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Jonas Lüscher stellt Roman für Polit-Aktivismus in den Hintergrund



Der Schweizer Autor Jonas Lüscher ruft zusammen mit dem Philosophen Michael Zichy für den 13. Oktober zu einer europaweiten Demonstration gegen Nationalismus und Populismus auf: «Wir wollen ein Europa der Freiheit und des Friedens», heisst es im Aufruf.

Zahlreiche Intellektuelle, Kulturschaffende und Autoren haben den Aufruf unterschrieben - Persönlichkeiten aus ganz Europa, aber auch aus Angola, Argentinien, Marokko, Mexiko oder den USA. Aus der Schweiz sind unter den Unterzeichnenden der Filmemacher Samir und Autoren wie Adolf Muschg und Peter Stamm. Demonstrationen sind in der Schweiz in Zürich und Basel geplant.

Jonas Lüscher ist zornig, wie er im Interview mit dem Magazin «Literarischer Monat» und weiteren Medien sagt: «Eigentlich wollte ich diesen Sommer meinen neuen Roman beginnen. Aber das Aufkeimen des Nationalismus, ob 'America first', 'Bavaria first' oder 'Hungary first', und das Erstarken des Rechtspopulismus überall in Europa bereiten mir grosse Sorge.»

Dabei habe er sich von «ganz vielem» verabschieden müssen, was ihm beim Schreiben eigentlich wichtig sei. Literarische Schreibe zeichnet sich für Lüscher dadurch aus, dass sie ambivalent und ironisch sein sowie Zwiespalt und Vielfältigkeit repräsentieren könne.

Eindeutigkeit und Klarheit

Der Schritt hin zum politischen Aktivismus zwinge ihn nun zu Eindeutigkeit und Klarheit, gesteht er. «Aber manchmal muss man aus seiner Schutzzone raus.» Indes glaubt er daran, dass Schriftstellertum und politischer Aktivismus einander nicht ausschliessen. «Essays zu schreiben, politische Romane zu schreiben, ist auch eine Art des Handelns. Aber natürlich viel weniger konkret als der gute alte Aktivismus, gemeinsam auf die Strasse zu gehen.»

Was Literatur bewirken kann illustriert Lüscher mit Romanen aus dem 19. Jahrhundert, wie «Onkel Toms Hütte» der amerikanischen Autorin Harriet Beecher Stowe, der wesentlich zur Abschaffung der Sklaverei in den USA beigetragen hat oder mit «Germinal» von Emile Zola, weil durch dieses literarische Werk das Leiden der Arbeiterklasse beim lesenden Bürgertum angekommen sei.

Lüscher selbst hat sich mit seiner Novelle «Frühling der Barbaren» (2013) und mit dem Roman «Kraft» einen Namen gemacht; für letzteren wurde er 2017 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Nominiert für den Preis war er bereits mit seiner Novelle.

www.13-10.org (sda)

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