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Stellenabbau – und dann das: Swiss wirbt intern mit Jobs bei neuer Billigairline

Ein Inserat auf dem Swiss-Intranet sorgt bei der Airline-Crew für Verärgerung. Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals übt scharfe Kritik und spricht von «Hohn» den Angestellten gegenüber.
23.07.2021, 06:5324.07.2021, 07:04
Benjamin Weinmann / ch media

Die Hiobsbotschaft ist nicht lange her: 550 Swiss-Angestellte haben vergangenen Monat die betriebsbedingte Kündigung erhalten. Am stärksten betroffen sind die Flight Attendants. Die Flottengrösse wird zudem um 15 Prozent verkleinert.

Paradox: Trotz Stellenabbau kämpft die Swiss beim Einsatzplan der Flight Attendants mit einem Personalengpass.
Paradox: Trotz Stellenabbau kämpft die Swiss beim Einsatzplan der Flight Attendants mit einem Personalengpass.
Bild: Keystone

Dass ein Abbau über kurz oder lang unumgänglich war, dafür hatte auch das Personal Verständnis. Doch was vielen Angestellten missfällt, ist, dass die Swiss nach wie vor Flüge an die günstiger operierende Helvetic Airways auslagert – und dass die Lufthansa gleichzeitig in Deutschland eine neue Billig-Ferienairline namens «Eurowings Discover» aufbaut. Dafür hat sie sich auch zweier Langstreckenflugzeuge der Swiss-Schwester Edelweiss bedient (CH Media berichtete).

Neue Airline sucht erfahrenes Personal

Die Personalverbände der Swiss-Kabinen- und -Cockpit-Crew haben diese Entwicklung lauthals moniert und sich hilferufend sogar an die Schweizer Luftfahrtstiftung gewandt. Denn sie hat vom Bundesrat den Auftrag, sicherzustellen, dass Swiss und Edelweiss beim Wiederhochfahren des Flugbetriebs gegenüber dem deutschen Mutterkonzern nicht benachteiligt werden.

Nun sorgt «Eurowings Discover» ein weiteres Mal für rote Köpfe bei der Crew. Und zwar hat die Swiss seit einiger Zeit im Intranet ein Inserat der neuen Airline aus Deutschland publiziert. Denn «Eurowings Discover» benötigt neues Personal und sucht erfahrene Flight Attendants.

«Alles andere als feinfühlig»

Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers.
Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers.
Bild: ch media / severin bigler

«Das ist eine Ohrfeige den Angestellten gegenüber», sagt Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft Kapers, die das Kabinenpersonal vertritt. Es sei respektlos, dass hierzulande Stellen abgebaut würden, man aber gleichzeitig mit deutlich schlechter bezahlten Jobs bei der neuen Billig-Airline werbe.

«Das ist ein Hohn und alles andere als feinfühlig in Anbetracht der kürzlich ausgesprochenen Entlassungen.»

Der Verdacht bestehe, dass die Lufthansa die Krise ausnutzen wolle, um ihre Kosten langfristig zu Lasten der Angestellten zu senken. Denn die Löhne dürften rund ein Drittel tiefer liegen als bei der Swiss.

Lufthansa hat die touristische Tochterairline diese Woche erstmals vorgestellt. Sie startet zunächst mit drei Langstreckenmaschinen ab Frankfurt. Der Erstflug ist am Samstag nach Mombasa, Kenia und weiter nach Sansibar. Bis Mitte nächstens Jahres soll die Flotte bereits 21 Flugzeuge umfassen. Dann soll «Eurowings Discover» auch ab München fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will damit die Abhängigkeit von den Geschäftsflügen verringern, die wegen der neuen Home-Office-Routine wohl auch künftig weniger gebucht werden.

«Die Konditionen sind eine Sauerei»

Bei den deutschen Angestellten sorgt das Vorhaben ebenfalls für Kritik. Im Frühling berichtete «merkur.de», dass selbst erfahrene Piloten rund 20'000 Euro weniger verdienen als bei der inzwischen eingestellten Lufthansa-Tochter Germanwings. «Die Konditionen sind eine Sauerei», wurde ein Pilot anonym zitiert. Eine Sozialpartnerschaft ist nicht geplant.

