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Morgen ist Uno-Generaldebatte und die Welt wartet auf den nächsten Trump-Affront

In New York beginnt die Uno-Generaldebatte. Im Mittelpunkt: US-Präsident Trump, der dort im vergangenen Jahr mit seiner «America first»-Doktrin schockte. Diesmal könnte er sogar noch unbeherrschter auftreten.

24.09.18, 13:50

Marc Pitzke, New York



epa06213824 United States President Donald J. Trump addressing the assembly during the opening session of the General Debate of the 72nd United Nations General Assembly at UN headquarters in New York, New York, USA, 19 September  2017.  The annual gathering of world leaders formally opens 19 September 2017, with the theme, ‘Focusing on People: Striving for Peace and a Decent Life for All on a Sustainable Planet.'  EPA/JUSTIN LANE

Donald Trump bei der Uno - letztes Jahr ging das nicht ohne Skandal über die Bühne. Bild: EPA/EPA

Ein Artikel von

Der Werbespot wirkt, als ginge es um die TV-Serie «Homeland». Zu dramatisch-düsterer Musik flackern hektische Szenen über den Bildschirm: Flüchtlinge, Helikopter, rennende Soldaten. «Schauen Sie zu», ist da zu lesen, «wie Geschichte geschrieben wird.»

Doch hier geht es nicht um das Schicksal der fiktiven CIA-Agentin Carrie Mathison. Das einminütige Video, produziert von der PR-Abteilung der Vereinten Nationen, wirbt vielmehr für die Uno-Generaldebatte - als sei das Gipfeltreffen von mehr als 190 Staats- und Regierungschefs, das diese Woche in New York beginnt, ein TV-Krimi.

Neuer Spielfilm? Nein, Uno-Generalversammlung:

Video: YouTube/United Nations

Nicht von ungefähr. Selbst die ehrpusselige Uno weiss, dass ihre früher so dröge Jahreshauptversammlung zum globalen Quotenrenner werden könnte - dank eines Mannes, der in dem Werbespot freilich nicht vorkommt: Donald Trump. Denn egal, was sie in der Uno-Zentrale am East River sonst noch debattieren: Alle Aufmerksamkeit gilt wieder mal dem US-Präsidenten.

Am Dienstag hält Trump seine obligatorische Plenarrede, am Mittwoch leitet er zum ersten Mal eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats - normalerweise eine protokollarisch strikt geregelte Übung. «Was kann da schon schiefgehen?», seufzt ein Uno-Mitarbeiter.

Schon bei seinem Antrittsbesuch im vergangenen September schockierte Trump: Er brach alle Tabus und Traditionen, indem er den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un vom Rednerpult herab als «Rocket Man» verspottete und den herausgeputzten Uno-Gästen seine «America first»-Doktrin entgegenschmetterte.

Trumps Rede in voller Länge:

Video: YouTube/ABC15 Arizona

Trumps Basis war begeistert. Der Rest der Welt weniger.

Seither haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Aber nur, weil alle resigniert wissen, was sie erwartet. Trump ist sogar noch unbeherrschter geworden und hat die USA seit jenem Uno-Auftritt 2017 weltweit isoliert. Er hat sein Versprechen erfüllt - oder seine Drohung, wie man's nimmt.

Er sabotierte die jüngsten Nato- und G7-Gipfel. Er räumte Amerikas Sitz im Uno-Menschenrechtsrat und an der Unesco, kündigte die US-Beteiligung am Pariser Klimapakt und am Atomabkommen mit Iran auf und drosselte Washingtons Uno-Beiträge. Er feuerte die letzten Internationalisten in seinem Kabinett, allen voran Aussenminister Rex Tillerson, und ersetzte sie durch Hardliner wie Tillersons Nachfolger, Ex-CIA-Chef Mike Pompeo, und Sicherheitsberater John Bolton.

Gerade Bolton ist ein Affront für die Uno: Als einer der damals verhasstesten US-Botschafter bei den Vereinten Nationen erklärte er den Staatenbund schon vor 13 Jahren für obsolet.

United Nations Secretary General Antonio Guterres addresses the United Nations Security Council, Wednesday, Aug. 29, 2018, at the U.N. headquarters. (AP Photo/Richard Drew)

Bild: AP/AP

Dass Amerika sich global so zurückziehe, sei gefährlich und «keine Art, die Probleme der Welt zu lösen», klagte Uno-Generalsekretär António Guterres jetzt in einem Interview mit dem Magazin «The Atlantic». Trotzdem müsse man sich mit Trump arrangieren, indem man Gemeinsamkeiten suche statt Konfrontation.

Nicht alle sehen das so. Mit seinem «engstirnigen Nationalismus» habe Trump «die globale Führungsrolle» der USA aufgegeben, kritisiert Stewart Patrick vom Council on Foreign Relations, der unter George W. Bush im Aussenministerium arbeitete. Es gebe deshalb «wenig Anlass für andere Länder, sich amerikanischen Belangen anzuschliessen». Trump werde diesmal auf «ein skeptischeres Publikum» treffen.

Dem stellt sich Trump zuerst an diesem Montag, 24 Stunden vor dem Auftakt der Generaldebatte: Da leitet er eine Uno-Runde zum Drogenproblem. Ebenfalls schon am Montag steht sein wichtigstes Gespräch am Rande der Vollversammlung an - mit Südkoreas Präsident Moon Jae In. Das Verhältnis der beiden ist neuerdings angespannt.

Moon traf sich gerade erst in Pjöngjang mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim, um die Atomverhandlungen wieder in Gang zu bekommen. Hier kollidieren Trumps Tweets sowohl mit der politischen Realität als auch mit der Diplomatie seiner eigenen Leute - und belasten nun eben auch die Beziehungen der USA zu Südkorea. Dennoch wird bereits ernsthaft ein zweiter Gipfel von Trump und Kim erwogen. Gerüchte, Kim wolle dazu diese Woche nach New York kommen, bleiben jedoch erst mal - Gerüchte.

