Gesellschaft & Politik
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Mit diesem YouTube-Film warnt der Bund vor einem langen und flächendeckenden Stromausfall. video: youtube

Reis, Salz, Knäckebrot, Wasser und mehr

Gefährlicher Blackout: In der Schweiz sollen Notvorräte bald wieder zur Pflicht werden

Die meisten Grossverteiler und Detailhandelsgeschäfte wären bei einem längeren Stromausfall «schon nach zwei Tagen ausgeschossen», warnt ein Experte des Bundes.

Othmar von Matt / Schweiz am sonntag



Ein Artikel der

Das Szenario sah zwei nationale Krisen vor. Zunächst sorgte eine Cyberattacke auf die Stromwirtschaft für einen totalen Stromausfall in der Schweiz über 48 Stunden. Danach herrschte über zwölf Wochen eine Mangellage: Es standen nur 70 Prozent des benötigten Stroms zur Verfügung. Parallel dazu griff eine Grippepandemie um sich. Sie infizierte zwei Millionen Schweizer, sorgte für 40'000 Hospitalisierte und für 8000 Todesfälle. 

Das waren die Szenarien der Sicherheitsverbundsübung (SVU) 2014, die im November durchgeführt worden war. Es war die erste landesweite Übung des Krisenmanagements seit 17 Jahren. Beteiligt waren Bund, Kantone, Städte wie Zürich, Winterthur, Lausanne und Luzern, die Betreiber kritischer Infrastrukturen und die Armee

Der Gesamtbundesrat hatte Innenminister Alain Berset eigens als Krisenmanager bestimmt. Auch die Bundesräte Ueli Maurer und Simonetta Sommaruga nahmen teil. 

«Schweizer Haushalte sollten wieder 10 Kilo Notvorrat anlegen, wie man das früher gemacht hat.»

«Eine Epidemie könnten wir bewältigen», sagt Toni Frisch, SVU-Projektleiter und ehemaliger Leiter humanitäre Hilfe des Bundes. Zu dieser Überzeugung sei er nach der Krisenübung gekommen. Anders schätzt er die Situation beim Strom ein. «Die Auswirkungen einer länger dauernden Strommangellage haben viele massivstens unterschätzt. Gott sei Dank spielten wir das endlich durch.»  

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Für den Schlussbericht, den Frisch Ende April dem Bundesrat und den Regierungsräten unterbreitet, macht er verschiedene Empfehlungen. Vor allem rückt er den Notvorrat wieder ins Bewusstsein der Schweizer. «2,5 Millionen Schweizer Haushalte sollten wieder 10 Kilo Notvorrat anlegen, wie man das früher gemacht hat», sagt Frisch. 

Die Haushalte sollten Reis, Salz, Konserven, Trockenfleisch, Knäckebrot, Wasser und eine Taschenlampe als Notvorrat an Lager haben. Dies werde er empfehlen, sagt Frisch. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat dazu das Merkblatt «Kluger Rat – Notvorrat» (PDF-Dokument) herausgegeben.  

«Meine Hauptsorge sind Güter des täglichen Bedarfs.» Im Detailhandel werde heute ein Grossteil der Güter «just in time» geliefert. Die meisten Grossverteiler und Detailhandelsgeschäfte wären bei einem längeren Stromausfall «schon nach zwei Tagen ausgeschossen», glaubt er. Zudem seien Tiefkühllager innerhalb von vier bis fünf Stunden aufgetaut. «Es geht deshalb darum, die Menschen zu sensibilisieren, das Bewusstsein für eine solche Situation zu schärfen, um Panikkäufe zu verhindern.»  

Risiko: verschmutztes Wasser

Ebenfalls empfehlen wird Frisch, eine unterschätzte Gefahr vertieft zu prüfen: mögliche Schadenersatzforderungen von Nachbarländern wegen verschmutzten Wassers. Bei einer länger dauernden Strommangellage würden Abwasserreinigungsanlagen ohne Notstromversorgung nach rund fünf Stunden nicht mehr funktionieren, hat Frisch festgestellt. Somit käme Abwasser in Flüsse wie den Rhein. 

