Coronavirus
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Nach fünf Monaten Pause dreht sich in der Arena wieder alles um Corona. bild: screenshot srf

«Gefahr ist gross, dass wir auf so etwas wie Lockdown zusteuern»: Das war die Corona-Arena

Die zweite Welle hat die Schweiz mit voller Wucht erfasst: Bis 12'000 Corona-Fälle erwarten die Experten bald pro Tag. Ist der Kantönligeist Schuld an der Misere? Und braucht es jetzt wieder einen Lockdown? Nach einer monatelangen Pause dreht sich in der Arena wieder alles um die Pandemie.



Die Ereignisse überschlagen sich: Alleine am Freitag zählte das BAG in der Schweiz über 3000 neu mit Corona infizierte Personen. «Die Zahlen sind ein Schock», sagt selbst der Leiter der Covid-Wissenschafts-Taskforce, der in zwei Wochen 12'000 Fälle pro Tag erwartet.

Die zweite Corona-Welle hat die Schweiz bei den Infektionszahlen mit voller Wucht erfasst. Steuern wir nun wie Belgien oder Holland auf einen erneuten Lockdown zu? Die Frage bewegt nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Protagonistinnen und Protagonisten der SRF-Arena.

Salathé über möglichen Lockdown

Video: watson

Epidemiologe Marcel Salathé sieht eine «grosse Gefahr, dass wir auf so etwas wie einen Lockdown zusteuern». Wenn man die Sache wie jetzt weiterlaufen lasse, steige das Risiko, dass die Hospitalisationen und Todesfälle wieder stark anstiegen.

«Die Menschen müssen nicht auf Entscheide der Politik warten, sondern können ihr Verhalten jetzt anpassen.»

Marcel Salathé

«Jetzt zählt jeder Tag! Mann muss rasch reagieren. Die Menschen müssen aber nicht auf die Entscheide der Politik warten, sondern können bereits heute ihr Verhalten anpassen», sagt der Professor der ETH Lausanne. Trotz den drastisch ansteigenden Fallzahlen hält sich Salathé mit Kritik zurück und schlägt keinen alarmierenden Ton an. Sowieso verläuft die gesamte Sendung Angesicht der Lage erstaunlich harmonisch und wenig kontrovers.

Zeit zu handeln ist es auch für Lukas Engelberger (CVP), Präsident kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK. «Die Zahlen gehen landesweit hoch, das ist eine neue Dynamik. Wir sind gefordert, rasch zu reagieren.» Trotz des massiven Drucks wirkt er in der Sendung erstaunlich frisch und ruhig.

Die GDK will, dass der Bund etwa punkto Maskenpflicht den Lead übernimmt und dem Flickenteppich ein Ende setzt. «Die Worte des Bundesrates haben ein anderes Gewicht als die Kantone. Die Landesregierung muss jetzt auf das ganze Land einwirken», so Engelberger. Die GDK hat am Freitag denn auch gefordert, dass der Bundesrat eine landesweit einheitliche Maskenpflicht verhängt und zu Homeoffice aufruft.

Und genau dies plant der Bundesrat, wie der Entwurf der neuen Covid-Verordnung zeigt: Der bundesrätliche Plan sieht neben einer Maskenpflicht vor, dass sich im öffentlichen Raum nur noch maximal 15 Personen treffen dürfen. Das Papier geht nun in die Express-Vernehmlassung. Am Sonntag wollen Alain Berset und Co. an einer Notsitzung die definitiven Entscheide fällen und sogleich kommunizieren.

Auf rasche Eingriffe hofft SP-Nationalrätin Barbara Gysi. «Es tut nicht weh, an den Tischen mehr Abstand zu halten. Mit diesen und weiteren Massnahmen können wir einen Lockdown noch abwenden», ist sie überzeugt.

«Die tiefe Zahl der Hospitalisationen macht mir Hoffnung.»

Christian Wasserfallen

Die Entscheide des Bundesrats mit Argusaugen verfolgen wird FDP-Nationalrat Chrisitan Wasserfallen. Als «Öffnungsturbo» machte er sich im Frühsommer einen Namen. «Sie sind mit ihrer Position falsch gelegen», attackiert ihn Moderator Brotz. Der Berner entgegnet, dass ein Vergleich zwischen einer ersten und der zweiten Welle hinke. «Die tiefe Zahl der Spitaleinweisungen ist tiefer und macht mir Hoffnung.»

