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Das spitzbübische Grinsen eines zufriedenen alten Mannes: Arnold Schwarzenegger.
Das spitzbübische Grinsen eines zufriedenen alten Mannes: Arnold Schwarzenegger.Bild: EPA

Arnold Schwarzenegger – wie aus einem belächelten Action-Star ein echter Held wurde

24.10.2019, 15:2925.10.2019, 11:11

Heute kommt der neuen Terminator-Streifen «Terminator Dark Fate» in die Kinos. Es ist der sechste Teil – was eigentlich keine Rolle spielt, denn nach dem zweiten Teil war das Pulver verschossen. Der Trailer zum neusten Streifen lässt allerdings hoffen. Mit dabei ist wieder Erfolgsregisseur James Cameron – und auch Arnold Schwarzenegger. Weniger Muskeln hat dieser, dafür einen grauen Bart. Einen Hauch Weisheit strahlt er aus, einen Hauch Altersmilde. Wer hätte das gedacht. Ausgerechnet vom Terminator.

Weisheit und Milde hätte zu Beginn seiner Karriere Arnold Schwarzenegger niemand zugetraut. Der Mann wurde belächelt. Vor allem im Westeuropa der 70er- und 80er-Jahre: Arnie hatte in den USA Berühmtheit erlangt, weil er eingeölt in kleinen Badehosen auf der Bühne seine Muskeln flexte.

Schwarzeneggers Bizeps sprengte damals den engen europäischen Vorstellungsrahmen vom guten Geschmack. Im Gegensatz zur amerikanischen (Schwarzenegger war mit Warhol bekannt) setzte Europas Kulturelite beim Namen Schwarzenegger zum kollektiven Facepalm an. Dazu zog sich ein Jean-Luc-Godard-Film in die Länge.

Bild: AP

Zu den USA, den Gaga-USA, wo in der europäischen Vorstellung fettleibige Männer in kurzen Hosen Junkfood in sich hinein stopften und zum Psychiater gingen wie die Franzosen zum Bäcker, passte dieser Simpel wie die Faust aufs Auge.

Und es war nicht so, dass der geborene Österreicher in der Öffentlichkeit grosse Anstrengungen gegen sein Trash-Image unternahm. Im Gegenteil. Den Durchbruch als Schauspieler schaffte er 1982 mit «Conan der Barbar». Schwarzenegger als eine wortkarge Kampfmaschine. Gross, dumm, aber mit Riesenschwert.

Dass Arnie später (1984) nicht akzentfrei durch seine wenigen Dialoge in «Terminator» holzte, bestätigte das Vorurteil: Der Koloss musste einfach gestrickt sein – zwar erfolgreich, aber mit Defiziten. Dabei handelte es sich bei der falschen Aussprache um ein gezieltes Vermarktungsinstrument. Schwarzenegger spricht eigentlich beinahe akzentfrei. Dieses taktische Geschick wurde ihm nicht zugetraut.

Das ist doch nicht Schwarzenegger, sondern Chris Pratt. Jein. Rechts steht Pratt, links Katherine Schwarzenegger, Arnies Tochter. Die beiden sind seit diesem Jahr verheiratet.
Das ist doch nicht Schwarzenegger, sondern Chris Pratt. Jein. Rechts steht Pratt, links Katherine Schwarzenegger, Arnies Tochter. Die beiden sind seit diesem Jahr verheiratet.Bild: Jordan Strauss/Invision/AP/Invision

Eingefleischte Fans wussten indes Bescheid. Arnie filetiert in der Kultdoku «Pumping Iron» (1977) seine Gegner der Mr.-Olympia-Wahl 1975 mit raffinierten psychologischen Tricks. Allen voran seinen eigentlich überlegenen Hauptkontrahenten Lou Ferrigno. Ferrigno wird von Schwarzenegger so lange gegängelt, bist dieser auf der Posing-Bühne zum Zwerg schrumpft und schliesslich geschlagen einknickt. Die Szene lässt erahnen, was für ein gewiefter Taktierer (und unangenehmer Gegner) der gebürtige Österreicher ist. Doch dies blieb den meisten Verborgen.

«Geld macht nicht glücklich. Ich habe jetzt 50 Millionen Dollar. Ich war aber genauso glücklich mit 48 Millionen.»
Arnold Schwarzenegger, als er noch «nur» 50 Millionen besass.

Als Schwarzenegger nach diversen Filmerfolgen Ende der 90er-Jahre bekannt gab, in den Staatsdienst wechseln zu wollen, belächelte man ihn auf dem alten Kontinent erneut. Sein Sieg bei den Gouverneurswahlen 2003 liess dieses Lächeln allerdings gefrieren. Der politische Zögling des verhassten Bush-Clans galt plötzlich als Gefahr: Muskeln, Action-Schauspieler, Republikaner – Schwarzenegger verkörperte so ziemlich alles, was die europäische Denkelite verabscheute. Dabei hätte sich auch hier genaueres Hinsehen gelohnt.

