UNO

10 humanitäre Katastrophen, über die 2017 niemand sprach

Bild: AP/AP

Konflikte, Naturkatastrophen und Hungerepidemien, die abseits des Radars der Weltöffentlichkeit stattfinden: Die Hilfsorganisation Care hat ein Ranking von zehn humanitären Krisen erstellt, die 2017 Millionen Menschen betrafen, über die aber wenig berichtet wurde.

23.01.18, 12:20 23.01.18, 12:33

UNO-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi appellierte am Montag in Genf an die Medien, die öffentliche Aufmerksamkeit vermehrt auf die «vergessenen und vernachlässigten Krisen» zu lenken. An erster Stelle der Care-Liste findet sich Nordkorea. Über das ostasiatische Land wird zwar in Zusammenhang mit Atomwaffentests und politischen Spannungen berichtet. Dass zwei von fünf Bürgern mangelernährt sind, ist weitgehend unbekannt. Im Juli 2017 wurde das Land von der schlimmsten Dürre seit 2001 heimgesucht.

Sieben der neun übrigen betroffenen Staaten beziehungsweise Regionen liegen in Afrika: Eritrea, Burundi, Sudan, Demokratische Republik Kongo, Mali, das Tschadbecken und die Zentralafrikanische Republik. Vietnam und Peru komplettieren die Liste.

Nordkorea

Bild: David Guttenfelder/AP/KEYSTONE

Laut Schätzungen der UNO waren im vergangenen Jahr 18 Millionen Menschen – das sind 70 Prozent der Bevölkerung – auf Nahrungsmittelhilfe durch die Regierung angewiesen.

Eritrea

In dem isolierten ostafrikanischen Staat leiden mehr als 700'000 Menschen unter Nahrungsmittelmangel und Wasserknappheit. Ursache ist eine andauernde Dürre. Hilfsorganisationen und Journalisten haben kaum Zugang zu dem Land.

Burundi

Gewalt, Verfolgung und Hungerkrisen – Burundi wird 2017 von mehreren Katastrophen heimgesucht. Bild: DAI KUROKAWA/EPA/KEYSTONE

Nach mehreren Jahren politischer Unruhen und Kritik wegen Verletzungen der Menschenrechte gibt es in dem ostafrikanischen Land 200'000 Binnenflüchtlinge. 400'000 Menschen sind über die Grenzen geflohen. 2,6 Millionen Menschen sind von Nahrungsmittelknappheit betroffen. Eine Malaria-Epidemie hat in den ersten acht Monaten des Jahres 2017 fast 2900 Todesopfer gefordert, mehr als 6,6 Millionen Menschen sind erkrankt.

Sudan

Nach 13 Jahren Krieg, Trockenheit, Flutkatastrophen und Hunger leben in dem nordostafrikanischen Staat fünf Millionen Menschen am Existenzminimum. Ende 2017 waren mehr als zwei Millionen Kinder von Hunger betroffen. Der Sudan beherbergt fast eine halbe Million Flüchtlinge aus dem Südsudan. Dazu kommen 2,3 Millionen sudanesische Binnenflüchtlinge.

Demokratische Republik Kongo

In dem afrikanischen Riesenstaat, seit Jahrzehnten Schauplatz von Gewalt, wurden 2017 mehr als 1,7 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Statistisch gesehen waren das über 5500 Menschen pro Tag. An die zwei Millionen Kinder sind unterernährt. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, hat sich im vergangenen Jahr auf acht Millionen verdoppelt und wird vermutlich weiter steigen. Care spricht von einem «stillen humanitären Tsunami».

Mali

Demonstration in der malischen Hauptstadt Bamako. Bild: Baba Ahmed/AP/KEYSTONE

Seit der Eskalation bewaffneter Konflikte im Norden des westafrikanischen Landes sind zwar fünf Jahre vergangen. Tausende Menschen haben aber 2017 vor neuerlichen Zusammenstössen flüchten müssen. Die UNO befürchtet, dass heuer bis zu vier Millionen Menschen – fast ein Viertel der Bevölkerung – von Nahrungsmittelmangel betroffen sein werden.

Vietnam

Der Taifun «Doksuri» hat in dem ostasiatischen Staat schwerste Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft angerichtet. 14 Menschen starben.

Tschadbecken-Krise

Evakuierung von Zivilpersonen in Tschad – die Gräueltaten der islamistischen Terrormiliz Boko Haram reissen nicht ab. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Acht Jahre andauernde Aktivitäten der islamistischen Terrormiliz Boko Haram bedrohen Leben und Sicherheit von elf Millionen Menschen in Kamerun, im Tschad, im Niger und in Nigeria. Die Zahl der Vertriebenen hat sich binnen zweier Jahre auf 2,4 Millionen verdreifacht. Der Nahrungsmittelmangel hat ein kritisches Ausmass erreicht. Sieben Millionen Menschen sind akut mangelernährt.

