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Archäologie: Skelette der ersten englischen Siedler in den USA identifiziert



400 Jahre nach Gründung der ersten englischen Siedlung auf dem Gebiet der heutigen USA konnten vier dort geborgene Skelette den überlieferten Namen der Siedler zugeordnet werden. Sie alle waren bei ihrem Tod jünger als 40 Jahre.

Es seien die am weitesten in die Geschichte zurückreichenden englischen Persönlichkeiten, deren Gebeine jemals auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten gefunden worden seien, sagte der Vorsitzende des Geschichtsvereins von Jamestown, Jim Horn, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die ersten Siedler trafen 1607 in Jamestown ein.

Bei den Identifizierten handelt es sich um den anglikanischen Geistlichen Robert Hunt, Kapitän Gabriel Archer, Sir Ferdinando Wainman und Kapitän William West. Die Skelette konnten bei einer Ausgrabung im November 2013 jeweils zu etwa einem Drittel geborgen werden.

Sie wurden in den Überresten der ersten protestantischen Kirche von Jamestown gefunden. Diese wurde in den Jahren 1608 bis 1616 als Gotteshaus genutzt, Hunt war dort als erster Geistlicher tätig. Er und seine drei Schicksalsgenossen aus der ersten Siedler-Generation starben alle vor dem Erreichen des 40. Lebensjahres, drei von ihnen an Krankheiten, Kapitän West bei einem Angriff der Indianer vom Stamm der Powhatan.

Pocahontas

Die Identifizierung gelang mit den modernsten wissenschaftlichen Methoden, darunter Röntgenstrahlen, DNA-Analysen, 3D-Visualisierung und genealogische Untersuchungen mit Hilfe britischer Archive.

Die erste englische Expedition zum Siedlungsgebiet des heutigen Jamestown wurde von Kapitän John Smith geleitet. Weithin bekannt wurde die Geschichte durch die Zeichentrickfilme von Walt Disney, die nach der Indianer-Prinzessin Pocahontas benannt sind.

Diese hatte zwischen Indianern und Siedlern vermittelt und soll der Überlieferung nach in der Kirche von Jamestown den Tabakpflanzer John Rolfe geheiratet haben, bevor sie zwei Jahre später mit nur 21 Jahren in England starb.

«Diese Entdeckung vermittelt neue Erkenntnisse über das Leben, den Tod und die Bedeutung der Religion in einer der schwierigsten englischen Niederlassungen», sagte Horn. Wer damals in eine Kolonie ausgereist sei, habe sich auf ein «sehr riskantes, sehr gefährliches» Abenteuer eingelassen. Daher sei es «nicht ungewöhnlich, dass niemand von ihnen die 40 erreicht hat».

Heimlicher Katholik

Besonders überrascht waren die Forscher, am Fussende des Sarges von Kapitän Archer eine silberne Schatulle zu finden. Untersuchungen der versiegelten Box deuten darauf hin, dass es sich um einen Reliquienbehälter mit Knochenstücken und Weihwasser handelt - ganz nach katholischem Brauch.

Die Forscher vermuten, dass Archer möglicherweise insgeheim einen Hang zum Katholizismus behielt, während die englischen Siedler zugleich die indianische Bevölkerung für die anglikanische Kirche zu gewinnen suchten. Jamestown liegt rund 200 Kilometer südlich von Washington im US-Bundesstaat Virginia. (sda/afp)

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