Gesellschaft & Politik
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#WeWantZoraBack

Userin weggemobbt: Die Twitter-Schweiz hat den grössten Shitstorm ihrer Geschichte

Nachdem ihr echter Name auf Twitter veröffentlicht wird, löscht eine langjährige Userin ihren Account und leitet rechtliche Schritte ein. Gegen ihren Widersacher tobt ein Shitstorm – er wehrt sich gegen die Vorwürfe.



Die hiesige Twitter-Gemeinde ist wie die Schweiz selbst: klein und überschaubar. Jeder kennt jeden. Und so ging auch ein Aufschrei durch die Community, als eine der aktivsten und bekanntesten Userinnen mit dem Pseudonym Zora Debrunner ihren Account löschte – weil sie nach eigenen Angaben gemobbt wurde. Unter dem Hashtag #WeWantZoraBack bekunden hunderte User ihre Solidarität und sprechen sich gegen Cybermobbing aus.

Am Freitag stellten Benutzer fest, dass der Account @zoradebrunner nicht mehr existierte. Kurz darauf nahm die Betroffene auf Facebook Stellung. Ihr Statement veröffentlichte Luca Strebel mit ihrer Erlaubnis auf Twitter. Es wurde über 100 mal weiterverbreitet:

Bild

screenshot: facebook.com / @StrebelLuca

Klarnamen veröffentlicht

Der Auslöser war offenbar ein Tweet des Journalisten Andreas Gossweiler, der in einem Tweet den bürgerlichen Namen von Zora Debrunner nannte. Dieser Eskalation ging ein langer Streit zwischen den beiden voran.

Gossweiler rechtfertigte seinen Tweet auf Anfrage von watson damit, dass der richtige Name von Zora Debrunner mit einer Google-Suche ohne Probleme gefunden werden könne. Es sei «absurd», zu behaupten, er habe sie «geoutet».

Gossweiler sei in Debatten mit «nationalkonservativ gesinnten Twitterern», zu denen er auch Zora Debrunner zählt, immer wieder übel beschimpft worden. Sie habe ihn etwa als «Arschloch» oder «Pickel an der Nase» bezeichnet. Er habe ihren Klarnamen veröffentlicht, weil er «ein bisschen müde von den ständigen unanständigen Angriffen» war.

«Der Gebrauch von Pseudonymen senkt die Hemmschwelle, um solches Vokabular zu gebrauchen. Ich würde darum eine Klarnamenpflicht bei Twitter sehr begrüssen.»

Andreas Gossweiler

Das Statement von @zoradebrunner bezeichnet der Journalist als «Schmähschrift»: Die Vorwürfe träfen nicht zu und seien «ehrverletzend».

Der Shitstorm tobt

Nach Gossweilers Tweet folgte der Shitstorm: Als erstes verwendete Laura Curau den Hashtag #WeWantZoraBack.

Sie startete ein Lauffeuer. Bis am Samstagnachmittag wurde der Hashtag über 600 Mal verwendet, der Begriff tauchte in den Twitter-Trends der Schweiz auf. Eine Mehrheit der User zeigte sich empört, viele forderten Konsequenzen für Andreas Gossweiler.

«Ich hatte eine schlaflose Nacht.»

Andreas Gossweiler

«Ich bedaure, dass die Dinge diesen Verlauf genommen haben», sagt Gossweiler. Er werde sich künftig aus Diskussionen mit nationalkonservativ gesinnten Twitterern heraushalten. Die Angelegenheit habe ihm eine schlaflose Nacht bereitet.

Kein unbeschriebenes Blatt

Gossweiler hatte schon vor ein paar Jahren für Aufsehen gesorgt und ist deshalb bei aktiven Twitterern bekannt. Unter dem Pseudonym «Bobby California» kämpfte Gossweiler in hitzigen Online-Diskussionen zur Zukunft der Medien für seinen Berufsstand. Vor allem Blogger waren für ihn ein rotes Tuch, schrieb die Medienwoche 2011 in einem Porträt. Gossweilers Identität war wegen einer technischen Tücke beim Kommentieren ans Licht gekommen.

Zora Debrunner wollte sich gegenüber watson nicht zum Thema äussern. Wie aus ihrem Statement ersichtlich ist, hat sie rechtliche Schritte eingeleitet.

