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Claudio Zanetti, Nationalrat SVP, an der Podiumsdiskussion zur

Wirft den Grünen eine «ausgeprägte Lustfeindlichkeit» vor: SVP-Nationalrat Claudio Zanetti. Bild: KEYSTONE

Grüner Nationalrat verteidigt Apéro-Merkblatt – SVP-Zanetti beklagt «Lustfeindlichkeit»

Der umstrittene Apéro-Leitfaden aus dem Bundesamt für Umwelt erzürnt weiter die Gemüter. Der grüne Nationalrat Michael Töngi ermuntert den Bund, ähnliche Tipps für den Verkehr auszuarbeiten. SVP-Nationalrat Claudio Zanetti ärgert das gewaltig.

Roger Braun / ch media



Für staatskritische Geister war es ein gefundenes Fressen. In einem Merkblatt gibt das Bundesamt für Umwelt dem aufklärungsbedürftigen Bürger Tipps für einen umweltgerechten Apéro. «Mindestens zwei Drittel des Buffets setzt sich aus vegetarischen Produkten zusammen», heisst es da. Und: «Das Vegetarische ist an erster Stelle platziert.»

Des weiteren seien die Resten für spätere Pausen bereitzustellen, und Säckchen zum Mitnehmen aus nachhaltigem Material zur Verfügung zu stellen. Die Kritik folgte auf dem Fuss: Bevormundend und anmassend seien die Tipps, ein Bürokratiewahnsinn sondergleichen, hallte es aus den Kommentarspalten.

Der Walliser CVP-Nationalrat Philipp Matthias Bregy fühlte sich am Mittwoch gar bemüssigt, in der Fragestunde Bundesrätin Simonetta Sommaruga damit zu konfrontieren.

Töngi fordert weitergehende Verhaltenstipps

Nun stellt sich in dieser Frage erstmals ein Nationalrat hinter das Bundesamt für Umwelt: der Grüne Michael Töngi aus dem Kanton Luzern.

Für Töngi kommt der Bund mit seiner Aufklärungsarbeit schlicht dem gesetzlichen Auftrag nach. Schliesslich gebe es im Umweltschutzgesetz eine klare Grundlage dafür. Töngi sagt gar: «Der Bund nimmt seinen Informationsauftrag bisher zu zurückhaltend wahr.»

Kritik am Apéro-Leitfaden hält er für unangebracht - gerade aus bürgerlicher Perspektive. Er sagt:

«Der Informationsauftrag ist wichtig, insbesondere für Kreise, die stets auf Freiwilligkeit und privates Engagement pochen.»

Michael Toengi, GP-LU, stellt eine Frage, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 10. September 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Michael Töngi. Bild: KEYSTONE

In einem neuen Vorstoss (noch nicht aufgeschaltet) verlangt Töngi, dass der Bund seine Informationsanstrengungen intensiviert, um die Bürger zu einem klimaschonenden Verhalten anzuhalten. Insbesondere bei der Mobilität sieht er grossen Handlungsbedarf.

So fordert er den Bundesrat auf, vom Einsatz fossiler Treibstoffe und dem Verbrennungsmotor abzuraten. Auch soll der Bundesrat den Bürgern empfehlen, weniger zu fliegen. Zudem möchte er wissen, in welchen «umweltrelevanten Lebensbereichen» der Bundesrat weiteren Handlungsbedarf für Empfehlungen sieht.

Zanetti fürchtet um Wahlfreiheit des Bürgers

Dem Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti gehen die staatlichen Informationskampagnen kräftig auf den Nerv. Er sagt:

«Die Grünen können meinetwegen bei Kerzenlicht ihre Körner picken. Aber sie sollen endlich aufhören den anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.»

Zanetti ortet eine gefährliche Entwicklung. Mithilfe von Stupsern (Nudging) erzwinge der Staat zunehmend das gewünschte Verhalten der Bürger, sagt er. Dabei sei die Wahlfreiheit eine der grundlegendsten Pfeiler einer liberalen Gesellschaft. «Niemand soll ein schlechtes Gewissen haben müssen, nur weil er Auto fährt oder ein Steak isst.»

Den Grünen wirft er eine «ausgeprägte Lustfeindlichkeit» vor. Dies habe sich zuletzt am Mittwoch beim Fraktionsausflug gezeigt. Es sei anmassend, andere Leute zum gleichen Lebensstil erziehen zu wollen.

