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Ambris Marco Mueller freut sich nach seinem versenkten Penalty beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den HC Ambri-Piotta, am Samstag, 21. Dezember 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Marco Müller stürmt nächste Saison für den EVZ. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

«Fall Marco Müller» – der Transfer-Diamant für Zug, die Transfer-Brosamen für den SCB

Was für eine Transferniederlage für den SC Bern: Ambris Marco Müller (27) landet bei Zug und kehrt nach vier Jahren nicht nach Bern zurück. Was ist da schiefgelaufen?



Diese Transfer-Pleite ist filmreif: Die tüchtigen SCB-Sportgeneräle Raeto Raffainer und Andrew Ebbett verhandeln mit Ambris Sportchef Paolo Duca. Am Ende bekommen sie mit Christian Pinana (27) einen verletzungsanfälligen Hinterbänkler, der in den letzten vier Jahren gerade Mal 100 Partien bestritten hat (21 Punkte) und geben dafür auch noch den Junioren-Nationalverteidiger Simone Terraneo (17) her. Darüber hinaus muss ein SCB-Spieler Ambri beim nächsten Spengler Cup aushelfen.

Ein paar Tage später transferiert Ambri erneut: Marco Müller, einer der besten Schweizer Center (9 Länderspiele), beim SCB ausgebildet, löst seinen Vertrag in Ambri vorzeitig auf. Er wechselt für die nächste Saison nach Zug.

Seit Wochen hatte sich neben Zug und Servette auch der SCB intensiv um Marco Müller bemüht. Zug muss Ambri zwar auch einen Spieler für den Spengler Cup zur Verfügung stellen. Aber keinen Realersatz liefern. Nur etwas Geld in die Leventina überweisen.

Marco Müller, eigentlich ein pflegeleichter Musterprofi, ist letzte Saison bei Trainer Luca Cereda in Ungnade gefallen. Weshalb er seinen Agenten Martin Plüss mit der Suche nach einem neuen Arbeitgeber beauftragt hat. Was durchaus auch im Sinne von Sportchef Paolo Duca geschah: Ambri hat als einziger NL-Klub die maximalen zwei Drittel der Corona-Staatshilfen beantragt und muss aus diesem Grund auch als einziges Unternehmen der höchsten Spielklasse das Salärbudget kürzen. Nun müssen Marco Müller und Christian Pinana nicht mehr gelöhnt werden.

Den Transfer-Diamanten (Müller) also für Zug, die Transfer-Peanuts (Pinana) für den SCB. Kommt dazu: Marco Müllers Agent Martin Plüss ist als meisterlicher SCB-Captain ein ehemaliger Mitspieler des neuen SCB-Sportchefs Andrew Ebbett. An den guten Beziehungen ist die Sache nicht gescheitert.

Was ist schiefgelaufen? Andrew Ebbett sagt: «Es hat lange Zeit gut ausgesehen.» Aber er habe keinen Realersatz für einen Spielertausch anbieten können. Schliesslich hätten Ambris Sportchef und Marco Müller kein Interesse mehr gehabt.

Das ist die freundliche, diplomatische Version des neuen SCB-Sportchefs, dem in der Sache kein Vorwurf zu machen ist. Der Kanadier ist fachlich tadellos, ein guter Kommunikator und er macht am Verhandlungstisch eine gute Falle. Aber auch einer wie er kann keine Transfer-Wunder vollbringen.

Einer aus der obersten SCB-Chefetage, der seinen Namen eigentlich oft und gern in den Medien liest, aber für einmal um Diskretion bittet, sagt es unverblümter: «Ambri hat uns zu verstehen gegeben, dass es ein besseres Angebot gibt und im Fall Müller die Gespräche abgebrochen.»

So einfach, so logisch: Zug hat das bessere Angebot gemacht. Und da die Zuger ja auch keinen Spieler als Realersatz nach Ambri schicken, ist der Fall mit Geld gelöst worden. Money talks. Und an Geldmangel leiden die Zuger ja wahrhaftig nicht.