«Historische» Fortschritte bei Impfstoff

Lockdown oder Durchseuchung sind denn für Marcel Salathé nicht die einzigen Optionen. Grosse Hoffnungen setzt der Epidemiologe auf Corona-Impfstoffe, von denen sich laut dem Wissenschaftler weltweit bereits zehn verschiedene Typen in der letzten Phase der Entwicklung befänden. «Das ist historisch. In einer so kurzen Zeit hat es das noch nie gegeben.»

«Das Virus hat uns gelehrt, dass alles anders kommen kann.»

Marcel Salathé

Bis Impfungen die Corona-Zahlen eindämmen könnten, dauert es aber noch Monate. Im Frühjahr 2021 könnte es soweit sein. «Auf einen konkreten Zeitpunkt für einen Impfstoff sollte man jetzt nicht hoffen. Das Virus hat uns gelehrt, dass alles anders kommen kann», so Salathé

Spitaldirektorin Föllmi zur Situation in Schwyz

Video: watson

Das spürt die Direktorin des Kantonsspitals Schwyz, Franziska Föllmi. «Wir können die Situation wegen den vielen Covid-Patienten nicht mehr lange stemmen»: Föllmi hatte mit einem eindringlichen Appell auf Facebook für Aufsehen gesorgt. SRF-Moderator Brotz schaltet Föllmi via Videocall live ins Studio. «Die Situation ist zwar im Moment geordnet. Aber unsere Covid-Station ist praktisch voll. Wir haben gerade erste Patienten in andere Spitäler verlegt», sagt Föllmi.

«Wir haben erste Covid-Patienten in andere Spitäler verlegt.»

Franziska Föllmi, Kantonsspital Schwyz

Drei Personen seien in den letzten Tagen an Corona gestorben. Sie appelliert deshalb nochmals eindringlich an die Bevölkerung: «Die Zeit der Feste ist jetzt vorbei. Man darf nicht mehr so tun, als wäre alles normal. Sonst explodiert es hier in drei Wochen.»

GDK-Chef Engelberger ist froh über den äusserst glaubwürdigen Aufruf der Klinikdirektorin. Ob Apéros, Partys, Chorproben oder Vereinsveranstaltungen: Man müsse solche Events jetzt begrenzen, da diese zu vielen Ansteckungen führten.

Kantönligeist als Corona-Beschleuniger?

Die Schweiz steht im Vergleich zu Nachbarländern wie Deutschland bei den Corona-Zahlen schlechter da. Wohl nicht zuletzt, weil eine einheitliche Linie fehlt. Wie sehr hat der hochgelobte Föderalismus, der Flickenteppich bei den Massnahmen, die Corona-Bekämpfung verzögert?

Video: watson

«Das Coronavirus kümmert sich nicht um die Staatsform.»

Lukas Engelberger

«Das Virus kümmert sich nicht um die Staatsform», sagt Engelberger. Zentralistisch regierte Staaten wie Frankreich oder Spanien stünden punkto Corona noch schlechter da als die Schweiz.

Mit ein Grund für die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Kantone sei, dass im Frühling gewisse Regionen in der Schweiz kaum von Corona betroffenen gewesen seien. Nun ist das Virus überall. «Die erste Welle ging an vielen Kantonen vorbei. Es waren kaum Leute in den Spitälern.» Sicher habe man unterschätzt, wie mobil das Virus sei, so der Basler Gesundheitsdirektor weiter.

SP-Gysi konstatiert, dass einige Kantone ihre Hausaufgaben im ruhigen Corona-Sommer nicht gemacht haben. «Sie haben die Zeit nicht genutzt, um sich auf die zweite Welle vorzubereiten.»

Ob wir es hören wollten oder nicht, nun müsse wieder ein Ruck durchs Land, wie es Bundespräsidentin Sommaruga am Donnerstag sagte. Es brauche jetzt klare und für alle einfach verständliche Regeln, fordert denn FDP-Wasserfallen.

Barbara Gysi über Weihnachtsferien

Video: watson

«Wir müssen jetzt alle etwas tun, damit wir in den Weihnachtsferien auf die Langlaufski können.»

Barbara Gysi

Denn der Winter und damit die kritische Phase steht noch vor der Türe. Es dürfte jetzt nicht das Prinzip «Hoffnung auf den Impfstoff» gelten, so Barbara Gysi weiter. «Wir müssen jetzt alle etwas tun, damit wir in den Weihnachtsferien auf die Langlaufski können.»

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