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Davon werden die Fans des FC Thun wohl noch ihren Enkeln erzählen: Der Kleinklub spielte im Herbst 2005 tatsächlich in der Champions League.
Davon werden die Fans des FC Thun wohl noch ihren Enkeln erzählen: Der Kleinklub spielte im Herbst 2005 tatsächlich in der Champions League.
Bild: KEYSTONE

Vor 10 Jahren stürmte Thun die Champions League – das wurde aus den Helden von damals

In einer Sommerserie blickt watson in den kommenden Wochen zurück auf legendäre Schweizer Fussball-Mannschaften der jüngeren Vergangenheit. Was wurde aus den Meistern, den Cupsiegern, den Aufsteigern und Europacup-Helden? Den Anfang machen der FC Thun und sein Champions-League-Märchen.
11.06.2015, 15:22

Das Spiel

Sensationell wird der FC Thun im Sommer 2005 Vizemeister und noch sensationeller zieht er wenig später in die Champions League ein. In legendären Matches werden Dynamo Kiew und Malmö FF ausgeschaltet. Die Königsklasse beginnt mit einer 1:2-Niederlage bei Arsenal, es folgt das Heimspiel gegen Sparta Prag.

Am 27. September 2005 tritt der FC Thun zu seinem ersten Champions-League-Heimspiel an. Im ausverkauften Stade de Suisse gewinnen die Berner Oberländer sensationell mit 1:0. Selver Hodzic erzielt in der 89. Minute den Siegtreffer.

Die Aufstellung

Die Wege der Spieler

Eldin Jakupovic (heute 30)

Jakupovic wechselte nach den Champions-League-Einsätzen nach Russland. Bei Lokomotive Moskau wurde der Glarner reich, aber nicht glücklich. Es folgten eine längere Ausleihe an GC und zwei Jahre in Griechenland (Olympiakos Volos und Aris Saloniki).

Mittlerweile ist Jakupovic in England – seit 2012 ist er bei Hull City unter Vertrag. In der letzten Saison kam er jedoch bloss zu drei Einsätzen in der Premier League, er ist bei Hull nur Goalie Nummer 3.

Jakupovic beobachtet einen Zweikampf vor seinem Tor.
Jakupovic beobachtet einen Zweikampf vor seinem Tor.
Bild: KEYSTONE

Armand Deumi (36)

Der Kameruner war in Thun ein Publikumsliebling und während einiger Jahre ein Leistungsträger. Der vierfache Nationalspieler verliess das Berner Oberland 2007 und heuerte in der Türkei an. Gaziantepspor, Karabükspor und zuletzt Zweitligist Belediyespor hiessen seine Arbeitgeber. Im Sommer endete sein letztes Engagement, ob Deumi die Karriere fortsetzt, ist noch unklar.

Adriano und Deumi (rechts) feiern den Sieg gegen Sparta Prag.
Adriano und Deumi (rechts) feiern den Sieg gegen Sparta Prag.
Bild: KEYSTONE

Ljubo Milicevic (34)

Der Australier kam 2001 zum FC Zürich, setzte sich dort und auch während einer Ausleihe in Basel nicht durch. In Thun hatte er danach seine erfolgreichste Zeit, kam auch zu acht Länderspielen. Danach folgten Wanderjahre: Milicevic wechselte zunächst zu YB und dann in die Heimat. In Australien spielte er für fünf Klubs – unterbrochen nur durch ein kurzes Gastspiel bei Hajduk Split. 2013 endete seine Laufbahn.

Milicevic, der zwischenzeitlich an Depressionen litt, blickt insgesamt zufrieden auf seine Karriere zurück. «Was wäre das Leben, wenn es nicht auf und ab ginge? Ich will nicht monoton sein, nicht der Durchschnitt. Mir gefällt die Achterbahn besser als das Karussell.»

Milicevic im ersten Gruppenspiel gegen Arsenals Robin Van Persie.
Milicevic im ersten Gruppenspiel gegen Arsenals Robin Van Persie.
Bild: AP

José Goncalves (29)

Das Team-Küken kam im Sommer und ging bereits im Winter wieder – aber in dieser kurzen Zeit hinterliess er Spuren. Er war Stammspieler in Liga und Champions League, als er mit 20 sein Glück in Edinburgh versuchte. Doch weder bei Heart of Midlothian noch beim 1. FC Nürnberg gelang es Goncalves, über eine längere Zeit Stammspieler zu sein.