Zudem hatte die Lufthansa vergangenen Sommer bereits «SunExpress» gegroundet – und die Mitarbeitenden dazu ermuntert, sich bei «Eurowings Discover» zu bewerben zu deutlich schlechteren Bedingungen.

Personalengpass an Spitzentagen

Aktuell sorgt zudem das Hochfahren des Flugbetriebs für Turbulenzen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, und wie auch CH-Media-Recherchen ergeben haben, kämpft die Swiss mit einem Engpass beim Kabinenpersonal – just jener Belegschaftsgruppe also, die am stärksten vom Stellenabbau betroffen ist.

So verläuft die Einsatzplanung besonders geschäftigen Tagen auf Messers Schneide. Grundsätzlich funktioniere das Zusammenspiel von der Planung bis zum operationellen Betrieb sehr gut, sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. «Allerdings stellt uns die Crewplanung aufgrund der nach wie vor äusserst volatilen Situation und den damit verbundenen Unsicherheiten vor Herausforderungen.» Dies führe an einzelnen Spitzentagen zu einem «Bereederungsengpass» in der Kabine. Heisst: Es fehlt an Personal.

Die Swiss hat teilweise zu wenig Personal.
Die Swiss hat teilweise zu wenig Personal.
Bild: keystone

Kein Arbeitsantritt bei Husten

Ein Stellenabbau wegen Überkapazitäten beim Kabinenpersonal – und gleichzeitig zu wenig Flight Attendants? Müller spricht von verschiedenen Faktoren, die zu dieser paradoxen Situation führen, die mit dem Stellenabbau aber nichts zu tun hätten. Ein Grund sei eine Häufung von kurzfristigen Absenzen.

Für eine umfassende Analyse sei es noch zu früh. «Aber die Corona-Pandemie und die damit verbundene Sensibilität auf minimale Symptome von Atemwegserkrankungen ist auf jeden Fall eine der Ursachen von kurzfristigen Abmeldungen.» Auch die Impftermine des Personals führten zu Absenzen. Und laut «Tagi »haben in der Pandemie manche Angestellte einen Zweitjob angenommen, der ihre Flexibilität für kurzfristige Swiss-Einsätze einschränkt.

Fragt sich, ob die Swiss nun die Kontrolle verschärft. Laut Sprecherin Karin Müller müssen Flight Attendants heute erst ab dem sechsten Krankheitstag ein ärztliches Zeugnis vorweisen. Auf die Frage, ob sich die Swiss überlegt, diese Frist zu kürzen, antwortet sie nicht.

Kurzfristiger Buchungsboom

Müller nennt nebst den Krankheitsabsenzen weitere Gründe für die angespannte Situation in der Crew-Planung. So beobachte man nach wie vor äusserst kurzfristigen Buchungsanhäufungen, welche zusätzliche Flüge nötig machen. Zudem würden oft die Einreisebestimmungen für Crew-Mitglieder praktisch in letzter Minute geändert. So ist neuerdings für das Bordpersonal ein Covid-Test bei der Einreise in Tel Aviv nötig.

Immerhin konnten laut Müller konnten bisher sämtliche Flüge mit der geplanten Anzahl an Cabin-Crew-Angestellten durchgeführt werden dank der Reserve-Crew. Aber: «Für August wurden aufgrund der bisherigen Erfahrungen die Reservebestände erhöht.»

Komplizierte Dokumentenkontrolle

Zum Problem geworden sind auch die Kontrollen vor dem Abflug. So konnte zuletzt der Flug von Zürich nach São Paulo statt am Freitagabend erst am Samstag durchgeführt werden. Die Überprüfung der Pässe und Covid-Dokumente dauerte so lange, bis die Nachtflugsperre in Kraft trat, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete. In solchen Fällen muss am nächsten Tag oft die Reserve-Crew antreten.

Swiss-Sprecherin Müller bestätigt, dass die zusätzlichen Dokumentenkontrollen den Prozess vor dem Abflug verlängern. «Dies kann zu Verspätungen führen.» Eine entsprechende Statistik kommuniziert die Swiss nicht. Um die Situation zu entschärfen, setze man mehr Personal ein und bitte die Fluggäste, sich mindestens zwei Stunden vorher am Flughafen einzufinden, sich vor Abflug genau über die Einreisebestimmungen des Ziellands zu informieren und alle nötigen Dokumente bereitzuhalten. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / christian merz
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