Boko Haram – Nigerias Terror in Fakten

Zentralafrikanische Republik

Das Binnenland im Herzen Afrikas erlebte eines der schlimmsten Jahre in seiner Geschichte. Von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert, eskalierte der bewaffnete Konflikt. 70 Prozent des Landes sind mittlerweile von Rebellengruppen kontrolliert. 2,5 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Bevölkerung benötigen dringend Nahrungsmittelhilfe. Circa 40 Prozent der Kinder unter 5 Jahren leiden an Mangelernährung. Mit Stand September waren 1,1 Millionen Menschen geflüchtet – so viele wie nie zuvor.

Hochwasser in Peru

Überflutungen in der Küstenregion haben das südamerikanische Land im vergangenen Frühling hart getroffen.  Bild: Martin Mejia/AP/KEYSTONE

Im März 2017 wurde Peru von einer der schlimmsten Hochwasserkatastrophen der letzten Jahrzehnte getroffen. Sintflutartige Regenfälle, ausgelöst durch das Naturphänomen El Nino Costero, kosteten über 150 Menschen das Leben. Erdrutsche und Flutwellen führten zur Zerstörung von 210'000 Häuser. Hunderte Brücken gaben nach, 3000 Kilometer Strassen waren unpassierbar. 

Kein Zugang für Journalisten

Für das Ranking wurden nach Angaben von Care global mehr als 1,2 Millionen Meldungen ausgewertet. Die Hilfsorganisation will in erster Linie auf die vergessenen Katastrophen hinweisen, zugleich aber auf den direkten Zusammenhang zwischen Berichterstattung und finanzieller Unterstützung für Nothilfe aufmerksam machen.

Dass aus manchen Staaten beziehungsweise Regionen praktisch nicht berichtet wird, hat nachvollziehbare Ursachen: Der Zugang ist zu gefährlich, aus politischen Gründen nicht erwünscht oder nicht finanzierbar.

Rekordsumme benötigt

Zur Unterstützung von Menschen in Not und Schutz wegen Kriegen, Konflikten und Naturkatastrophen benötigen die Vereinten Nationen im laufenden Jahr die Rekordsumme von 22.5 Milliarden Dollar. Dies hatte die UNO im Dezember bekannt gegeben.

Für 2017 hatte das UNO-Nothilfebüro (Ocha) eine zwiespältige Bilanz gezogen. Einerseits habe die internationale Gemeinschaft mit 13 Milliarden Dollar bis Ende November so viel gegeben wie nie zuvor. Andererseits werde die Kluft zwischen Unterstützung und Bedarf angesichts der hohen Zahl von Krisen jeglicher Art immer grösser. (wst/sda/apa)

Dürre in Ost-Afrika: Mensch und Tier leiden

3m 31s

Trockenheit Ost-Afrika: Mensch und Tier leiden

Video: srf

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
22
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • gas_wookie 23.01.2018 17:57
    Highlight Auch wenn angeblich alles schlecht ist auf der Welt. Das war euch kein Beitrag wert? Man könnte der Menschheit auch ab und zu wieder etwas Mut machen:

