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gumminudeln 90er

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Ich, ein Kind der 90er



Kürzlich ertappte ich mich dabei, wie ich «Während minere Jugendziit» sagte. Und das ganz ohne Sarkasmus. Das ist einer dieser Aussprüche, wie sie eigentlich den Eltern und den Grosseltern vorbehalten sind, wenn sie von der Apfelernte, dem Attentat auf JFK oder lustigen Reisen mit dem VW-Bus in Länder erzählen, wo man heute nicht mehr hinkann, weil irgendein Wahnsinniger den Finger auf dem Abzug von Atomwaffen hat.

«Die gute alte Zeit», wie sie so gern genannt wird, als man Liebe machte und nicht Krieg und man sich auf der Strasse noch Grüezi sagte. Früher, «als alles besser war». Und obwohl das natürlich alles überidealisiert wird und jede Zeit für sich ihre gesellschaftlichen und politischen Probleme hatte, ich finde Nostalgie für die eigene Jugend etwas Schönes. Wenn nicht dafür, wofür dann?

Es ist die Zeit, die einen für immer prägt, in der man die Welt verändern will. Man mag die Musik, so schrecklich sie für alle anderen Generationen auch gewesen sein mag, auch mit 50 noch. Nicht, weil sie sonderlich hochqualitativ oder anspruchsvoll gewesen wäre, sondern weil man dabei durch die Höhen und Tiefen der eigenen Jugend ging und sich der unglaublich schwierigen Aufgabe stellen musste, herauszufinden, wer man eigentlich ist und was zum Teufel man mit sich anfangen will.

Ich bin ein Kind der 90er. 1982 geboren, durchlief ich diese prägende Phase so zwischen 1992 und 2000. Und es war tatsächlich eine grossartige Zeit, damals.

Ja, damals. Als wir in der Badi unser ganzes Sackgeld für diese sauren, grünen Nudeln ausgaben und uns damit vollstopften, bis wir Bauchweh bekamen. Vorher gab es noch Cocifröschli und Foifermöcke, aber die liessen wir links liegen, weil das «was für Kinder» war. Ein weiterer Liebling am Kiosk waren diese scharfen Zimtbälle. Kennen Sie die noch? Diese einzeln verpackten, roten, harmlos ausschauenden Zuckerbälle, die sich, nachdem die äusserste Zuckerschicht weggelutscht war, in ein kleines Stückchen Mordor im Mund verwandelten und einem beinahe die Zunge wegätzten. Die Challenge bestand dann jeweils darin, das Teil so lange wie möglich im Mund zu behalten. Der Gewinner schmeckte zwar im Anschluss ein paar Stunden nichts, aber hey, gewonnen ist gewonnen, gäll.

Den Rest unseres Taschengeldes gaben wir für diese Dinger aus... Diese... Hm. Ja, ich gebe zu, ich musste das via Google recherchieren: Schnappbänder. Diese mit buntem Kunststoff überzogenen Metall- oder Plastikbänder, die man sich ums Handgelenk schlagen konnte. Ich liebte sie!

Etwas später bearbeitete ich meine Eltern so lange, bis ich zu meinem elften Geburtstag eine Pop-Swatch bekam. Sie war mein ganzer Stolz – bis sie am dritten Tag einen Sprung in der Plastikfassung bekam und immer wieder herausfiel, sodass ich sie nach kürzester Zeit verlor – aber natürlich nur die Uhr, das Bändeli blieb mir als trauriger Reminder an schönere Tage. Nach wie vor eines der grossen Traumata meiner Kindheit.

Ich war, ich gebe es zu, auch einer dieser Teenager, die gefühlte Millionen dieser Plastiknuggis um den Hals trug. Wie zur Hölle konnte sowas jemals cool werden? Ich kann mich erinnern, dass meine Freundinnen und ich tatsächlich rote «Strieme» am Nacken hatten, weil am Lederbändeli circa zwei Kilo Plastik in Nuggiform hingen.