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Was Grüne und SVP auf ihrem Fraktionsausflug erlebten. Video: YouTube/Keystone-SDA-ATS

Kritisch geht Zanetti auch mit der Verwaltung ins Gericht. Diese verhalte sich «zunehmend totalitär», indem sie sich in sämtliche Lebensbereiche einmische, sagt der SVP-Nationalrat:

«Eigentliche Aufgabe der Verwaltung wäre es, dass Leben der Bürger angenehmer zu machen. Doch stattdessen gebärdet sich der Bund immer mehr als Erziehungsinstanz.»

Eigentliche Aufgabe der Verwaltung wäre es, dass Leben der Bürger angenehmer zu machen. Doch stattdessen gebärdet sich der Bund immer mehr als Erziehungsinstanz.

Die Bundesverwaltung müsse sich um die Kernaufgabe des Staates kümmern, anstatt sich selbst zu beschäftigen, fordert Zanetti. Der Weg dorthin ist für ihn klar: Er führt über eine Halbierung des Stellenetats.

«Ein Steh-Lunch ist das ‹F*ck You› der Geschäftsessen»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hans Jürg 14.06.2019 16:24
    Highlight Highlight Man könnte ja statt dem Merkblatt einfach dieses Bild von Zanetti verteilen vor einem Apéro. Also ich hätte dann sofort keinen Appetit mehr.

    Ich überlege mir gerade, das Bild auf meinen Kühlschrank zu magneten. Das würde meine nächtlichen Fress-Attacken bestimmt erfolgreich bekämpfen.
  • RETO1 14.06.2019 10:52
    Highlight Highlight Zanetti, auf den Punkt gebracht: Alles was aus der linksgrünen Ecke kommt ist Lust- und Spass tötend
  • Bivio 14.06.2019 10:13
    Highlight Highlight Ich finde Zanetti oft auch unerträglich. Er ist jemand, welcher hinter jeder Ecke eine Verschwörung wittert. Ein richtiger Berufs-Empörter. Das kennt man sonst nur von den Linken.
    Ich finde es jedoch bedenklich, dass viele Leute hier sich dieses Nudging gefallen lassen, nur weil Zanetti sich daran stört. Was hat es die die Bundesverwaltung zu interessieren, wie man einen Apero macht?
    Mich stört es, dass die Verwaltung Ressourcen hat, ein solches Merkblatt zu verfassen. Das zeigt, dass es noch sehr viel Sparpotenzial in der Verwaltung gibt.
    • Friction 14.06.2019 10:46
      Highlight Highlight Ich vermute mal, dass Apéros im Bundesbern keine Seltenheit sind. Wunderbare Momente, um sich mit anderen Meinungen auseinander zu setzen. Das gemeinsame Essen (ob vegan, vegetarisch oder mit Fleisch) verbindet.
      Ich finde es deshalb in Ordnung, wenn sich die Verwaltung auch im informellen Rahmen über die Nachhaltigkeit dessen Gedanken macht.
    • Oigen 14.06.2019 11:22
      Highlight Highlight In welchem grossunternehmen gibt es keine solche merkblätter?
      Apero
      Pausen
      Rauchen
      Bewegung am arbeitsplatz
      etc...

      warum soll das im Bundeshaus anders sein?
    • trio 14.06.2019 12:38
      Highlight Highlight Wie gesagt, es ist die Aufgabe des Bundesamt für Umwelt, die Bürger über umweltfreundliches handeln aufzuklären. Was ist falsch daran zu informieren. Wären dir Verbote lieber?
  • neutrino 14.06.2019 10:10
    Highlight Highlight Mit Zanetti habe ich inhaltlich wenig am Hut - aber "Apero-Merkblatt"? Das ist jetzt ein Witz...
  • Magnum 14.06.2019 09:50
    Highlight Highlight Zur Erinnerung: Ein Parteikollege vom Zanetti sieht sich ausserstande, die Menschenrechtslage in China zu beurteilen. So viel zu Bevormundung und Erzwingung von gewünschtem Verhalten. Ich sag nur noch zwei Sachen:
    1. Social Credit Score.
    2. Zanetti ist ein Gränni.
  • Albi Gabriel 14.06.2019 08:11
    Highlight Highlight Irgendein Hinterbänkler einer unbedeutenden Splitterpartei möchte also uns allen vorschreiben, wie wir leben sollen... Nein, danke!
  • Aurum 14.06.2019 07:24
    Highlight Highlight Ach ja.. es ist Wahljahr. Irgendwie müssen einige krampfhaft versuchen totaaaal nah am Bürger und möglichst wegen allem und jedem beleidigt zu sein. Glück für die: die müssen ihre Maske nur bis zum Oktober tragen, dann können sie ja wieder sich selbst sein und 3 Jahre lang den egoisten/rassisten/sexisten zeigen, weil sie sich eigentlich einen sch**** um die Leute, speziell die mittel- und unterschicht, kümmern.
  • ingmarbergman 14.06.2019 07:21
    Highlight Highlight Zanetti 🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️