«Das Wasser wäre derart verschmutzt, dass man es mit vernünftigem Aufwand nicht mehr trinkbar machen könnte», sagt Frisch. Für die Schweiz, die überallhin Wasser liefere, könne das «zu einem gewaltigen Problem werden» – wegen möglicher Schadenersatzforderungen.  

«Ein Stromausfall kostet zwischen 2 bis 4 Milliarden pro Tag.»  

Die dritte Empfehlung betrifft Orientierung und Information der Bevölkerung. «Die Alarmierung muss garantiert sein», sagt Frisch. Es frage sich, ob alle Sirenen bei einem längeren Stromausfall funktionierten – trotz Batterie und Überbrückung. In dieser Situation müsse man das Rad vielleicht um 20 Jahre zurückdrehen und auf bewährte Dinge setzen wie Flugblätter und Plakate.  

Eine moderne Gesellschaft wie die Schweiz sei sehr abhängig von Strom, sagt Toni Frisch. Eigentlich könne sich die Schweiz wirtschaftlich einen Ausfall gar nicht leisten. «Er kostet zwischen 2 bis 4 Milliarden pro Tag.»  

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 25.01.2015 19:15
    Highlight Highlight Wer sich beruflich mit Risikoanalysen befassen muss, weiss wie empfindlich & anfällig unser Leben als moderne Gesellschaft geworden ist. Ähnlich wie die Auswirkungen des Computerwurms "STUXNET" kann unser Leben plötzlich schwer beeinträchtigt werden. Daher ist es beruhigend, alles Material zur Verfügung zu haben, auch ohne Elektrizität leben zu können. Dazu gehören eine stromunabhängige Kochmöglichkeit, Beleuchtung und Heizung. Im weiteren findet man bei uns zusätzlich zu den unten genannten Vorräten auch Gaskartuschen, trockenes Brennholz sowie als Imker auch grössere Mengen an Honig!
  • Cirino Marin 25.01.2015 12:50
    Highlight Highlight Unbedingt lesen muss man den Roman «Blackout» von Marc Elsberg. Zum Glück nur Fiktion, aber wenn aus der Fiktion Realität wird, sind wir ziemlich aufgeschmissen. Vor nicht so langer Zeit wurde der Armeechef belächelt, weil er sich einen Wasservorrat im Keller halte. Die Idee, sich Vorräte im Keller zu halten ist aber gar nicht so schlecht. Schwieriger wirds, wenn im Winter die Heizungen plötzlich nicht mehr funktionieren. Ich denke gerade irgendwo in abgelegenen Regionen sind die Leute gut vorbereitet auf Stromausfall. Dann wird halt mit Holz angefeuert. In urbanen Region kann man das vergessen.
  • christianlaurin 25.01.2015 09:52
    Highlight Highlight Ich verstehe die Welt nicht mehr. So ein Schwachsinn will der Bundesrat? Und bevor ihr sagt aber mit ein Blackout kann so was passieren möchte ich den Hinweis geben ich bin in Kanada aufgewachsen. Und da haben wir oft im Winter Blackouts die Tage gehen und einmal wars ein paar Wochen. Ich war nicht in die Region aber Kanadier sind nicht durch gedreht oder verhungert oder verkloppt wurden. So bitte mal die Kirche im Dorf lassen.
    • goschi 25.01.2015 10:57
      Highlight Highlight Die Schweiz ist nicht Kanada, eine urbane Gesellschaft ist nicht vergleichbar mit den ländlichen Gebieten Kanadas.
      Wenn in einer der Metropolitanregionen Kanadas der Strom länger ausfiele, wären die Konsequenzen identisch gravierend.
    • christianlaurin 25.01.2015 21:56
      Highlight Highlight @goschi: Wow es ist doch super, "wir hier sind Urban und Kanada sind ein Haufen Bauern!" Super Arroganz!!! Blackouts passieren nur in Urbane Gegend! Gerade vor 3 Wochen war grossen teilen von Montreal im Blackout. Ich hoffe sie wissen das Montreal Urban fast 4 Millionen Leute sind! Da ist die Schweiz ein Kuh Kaff.

