Gesellschaft & Politik
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Studie zeigt: Verzicht auf Sex und Intimität macht vielen Geistlichen zu schaffen

Viele katholische Seelsorger sind mit der eigenen Ehelosigkeit unzufrieden, das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Als besonders belastend empfinden sie den Verzicht auf Sexualität, Intimität und eigene Kinder.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die katholischen Seelsorger quält die eigene Seele: Sie zweifeln am Zölibat, aber auch beruflicher Stress und Unzufriedenheit mit ihren Chefs lasten schwer auf vielen Priestern in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Abend in der Katholischen Akademie in Berlin vorgestellt wurde. Verfasst hat sie eine Wissenschaftler-Gruppe unter Leitung des Jesuiten Eckhard Frick, Professor für Spiritual Care an der Münchner Universitätsklinik.

Die Autoren befragten zwischen 2012 und 2014 insgesamt 8600 Seelsorger aus fast allen Diözesen, darunter 4200 Priester. Bei den weiteren Seelsorgern handelt es sich etwa um Diakone oder Pastoralreferenten. Die Studie wurde aus privaten Stiftungsgeldern finanziert. Sie erfolgte nicht im Auftrag der Bischofskonferenz.

epa04696991 Polish priests pray in front of a wall engraved with names of murdered people during a commemoration ceremony at the mass grave of Poles executed in 1937-1940 by the Red Army in Bykownia near of Kiev, Ukraine, 09 April 2015. Ukrainian President Petro Poroshenko and his Polish counterpart Bronislaw Komorowski together with their wives took part in that ceremony. Bronislaw Komorowski arrived in Kiev at April 08, for a two-day official visit.  EPA/SERGEY DOLZHENKO

Die Studie zeigt auch: Nur jeder zweite Geistliche würde sich wieder für das Zölibat entscheiden. Bild: SERGEY DOLZHENKO/EPA/KEYSTONE

Die Diskussion erst angestossen

Frick machte eine «erstaunliche Offenheit» der Priester aus, über ihre Probleme zu reden, und auch über Unterstützungsbedarf. «Wir beginnen einen Diskussionsprozess, der noch Jahre andauern wird», sagte er. Mit den gesammelten Daten solle eine Debatte provoziert werden. «Solche Zahlen brauchen ja eine Deutung» - diese müsse nun in der Kirche stattfinden.

Die Ergebnisse sind vielschichtig, sie beziehen sich auf allgemeine Fragen zur Lebenszufriedenheit oder zum Glücksempfinden durch den Beruf. Insgesamt zeigen die Priester laut Frick erstaunlich hohe Zufriedenheitsraten, vergleichbar mit anderen Akademikern. Aber die Studie offenbart auch Aspekte, die den Kern des Selbstverständnisses im Priesteramt berühren.

«Emotionale Einsamkeit»

Der Untersuchung zufolge würde sich nur etwa jeder zweite Priester wieder für eine zölibatäre Lebensform entscheiden, wenn er nochmals die Wahl hätte. Ein Viertel würde nicht wieder zölibatär leben wollen, ein weiteres Viertel ist unentschlossen. Diese Hälfte könnte aber nach dem geltenden Kirchenrecht nicht Priester werden.

Dass Sex für katholische Priester kein Tabuthema ist, zeigen auch andere abgefragte Themen. Über die Hälfte der Priester nannte den Verzicht auf körperlich praktizierte Sexualität, partnerschaftliche Bindung und auf Kinder eine besondere Herausforderung.

Rockets fly past Panagia Erithiani church during Greek Orthodox Easter celebrations on the eastern Aegean island of Chios, Greece, late Saturday, April 11, 2015. Thousands of handmade rockets are fired every year on Great Saturday night, before the Resurrection, by locals of the two rival churches of Agios Markos and Panagia Erithiani, in the village of Vrontados. (AP Photo/Petros Giannakouris)

Scharf geschossen wird hier nur mit Feuerwerk: Viele Priester leiden unter emotionaler und körperlicher Einsamkeit. Bild: Petros Giannakouris/AP/KEYSTONE

Im Gegensatz zu Diakonen sowie Pastoral- und Gemeindereferenten litten Priester stärker unter «emotionaler Einsamkeit», weil ihnen eine dauerhafte Beziehung zu einem anderen Menschen fehle. Priester haderten auch häufiger mit ihrer Sexualität und in einigen Fällen mit der eigenen sexuellen Orientierung.

In vielen Punkten zeigt sich, dass die Seelsorger ganz ähnlich denken wie viele ihrer Gemeindemitglieder: So mögen sie etwa ihr Kirchenleben vor Ort, sind aber eher unzufrieden mit den Strukturen und der Leitung der Kirche. Auch in Bezug auf ihre Sünden sind die katholischen Priester inzwischen sehr weltlich geworden. 54 Prozent von ihnen gehen laut der Studie höchstens einmal pro Jahr zur Beichte. (tat/wif/AFP/dpa)

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3
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 23.04.2015 17:26
    Highlight Highlight Es gibt ein probates Mittel zur Entspannung. Heutzutage, mit Pornhub etc., braucht's nicht einmal mehr Phantasie dazu. Oder ist Selbstbefleckung etwa immer noch schlimmer als alles andere?
  • Monachus 16.04.2015 23:47
    Highlight Highlight Und 50% aller verheirateten reformierter Pfärrer lassen sich scheiden. Irgendwas ist immer. Wenn diese 25% glauben, dass nur ab und zu pimpern glücklich mache, dann haben die noch ganz andere Probleme...
  • adritschka 16.04.2015 22:40
    Highlight Highlight wieviel geld man wohl wieder für diese studie gebraucht hat..

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