Schwarzeneggers souveräne Reaktion auf eine Ei-Attacke

2004 liess sich Schwarzenegger der Umwelt zuliebe einen Wasserstoffantrieb in seinen Hummer bauen. Das war vor 15 Jahren. 2005 führte Schwarzenegger Treibhausgasreduktionsziele für Kalifornien ein. Das war vor 14 Jahren und ohne, dass die USA das Kyoto-Protokoll ratifiziert hätten. 2006 kritisierte er in einem Brief an Präsident Bush, dass die USA über keine umfassende Strategie im Kampf gegen den Klimawandel verfügten. Das war vor 13 Jahren.

Dank Schwarzeneggers Initiative und der von ihm initiierten Förderung von erneuerbaren Energien verringerten sich die Treibhausgas-Emissionen in den letzten Jahren in Kalifornien massiv. Der Bundesstaat ist auf gutem Weg, seine Emissionen bis ins Jahr 2020 auf das Level von 1990 zu drücken. Und das trotz eines Bevölkerungswachstums von 30 auf über 40 Millionen Einwohnern.

Eine derartige Weitsicht traute man Schwarzenegger damals nicht zu, obwohl bekannt ist, dass er ein passionierter Schachspieler ist. Honoriert wurden sein Einsatz für die Umwelt ebenfalls nicht. Wie auch heute interessierte sich Europa damals nicht wirklich um amerikanische Lokalpolitik.

Hier stiehlt Schwarzenegger den beiden Frauen die Show. Im Film ist es dann anders. Zufrieden wirkt er trotzdem.
Hier stiehlt Schwarzenegger den beiden Frauen die Show. Im Film ist es dann anders. Zufrieden wirkt er trotzdem. Bild: AP

Zu reden machte während seiner Zeit als Gouverneur viel mehr, dass er den vierfachen Mörder und Mitbegründer der Gang Crips, Stanley «Tookie» Williams, nicht begnadigte, als dieser zum Tod verurteilt wurde. Die beiden hatten hin und wieder im selben Gym trainiert, kannten sich aber nur vom Sehen.

Noch grössere Schlagzeilen produzierte eine Affäre mit seiner Hausangestellten, die er just in dem Moment schwängerte, als seine Ehefrau Maria Shriver, die Nichte von John F. Kennedy, schwanger war. Als diese sich 2011 deswegen von ihm trennte, war die Welt der Kritiker in Europa wieder in Ordnung. Schwarzenegger zog sich für eine Weile aus der Öffentlichkeit zurück und es wurde still um ihn.

Schwarzenegger wird in den Rücken gekickt – was ihn fast nicht rührt.

Doch dann kam Trump. Und die Einsicht, dass dieser Klimawandel vielleicht doch nicht so einfach wieder verschwindet. Und wie der T-800 in der letzten Szene des ersten «Terminator» stand Schwarzenegger völlig überraschend aus den Trümmern auf.

Als einer von nur ganz wenigen Republikanern greift Schwarzenegger Donald Trump unermüdlich an: «Man muss immer wieder zurückschlagen», erklärte er in einem Interview mit Spiegel Online seine Fehde mit dem (Noch-) Präsidenten. Die Klaviatur von Social Media spielt Arnie dabei brillant. Frech, humorvoll und nicht ohne Prise Charme lässt er den Potus immer wieder wie einen Grumpy Old Man aussehen. Das brachte Schwarzenegger viel Sympathien und Anerkennung. Nicht nur in Kalifornien, sondern auch in Europa. Und plötzlich scheint man auch hier zu begreifen, dass vor zehn Jahren nicht nur einfach ein massiver Gluteus Maximus im Gouverneurssessel von Kalifornien sass, sondern ein Weltverbesserer in ungewohntem Gewand. Langjährige Spötter, die die Messer wetzten, als Schwarzenegger Kalifornien am Ende seiner Regierungszeit an den Rand eines Staatsbankrottes trieb, sind plötzlich Fans.

Derweil wird Schwarzenegger nicht müde, einen klimafreundlichen Lebensstil zu propagieren. Und das nicht mit dem Mahnfinger, sondern stets mit der ihm eigenen spitzbübischen Art. Er erreicht damit eine Klientel, an der Greta Thunbergs Art abprallt wie Kugeln am T-800. Arnie selbst lebt übrigens nach eigenen Angaben «beinahe vegan».

«Ich muss zugeben, ich war starstruck», sagt nicht etwa Greta, sondern Arnie.Quelle: Instagram

Wegen seiner Verdienste für die Umwelt wurde er mittlerweile mehrfach ausgezeichnet. Mit seinen 72 Jahren versprüht er noch immer immense Lebensfreude und Energie. Er ist das Gegenteil eines mürrischen alten Mannes und nicht wenige wünschten sich heute, was viele vor Jahren noch als Horrorszenario beschrieben: Arnie als Präsident von Amerika.

Das aber kann er als gebürtiger Österreicher nicht werden. Bleibt Zeit, erneut Filme zu drehen. Und auch da beweist er, dass er keine Probleme mit Veränderungen hat. Während Sylvester Stallone mit der «Expendables»-Reihe (in der auch Arnie Gastrollen hat) noch immer bis zur Fremdscham versucht, den alten Action-Macker zu markieren, gehört die grosse Show im neuen Terminator nicht Schwarzenegger, sondern vorwiegend den (jungen) Frauen. Arnie hat es einfach nicht mehr nötig. Und das strahlt er auch aus.

Der Trump-Schwarzenegger-Beef geht in die nächste Runde

Video: watson
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