Ja, ich war auch eins der Mädchen, die sehr bitterlich weinten, als Kurt Cobain sich das Leben nahm. Selbstverständlich verstand ich mit meinen damals zwölf Jahren die Texte von Nirvana noch nicht, aber es war die Musik meiner beginnenden Pubertät und der Pubertät anderer und wir waren alle ganz niedergeschmettert, als der blonde Sänger sich in sein eigenes Nirvana beförderte. «Es ist besser zu verbrennen als zu verblassen», schrieb er in seinem Abschiedsbrief und wir alle fühlten uns – vor dem «Jugenträff» auf dem Dorfplatz sitzend – sehr verstanden.

Nirvana und die Ärzte und die Toten Hosen hörten wir – das war’s dann aber auch mit Musik mit Substanz. Denn wir hörten auch «Hyper Hyper», «Cotton Eye Joe» und ganz ganz viel DJ BoBo. Am liebsten an einem Feez im Keller eines Schuelgspähnli. Da wurden in Kartontellern Flips und Chips aufgestellt und wenn der Veranstalter der Party wirklich cool war, dann besorgte er Schwarzlicht und ein Strobo. Da tanzten wir dann zu 2Unlimited, Dr. Alban und Captain Jack. Wie wir genau dazu tanzten, habe ich verdrängt. Ist wohl auch besser so.

Und natürlich tanzten wir auch «eng». Obwohl «eng» als Adjektiv reichlich übertrieben ist, denn meist legten wir Mädchen unsere Hände mit ausgestreckten Armen auf die Schultern der Jungs, wackelten drei bis vier Minuten ein bisschen hin und her und verzogen uns dann, nachdem die Kelly Family fertig gesungen hatte («Fell in Love with an Alien»? Wirklich? WTF?), wieder in die Jungen- bzw. die Mädchenecke.

Und doch erinnere ich mich an grosse Liebesdramen, die sich bereits in der 6. Klasse am Feez abspielten, an Mädchengruppen draussen auf der Treppe, die der etwas frühreifen Mirjam immer wieder einbläuten, «er sei’s nicht Wert, er sei’s einfach nicht Wert, Miri».

Tja, und in der Sek kamen dann die Adidas-Hosen. Die mit den Knöpfen an der Seite. Wofür auch immer die da waren. Und die Plateau-Schuhe. Diese wirklich ganz schrecklich hässlichen, klobigen, schwarzen. Hatte ich natürlich alles auch.

Lustigerweise finden sich genau diese Schuhe heute wieder in Geschäften und an den Füssen von sehr vielen Hipstermeitli hier in der Stadt. Gewisse Trends lassen sich wohl – leider oder glücklicherweise? – nicht töten.

Ich erinnere mich gerne an meine Jugend – obwohl ich sie damals wohl ganz schrecklich düster und grässlich fand. So, wie eine Jugend in der Pubertät halt sein muss. Die Zeit, in der man sich fragt: Who am I? What am I doing here? What is love?

Baby don’t hurt me, don’t hurt me, no more... 

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen –direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Shmi Sky 24.06.2015 13:49
    Highlight Highlight Ich hab von meinen Eltern extra einen Kopfhörer (mit grossen Ohrmuscheln - selbstverständlich) gekauft bekommen, weil sie mein Die-Toten-Hosen-Hier-kommt-Alex-Duurrepeat nicht mehr mit anhören konnten =D
    Aber Flirt-Stifte mussten dann doch auch noch sein - in allen Farben...

    Und Beverly Hills 90210 Sammelkarten - Ohhh der Dylan <3
  • Miicha 24.06.2015 08:43
    Highlight Highlight Und wer weiss alles noch wie man zum Macarena-Song tanzt?? :-D
  • Menel 24.06.2015 00:35
    Highlight Highlight Du hast die Trolle vergessen! OMG! ;)
    User Image
    • poga 24.06.2015 06:13
      Highlight Highlight Und die Mad Caps.
  • decay 23.06.2015 21:33
    Highlight Highlight Du sprichst mir aus der seele..die 90er waren eine geile zeit.das schleckzeugs,die musik,panini bilder,caps,gameboy,nintendo.
    Muss sagen ich vermiss diese zeit.
    Thx very much für den super text 😁

