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ZUM INTERVIEW VON SP PRAESIDENT CHRISTIAN LEVRAT MIT DER

Christian Levrat attackiert den Bundesrat. Bild: KEYSTONE

SP-Präsident Levrat zur Lohnsenkungs-Debatte:

«Schneider-Ammann macht auf Panik»



SP-Präsident Christian Levrat wehrt sich vehement gegen Forderungen nach Lohnsenkungen, um Unternehmen bei der Bewältigung der Frankenstärke zu unterstützen. Tiefere Löhne würden aus seiner Sicht zu neuen Problemen und allenfalls sogar zu einer Rezession führen.

«Löhne auf breiter Front zu senken, heisst, das Land direkt in eine schwere Rezession zu führen», sagte Levrat in einem Interview, welches im Tages-Anzeiger und «Der Bund» erschien. Bei tieferen Löhnen würden die Konsumenten nichts mehr kaufen, was einen Einbruch der inländischen Nachfrage zur Folge hätte, begründet er. Diese habe aber 2009 und 2011 die Wirtschaft «gerettet».

Der Freiburger Ständerat mag auch nicht daran glauben, dass die Preise dank der nun billigeren Importe generell sinken werden. Er fordert aber die Detailhändler auf, die Differenz aus dem stärkeren Franken an die Kunden weiterzugeben. «Unsere politische Aufgabe ist es, besorgt zu sein, dass Importeure die Wechselkursgewinne nicht in die eigene Tasche wirtschaften», sagte er.

Vorwurf der Panikmache

Levrat greift auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann scharf an. Die bisherigen Aussagen des Bundesrates interpretiert Levrat als Aufforderung zu Lohnsenkungen. Schneider-Ammann mache auf Panik, sagte Levrat. «Ich bedaure es sehr, dass der Wirtschaftsminister es nicht schafft, die Ruhe zu bewahren.»

Schneider-Ammann distanzierte sich davon, er wolle die Löhne senken. Lohnverhandlungen seien Sache der Sozialpartner, sagte er am Wochenende zur Nachrichtenagentur sda. Der Berner FDP-Bundesrat bezeichnete Lohnsenkungen als allerletztes Mittel in extremen Situationen.

Weiterbildung während Kurzarbeit

Levrat bringt einen ganzen Strauss von Massnahmen ins Spiel, etwa die Förderung von Lehrstellen oder die Kombination von Kurzarbeit mit einer «Bildungsoffensive». «Die kurzarbeitenden Personen sollen nicht einfach zu Hause sein, sondern ihre Qualifikation verbessern und somit der Branche mehr Qualität liefern», sagte Levrat.

Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB

Richtig sei es auch, Firmen von der Bürokratie zu entlasten, wobei Levrat die Umsetzung nicht für einfach hält. Ein Konjunkturprogramm möchte er lieber heute als morgen auf den Weg bringen, damit es bei Ausbruch der Krise wirken könnte. Massnahmen könnten die Kantone aber auch mit den Ausschüttungen der Nationalbank bezahlen.

Nationalbank in der Pflicht

«Untauglich» seien aber bürgerliche Vorschläge für Steuersenkungen oder den Stopp von Gesetzesrevisionen, sagte Levrat. «Welchen Sinn ergeben Steuersenkungen, wenn Firmen Verluste realisieren?», fragt Levrat.

In der Pflicht sieht er vor allem die Schweizerische Nationalbank. Der grosse Faktor sei der Wechselkurs: «Dort muss vor allem die Nationalbank ansetzen», sagte er. Eine längere Parität zum Euro wäre für die Wirtschaft verheerend. «Wenn das Gewitter vorüber ist, muss die SNB wieder ein höheres Wechselkursniveau verteidigen.» (feb/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Wolfsblut_2 28.01.2015 12:47
    Highlight Highlight Wenn er nur abgewählt würde, unser Steueroptimierer-Bundesrat!
  • TheRabbit 28.01.2015 08:14
    Highlight Highlight Ein Konjunkturprogramm an dieser stelle würde falsche Anreize setzen. Ausserdem finde ich es schädlich, dass man vor allem in der Tourismusbranche nur von den Nobel-Hotels berichtet. Wer in Andermatt, Zermatt und St. Mortiz ein Hotel besitzt, hat in den letzten Jahren genug verdient um 1-2 Krisenjahre zu überleben.
    Viel härter trifft es die kleinen Hotels, welche nicht mehr viel Sparpotential haben.
    • Lumpirr01 28.01.2015 10:01
      Highlight Highlight Die kleinen Hotel ohne Reserven werden jetzt ja mit Asylanten ausgelastet. Nun kommen die Einnahmen halt anstelle von den Touristen aus der Steuerkasse! @Christian Denzler &
      Banda69: Fragt mal Herrn Bodenmann als Hotelbesitzer, ob er der SVP nahe steht? Dieses Thema hier hat wohl kaum etwas mit dem immer wieder gerne ins Spiel gebrachte politische Links / Rechts zutun!
  • Christian Denzler 28.01.2015 07:35
    Highlight Highlight
    Mir fällt auf, dass immer nur von Lohnkürzungen bei den Arbeitern geredet wird also denen, die sowieso schon kämpfen. Wie wäre es mit Lohnkürzungen beim Kader oder den «Top»-Managern? Da höre ich nicht einmal Gedankenspiele. Die SVP wird ihrer Klientel sicher zur Seite stehen und den Wirtschaftsbossen helfen, die Löhne zu senken. Ganz nach dem Motto: Es gibt nichts Schlimmeres wie eine ungenutze Krise.

    Darüber hinaus hat mein Namensvetter recht. Wie immer.

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