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«call me by your name»

Hach, diese Sonne Italiens ... Elio und Oliver können irgendwie die Hände nicht voneinander lassen ... Bild: sony pictures classics

Review

Unser Kritiker hat sein Herz an eine Männerromanze verloren. So richtig

Nominiert für vier Oscars: In «Call Me By Your Name» verlieben sich zwei junge Männer unter der italienischen Sonne. Ein betörender, herzzerreissender Coming-of-Age-Film.

lory roebuck / Aargauer Zeitung



Elio (Timothée Chalamet) blickt verloren ins Kaminfeuer, schluchzt und versucht erfolglos, die Tränen zu unterdrücken. In seinem Gesicht spiegeln sich die Flammen, hinter der Fensterscheibe in seinem Rücken fällt Schnee. Der junge Mann spricht während dieser vierminütigen Einstellung kein einziges Wort, und trotzdem ist alles gesagt. Alles über das Feuer der ersten Liebe, über die Kälte der ersten Abweisung, über den Schmerz des Verlusts.

Es ist eine Filmszene, so schmerzhaft schön, dass man als Zuschauer kaum umhinkommt, nach einem Taschentuch zu greifen. So jedenfalls ist es Tausenden Kinobesuchern ergangen seit der Premiere von «Call Me By Your Name» Anfang 2017 am Filmfestival Sundance, wo die Romanverfilmung genau so für Furore sorgte wie später an der Berlinale und am Zurich Film Festival.

Der Trailer

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Video: YouTube/Sony Pictures Classics

Die Filmhandlung, die auf dem gleichnamigen Roman von André Aciman basiert, spielt im Sommer 1983 in der Lombardei. Der 17-jährige, mehrsprachige Elio verbringt seine Ferien auf dem Landsitz seiner Eltern, sein Vater (Michael Stuhlbarg) arbeitet dort als Archäologe, seine Mutter (Amira Casar) als Übersetzerin. Elio hängt den ganzen Tag seinen eigenen Gedanken nach, übt sich im Klavierspielen und lässt sich nachts auf die Reize seiner Ferienliebe Marzia (Esther Garrel) ein.

Doch als der gutaussehende, charmante Oliver (Armie Hammer) ankommt – der Doktorand aus den USA, der Elios Vater den Sommer über assistieren soll – steht Elios Welt auf einen Schlag kopf.

«call me by your name»

Wer sass zum letzten Mal im Kino so am Klavier? Genau, Christian Grey. Auch hier verfehlt's die Wirkung nicht. Bild: sony pictures classics

Wie der letztjährige Oscar-Gewinner «Moonlight» wird «Call Me By Your Name» nun als Plädoyer für gleichgeschlechtliche Liebe ausgelegt. Doch dass es zwei Männer sind, die sich hier ineinander verlieben, ist eigentlich unerheblich. Was Elio und Oliver tun, wird im intellektuellen Umfeld des Landhauses von niemandem als sündhaft empfunden, die beiden müssen ihre Liebe nicht verstecken, aber sie müssen sich ihrer klar werden. Ihre Annäherungsversuche sind anfangs zaghaft und scheu, werden dann hungrig bis verzweifelt.

Der italienische Regisseur Luca Guadagnino, bekannt für Filme wie «Io sono l’amore» und «A Bigger Splash», hat die Romanhandlung in seine Heimatstadt Crema verlegt und in überaus sinnlichen, betörenden, lasziven Bildern inszeniert.

«Call me by your name»

Das Begehren spinnt sein Netz ... Unausweichlich ... Bild: sony pictures classics

Ob die beiden jungen Männer gemeinsame Veloausflüge unter der italienischen Sonne unternehmen, sich beim Volleyballspielen necken oder Elios Vater dabei zuhören, wie dieser von den Körperkurven Jahrtausende alter Statuen schwärmt: In jedem Wort, in jedem Blick und in jeder Geste lodert feuriges Verlangen.

