Günther Jauch und Marcel Reif blicken auf den Torfall von Madrid zurück.
Torfall von Madrid
1. April 1998: Anderthalb Minuten vor Anpfiff des Champions-League-Halbfinals zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund fällt im Bernabeu schon das erste Tor. Die heissblütigen spanischen Fans haben es zum Einsturz gebracht. Es folgen 76 Minuten Fernsehgeschichte mit Marcel Reif und Günther Jauch.
01.04.2014, 00:0124.06.2014, 13:23

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Wenn ein TV-Kommentator live von einer Halbfinal-Partie der Champions League berichtet, macht er sich auf einige Eventualitäten gefasst. Das Szenario, welches sich dem deutschen Profi-Plapperer Marcel Reif an einem Abend im April 1998 bietet, hat er sich aber wohl nicht in seinen schlimmsten Albträumen ausgemalt.
Real Madrid empfängt den Titelverteidiger Borussia Dortmund zum Hinspiel im Bernabeu. Die Hardcore-Fans der Königlichen können den Anpfiff kaum erwarten und besteigen den Zaun vor ihrer Kurve.
Um 20.43 Uhr knickt das rostige Gestänge unter der Last zusammen und reisst das daran befestigte Tor mit sich.
Unfassbare Szene in Madrid: Das Tor bricht kurz vor dem Anpfiff zusammen.
Es folgen 76 wahnwitzige Minuten, während denen auf dem Rasen hektische Betriebsamkeit ausbricht. Real Madrid hat kein Ersatztor auf Lager und versucht den Schaden mit improvisierten Reparaturarbeiten zu beheben.
Traumquoten für Improvisationstheater
Während der Schiedsrichter die Mannschaften zurück in die Kabine schickt, ist man bei der Sendeleitung von RTL nicht sicher, ob man die ungeplante Unterbrechung mit Werbung füllen darf. So moderiert Marcel Reif zusammen mit Günther Jauch mehr als eine Stunde durch, ohne dass auf dem Feld nennenswerte Fortschritte erzielt werden.
Die beiden TV-Männer ernten Traumquoten. 12,76 Millionen Zuschauer wollen sehen, wie sie die prekäre Situation meistern. Das eigentliche Spiel sehen später nur noch sechs Millionen. Jauch und Reif werden für ihre humoristische Glanzleistung mit dem Bayrischen Fernsehpreis ausgezeichnet und für den renommierten Adolf-Grimme-Preis nominiert.
Ein Real-Fan mit einem Lastwagen beendet das ganze Theater. Mit einer Polizeieskorte fährt er zum Trainingsgelände und transportiert von dort ein Ersatztor ins Bernabeu. Das Spiel endet nach Treffern von Fernando Morientes und Christian Karembeu 2:0 für Madrid. Es ist heute längst vergessen, aber die Sprüche von Reif und Jauch bleiben legendär.
«Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan.»
«Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben. Das erste Tor ist schon gefallen.»
«Meine Kenntnisse als Ingenieur sind bescheiden, deswegen gucke ich genauso staunend dahin wie Sie. Vielleicht wissen einige Tiefbaufachleute unter Ihnen zuhause was los ist.»
«Zwei Handballtore nebeneinander. Ginge das?»
«Das ist wie bei den Pfadfindern hier. Jetzt wird der Häring eingeschlagen. Wie im Zeltlager.»
«Hier spielen doch die Königlichen und dann frisst da der Gammel das Tor.»
«Ach, jetzt ist da auch noch Wasser. Die sind bis aufs Grundwasser gekommen. Oder ist es Öl? Mein lieber Schwan.»
«Dortmund hat ja auswärts nur ein Gegentor bekommen. So gesehen könnte man das Tor auch flach da liegen lassen, so lange Stefan Klos da drin steht.»
«Wenn der jetzt hinten in seinem Kämmerchen, in seinem Keller ein Tor baut, dann ist er der Held von Madrid.»
«Wem der Spielstand als Verteidiger nicht gefällt, der lehnt sich einmal gegen den Pfosten.»
«Warum habe ich keinen vernünftigen Beruf gelernt?»
«Wer auf der Seite die Werbebanden gebucht hat übrigens: Glückwunsch!»
«Jo, ich dachte, wir könnten jetzt so bisschen Fussball gucken, so im Halbfinale der Champions League. Bis jetzt erleben wir hier nur einen Heimwerkerkurs.»
«Oh, da hinten der Rote, der hat eine Lösung – nee, das war Rotes Kreuz.»
Unvergessen
In der Serie
«Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
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