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«Hodler/Parallelismus» in Genf - Hodlers symmetrische Welt

19.04.18, 10:36

Vor hundert Jahren, am 19. Mai 1918, starb Ferdinand Hodler. Anlässlich seines Todestages widmet sich das Genfer Musée Rath seinen Ideen. Die Ausstellung «Hodler/Parallelismus» dauert vom 20. April bis 19. August.

Genf war Hodlers Schicksalsstadt. Seine erste Reise dorthin unternahm der damals 18-jährige Berner 1871 zu Fuss. Bisher hatte er mit touristischen Ansichten ein bisschen Geld verdient, jetzt wollte er in Genf die grossen Landschafter kopieren.

Barthélemy Menn, selbst Landschaftsmaler, entdeckte ihn und nahm Hodler in seine Kunstschule auf. Ihm «schulde ich alles», sagte Hodler später über Menn. Parallel zur Hodler-Schau im Musée Rath, wo sich die beiden begegneten, würdigen die Genfer Musées d’art et d’histoire auch Hodlers selten gezeigten Lehrer Menn mit einer detailreichen, sehenswerten Ausstellung im grafischen Kabinett.

Zuletzt den Genfer See

Holder blieb in Genf. Hier hatte er 1885 seine erste Einzelausstellung, hier hatte er 1891 seinen ersten Skandal, als die Genfer Behörden das Gemälde «Die Nacht» aus «sittlichen Gründen» aus der städtischen Kunstausstellung entfernen liessen. Mit diesem Gemälde erlebte Hodler in Paris, Berlin und Wien seinen internationalen Durchbruch.

In Genf lernte Hodler jene Frauen kennen, die er entweder heiratete oder mit denen er Kinder hatte, was bei ihm nicht das gleiche war. Nachdem er ein berühmter und wohlhabender Maler geworden war, machte ihn die Stadt zuerst zum Ehrenprofessor, dann zum Ehrenbürger. Am 19. Mai 1918 starb Hodler am Quai du Mont-Blanc. Zuletzt hatte er aus dem Fenster seines Ateliers wieder einmal den Genfer See gemalt.

Parallelen überall

Etwa 100 Werke umfasst die Schau im Musée Rath. Drei Holzfäller sind da, ein Tell, Grossformate aus Bern wie «Die Nacht», «Der Tag» oder die «Enttäuschten Seelen», die eher mittelformatigen, figürlichen Bestände aus den Genfer Kunstmuseen sowie viele Landschaften, einige davon selten gezeigt, weil in Privatbesitz. Bern und Genf, Geburts- und Sterbestadt Hodlers, teilen sich die die Ausstellung. Ab Mitte Mitte September ist sie in Bern zu sehen.

Den Ausgangspunkt bildet der kunsttheoretische Vortrag «Die Mission des Künstlers», den Hodler 1897 auf Einladung des örtlichen Kunstvereins in Fribourg hielt und in dem der ehrgeizige Maler sich seinen eigenen «Ismus» gab: den Parallelismus.

Parallelen sind in Hodlers Augen das Gerüst der Schönheit, er sah sie überall: In der Natur und im menschlichen Körper, in und an dem sich viele Symmetrien finden lassen. Und weil die Form das ist, was Hodler in der Malerei am höchsten schätzte, wie er selber sagte, machte er die Ordnung von Symmetrien zum Konstruktionsprinzip seiner Bilder.

Nicht alle Zeitgenossen nahmen den Parallelismus, diese scheinbare «Eisenbahnschienen-Theorie» ganz ernst, zumal die Idee keine dermassen grosse Neuigkeit war, als die Hodler sie verkaufte. Der Malerkollege Félix Vallotton nannte das Konzept «etwas grob», fragte sich, ob es «für Blinde gemacht» sei und zweifelte daran, dass es «wahrer» werde, je lauter der geschäftsbewusste, nach Aufmerksamkeit dürstende Hodler es verkündete.

Der Berner Schriftsteller Carl Albert Loosli, Hodlers Freund und Biograph, lobte den Gedanken und die daraus resultierenden Bilder hingegen, und zwar ihrer «vollkommenen Einfachheit» wegen, die ihnen ein Aspekt von «Ewigkeit» verleihe.

Kein Nationalmaler

So simpel Hodlers Prinzip war, es verhalf ihm doch zu einer aussergewöhnlichen bildnerischen Sensibilität, das will die ganz auf Kontemplation und nicht auf Analyse ausgerichtete Genfer Ausstellung zeigen - vielleicht zum Preis, den Begriff «Parallelismus» zu strapazieren.

Das tat aber schon Hodler selbst, der in den Parallelen ein «Weltgesetzt» sehen wollte. Gleichzeitig wusste er auch, dass ihm der geometrische Trick zu einer guten Lesbarkeit seiner Bilder verhalf, was sie populär machte. Und das wollte er unbedingt.

Sich auf Hodler als Künstler-Theoretiker zu beziehen, wie es die Genfer Ausstellung durchaus suggestiv tut, widerspricht jedenfalls dem immer noch verbreiteten Bild vom wuchtig-knorrigen Nationalmaler, der die Schweizer Eigenart auf den Punkt brachte. Auf den Menschen bezogen bedeutete Parallelismus für Hodler Ähnlichkeit und Einheit, nicht Differenz.

Verfasser: Martin Bieri, sfd (sda)

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