2011 kehrte der einstige U21-Nationalspieler Portugals retour in die Schweiz, wo er zunächst mit St.Gallen abstieg und danach bei Sion kaum zu Einsätzen kam, weil er wegen einer Transfersperre gegen die Walliser (Stichwort: El-Hadary) lange nicht spielen durfte. Fahrt nahm Goncalves' Karriere dann 2013 auf: In der Major League Soccer bei New England Revolution. Er wurde gleich im ersten Jahr zum MLS-Verteidiger des Jahres gekürt und in der zweiten Saison führte Goncalves sein Team als Captain in den Playoff-Final. Aktuell bestreitet er seine dritte Saison als unumstrittener Stammspieler.

Shakehands mit dem Star: José Goncalves (rechts) im Jahr 2013 mit dem Franzosen Thierry Henry.
Shakehands mit dem Star: José Goncalves (rechts) im Jahr 2013 mit dem Franzosen Thierry Henry.
Bild: Getty Images North America

Alen Orman (37)

Der Österreicher (1 Länderspiel) hat im Schweizer Fussball wenig Spuren hinterlassen. Die Saison beim FC Thun war seine einzige. Orman kam aus Schottland, wo er bei Hibernian vier Jahre lang eine Stammkraft war.

Von der Champions League wechselte Orman zu Dynamo Dresden in die Regionalliga – was für ein Abstieg! Nach einer Saison ging's dann zurück nach Österreich, sein letzter von fünf Klubs war der SV Grosskrut in der vierthöchsten Liga.

Orman kämpft gegen den Tschechen Polacek.
Orman kämpft gegen den Tschechen Polacek.
Bild: KEYSTONE

Selver Hodzic (36)

Hodzic kam als 16-Jähriger Kriegsflüchtling in die Schweiz, wo er seither seinen Lebensmittelpunkt hat. Via FC Luzern, Buochs und Baden schaffte er 2002 den Sprung zum FC Thun.

Im Berner Oberland hatte Hodzic – wie viele der Champions-League-Helden – die beste Phase seiner Karriere. Gegen Sparta Prag schoss er das Siegtor in der 89. Minute. Andres Gerber hatte José Goncalves lanciert, der vors Tor flankte. «Ich dachte, jetzt oder nie, sprintete in den Strafraum und da kam auch prompt die Chance», erinnert sich Hodzic.

2007 folgte ein kurzer Abstecher nach Israel (Bnei Yehuda Tel Aviv), eine Saison darauf der Wechsel zu Xamax. Danach spielte Hodzic noch für Lugano und Wohlen, ehe er die Fussballschuhe 2013 an den Nagel hängte.

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2005: Thun – Sparta Prag 1:0, das Tor von Selver Hodzic
quelle: keystone / alessandro della valle
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Adriano Pimenta (32)

Oft ist ein Bild aussagekräftiger als viel Text. Voilà, die Karriere des Brasilianers, der alle sechs Thuner Champions-League-Spiele absolvierte und gemäss Transfermarkt wohl seit zwei Jahren nicht mehr aktiv ist:

Silvan Aegerter (35)

Der Grenchner war als defensiver Mittelfeldspieler einer der Schlüsselspieler bei den Erfolgen des FC Thun. Nach sechs Jahren im Berner Oberland zog es Aegerter weiter zum FC Zürich, wo der gefürchtete Distanzschütze noch einmal in der Champions League spielen konnte.

Als Aegerter 2012 in Zürich keinen Vertrag mehr erhielt, wechselte er zum FC Lugano in die Challenge League. In der Winterpause 2013/14 beendete er seine Profikarriere. Aegerter arbeitet seither wieder als Elektriker und spielt in der 1. Liga beim FC Münsingen.

Captain Aegerter nach dem 0:1 im Heimspiel gegen Arsenal.
Captain Aegerter nach dem 0:1 im Heimspiel gegen Arsenal.
Bild: KEYSTONE

Leandro Vieira (36)

Trainer Heinz Peischl, der anfangs 2006 unmittelbar nach der Champions-League-Kampagne Urs Schönenberger ablöste, musterte Leandro Vieira zu Beginn der Saison 2006/07 aus. Der Brasilianer fand zunächst in der Heimat einen neuen Klub und wechselte nach einem Jahr zurück nach Europa. Beim FK Teplice in der zweiten tschechischen Liga war Vieira jedoch kein Glück beschieden: Er musste seine Karriere nach einer Verletzung schon als 29-Jähriger beenden.