    Gruss😊
  • Andrea C 23.06.2015 21:27
    Highlight Highlight Ich war zwar ein Kind der Achziger, aber ganz viel kam mir bekannt vor, bloss Hyperhyper war bei uns You give lova a bad name, aber eng getanzt haben auch so...
  • Mia_san_mia 23.06.2015 19:45
    Highlight Highlight Super Text! Die 90's waren einfach super und ich bin froh dass ich in diesem Jahrzehnt so viel erlebt habe 😊
  • whatthepuck 23.06.2015 19:16
    Highlight Highlight Sehr schön! Bin zwar zu jung, um die 90er mit den Augen meines pubertierenden Ichs erlebt zu haben, aber ich war dann auch schon da. Und hab diese Lieder auch gehört, diese Bänder auch am Handgelenk gehabt und ganz viele von diesen Gummischlangen gegessen. In der Pause wurde jeweils Gummitwist gespielt. Vor allem von den Mädchen natürlich. Als Bueb musste ich mir schon ab und zu einen Ruck geben.

    Rückblickend denke ich manchmal, dass ich in den 90ern gerne schon ein paar Jahre älter gewesen wäre. Damals, als alles noch etwas abgefuckter war und die Musik ab und zu noch etwas zu sagen hatte.
    • SanchoPanza 23.06.2015 21:41
      Highlight Highlight naja, dass mit der Musik war echt nicht besser. Im Nachhinein werden halt nur diejenigen Bands bejubelt. Den vielen Mist à la Spice Girls, Captain Jack, Blümchen & Co. interessiert halt niemanden mehr 😉 in 10 Jahren kümmert sich auch (hoffentlich) niemand mehr um Nicky Minaj und wie die alle heissen
    • whatthepuck 23.06.2015 22:21
      Highlight Highlight Klar. Deswegen auch "ab und zu". Ab und zu war Nirvana, Pearl Jam und vor allem Rage Against the Machine. Bands von diesem Kaliber, welche die Massen bewegen und intelligent das politische und gesellschaftliche Geschehen kritisieren, die habe ich schon länger nicht mehr gesichtet.
  • Lorian 23.06.2015 17:20
    Highlight Highlight Au ja, da war auch noch das Hosen-Konzert im Hallenstadion als ich 16 war. «Opium fürs Volk», so der Titel. Marihuana fürs Volk hätte aber besser gepasst (han ich das jetzt luut gseit?).
    • kettcar #lina4weindoch 24.06.2015 06:13
      Highlight Highlight Naja, da kontere ich doch gleich mit dem Ärzte-Konzert in der "Stadt"halle Willisau. Tickets à 20 Schtutz...
  • Lorian 23.06.2015 17:17
    Highlight Highlight Heilige BimBam! Genau so wars! Wir tanzten zwar an der Feez beim Gspöndli im Keller schon ziemlich sehr eng. Aber das wars dann auch schon. Als ich in der 6. Klasse mit meiner ersten Freunding «ging», bedeutete dies, wir schrieben uns regelmässig Liebesbriefe auf kitschigem Briefpapier (Bild von einem Strand mit violettem Mond und der Wolf durfte natürlich nicht fehlen. Ein Wolf war immer da!). Geschrieben wurde der Brief mit bunten «Flirt»-Stiften (so hiessen die wirklich - kennt die noch jemand?). Gerdet haben wir in diesem schönsten Jahr meines Lebens wohl nicht mehr als ein paar Worte.