    Kommt nur mir das so vor, oder gibt es wirklich keine normalen Politiker mehr in der SVP?
    • esclarmonde 14.06.2019 13:08
      Highlight Highlight Ja, täglich kommt mindestens einer dazu, leider. Zum Glück läuft es auf Gemeindeebene meist noch anders. Zumindest hier in der Region. Da weiss man noch, was Konsens, Kompromiss, Dialog, Rechtsstaat und Mitsprache bedeuten. Quer durch die Parteienlandschaft.
  • Sophon 14.06.2019 07:17
    Highlight Highlight Aber den Staat auffordern, Bettler zu entfernen... so "Wahlfreiheitlich" ohne Einmischung des Staates ist der Claudio dann aber nicht in allen Belangen.
  • Oigen 14.06.2019 06:44
    Highlight Highlight Herr Zanetti...

    «Niemand soll ein schlechtes Gewissen haben müssen, nur weil er Auto fährt oder ein Steak isst.»

    ...oder Ausländer ist!
  • Rafael Wyder 14.06.2019 06:37
    Highlight Highlight Ein Apèro Merkblatt?? Sorry, aber wer liest so etwas? Ich bin normalerweise auch sehr für grüne Anliegen zu begeistern, aber das ist schlicht Verschwendung von Zeit und Geld.
  • Follo 14.06.2019 06:13
    Highlight Highlight Moment mal, 2/3 vegetarisch? Das klingt zwar nach viel aber im Umkehrschluss bedeutet das, dass 1/3 Fleisch ist. Diese Empfehlung ist weit weniger «streng» als die der schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (die die Lebensmittelpyramide publiziert). Letztere empfiehlt knapp weniger als ¼ Fleisch pro Malzet und dies schon seit Jahrzehnten. Wieso das hier nun unter Klimamassnahme verkauft wir ist mir deshalb schleierhaft.
    • dieBied 14.06.2019 07:33
      Highlight Highlight Das ist ja nicht reines Fleisch. Es gibt sehr viel Aperogebäck, bei dem Fleisch drin ist. Aber dort macht ja dann das Fleisch nur einen kleinen Teil aus. Ich denke, so ist die Empfehlung dann schon realistisch.
    • bebby 14.06.2019 15:45
      Highlight Highlight Mir fehlt, dass mindestens 1/3 warm ist...immer diese kalten Apéros 😉
  • Jo Blocher 14.06.2019 05:10
    Highlight Highlight Ich erwarte nun einen entsprechenden Leitfaden vom schweizer Metzgerverband oder alternativ einen vom Gemüseproduzentenverband.....dann kann ich mir ein Bild machen.
    • loquito 14.06.2019 08:29
      Highlight Highlight Den kriegst du täglich in der Werbung.... Alles andere ist Beilage. Tschh, tschhh etc.
  • Ökonometriker 14.06.2019 02:28
    Highlight Highlight Offenbar haben die Beamten in Bern zu wenig zu tun und arbeiten solche Merkblätter aus. Ich hätte während der Arbeit keine Zeit für sowas...
    • Astrogator 14.06.2019 02:43
      Highlight Highlight Wer den ganzen Tag hindurch auf Watson kommentiert, hat auf der Arbeit wohl wirklich immensen Stress.

