Unvergessen
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Phil Mahre (11) stands with his brother Steve (3) and Didier Bouvet (16) of France after the XIV Winter Olympics slalom on Mt. Bjelasnica in Sarajevo, Feb. 19, 1984. Americans Phil and Steve took top honors with Phil winning and gold and Steve, silver. Bouvet took the bronze medal. (AP Photo/Jack Smith)

Olympiasieger Phil Mahre (Mitte) mit Zwillingsbruder Steve (links) und Bronze-Medaillengewinner Didier Bouvet. Bild: AP NY

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Doppelt hält besser – Mahre-Zwillinge feiern Doppelsieg im Olympia-Slalom

19. Februar 1984: Für die Schweiz gibt es im Männer-Slalom der Olympischen Spiele von Sarajevo nichts zu holen. Den Sieg machen Zwillinge aus den USA unter sich aus: Phil Mahre gewinnt vor seinem Bruder Steve die Goldmedaille.



Phil Mahre ist als dreifacher Gesamtweltcupsieger eine der grossen Figuren in der Geschichte des Skiweltcups. 27 Rennen kann er gewinnen. Auch Zwillingsbruder Steve schafft es bis ganz an die Spitze: Er gewinnt im Weltcup neun Mal und wird 1982 in Schladming Riesenslalom-Weltmeister.

Historisch wird der 19. Februar 1984. An den Olympischen Spielen in Sarajevo feiern die Mahre-Zwillinge einen Doppelsieg: Der zehn Minuten ältere Phil triumphiert 21 Hundertstel vor Steve. Dabei liegt er nach dem 1. Lauf noch 0,70 Sekunden hinter seinem Bruder, der bei Halbzeit führt, zurück.

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Die Entscheidung im Olympia-Slalom. Video: YouTube/westnyacktwins

«Mir gelangen zwei tadellose Läufe, sie waren praktisch fehlerfrei», freut sich Olympiasieger Phil Mahre. «Ich machte drei grosse Fehler», analysiert Bruder Steve, der weiss, dass er hätte gewinnen können, «aber so ist Slalom.»

Olympiasieg und Vaterfreuden am gleichen Tag

«Dass wir zu zweit hier stehen, ist ein grossartiges Gefühl», meint Silbermedaillen-Gewinner Steve und ergänzt: «Noch besser wäre es nur, wenn ich der Erste wäre und er Zweiter.»

«Vor den Olympischen Spielen hatten uns viele schon abgeschrieben», sagt Phil Mahre mit etwas Abstand. «Nach dem Doppelsieg mussten diese Kritiker schön Kreide fressen.»

Wie gut sich die Brüder verstehen, wird im Zielgelände von Sarajevo klar. Phil greift nach seinem fabelhaften 2. Lauf zum Funkgerät, um seinem schärfsten Rivalen Steve Tipps zu geben. Kaum zu glauben für die Umstehenden: «Da ist einer drauf und dran, eine Olympiamedaille zu gewinnen und er sagt seinem Bruder, wie er ihn schlagen kann», erinnert sich Phil. Sein Tag wird noch besser, denn auf dem Weg zur Medaillenzeremonie erfährt er, dass seine Frau Holly ihr erstes Kind, Sohn Alex, auf die Welt gebracht hat.

Fataler Nummerntausch

Und der Tag vor rund 100'000 enthuastischen Fans, die vergeblich auf einen Sieg des Jugoslawen Bojan Krizaj (Rang 7) hoffen, ist sowieso viel besser als jener einen Monat zuvor in Parpan. Im Bündnerland werden die Mahre-Zwillinge beim Weltcup-Slalom disqualifiziert, weil sie mit der jeweils falschen Startnummer fahren. Steve kommt so um den Sieg, der Luxemburger Marc Girardelli erbt den Sieg.

Der Slalomtrainer des US-Teams übernimmt die Verantwortung für den folgenschweren Lapsus. «Ich habe am Tag vor dem Rennen Steve beide Nummern überreicht. Es handelte sich um die 3 und die 13, die 1 der 13 dürfte umgeschlagen gewesen sein», erklärt Tom Kelly der österreichischen «Arbeiter-Zeitung». Weil Liechtenstein – Willi Frommelt wird so Dritter – Protest einlegt, werden die Mahres regelkonform disqualifiziert. Und der jugoslawische Trainer wittert sogleich eine Verschwörung: «Vielleicht haben Phil und Steve all ihre Erfolge auch schon in Koproduktion erobert.»

Erfolgreiche Geschwister

Das Schweizer Team kann im Olympia-Slalom 1984 nicht vergeben, dass die Disziplin sein Sorgenkind ist. Pirmin Zurbriggen, Max Julen und Joël Gaspoz scheiden aus, Thomas Bürgler fährt mit knapp zwei Sekunden Rückstand aufs Podest auf Rang 10.

Zwei Menschen, ein Gesicht: Die Mahres unterwegs an den Start.

Erfolgreiche Brüder stellt das Schweizer Olympia-Team 22 Jahre später. 2006 in Turin wiederholt im Parallel-Riesenslalom der Snowboarder Philipp Schoch seinen Olympiasieg, dieses Mal gewinnt der Tösstaler Gold vor seinem Bruder Simon.

First placed Swiss Philipp Schoch, right, and his brother Simon Schoch show the gold and silver medals they won in today's Snowboard Men's Parallel Giant Slalom after the medal ceremony on Piazza Castello in Turin, Italy, Wednesday, February 22, 2006, during the XX. Turin 2006 Olympic Winter Games. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Simon (links) und Philipp Schoch in Turin. Bild: KEYSTONE

Historisch ist auch die Leistung der Französinnen Marielle und Christine Goitschel. An den Olympischen Spielen 1964 gewinnt Marielle den Riesenslalom vor ihrer Schwester Christine, im Slalom lautet das Ergebnis genau umgekehrt. Und 2014 in Sotschi triumphiert die Kanadierin Justine Dufour-Lapointe auf der Buckelpiste vor ihrer Schwester Chloé.

epa04064811 Gold medallist Justine Dufour-Lapointe (L) of Canada and silver medalist Chloe Dufour-Lapointe (R) of Canada after the medal ceremony for the Freestyle Skiing Women's Moguls at the Sochi 2014 Olympic Games, Sochi, Russia, 09 February 2014.  EPA/HANNIBAL HANSCHKE

Olympiasiegerin Justine (links) und Schwester Chloé Dufour-Lapointe in Sotschi. Bild: EPA

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