    • Yonni Meyer 23.06.2015 18:12
      Highlight Highlight FLIRT-STIFTE! Die hatte ich vergessen!! So gut! Und ich hatte selbstverständlich genau solches Briefpapier. Amigs warens auch Delphine. Oder Delphine und Wölfe. In einem Wasserfall. Am Strand.
    • klanerom 23.06.2015 23:54
      Highlight Highlight Waren die Flirt Stifte die mit dem Deckel die es in allen Farben gab und die meist so ein schönes Design hatten?
  • roofer 23.06.2015 14:59
    Highlight Highlight voller Wehmut schau ich zurück ........
  • MajaG 23.06.2015 14:50
    Highlight Highlight und die feinen Caramellkugeln mit Puderzucker draussenrum...hmmm....und Kaugummi aus der Tube (den hab ich übrigens erst gerade wieder an einem Kiosk gefunden)
    Ganz toll waren ja auch die Tatoo-Halsbänder! Die waren bei uns der Renner. Zum Glück gibt's keine Fotos..
    • klanerom 23.06.2015 16:47
      Highlight Highlight Die Tattoo-Halsbänder sind übrigens wieder voll in Mode... Ich finde diese zwar mittlerweile schrecklicher als schrecklich, aber ich weiss noch genau wie ich meinem Mami die Ohren voll heulte, weil mein Taschengeld nicht mehr gereicht hat für ein solches und dabei haben doch alle solche... Mami Bitte alli händs... ich blamiere mich voll wenn ich keis han...
    • MajaG 24.06.2015 08:32
      Highlight Highlight Es gibt trends, die sind gekommen um zu gehen..Sind im Moment nicht die Bändeli aus Gümmeli trenry? Loom-Bänder? oder ist das schon vorbei?
    • MajaG 24.06.2015 08:38
      Highlight Highlight OMG, mir ist grad eingefallen, die Diddl-Maus!!! War der Renner!! Ohne Diddl Agenda warst du nix! Und dann musste jeder sinen Geburtstag einschreiben und dinge reinkleben, je dicker desto besser!! Hattet ihr das auch??
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kyle C. 23.06.2015 14:02
    Highlight Highlight Ich kann jede Zeile nachempfinden und amüsier mich sehr darüber. Danke. Aber ich frage mich schon seit längerer Zeit, weshalb die watson-Redaktion derart vom Nostalgie-Virus befallen ist. Diese Art von - zugegebenermassen witzigen - Artikeln erscheinen gefühlt jeden zweiten Tag auf diesem Portal. Vielleicht solltet ihr beim nächsten Nostalgie-Schub einfach einen Raider essen.... ;)
    • Yonni Meyer 23.06.2015 14:07
      Highlight Highlight Genau weil Sie jede Zeile nachvollziehen und sich sehr darüber amüsieren können. Gibt keine besseren Gründe als genau diese Rückmeldung der Leser. Danke. (Habe das Thema übrigens selber gewählt und war mir der Redundanz nicht bewusst).
  • Elexys Vi 23.06.2015 13:59
    Highlight Highlight Baby don't hurt me... Don't hurt me... No more.
  • Hand-Solo 23.06.2015 13:59
    Highlight Highlight Unglaublich, dass das ganze über 20 Jahre her ist...
    Ware diese Nuggidinger tatsächlich aus Plastik? Ich dachte immer die seien aus Glas.
    • Misses Odin 23.06.2015 14:43
      Highlight Highlight also meine waren richtige Nuggis :) gekauft in ner Fabrik die nicht ganz so perfekte Ware günstiger weg gab das wir armen Teen's uns das auch leisten konnten ^^
  • Rukfash 23.06.2015 13:47
    Highlight Highlight Yonni Meier bish voll Hüpsh :D
  • Amanaparts 23.06.2015 13:39
    Highlight Highlight haha... wir haben sogar Strobo`s im Werken gebaut, damit die nächste Kellerparty resp. Waldhüttenparty garantiert zum Erfolg wurde. Und ab Mitternacht gab es Ärger zwischen "de lingge" und "de rächte".
  • poga 23.06.2015 13:18
    Highlight Highlight Also die 90erMusik war schon ziemlichschlecht 😀
    • Fly Boy Tschoko 23.06.2015 14:24
      Highlight Highlight Du kannst dich beklagen über die 90ier. Aber ich musse Crazy frog und Schnappi erleiden.
    • Kyle C. 23.06.2015 14:35
      Highlight Highlight Das ist gemein. Die 90er hatten es musikalisch schliesslich schwer nach den zwei vorangegangenen Dekaden.... ;)
    • poga 23.06.2015 14:56
      Highlight Highlight @Joel ich habe nur jüngere Geschwister auch ich bin gebrandmarkt. @Stef ich gebe dir vollkommen recht.

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