Bankgeheimnis
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In «The Wolf of Wall Street» heften sich Amerikaner Geld an den Körper, um es in die Schweiz zu bringen – CS-Banker waren ähnlich kreativ. Bild: AP Paramount Pictures

Grossbank am Pranger

Die Tricks der CS-Banker stellt jede Hollywood-Phantasie in den Schatten

Wer denkt, dass die Geschäftspraktiken von Schweizer Banken auf der Leinwand übertrieben dargestellt werden, den belehrt der US-Untersuchungsbericht über die Credit Suisse eines Besseren. 



Thomas schlittler, die nordwestschweiz

Er wirkt unnahbar, lächelt trocken und zögert nicht, alles zu unternehmen, damit der reiche Amerikaner sein Geld in der Schweiz verstecken kann: Die Darstellung des Genfer Bankiers in «The Wolf of Wall Street», dem Oscar-nominierten Film mit Leonardo Di Caprio, ist wenig schmeichelhaft.

Seit vielen Jahren taucht in Hollywoodstreifen immer wieder das Bild des Schweizer Bankers auf, der allzeit bereit ist, Gelder aus fragwürdigen Quellen anzunehmen – sei es in den James-Bond-Filmen oder in der Jason-Bourne-Spionagereihe.

Unbescholtene Schweizer Kinofans stellten sich dabei stets die Frage: Wie viel davon ist wahr, was ist erfunden? Wer den Untersuchungsbericht des US-Senats über das Geschäftsgebaren der Credit Suisse (CS) liest, kommt zum Schluss, dass die Hollywood-Regisseure nicht sehr viel Phantasie bewiesen haben.

«Sports Illustrated» als Tarnung

In der 180-seitigen Dokumentation ist detailliert beschrieben, wie skrupellos einige CS-Banker amerikanischen Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben. Während sie auf dem Einreiseformular angaben, nur als «Touristen» in die USA zu kommen, trafen sie sich mit ihren amerikanischen Kunden – obwohl sie das eigentlich gar nicht durften, weil ihnen dazu die US-Händlerlizenz fehlte. 

Beim Frühstück händigte der CS-Banker dem amerikanischen Kunden schliesslich einen Auszug seines Schwarzgeldkontos aus – versteckt im amerikanischen Wochenmagazin «Sports Illustrated».

The cover of the February 12, 1999,

Bild: AP/SPORTS ILLUSTRATED

Aber das schien sie nicht zu stören: An gesponserten Golfturnieren in Florida und am «Swiss Ball» in New York warben sie fleissig neue Kunden an. Dabei schlugen sie zum Beispiel vor, zwei Konten in der Schweiz zu eröffnen: eines davon schwarz und eines ganz legal – damit die amerikanischen Steuerbehörden keinen Verdacht schöpften. War das Konto erst eröffnet, wurden Überweisungen von über 10 000 Dollar konsequent aufgesplittet, damit kein Report ausgefüllt werden musste. Wie in den Filmen legten die Schweizer Banker besonders viel Wert auf Diskretion.

So erzählte ein ehemaliger CS-Kunde der Untersuchungskommission, wie ihn ein Schweizer Banker in den USA besuchte, um ihn in einem Hotel zu treffen. Beim Frühstück händigte der CS-Banker dem amerikanischen Kunden schliesslich einen Auszug seines Schwarzgeldkontos aus – versteckt im amerikanischen Wochenmagazin «Sports Illustrated».

Flughafen Zürich als Drehscheibe

Einem anderen Steuerhinterzieher sind seine Besuche in der Schweiz in lebhafter Erinnerung geblieben. Dort habe ihn in der Lobby einer CS-Filiale stets eine Angestellte abgeholt, um ihn in einen Lift zu führen. Das Aussergewöhnliche daran: Im Fahrstuhl habe es keine Knöpfe gehabt – er sei ferngesteuert gewesen.

In einem unscheinbaren Besprechungsraum traf der Steuersünder schliesslich auf den Banker seines Vertrauens, mit dem er die Verwaltung des Schwarzgeldkontos besprach. «Am Ende jedes Besuchs unterschrieb der Kunde dann einen Auftrag, dass alle eingesehenen Kontoauszüge vernichtet werden sollen», heisst es im Bericht.

Wer Kontoauszüge einsehen wollte, musste sich persönlich mit seinem Banker treffen.

Anleitungen betreffend Kundenkontakt machen deutlich, dass sich die Banker voll bewusst waren, dass sie gegen das Gesetz verstiessen. Eine Devise lautete: keine E-Mails. Aufträge betreffend Kontoführung sollten die Kunden ausschliesslich per Kurierdienst verschicken. Und wer Kontoauszüge einsehen wollte, musste sich persönlich mit seinem Banker treffen.

Zum Skifahren in die Schweiz

Oft fanden diese Treffen in der 2006 eingerichteten CS-Filiale im Flughafen Zürich statt. Diese wurde zur wichtigsten CS-Filiale für US-Steuersünder: 2008 bediente der Standort über 9400 US-Kunden, die gemeinsam über ein Vermögen von 1,1 Milliarden Schweizer Franken verfügten.

CS-CEO Brady Dougan erklärte den Nutzen der mittlerweile wieder geschlossenen Flughafen-Filiale folgendermassen: «Viele US-Kunden fahren zum Skifahren in die Schweiz. Nach der Landung in Zürich wollten diese direkt weiter ins Skiresort – und nicht zuerst noch in die Stadt, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen.»

Credit Suisse CEO Brady Dougan is sworn in prior to testifying before the Senate Homeland and Governmental Affairs Investigations Subcommittee on Capitol Hill in Washington February 26, 2014. Credit Suisse's chief executive Dougan will hit back at allegations the Swiss bank was a willing accomplice in U.S. tax evasion on Wednesday, blaming instead a small group of its private bankers for helping Americans conceal their wealth.     REUTERS/Gary Cameron  (UNITED STATES - Tags: POLITICS BUSINESS)

«I swear that the evidence that I shall give, shall be the truth, the whole truth and nothing but the truth, so help me God.» Brady Dougan vor dem US-Senat. Bild: KEYSTONE

Ein netter Nebeneffekt dürfte aber gewesen sein, dass die CS-Banker ihre US-Kunden hier legal beraten durften – ohne amerikanische Händlerlizenz. Zudem bestand so keine Gefahr, Spuren auf Papier zu hinterlassen.

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