    https://www.srf.ch/news/international/ungerecht-verteilter-reichtum-die-armut-hat-sich-weltweit-massiv-verringert
    1 0 Melden
  • Neversober 23.01.2018 17:23
    Highlight Venezuela, würde ich auch als humanitäre Katastrophe bezeichnen.
    9 0 Melden
    • Limpleg 23.01.2018 18:00
      Highlight Definitiv! Kinder mit Mangelernährung, fehlende Medizin, Unruhen... Leider zu wenig beachtet von der Welt
      5 0 Melden
  • durrrr 23.01.2018 14:53
    Highlight Die UNO hat eine nicht zu unterschätzende Mitschuld an der Situation in Eritrea. Das Land wird völlig zu unrecht sanktioniert und isoliert, obwohl es viel Potenzial hätte und wirtschaftlich im afrikanischen Durchschnitt nicht schlecht dasteht. Da braucht man sich nicht wundern wenn NGO's und Medien der Zugang untersagt wird. Gleichzeitig werden viel schlimmere Autokraten als Afewerki international hofiert! Siehe zentralasiatische Diktatoren. Das verleiht dem Appell des UN-Flüchtlingskommissars Filippo Grandi einen zynischen Beigeschmack.
    15 2 Melden
  • Siro97 23.01.2018 14:18
    Highlight Danke für diesen Bericht. Was in diesen Ländern läuft ist unvorstellbar. Und das macht traurig. Gerne können auch die Vertreter der SVP dorthin reisen und vielleicht endlich mal Empathie zeigen.
    14 10 Melden
  • Posersalami 23.01.2018 13:48
    Highlight Also ich weiss nicht, aber ich wusste über all das gut bescheid (und mehr). Vielleicht täte es der Redaktion gut, mal nicht nur die eigene Website zu konsumieren. Hier wurde nämlich wirklich kaum oder gar nicht berichtet (und nicht nur nicht über die benannten Katastrophen).
    25 9 Melden
  • Fidelius Amadeus Wortzart 23.01.2018 13:38
    Highlight Und dann wundern sich die SVPler am Stammtisch warum Menschen aus Eritrea in die Schweiz flüchten...
    21 15 Melden
    • gas_wookie 23.01.2018 17:53
      Highlight Wer sind eigentlich diese SVPler am Stammtisch?
      Kannst du die mal definieren? Oder machst du einfach Polemik?
      So viele Stammtische wie auf Watson ständig in aller Munde sind, gibt es beim "Beizensterben" in der Schweiz gar nicht....
      4 4 Melden
  • Alberto Bisaccia 23.01.2018 13:34
    Highlight Choleraepidemie in Jemen vergessen?
    12 2 Melden
    • Radiochopf 23.01.2018 17:36
      Highlight Bei Jemen gibt es allgemeine Zensur.. es gibt kaum Bilder über hungerende oder cholerakranker Kinder obwohl es die mehr gibt als in Syrien.. es gibt keinen Assad, kein Kim und Putin dort.. es gibt nur Saudis die zusammen mit dem Westen Menschenrechtsverletzungen tagtäglich ausführen und die Welt schaut weg... aber eben es ist viel wichtiger zu wissen wie lacherlich Trump Wassers trinkt....
      7 1 Melden
  • Blutgrätscher 23.01.2018 13:33
    Highlight ...also könnte Jeff Bezos ca. 3 Jahre lang die Hilfestellung für die weltweiten Humanitären Krisen stellen und wär am Schluss immernoch Milliardär?
    21 2 Melden
  • kuhrix 23.01.2018 13:15
    Highlight Danke, ich würde gerne vermehrt solche Berichte hier lesen. Sicher besser als irgendwelche Influencer oder 1000 Trump Artikel.
    43 0 Melden
  • jk8 23.01.2018 13:04
    Highlight Danke für die Zusammenstellung.
    Toll wäre, wenn watson 2018 das Medium wäre, welches sich diesen Themen mehr annehmen würde.
    122 4 Melden
    • the bøll 24.01.2018 14:24
      Highlight Genau, weniger Trump, mehr „Randnews“.
      1 0 Melden
  • Frank Underwood 23.01.2018 12:58
    Highlight Ja wenn im Iran ein Stein umfällt, wird aber sofort berichtet.

    PS: Sanktionen in solchen Länder, wie Nord Korea treffen die ärmere Bevölkerung und nicht die Spitzenleute.
    28 1 Melden
    • Posersalami 23.01.2018 13:49
      Highlight Ja mit den Sanktionen haben sie recht, das gilt auch für den Iran.
      16 0 Melden
  • Guzmaniac 23.01.2018 12:54
    Highlight In diesen Ländern gibt's wohl nix zu holen, weshalb auch nicht geholfen wird...
    45 5 Melden
    • Looopic 23.01.2018 15:04
      Highlight "geholfen" ist gut. Etwa so wie die USA der Irakischen Bevölkerung "geholfen" hat, indem sie Krieg gegen Saddam Hussein führten.
      6 1 Melden
    • Radiochopf 23.01.2018 17:34
      Highlight Leider bittere Wahrheit auf Kosten vieler Menschen leben.. und sorry, hier tragen auch die Medien Verantwortung, denn ihre Aufgabe ist es darüber zu informieren und nicht wie Trump und Macron Hände schütteln...
      4 1 Melden
  • Radiochopf 23.01.2018 12:35
    Highlight Hmm ja die Medien hatten leider keine Zeit dafür, die Tweets und Handshakes von Trump waren viel wichtiger...
    107 2 Melden
  • Nonvemberbal 23.01.2018 12:32
    Highlight Laut Schätzungen der Uno waren im vergangenen Jahr 18 Millionen Menschen – das sind 70 Prozent der Bevölkerung?
    0 6 Melden
    • Einer Wie Alle 23.01.2018 14:38
      Highlight Von Nordkorea
      3 0 Melden

Schweres Zugunglück in Österreich – 1 Toter und 22 Verletzte

Bei der Kollision zweier Züge in Österreich ist am Montag mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Eine Frau sei ihren Verletzungen erlegen, teilte die Polizei mit. Laut Polizei wurden darüber hinaus 22 Insassen, darunter drei Kinder, leicht verletzt.

Ein EuroCity von Graz nach Saarbrücken war am Mittag gegen 12.45 Uhr im Bahnhof der obersteierischen Gemeinde Niklasdorf seitlich gegen einen Nahverkehrszug geprallt. Die Ursache dieser sogenannten Flankenkollision war zunächst unklar.

Auf Fotos war …

Artikel lesen