Eine Auswahl an Tweets

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    Alle Leser-Kommentare
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 05.01.2015 08:51
    Highlight Highlight Hab gegoogeld und finde Zora echter Name nicht. Von dem her, ao einfach wie Gossweiler es darstellt scheint es nicht zu sein.
  • elivi 04.01.2015 12:03
    Highlight Highlight Über 600 mal weitergeleitet .... wow twitter is wieklich klein in der schweiz ....
  • Kaiserin 03.01.2015 23:41
    Highlight Highlight Ich fand Zora immer sympathisch und silvertrain aka Andreas Gossweiler nervig, unsympathisch und aufdringlich... Schade, dass das so ausgeartet ist!
  • Bimbeli 03.01.2015 21:14
    Highlight Highlight Lol von 2 Trollen, trollt sich der eine. Trollollollollo
    Mir schmerzt das Herz, Schnüüfff......... :-(
    Und jetzt bitte wieder was wichtiges.
  • samuelhaitz 03.01.2015 20:06
    Highlight Highlight Debrunner ist definitiv nicht rechtsaussen (und das sage ich als Sozialist, der Menschen ziemlich schnell als 'Rechts' ansieht).
  • bugsierer 03.01.2015 20:02
    Highlight Highlight die forderung nach klarnamenpflicht aus dem munde des bobby california ist absurd. er war in den sturm- und drangjahren des social web selber anonym unterwegs und hat sich schon damals berserkerhaft trollend aufgeführt. mich wundern heute 2 tatsachen: 1. dass es immer noch leute gibt, die sich mit ihm verbal rumprügeln, z.t. seit jahren. ignorieren wäre besser. 2. dass sein arbeitgeber, xxxxx [zensiert, es geht hier um die Privatperson - die Red.], ihn nicht schon lange zur mässigung gebracht hat. offenbar haben die keine ahnung, wie daneben sich ihr mitarbeiter im netz aufführt.
    • Bowell 03.01.2015 23:06
      Highlight Highlight Wurde der Kommentar von "bugsierer" von der watson-Redaktion zensiert?! Dann ist es definitiv ein Gefälligkeitsartikel zugunsten von Gossweiler.
    • Roman Rey 04.01.2015 15:04
      Highlight Highlight Ja, ich habe den Arbeitgeber herausgestrichen. Weil ich nicht will, dass diese Kommentarspalte als Plattform für eine Hetzjagd missbraucht wird. Herr Gossweiler handelt als Privatperson, und ich sehe nicht ein, warum man da seinen Arbeitgeber hereinziehen soll.
  • Lotti Karotti 03.01.2015 19:59
    Highlight Highlight das sind die wahrahft unmenschlichen Schicksalsschläge. An diesem Thema sind schon ganze Volksstämme zu Grunde gegangen. Ich bin untröstlich!
  • Mia_san_mia 03.01.2015 19:50
    Highlight Highlight Wow, sehr interessant :-)
  • Gianni Thommen 03.01.2015 19:38
    Highlight Highlight @zoradebrunner war eine überhebliche Rechtsaussen-Twittererin. Das Mitleid hält sich in Grenzen. @silvertrain ist aber auch ein aufdringlicher Typ mit Geltungsdrang - Explosive Mischung.
  • AHTOH 03.01.2015 19:27
    Highlight Highlight Ein bisschen einseitig, der Bericht. Interessant wären ein paar Beispieltweets von Gossweiler mit seinem üblichen Vokabular.
    • Asmodeus 04.01.2015 00:57
      Highlight Highlight Oder von Beiden in dem Zusammenhang. Ich habe noch nie irgendwas von denen gehört und werde es vermutlich in 2 Tagen auch nicht mehr.
  • Heinz Moll (1) 03.01.2015 19:07
    Highlight Highlight Ich halte Gossweiler zwar für eine Pfeife, aber Debrunners Vorwürfe punkto outen sind lächerlich.
    • Matthias Müller (2) 05.01.2015 16:14
      Highlight Highlight Die Vorgehensweise von Zora Debrunner sehe ich sehr kritisch, sie verwundert aber nicht. Arbeitet doch der von Ihr vertretene Feminismus doch ebenso mit Vorwürfen und Unterstellungen. Wenn ein Exponat dieses Feminismus also eine Debatte mit den Gegnern führt, dann muss man sich auf einiges gefasst machen. Ziel war es offenbar, soziales Engineering zu betreiben und jemanden als Kritiker moralisch zu diskreditieren. Ist das - vermeintliche - Opfer somit vielleicht viel eher der gut kalkulierende Täter?

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