«Ruf mich bei deinem Namen und ich rufe dich bei meinem», spricht Oliver zu Elio in einer der intimsten Filmszenen – wonach sich die beiden Männer auf ewig in das Herz des anderen eingebrannt haben. In einem Interview erzählte Guadagnino, er wolle mit seinem Film die «Melancholie verlorener Dinge» einfangen. Das ist ihm zweifellos gelungen.

Call Me by Your Name

Hier wird geschickt versucht, das Verlangen mit ganz normalen Tätigkeiten vor der italienischen Sonne zu verbergen. Bild: sony pictures classics

«Call Me By Your Name» macht den ganzen Gefühlsreigen der ersten grossen Liebe spürbar, dieser einzigartigen Leidenschaft, die jede Körperfaser erfasst, die einen an der Schwelle zum Erwachsensein formt und von der man auch Jahre später noch zehrt, wenn nichts anderes übrig geblieben ist als die schmerzvolle Erinnerung daran.

Hauptdarsteller Timothée Chalamet gilt dank dem Film in Hollywood als Newcomer des Jahres. Der Amerikaner mit französischen Wurzeln spielt seine Rolle mit einer solchen Hingabe und emotionalen Reife, dass er nun zuoberst auf den Notizzetteln aller wichtigen Castingagenten stehen dürfte.

Actor Timothee Chalamet poses for a portrait to promote the film,

Nein, das mit den Castingagenten wundert uns auch nicht. Sogar Jennifer Lawrence steht auf Timothée Chalamet. Bild: Taylor Jewell/Invision/AP/Invision

Mit seinen 22 Jahren ist er der jüngste Schauspieler seit 1944 und dem damals 19-jährigen Mickey Rooney, der bei den Oscars als bester Hauptdarsteller nominiert ist, neben Veteranen wie Gary Oldman und Denzel Washington.

Dazu darf «Call Me By Your Name» auf drei weitere Oscars hoffen: für den besten Spielfilm, für das beste adaptierte Drehbuch (James Ivory) und für den besten Filmsong («Mystery of Love» von Sufjan Stevens). Gäbe es auch einen Oscar für den herzzerreissendsten Liebesfilm: «Call Me By Your Name» hätte ihn auf sicher.

«Call Me By Your Name» läuft jetzt im Kino. Timothée Chalamet spielt auch noch im ebenfalls mehrfach für die Oscars nominierten «Lady Bird» von Greta Gerwig.

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    Alle Leser-Kommentare
  • international orange 03.03.2018 21:07
    Highlight Highlight CALL ME BY YOUR NAME ist womöglich die schönste Geschichte einer ersten Liebe, die das Kino je gesehen hat... nice review 👍
  • Züri- 02.03.2018 10:07
    Highlight Highlight Ich finden diesen Film super. Super Geschichte.
    Ist zwar als Schwulen Film abgestmpelt, aber ich finde es erzählt eine Geschichte und die Homosexualität wirkt fast zweit rangig.
  • thzw 01.03.2018 23:03
    Highlight Highlight 2017 hat uns einige sehr gute schwule Filme beschert. Herausragend für mich aber God's Own Country und eben CMBYN. Zwei, abgesehen von ihrem grundsätzlich eher ruhigen Duktus, sehr unterschiedliche Filme, zwischen denen für mich aber letztlich God's Own Country als Gewinner hervorgeht. Er wirkt direkter, zugänglicher und wahrhaftiger, nicht zuletzt auch in der Darstellung von "frontal nudity", die beim anderen Film sehr auf auf amerikanische Vorgaben zugeschnitten wurde und dem Film so einiges an Intimität raubt.
  • Kollani 01.03.2018 18:46
    Highlight Highlight Den muss ich sehen!
    • RebeccaL 01.03.2018 21:30
      Highlight Highlight Ich habe ihn bereits gsehen und kann ihn nur empfehlen. Einer der schönsten Filme, die ich bis jetzt gsehen habe 😌
    • Lichtblau 01.03.2018 21:32
      Highlight Highlight Ich auch! Nach dieser Filmkritik habe ich nach anderen gegoogelt: Von Spiegel bis FAZ sind sie durch's Band euphorisch - und alle von Frauen geschrieben. Mir gefällt, dass dies hier anders ist.

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