Blick auf die Terrasse des «Bolgen Plazas». bild: zvg

Wie ein Zürcher (mit gutem Grund) den Davoser Après-Ski zerstört

Das «Bolgen Plaza», ein Aushängeschild des Davoser Tourismus', darf nur noch bis 19 Uhr offen bleiben – eine kleinere Katastrophe für die Region. Der Grund dafür ist eine Beschwerde eines Zürcher Zweitwohnungsbesitzers, der nun als Tourismus-Killer hingestellt wird. Doch er hat gute Gründe für sein Vorgehen.

20.10.17, 08:18

felix burch

Wer Davos kennt, kennt das «Bolgen Plaza» am Fusse des Jakobshorns und hat im Lokal ziemlich sicher auch schon einmal über den Durst getrunken. Denn das «Plaza» ist nicht nur Restaurant, es hat sich im Verlaufe der Jahre zu einem Ausgangs- und Après-Ski-Tempel entwickelt. Und genau hier liegt das Problem. 

Noch in den 1990er-Jahren stand dort, wo jetzt der imposante Bau steht und während der Wintersaison jeden Abend Halligalli inszeniert wird, ein kleines Lokal. Damals war Kurt Compagnoni schon Besitzer einer Überbauung ganz in der Nähe des heutigen «Plazas», gebaut hat sie sein Vater. 

Das «Plaza» liegt an bester Lage. bild: zvg

«Es ist zu befürchten, dass sich nun Gäste Wintersportorten im Ausland zuwenden. »

Bergbahnen Davos Klosters

In der Zwischenzeit ist viel Geschirr zerschlagen worden zwischen Compagnoni und den Bergbahnen Davos Klosters und nun liegt ein Bundesgerichtsentscheid aus Lausanne vor. Dieser besagt: Fertig Party, das Plaza darf nicht mehr wie bisher bis 23 Uhr geöffnet haben. Um 19 Uhr heisst es ab sofort Lichter löschen. 

Die Empörung darüber ist riesig. Die Bergbahnen, zu welcher das «Plaza» gehört, lassen verlauten: 

«Wir bedauern den Entscheid ausserordentlich. Es stimmt nachdenklich, dass in der Schweiz die Partikulärinteressen eines Anwohners den Betrieb eines seit beinahe 20 Jahren bewährten, problemlosen und für die ganze Region Davos/Klosters wertschöpfenden Gastronomiebetriebs, einschränken kann. In Zeiten, in denen alle über den starken Franken und den kränkelnden Wintertourismus klagen, ist dies ein äusserst bedenkliches Zeichen für die gesamte Tourismusbranche. Der Entscheid widerspiegelt letztlich jedoch leider die Rahmenbedingungen, die eine erfolgreiche Entwicklung in der Schweiz vielerorts behindern.» 

Video: kaltura.com

Weiter machen die in Davos äusserst mächtigen Bergbahnen darauf aufmerksam, dass sich viele Gäste nun nach 19 Uhr nach anderen Angeboten umsehen müssten. Nicht wenige Gäste würden diese Alternativen wohl nur zum Teil, wenn überhaupt, in Davos finden. Zu befürchten sei, dass sie sich Wintersportorten im Ausland zuweden. 

«Die Empörung der Bergbahnen ist gespielt.»

Armon Vital, Anwalt von Kurt Compagnoni

Der Schuldige an all dem sei Kurt Compagnoni, der Zweitwohnungsbesitzer, dessen Vater in Davos aufgewachsen ist. Compagnoni wohnt momentan in Rümlang im Kanton Zürich

Das «Plaza» (vorne) und die Wohnung von Compagnoni (hinten rot umrahmt).

Er selber redet nicht, sein Anwalt hingegen findet klare Worte. Armon Vital spricht gegenüber watson von gespielter Empörung seitens der Bergbahnen. Der Sachverhalt sei klar: «Das Plaza steht in der Landwirtschafts- und Wintersportzone und eben nicht in einer Bauzone.» Der Entscheid des Bundesgerichts sei deshalb nicht mehr als fair. 

2008 begann die Posse. Damals sollte das «Plaza» erneut erweitert werden. Ohne Bewilligung bauten die Bergbahnen eine Aussenterrasse. Compagnoni wehrte sich dagegen. «Auch, weil die Mieter seiner Überbauung Mietzins-Reduktionen forderten – des Lärms wegen», sagt Vital. 2012 hiess das Bundesgericht die Beschwerde Compagnonis gut. Lausanne ordnete den Rückbau der Terrasse an, was die Bergahnen auch taten. Ausserdem sollte das «Plaza» die Betriebszeiten anpassen. Hier fanden sich Compagnoni und die Bergbahnen nicht. 

Aus dieser Sicht ist zu sehen, wie nahe Compagnonis Wohnung (links) beim «Plaza» liegt.

Auch die Gemeinde mischte mit und beschloss, das «Plaza» dürfe nur noch bis 23 Uhr geöffnet haben. Das reichte Compagnoni nicht, er zog das Urteil weiter und hat nun Recht bekommen. 

Vital überrascht die «aggressive» Tonart der Bergbahnen, da der jetzige Entscheid eigentlich nur das Urteil von 2012 stütze. Weiter ist er erstaunt, dass sich die anderen Gastrobetreiber nie gegen das «Plaza» gewehrt haben. Es sei wettbewerbsverzerrend, dass das «Plaza» relativ günstig in der Landwirtschaftszone habe ausbauen und dann dort Feste feiern können, während das für alle anderen nur in der viel teureren Bauzone möglich sei. 

Ob, und wie sich der Konflikt weiterentwickelt, ist schwer vorauszusagen. Irgendwie gibt es bei dieser Auseinandersetzung aber nur Verlierer. 

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