Irak
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epa06226354 A female Kurdish Peshmerga soldier flashes the victory sign during Kurdistan independence referendum in Erbil, Kurdistan region in northern Iraq, 25 September 2017. The Kurdistan region is an autonomous region in northern Iraq since 1991, with an estimated population of 5.3 million people. The region shares borders with Turkey, Iran, and Syria, all of which have large Kurdish minorities. On 25 September, the Kurdistan region holds a referendum for independence and the creation of the state of Kurdistan amidst divided international support.  EPA/GAILAN HAJI

Eine Kurdin feiert das Abstimmungsergebnis in Erbil.  Bild: EPA/EPA

Bricht jetzt der Irak auseinander? Kurden stimmen mit grosser Mehrheit für Unabhängigkeit



Beim umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak zeichnet sich eine überwältigende Mehrheit für eine Abspaltung vom Rest des Landes ab. Die Wahlkommission rechnet damit, dass mehr als 90 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit gestimmt haben.

Die vorläufige Wahlbeteiligung lag bei mehr als 72 Prozent, wie die Kommission am Montagabend weiter mitteilte. Insgesamt hätten 3,3 Millionen der 5,3 Millionen eingetragenen Wähler teilgenommen, teilte ein Sprecher mit. Wegen des grossen Andrangs blieben die Wahlbüros eine Stunde länger, bis 19 Uhr Ortszeit offen. Das Ergebnis wird für Dienstagabend erwartet.

Sorge vor Spannungen

Nach dem Referendum feierten die Kurden ausgelassen auf den Strassen. Durch die kurdische Hauptstadt Erbil fuhren hupende Autos, teilweise brach der Verkehr zusammen. Menschen tanzten auf den Trottoirs und schwenkten rot-weiss-grüne kurdische Fahnen. Immer wieder stieg Feuerwerk auf, Freudenschüsse waren zu hören.

Unterdessen wächst die Sorge vor neuen Spannungen in der Region. UNO-Generalsekretär António Guterres befürchtete am Montag «möglicherweise destabilisierende Folgen». Er respektiere die Souveränität, territoriale Integrität und Einheit des Irak, liess Guterres in New York mitteilen. Alle Konflikte zwischen Iraks Zentralregierung und der kurdischen Regionalregierung sollten durch «strukturierten Dialog und konstruktiven Kompromiss» gelöst werden.

Scharfe internationale Kritik

Die nordirakischen Kurden hatten das historische Referendum über ihre Unabhängigkeit am Montag trotz scharfer internationaler Kritik durchgeführt. Das Ergebnis ist jedoch rechtlich nicht bindend.

Die irakische Zentralregierung hatte die Abstimmung als nicht verfassungsgemäss verurteilt. Vize-Präsident Nuri al-Maliki sagte, «das Referendum sei eine Kriegserklärung an die Einheit des irakischen Volks».

Auch aus der Türkei kam Kritik. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit einem Stopp des kurdischen Ölexports und einer militärischen Intervention im Nordirak nach dem Vorbild des türkischen Einmarsches in Syrien. Das Referendum nannte er «null und nichtig».

Der Nachbar Iran schloss nach dem Luftraum nach offiziellen Angaben auch die Landgrenze zu den Kurden-Gebieten. Allerdings gab es unterschiedliche Berichte dazu, ob ein Grenzübergang weiterhin geöffnet blieb. Die Türkei und der Iran fürchten Auswirkungen auf die Autonomiebestrebungen ihre eigenen kurdischen Minderheiten.

Groll gegen Zentralregierung

Die USA als wichtiger Verbündeter der Kurden hatten sich ebenfalls gegen das Referendum ausgesprochen, weil sie den Kampf gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») gefährdet sehen.

Für viele Kurden würde sich mit der Unabhängigkeit ein langgehegter Traum erfüllen. Sie verweisen darauf, dass sie lange von der Zentralregierung unterdrückt und bekämpft worden seien.

Kurden-Präsident Massud Barsani hatte die umstrittene Abstimmung am Sonntag verteidigt und erklärt, die Partnerschaft mit Bagdad sei gescheitert. Der Türkei und dem Iran versicherte er, ein Stabilitätsfaktor in der Region zu sein. Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer seien bereit, auf jeden Angriff zu reagieren. (sda/dpa/afp)

«IS»-Offensive im Irak in Bildern

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