      Bitte googlen sie mal etwas. Gerade 3 wochen her hat Montreal Blackouts gehabt. Und wenn ein Eisstorm kommt dann geht es wirklich rund. Aber was mich stoert ist die Arroganz von die Leute wie sie und die mich negative bewertet haben. Die Leute die Blackouts haben
    • Lumpirr01 26.01.2015 09:49
      Highlight Highlight @christianlaurin: Die vielen Blitze kommen nicht in erster Linie wegen ihrer Einschätzung zum Unterschied zwischen Kanada und der Schweiz, sondern davon, weil sie die Schweiz als Kuh Kaff in Misskredit bringen!
  • Kasi 25.01.2015 09:47
    Highlight Highlight Völlig überzeichnete Angstmacherei. Wieso gehen immer alle davon aus, dass totales Chaos ausbricht. Die Menscheit ist das was sie heute ist weil wir zusammen arbeiten. Wenn grosse Katastrophen ausbrechen sind die Menschen alleine zwar schnell aufgeschmissen. Doch in der Gruppe zu sehr viel Fähig.
    • 7immi 25.01.2015 13:57
      Highlight Highlight angstmacherei?! es ist sehr realistisch!
      zuerst fallen 90% der Tankstellen aus, da nur deren 10% über Notstromgruppen verfügen.nach wenigen Stunden bis etwa einem tag kommt kein trinkwasser mehr aus dem hahn.spitäler sind ab zwei tagen dunkel.detailhändler schliessen sehr rasch nach dem blackout(da dagegen versichert).gemäss prognosen der SIK ist nach einer woche schluss mit lustig. mit der beschneidung des militärs ist zudem auch das zweite rückgrat der schweizer logistik geschwächt.aber herr und frau schweizer gehts halt zu gut,wir überlegen uns nicht, was passieren könnte.wir sind verwöhnt!
    • christianlaurin 25.01.2015 22:06
      Highlight Highlight Nein Kasi hat vollkommen recht es ist Angstmacherei. Ein Beispiel in Toronto Ontario 2013 war ein Eisturm so schlecht das fast keiner Strom hatte. Auch eine Woche später war fast kein Strom da. In ihre Meinung und die Simulation hätte alles zusammen gebrochen. Aber es war alles noch unter Kontrolle und Leute waren noch nett! Und bitte nicht wie die andrer sagen Kanada ist gross und breit. Toronto Urban hat 5.5 Million Einwohner! Da ist die Schweiz ein Kuh Kaff!
  • Angelika 25.01.2015 08:28
    Highlight Highlight Und da haben einige vor ein paar Monaten Blattmann ausgelacht, weil der Vorräte im Keller hat... Kam mir doch etwas gar kurzsichtig vor.
  • Zeit_Genosse 25.01.2015 08:05
    Highlight Highlight Wir leben in einer modernen Welt, die anfällig ist. Die Erfahrungen aus dem täglichen Leben belegen es: Viele System begeben sich im Laufe der Zeit von einem geordneten in einen ungeordneten Zustand, auch „Chaos“ bezeichnet.

    Grundsatz: Weniger Organisation oder Ordnung bedeutet mehr Chaos. Chaos ist wahrscheinlicher als Ordnung.

    Schlussfolgerungen:
    Sich selbst überlassene Prozesse entwickeln sich mit der Zeit (irreversibel) von Ordnung zu Unordnung.
    Ordnung braucht ordnenden Zwang („Systemversklavung“), sei es durch einen von Aussen auf das System einwirkenden „Ordnungsführer“, sei es durch eine geeignete Wechselwirkung zwischen den Teilen des Systems.
  • Michael Mettler 25.01.2015 07:40
    Highlight Highlight Soweit ich informiert bin, schliessen die grossen Detailhändler bei totalem Stromausfall sofort die Türen und lassen nur noch Menschen raus. Den Rest klärt dann die Betriebshaftpflichtversicherung...

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