Die Eishockey Schussanlage mit Kunststoffeis bei der Eishockey Trainingshalle im Spitzensport-Zentrum

Nicht nur das Geld, auch das OYM lockt Spieler nach Zug. Bild: keystone

Es gibt aber noch eine andere, etwas polemische und doch wohl zutreffende Sichtweise: Wenn ein Spieler die Möglichkeit bekommt, in der steuergünstigsten Stadt der Schweiz am Ufer eines Sees zu leben, in der modernsten Hockey-Infrastruktur Europas zu üben und zu spielen, in einem Meisterteam eine wichtige Rolle zu übernehmen ohne gleich die ganze Leitwolf-Verantwortung tragen zu müssen – will er dann in einer der steuerteuersten Städte des Landes in einer der ältesten Infrastrukturen Europas üben und spielen und in einem ehemaligen Meisterteam beim Neuaufbau die Last eines Leitwolfes schultern, auf dem alle Augen der Kritiker ruhen? Eben.

Kommt dazu: Falls Marco Müller mal Kumpels aus den vier schönen Jahren in Ambri besuchen will – von Zug aus ist er wesentlich schneller in einem Grotto in Bellinzona als von Bern aus. Zum Vergleich: Von Zug nach Bellinzona sind es 144 Kilometer und etwas mehr als anderthalb Stunden Fahrzeit. Von Bern nach Bellinzona sind es 223 Kilometer und mehr als drei Stunden Reisezeit.

Immerhin wird es bald eine SCB-Erfolgsmeldung geben: die Vertragsverlängerung mit Leitwolf Ramon Untersander. Andrew Ebbet bestätigt die guten Verhandlungen und hofft auf einen baldigen Abschluss.

Einfach wird es aber da auch für den SCB nicht. Der aus der allerobersten SCB-Etage, der für einmal diskret bleiben will, spricht in der Sache schon fast zornig Klartext: «Untersanders Agent Sven Helfenstein hat inzwischen geradezu fantastische Vorstellungen und gilt wohl bald als Chole-Sven.» Man werde wahrscheinlich nicht vier, sondern um zwei Jahre verlängern.

Switzerland's defender Ramon Untersander controls the puck, during the IIHF 2021 World Championship preliminary round game between Denmark and Switzerland, at the Olympic Sports Center, in Riga, Latvia, Sunday, May 23, 2021. The game is played behind closed doors due to the coronavirus COVID-19 pandemic. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

dNationalverteidiger Ramon Untersander soll beim SCB bald verlängern. Bild: keystone

Wir sehen: Der SCB ist auf dem Transfermarkt rührig. Aber der «Mythos SCB» begeistert eher Romantiker und etwas weniger die neue Spielergeneration und ihre geschäftstüchtigen Agenten. Geld verdienen, Titel gewinnen und berühmt werden kann man inzwischen längst nicht mehr nur in Bern.

Der SCB wird wieder ein Titan. Too Big To Fail. Aber für die nächsten Meistertitel müssen alle noch härter arbeiten: im Kraftraum, auf dem Eis und in den Büros des Sportchefs, am Verhandlungstisch und auch ganz oben am Regierungssitz von König Marc Lüthi.

Wie ungebrochen der Glaube an den SCB ist, mag eine ganz aktuelle Episode illustrieren. Als die Neuigkeit hereinkommt, Marco Müller werde nach Zug und nicht nach Bern wechseln, sagt ein alter SCB-Anhänger in der Gartenbeiz: «Das macht mich richtig hässig. Aber ich nehme das Abi trotzdem. Sonst komme ich in den Playoffs nicht an Tickets.»

Der SCB hat zuletzt zweimal hintereinander auf Rang 9 die direkte Playoff-Qualifikation verpasst.

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