      Lass mich raten, 10 Stunden am Tag im Büro, die Hälfte der Zeit am online surfen und Privates erledigen und am Wochenende dann jammern, dass man jeden Tag 2 Überstunden schiebt?
    • Fly Boy Tschoko 14.06.2019 05:52
      Highlight Highlight Vielleicht haben sie keine Zeit für sowas weils es nicht ihr Job ist sowas zu machen?
    • TWilli 14.06.2019 06:54
      Highlight Highlight Ein Mitarbeiter der sich auch sonst mit dem Thema befasst braucht für so ein Leitfaden höchstens 2 Stunden. Und der Bund sollte ein Vorbild sein für andere Unternehmen. Da lohnt sich der Aufwand schon. Sie können ja den Leitfaden in ihrem Unternehmen einführen und verschwenden keine ihrer wertvollen Zeit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rellik 14.06.2019 02:15
    Highlight Highlight Also wenn ich Zanetti sehe und höre, vergeht mir tatsächlich die Lust...
  • Kola 14.06.2019 02:08
    Highlight Highlight Sind wir nicht langsam an einem Punkt wo wir uns solche Politiker nicht mehr leisten können?
  • Kruk 14.06.2019 02:02
    Highlight Highlight Ist dieser Zanetti nicht einfach nur noch peinlich?
    • Pafeld 14.06.2019 02:21
      Highlight Highlight Hat sich wohl selbst in der medialen Berichterstattung vermisst und weil die SVP heute mal keine hauseigene Peinlichkeit geboten hat, musste er sich einmal mehr den Blödsinn von den Grünen Bevormundern aus den Fingern saugen. Zanetti hat offensichtlich nicht den Anspruch, die Politik in der Schweiz irgendwie konstruktiv zu beeinflussen.
    • Jo Blocher 14.06.2019 06:12
      Highlight Highlight @Kruk
      Zanetti ist mehr als peinlich; er ist eine typische SVP-Fehlbesetzung, was aber nicht heissen will, dass solche "Leitfäden" gut sind. Mir gehen Leute auf den Wecker, die einem ungefragt Tipps unterjubeln wollen. Ätzend.
    • LibConTheo 14.06.2019 07:29
      Highlight Highlight Nein, er steht ein für das Individuelle Selbstbestimmungsrecht und dessen Unversehrtheit auch gegenüber einem Staat.

      Empfinde ich persönlich als grundlegend vernünftige Haltung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mutbürgerin 14.06.2019 01:43
    Highlight Highlight Aus der Seele gesprochen. Zanetti for Bundesrat.
  • Bündn0r 14.06.2019 00:08
    Highlight Highlight Teilweise frage ich mich schon, mit was sich Bern zu beschäftigen vermag.


    Ganz unrecht hat er nicht: Würden sie den Personalbestand morgen halbieren, würde das wohl keiner von uns so schnell bemerken.
    Eine Rückbesinnung auf die Kernaufgaben wäre wirklich wünschenswert.
    Der Ton, den Zanetti anschlägt, ist... sagen wir SVP-typisch.

    PS: Darf ich pescetarische Speisen wie Lachs- oder Thonbrötchen weiterhin mittig anordnen oder muss ich sie zum Fleisch verbannen?
    • trio 14.06.2019 12:45
      Highlight Highlight Du musst gar nichts 😉 ist ja ein Leitfaden. Ist wohl schwierig zu verstehen.
  • richard kieser 14.06.2019 00:02
    Highlight Highlight zanetti, glarner, köppel... egoistische auslaufmodelle mit infantilen freiheitsdefinitionen. es ist nur noch peinlich!
  • Clife 13.06.2019 23:32
    Highlight Highlight Der NR soll sich doch lieber um das Klima kümmern statt um einen Apéro...und Zanetti besser ebenfalls statt empört zu sein über ein Apéro. Kann doch nicht sein, dass ein Apéro ein Staatsthema für Nationalräte wird 🤦‍♂️ Beide durchgefallen, würde ich sagen.
  • Mafi 13.06.2019 23:21
    Highlight Highlight "Bevormundend und anmassend seien die Tipps"

    Wie kann ein Tipp bevormundend sein... Es ist ja ein Tipp. Mit Gründen. Ich lach mich schlapp. Psuedo-Empört spielen und lieber die Augen vor der Realität zumachen, das ist es was Sie machen, Herr Zanetti.
  • Platon 13.06.2019 23:19
    Highlight Highlight Na dann ernähr dich doch zu 100% mit Wurst und Speck, Zanetti, es interessiert wirklich niemanden! Dass mindestens zwei Drittel Vegetarisches nachhaltiger ist, ist einfach ein Fakt. Das BAFU ist verpflichtet, richtige Informationen zur Nachhaltigkeit zu liefern und nicht zu den lustvollen Essgewohnheiten eines SVPlers. Wie kann man sich überhaupt an so etwas stören? Hat Zanetti ein VR-Mandat bei Bell?
  • Zauggovia 13.06.2019 23:17
    Highlight Highlight Aufklären und Leitfaden verfassen darf der Bund gerne (irgendwie müssen die Herren und Damen vom BAFU ihre Stellenprozente ja auch rechtfertigen).
    Hauptsache sie erlassen keine Apėrogesetze.
  • RichPurnell 13.06.2019 23:01
    Highlight Highlight "Eigentliche Aufgabe der Verwaltung wäre es, dass Leben der Bürger angenehmer zu machen."

    Damit ist das Schweizer Volk und auch die zukünftigen(!) Generationen des Schweizer Volkes gemeint, lieber Zanetti, und nicht dein Bankkonto und das deiner Kollegen.

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