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«Blankes Entsetzen»: CS-Spitze ist entrüstet über Lügner in der eigenen Bank

Wer hat was gewusst über die Beschattungen bei der Credit Suisse? Heute Sonntagabend schliesst die Anwaltskanzlei Homburger ihre Untersuchung dazu ab. Die CH-Media-Redaktion erfuhr von ersten Erkenntnissen. CS-Chef Thiam wird nicht gehen müssen.
22.12.2019, 22:45
Patrik Müller / ch media

Die Zürcher Anwaltskanzlei Homburger hat eine zweite Untersuchung zur Beschattungsaffäre bei der Credit Suisse durchgeführt - im Eilzugstempo. Heute Sonntagabend ist sie formell abgeschlossen. Und morgen Montag, nur sechs Tage nach der Ankündigung der Untersuchung, legt die CS die Ergebnisse vor.

Das Lachen ist ihnen inzwischen vergangen: CS-Chef Thiam und Verwaltungsratspräsident Rohner sprachen zuerst von einem «Einzelfall», doch inzwischen kam eine weitere Beschattung zum Vorschein.
Das Lachen ist ihnen inzwischen vergangen: CS-Chef Thiam und Verwaltungsratspräsident Rohner sprachen zuerst von einem «Einzelfall», doch inzwischen kam eine weitere Beschattung zum Vorschein.
Bild: KEYSTONE

Die grosse Frage lautet: Welche Rolle hat CS-Chef Tidjane Thiam bei den Beschattungen gespielt? Dass die Überwachung des zur UBS übergelaufenen Star-Bankers Iqbal Khan kein «isolierter Einzelfall» war, wie Thiam und auch CS-Präsident Urs Rohner erst beteuert hatten, wurde vergangene Woche klar: Die «NZZ» enthüllte am Dienstag, dass auch der damals oberste CS-Personalchef Peter Goerke drei Tage lang beschattet worden war. Bereits im März, also noch vor dem Fall Khan.

Ein Whistleblower liess das Lügengebäude zusammenkrachen

Diese Enthüllung war peinlich für die CS-Spitze, aber auch für die Anwälte von Homburger, die schon die erste Untersuchung durchgeführt hatten und dem Fall Goerke nicht auf die Spur gekommen waren. Warum nicht? Das wurde im Verlauf der neusten Untersuchungen diese Woche klar, wie zuverlässige CH-Media-Informationen zeigen: Die Anwälte und Wirtschaftsprüfer von Homburger wurden brandschwarz angelogen.

Die Verantwortlichen der CS-Sicherheitsabteilung hatten sich abgesprochen, den Fall Goerke zu verschweigen. Das ging gut, bis ein Whistleblower zur «NZZ» ging und dies am Dienstag ihre Enthüllung publizierte. Im Verwaltungsrat der Credit Suisse herrsche blankes Entsetzen darüber, dass eigene hohe Leute bei der ersten Untersuchung gelogen hatten, verlautet aus dem Innern der Bank.

Es gebe gegenüber dem ersten Bericht «neue, relevante Erkenntnisse», heisst es. Zwar ist keine dritte Überwachung eines Konzernleitungsmitglieds aufgeflogen. Aber nebst der Lügner-Entlarvung zeigte sich auch, dass auf niedriger Stufe Beschattungen auch in anderen Fällen vorkamen.

Wie es zu den neuen Erkenntnissen kam, darauf deuten Informationen hin, welche die «NZZ am Sonntag» heute verbreitet: «Packen die Sicherheitschhefs aus?», titelte die Zeitung und schrieb, gemäss Homburger-Chef Flavio Romerio habe in der zweiten Untersuchung eine Person ausgesagt, «die bisher nicht alles offengelegt hatte».

Es könnte sich, so vermutet die Zeitung, um die früheren Sicherheitschefs Pierre-Olivier Bouée oder Remo Boccali handeln. Beide mussten nach Auffliegen des Falls Khan zurücktreten. Bouée gilt als enger Vertrauter von CEO Thiam; mit ihm hatte er bereits beim britischen Versicherungskonzern Prudential zusammengearbeitet.

Widersprüchliche Spekulationen um CEO Thiam: Bleibt er, oder geht er?

In der Sonntagspresse schossen die Spekulationen ins Kraut. Sie waren sehr widersprüchlich. Die «SonntagsZeitung» titelte auf der Frontseite: «Thiam gewinnt Machtkampf bei der Credit Suisse» und schrieb, der Bankchef werde in der Beschattungsaffäre entlastet und werde im Amt bleiben, während Urs Rohner wie geplant 2021 in Pension gehe.

Ganz anders die «NZZ am Sonntag»: «Für Tidjane Thiam wird die Luft dünner», schrieb sie, und falls mehr Mitarbeiter beschattet worden seien, «muss Thiam um seinen Job bangen». Allerdings: Bislang stehen die grossen (ausländischen) Aktionäre hinter Thiam. Sie müssten aufgrund des zweiten Homburger-Berichts ihre Meinung ändern, denn der Verwaltungsrat wird Thiam kaum ohne ihr Plazet schicken können.

Und da gemäss CH-Media-Informationen eben kein dritter grosser Beschattungsfall aufgedeckt wurde, dürfte Thiam vorerst aufatmen können.

Nebst der CS-internen Untersuchung nimmt sich auch die Finanzmarktaufsicht (Finma) der Beschattungsaffäre an. Sie setzt einen eigenen Prüfbeauftragten bei der Credit Suisse ein. Er wird Mitarbeiter bis zur obersten Stufe befragen. Der CS stehen alles andere als besinnliche Tage bevor. (aargauerzeitung.ch)

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