DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Es gibt neben Steven Gerrard nicht viele Spieler, die das Klublogo wirklich küssen dürfen.
Es gibt neben Steven Gerrard nicht viele Spieler, die das Klublogo wirklich küssen dürfen.Bild: Carl Recine/REUTERS

Steven Gerrard vor Abschiedsspiel: «Ich will nicht weinen, aber ich weiss nicht, wie ich reagieren werde»

Liverpool-Legende Steven Gerrard wird am Samstag einen letzten Ernstkampf an der Anfield Road bestreiten. 17 Jahre lang hielt er dem Klub die Treue. Noch weiss er nicht, wie er seinen Abschied emotional verkraften wird.
14.05.2015, 15:2914.05.2015, 16:00
Reto Fehr
Folgen

Es steht etwas Spezielles an. Sky Sports ist live zugeschaltet und zeigt einzig einen leeren Stuhl. Derweil drängen sich unzählige Journalisten aus aller Welt in den Medienraum in Liverpool. Die Ticketpreise für das Spiel am Samstag sind auf dem Schwarzmarkt auf bereits knapp 2000 Franken gestiegen. Heute ist es soweit: Steven Gerrard gibt seine «Farewell»-Pressekonferenz. 13 Uhr ist vorbei. Von Gerrard keine Spur.

Einige Ulknudeln witzeln schon, Gerrard habe wohl den Flug nach Amerika früher genommen, weil er sich so vor diesem kommenden Moment fürchtet.

Aber dann kommt er doch noch. Sechs Minuten verspätet. Am Samstag um 18.30 Uhr Schweizer Zeit wird der Captain Liverpool letztmals auf den Rasen der legendären Anfield Road führen. Jetzt ist aber Zeit, um zu reden: «Ich freue mich auf das Spiel, das ich unbedingt gewinnen will, sodass ich mit einem guten Gefühl gehen kann.»

Steven Gerrard im feinsten Scouse-Englisch über sein Abschiedsspiel.YouTube/SportingLife

«Ich fürchte mich vor diesem Moment auf eine spezielle Weise»

Nur Freude ist allerdings nicht dabei. «Ich fürchte mich vor diesem Moment auf eine spezielle Weise. Ich werde das alles so stark vermissen. Ich weiss nicht, wie ich reagieren werde, versuche aber keine Tränen zu vergiessen.» Sein langjähriger Teamkollege Jamie Carragher hatte Gerrard kürzlich aufgezogen, dass dieser zusammenbrechen und weinen werde. Der 34-Jährige nimmt die Stichelei gelassen: «Ich bin kein Macho wie Jamie, bin nicht aus Stein», schmunzelt er, «normalerweise kann ich meine Emotionen gut verstecken. Aber wir werden sehen. Es wäre auf jeden Fall keine Schande, zu weinen.»

Selbst die eigentlich verhassten Gegner von Chelsea feierten Gerrard. Was wird da wohl erst in Liverpool los sein?
Selbst die eigentlich verhassten Gegner von Chelsea feierten Gerrard. Was wird da wohl erst in Liverpool los sein?Bild: GERRY PENNY/EPA/KEYSTONE

Gerrard bedankt sich bei seiner Familie, lobt in der Folge unter anderem Trainer Brendan Rodgers, Gerard Houiller oder seine Jugendcoaches. Sagt, Raheem Sterling soll bei Liverpool bleiben und entschuldigt sich bei seinen Teamkollegen. Er habe nicht gewollt, dass sich alle Aufmerksamkeit in dieser Woche so sehr auf ihn konzentriert. «Aber nach 17 Jahren war das wohl kaum zu verhindern.» Tatsächlich tritt mit Gerrard ein Spieler ab, wie es sie im Weltfussball kaum mehr gibt. Romas Francesco Totti ist noch so einer. 

Natürlich sei es bitter, dass er die Premier League nie gewinnen konnte. «Aber über 700 Einsätze absolviert zu haben, ist mehr als ich je dachte. Ich bin mit dem Traum aufgewachsen ein einziges Mal für Liverpool zu spielen.» Jetzt hofft er, dass Rodgers weiterhin das Vertrauen geschenkt wird. Und eines Tages kommt er vielleicht selbst als Trainer zurück. Zur Zeit absolviert «Captain Fantastic» die UEFA-Ausbildung.

Steven Gerrards Lieblingsspiel nach eigenen Angaben: Das 3:0 gegen Everton im März 2012.YouTube/MohamedQassas

An seine schönsten Momente kann er sich problemlos erinnern: «Der Champions-League-Titel 2005 als Captain in einem verrückten und vermutlich dem erinnerungswürdigsten Spiel machte mich zum stolzesten Mann auf Erden. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.» Als sein Lieblingsspiel bezeichnet er das 3:0 gegen Stadtrivale Everton 2012, als er alle drei Treffer erzielte. Das wichtigste Tor glaubt er in der Champions League 2005 gegen Olympiakos geschossen zu haben. 

Das schönste seiner Karriere: Dieser Knaller in der CL-Gruppenphase 2004 gegen Olympiakos.YouTube/James Sussex

«Vermutlich werde ich einen Hangover haben – ohne getrunken zu haben»

Ob Gerrard auch im letzten Saisonspiel gegen Stoke City noch aufläuft, ist offen. Er wolle dabei sein, sagt er. Und wie wird er sich am Sonntag fühlen? «Vermutlich wie mit einem Hangover, aber ohne getrunken zu haben. Etwas deprimiert auch. Denn dann werde ich wissen, dass ich nie mehr einen Ernstkampf an der Anfield Road bestreiten werde.»

So verläuft das letzte Spiel
Wenn Steven Gerrard vor dem Spiel gegen Crystal Palace aufs Feld kommt, werden beide Teams ihm Spalier stehen. Zudem sind diverse Fan-Choreographien geplant. Nach der Partie wird Liverpool die bekannte Ehrenrunde drehen – natürlich mit Gerrard im Fokus. Anschliessend wird der Captain eine Dankesrede halten. Ein Ticket für die Partie kostet auf dem Schwarzmarkt momentan 2000 Franken.

Nach 21 Minuten ist die Pressekonferenz vorbei. Gerrard schneidet die Torte an, welche für ihn vorbereitet wurde und sagt: «Ich kann nicht alles essen. Bedient euch. Ich gehe.»

Die wichtigsten Titel, die Steven Gerrard gewonnen hat

No Components found for watson.appWerbebox.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Abonniere unseren Newsletter

3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3
Statt Roberto Carlos die Hand zu schütteln, spuckt ihm Chilavert mitten ins Gesicht
15. August 2001: Es ist bis heute eine der unrühmlichsten Szenen der Fussball-Geschichte. Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Brasilien zeigt Paraguay-Keeper José Luis Chilavert seinem Gegenüber Roberto Carlos unmissverständlich, was er von ihm hält.

José Luis Chilavert ist während seiner Aktivzeit einer der besten Torhüter der Welt: starke Präsenz, reaktionsschnell auf der Linie, sicher in der Strafraum-Beherrschung. Der Paraguayer hat alles, was es zu einem Star-Torhüter braucht. Und sogar noch mehr: Das Tore verhindern reicht ihm nicht aus.

Zur Story