Milicevic nimmt Leandro zum Feiern Huckepack.
Milicevic nimmt Leandro zum Feiern Huckepack.
Bild: KEYSTONE

Nelson Ferreira (33)

Der Flügelspieler darf getrost als Thuner Urgestein bezeichnet werden. Mit acht Jahren zog der Portugiese zu den Eltern nach Interlaken, dort spielte er auch, bis als 19-Jähriger. Dann folgte der Wechsel zu Thun und mit 23 traf er in der Champions League.

In anderen Worten: Aus Ferreira wurde innert fünf Jahren aus einem Drittliga-Spieler ein Champions-League-Torschütze. Er schoss im allerersten Champions-League-Spiel der Klubgeschichte das zwischenzeitliche 1:1 beim 1:2 gegen Arsenal. Zwischen 2008 und 2012 wuselte der Flügel in Luzern, seither spielt er wieder bei «seinem» FC Thun.

Lustrinelli (links) und Adriano feiern Ferreira nach dessen Tor in London.
Lustrinelli (links) und Adriano feiern Ferreira nach dessen Tor in London.
Bild: AP

Andres Gerber (42)

Der Routinier wurde beim Heimsieg gegen Sparta Prag zu Beginn der zweiten Halbzeit für Orman eingewechselt. Der Berner hatte bereits eine recht erfolgreiche Karriere hinter sich, spielte für YB, Lausanne und GC mehr als zehn Jahre in der Nationalliga A. Zudem kam Gerber zu vier Länderspielen.

2003 wechselte Gerber nach Thun, wo er seine Spielerkarriere 2009 beendete. Seither hat er sich viel Respekt als Sportchef der Berner Oberländer verschafft. Gerber gelingt es, mit wenig finanziellen Mitteln erfolgreicher zu sein als die reichere Konkurrenz.

Gerber (hier mit Stürmer Sadik) tauschte Trikot mit Hemd.
Gerber (hier mit Stürmer Sadik) tauschte Trikot mit Hemd.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Mauro Lustrinelli (39)

Der Tessiner wurde erst mit 25 Jahren und nach seinem Wirtschaftsstudium Profi. «Lustrigol» skorte für Bellinzona und Wil, ehe er 2004 nach Thun kam. Der Höhenflug der Berner Oberländer geht unzweifelhaft zu einem wesentlichen Teil auf das Konto des Torjägers.

Lustrinelli wurde Nationalspieler, gab an der WM 2006 den Assist zu Tranquillo Barnettas 2:0 gegen Togo. Nach einer Saison bei Sparta Prag (gekrönt vom Cupsieg) kehrte Lustrinelli 2007 in die Schweiz zurück. Sowohl für Luzern wie auch für Bellinzona schoss er seine Tore. 2011 kehrte er nach Thun zurück, 2012 erklärte er seinen Rücktritt. Als Fussball-Experte für Radio SRF ist der populäre Tessiner weiter mit seinem Sport verbunden.

Lustrinelli gegen Sparta Prag obenauf: Später wechselte der Tessiner zum Gegner beim ersten Champions-League-Sieg des FC Thun.
Lustrinelli gegen Sparta Prag obenauf: Später wechselte der Tessiner zum Gegner beim ersten Champions-League-Sieg des FC Thun.
Bild: KEYSTONE

Der Trainer

Urs Schönenberger (56)

In Thun folgte «Longo» auf Hanspeter Latour, der das Fundament für die Erfolge des Klubs legte. Schönenberger baute darauf auf, schaffte den Vize-Meistertitel, den Einzug in die Champions League und dank Rang 3 in der Gruppenphase das europäische Überwintern.

Aber drei Tage vor dem UEFA-Cup-Heimspiel gegen den HSV entliess der FC Thun Urs Schönenberger wegen «unüberbrückbaren Differenzen». Die Probleme lägen im menschlichen Bereich, liess sich Captain Andres Gerber im Blick zitieren.

Schönenberger rettete wenige Monate später den FC Aarau vor dem Abstieg, nach elf Niederlagen in 13 Spielen der Folgesaison trat er von sich aus zurück. Es folgten lauter Kurz-Jobs: Bei YF Juventus, Altach (Österreich), Niederweningen, Wohlen und Kriens. Seit einem Jahr ist der langjährige FCZ- und Luzern-Verteidiger, dessen letzte Beschäftigung als Trainer im Frühling 2012 endete, als Experte beim «Teleclub».

«Longo» ballt nach dem 1:0 gegen Sparta die Siegerfaust.
«Longo» ballt nach dem 1:0 gegen Sparta die Siegerfaust.
Bild: KEYSTONE
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Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

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Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball
quelle: keystone / thomas hodel
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