihre gemeinsame kanadisch geprägte Hockeyphilosophie... Hinzu kommt, dass Trainer in Schweden nur für das Taktische zuständig sind, da die Spieler schon das ganze System verinnerlichten. In der Schweiz ist das nicht der Fall.

      Aber lasse mich gerne eines Besseren belehren.
  • goldmandli 25.04.2018 10:09
    Highlight Highlight Ich bin gespannt. Ein komplett neues Gesicht in der Schweiz. Seine Erfahrung mit Jungen Spielern könnte dem Nachwuchskonzept helfen, er muss aber auch mit den Grossverdienern zurecht kommen. Wir werden sehen.
  • Tenno 25.04.2018 08:06
    Highlight Highlight Finnland gehört nicht zu Skandinavien. Die Finnen ticken total anders als die Skandinavier.
    • LittleBallOfHate63 25.04.2018 09:26
      Highlight Highlight Was soll das Geblitze? Er hat recht.
    • WhoRanZone 25.04.2018 09:58
      Highlight Highlight Schweiz gehört ebenfalls nicht zur EU trotzdem sind wir Europäer...
    • Tenno 25.04.2018 11:55
      Highlight Highlight EU gleich eine politische Union, Europäer gleich eine geografische Bezeichnung.
      Aber ich helfe gerne weiter
      http://www.finnland.de/public/default.aspx?contentid=119906&contentlan=33&culture=de-DE
    Weitere Antworten anzeigen
  • Danyboy 25.04.2018 06:50
    Highlight Highlight Ich gebe ihm eine Chance... Wichtig ist, dass es jemand Neues ist, nicht immer die gleichen (die das CH Hockey kennen, das ist kein Argument).
    Zentral ist sowieso, dass das Management die Leistungskultur fordert und durchsetzt. Und zwar auch von der Academy und jungen Spielern. Aus Prinzip einfach Junge einbauen (unabhängig von deren Qualität und Talent) ist kein Selbstzweck, wenn du oben mitspielen willst.
    In dem Sinne: Willkommen, Dan Tangnes! Wir erwarten viel😉😉
  • Eifach öpis 25.04.2018 06:47
    Highlight Highlight Mittlerweile fehlen nur noch die Palmen in Zug. Alle sind nett und freundlich und geniessen gemeinsam das steuergünstige Paradies. Auch nächste Saison wird da schönes und unterhaltsames Eishockey gespielt und sobald die möglichkeit besteht in den Urlaub zu fliegen, um die fehlenden Palmen zu kompensieren, wird Diese wahrgenommen. Daran kann auch Kossmann nichts ändern, da er bis Weihnachten längst bei einem anderen Club als Nothelfer agieren wird...
    • MBArocsTrucker 25.04.2018 12:56
      Highlight Highlight Ich hätte ehrlichgesagt nichts gegen Palmen am schönen Zugersee 😉🌴
  • Sloping 25.04.2018 04:32
    Highlight Highlight Ein bisschen differenzierter betrachtet macht diese Wahl absolut Sinn. Tangnes hat Erfahrungen als Coach auf diversen Juniorenstufen was für die Förderung der Talente des EVZ von Vorteil ist. Auch ist Linköping eines der jüngsten Teams der SHL. Auch ein Indiz dafür, dass er junge Spieler entwickeln und mit ihnen gut umgehen kann. Er arbeitete zwei Jahre dort mit Garrett Roe zusammen, der sicherlich befragt wurde und wohl mehrheitlich gutes zu berichten wusste. Insgesamt eine interessante Wahl, die von den Voraussetzungen sehr gut zur Strategie des EVZ passen könnte.
    • Jiri Lala 25.04.2018 13:08
      Highlight Highlight Der Kossmann Hans muss dann aber auch beim ZSC für Aubin einspringen, beides geht nicht.

Der Grösste aller Zeiten geht – im Stil des Grössten aller Zeiten

Arno Del Curto (62) ist nicht mehr Trainer in Davos. Eigentlich unvorstellbar. Ein trauriger Tag für unser Hockey? Nein. Arno Del Curto verlässt die Arena als Sieger.

Die erste spontane Reaktion kommt von Chris McSorley: «One of the saddest days I've had since 2001».

Der Kanadier, der im Wesen und Wirken Arno Del Curto am nächsten kommt, hat recht und wieder auch nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Nun ist McSorley der «Dinosaurier» der Liga. Er arbeitet seit 2001 in Genf und es passt, dass ausgerechnet er am Freitag der nächste Meisterschafts-Gegner der Davoser ist.

Aber es gibt auch eine andere …

Artikel lesen
Link zum Artikel