In den Mittelpunkt seiner Rede am Dienstag wolle Trump seine eigenen «Erfolge» sowie «Amerikas Souveränität» stellen, so Uno-Botschafterin Nikki Haley. Das überrascht längst keinen mehr. Spannender wird also eher die Sicherheitsratssitzung am Mittwoch, zu der Trump erstmals an dem berühmten runden Tisch Platz nehmen wird, um die mehrstündige Debatte zu leiten, zumindest anfangs.

Diese Debatte hatte zunächst nur einen Tagesordnungspunkt: Iran. Doch EU-Diplomaten befürchteten eine Konfrontation über den Atomdeal, den sie - im Gegensatz zu Trump - weiter einhalten und damit US-Sanktionen riskieren. Deshalb soll es nun nicht mehr nur um Iran gehen, sondern allgemeiner um alle Massenvernichtungswaffen.

Trotzdem fürchten selbst Trumps Berater, dass er die Sitzung ähnlich inszeniert wie früher die pompösen Auftritte in seiner Realityshow «The Apprentice». Deren Slogan ist bis heute sein Lieblingssatz: «You're fired!»

Trumps Siegesrede:

Video: watson

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Max Dick 24.09.2018 23:33
    Highlight Die USA sei international isoliert - sagt der Spiegel-Journalist...naja da ist wohl eher der Journalist ab von der Welt. Trump ist mit seiner Art international alles andere als erfolglos. Isoliert ist er nur in Washington.
    6 6 Melden
  • swisskiss 24.09.2018 22:26
    Highlight Was wird Miller dem Donnie schreiben: Bisschen Bolton/Pompeo mit Iran, Russland China Bashing, bisschen Kushner mit Israel/ Saudi Lob, bisschen Ross mit Welthandel und Strafzöllen und gaaanz viel Trump mit "was interessiert mich der Rest der Welt."

    Es könnte erstmals in der Geschichte der UNO passieren, dass mehr Köpfe als Hände geschüttelt werden.
    0 0 Melden
  • RandyRant 24.09.2018 21:09
    Highlight Cool. Dann kann man sich ja die Rede anhören und mit Obamas damaliger vergleichen.
    0 0 Melden
  • Til 24.09.2018 21:01
    Highlight https://www.der-postillon.com/2018/06/usa-treten-aus-erde-aus.html?m=1
    0 0 Melden
  • Exilsummi 24.09.2018 16:19
    11 21 Melden
    • swisskiss 24.09.2018 18:55
      Highlight Exilsummi: Man sollte mal die Quelle und Motive Deines Links hinterfragen.

      Ein wirtschaftshöriger Journalist wie Tichy, koservativ-liberaler Befürworter des Freihandels und Gegner staatlicher Aufsicht und Beschränkungen der Wirtschaft, ist natürlich ein vehementer Gegner der UNO, die von Gesundheitswesen, Kinderwohl bis Migrationsgründen, immer wieder den Kapitalismus mitverantwortlich macht, für globale Fehlentwicklungen, Korruption und Nord/SüdWohlstandsgefälle.

      "Weltherrschaft" Da fängt der simple Populismus an.
      0 1 Melden
    • wololowarlord 24.09.2018 19:13
      Highlight wieso spammst du hier immer tichys einblick?
      11 8 Melden
    • äti 24.09.2018 21:01
      Highlight .. und wieder so eine Seite, die Impressum und Verantwortlichkeit scheut. Dafür kann man überall 'Spenden'.
      1 1 Melden
  • crik 24.09.2018 15:37
    Highlight "ehrpusselig"

    Muss ich sofort in meinen Wortschatz aufnehmen!
    19 1 Melden
  • Human 24.09.2018 15:27
    Highlight Mit Trumps Entscheidungen und Äusserungen könnte man manchmal meinen die Welt wäre ein abgedrehter Spielfilm also passt doch...
    16 2 Melden
  • N. Y. P. D. 24.09.2018 14:12
    Highlight Da kriegt Saturday Night Live in den nächsten Tagen wieder ordentlich Material. Alec Baldwin ist bestimmt schon in den Startlöchern , um TWGAH aufs Korn zu nehmen.
    Schade gibt es keinen Oscar für Alec Baldwin. Ausser er würde mal einen Film machen.
    41 4 Melden
    • swisskiss 24.09.2018 15:58
      Highlight N. Y. P.: Hä? "TWGAH " Was heisst das? Nach längerem Ueberlegen erscheint mir nur das schlüssig: Trump World Greatest As... Ho.. Oder liege ich falsch?
      12 1 Melden
    • N. Y. P. 24.09.2018 17:38
      Highlight Nicht ganz, @awisskiss !

      Ich habe noch ein elegantes "the" eingebaut.

      the worlds greatest a.....e !
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    • N. Y. P. D. 24.09.2018 19:44
      Highlight the world's greatest..
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  • Amadeus 24.09.2018 13:59
    Highlight Tja, sie haben ihn gewählt, weil er Dinge anders macht als seine Vorgänger und kein "normaler" Politiker sei. Und nach zwei Jahren sieht man 1) das 'anders' nicht zwingend 'besser' ist und 2) international niemanden den Typen mehr ernst nimmt.
    102 12 Melden
    • Hiker 24.09.2018 16:16
      Highlight Stimmt so leider nicht ganz. DT kann man nicht einfach “nicht ernst nehmen“. Immerhin ist er der Präsident der USA und damit der grössten Marktwirtschaft. So sehr es schmerzen mag, an Ihm kommt niemand vorbei.
      16 7 Melden

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