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Nationaltrainer Vladimir Petkovic an einer Pressekonferenz anlaesslich des Zusammenzuges der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, am Montag, 12. November 2018 in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Muss schon fast mit einer Rumpfmannschaft planen: Nati-Trainer Vladimir Petkovic an der Pressekonferenz am Montag in Lugano. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Embolo, Akanji, Bürki, Lichtsteiner – das sagt Petkovic zum Nati-Lazarett



Vor den Spielen in dieser Woche gegen Katar und Belgien hat der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic fast mehr verletzte und angeschlagene Spieler als gesunde.

Aus diesem Grund fordert Petkovic die UEFA und die FIFA auf, sich wegen solcher Missstände grundsätzliche Gedanken zu machen.

Die Szene im Konferenzsaal im Untergeschoss des Hotels Villa Sassa in Lugano hatte etwas Skurriles. Nationalcoach Vladimir Petkovic sprach am runden Tisch zu einem Dutzend Medienvertretern und zählte eine endlos scheinende Reihe von Spielern auf, die angeschlagen oder verletzt ins SFV-Camp eingerückt sind. Timm Klose kämpft mit Knöchelproblemen und Ricardo Rodriguez zwickt es an den Adduktoren. Fabian Schär hat das Nasenbein gebrochen und Djibril Sow einen Schlag bekommen.

Petkovic erwähnte auch die Spieler, die erst gar nicht angereist sind wegen Verletzungen: Stephan Lichtsteiner, Manuel Akanji, Roman Bürki, Admir Mehmedi oder Johan Djourou. Und er sprach von der Hoffnung, dass wenigstens Breel Embolo rechtzeitig fit wird, wenigstens für das Spiel gegen Belgien am Sonntag. Es gebe gerade einen Untersuch im Spital. Da legt der Pressechef des Verbandes Petkovic einen Zettel hin. Darauf stehen ein paar Worte: Embolo, MRI, Fuss, Bruch. Petkovic schluckt einmal leer und verkündet: «Also, Embolo ist auch nicht dabei.»

Experimente statt Feinschliff

Petkovic ist nicht zu beneiden. Er wollte in dieser Woche mit dem Testspiel am Mittwoch gegen Katar in Lugano und dem letzten Spiel in der Nations League am Sonntag gegen Belgien in Luzern die Phase der Neuausrichtung abschliessen. Er wollte Erkenntnisse bestätigt sehen, die er aus den ersten vier Partien des Herbstes gewonnen hatte, bevor nach dem Spiel gegen Belgien «ein Strich gezogen» würde und «die Basis für die Zukunft» gelegt sein sollte. Stattdessen ist Petkovic nun gezwungen, mehr zu experimentieren, als ihm im Sommer vorgeschwebt war, als er von einem Herbst «der neuen Ideen und der Weiterentwicklung» sprach.

Der Nationalcoach will sich nicht beklagen und sagt von sich: «Ich bin immer optimistisch.» Und: «Wir dürfen uns nicht zu viele Sorgen machen.» Doch zufrieden ist Petkovic an diesem Nachmittag nicht. Wegen der Flut der Absagen. Aber auch ganz allgemein wegen seiner Situation als Nationaltrainer. Er und seine Amtskollegen müssen sich vorkommen wie das fünfte Rad am Wagen der Fussball-Unterhaltungsindustrie.

Wenn nämlich die Nationaltrainer mit ihren Auswahlen zur Arbeit schreiten, ist irgendwie gerade immer ein schlechter Zeitpunkt. Im September sind die Spieler noch nicht in Form, weil die Meisterschaft eben erst begonnen hat. Im November sind sie verletzt, angeschlagen oder müde, weil sie im Klub während Wochen alle drei Tage im Einsatz gestanden sind. Im März stehen die Spieler bei ihren Vereinen vor entscheidenden Wochen. Meisterrennen, Abstiegskampf, Champions-League-Endphase. Und im Juni ist das Nationalteam ohnehin oft eine lästige Pflicht. Schliesslich wurde die Saison im Klub dann nach über 50 Spielen gerade erst abgeschlossen, und die Spieler sehnen sich nach Ferien.

«Kapazität ist nicht unendlich»

Deshalb richtet Petkovic einen Appell an die Fussball-Mächte. «UEFA und FIFA sollen sich überlegen, was wichtig ist für die Klubs – aber auch, was wichtig ist für die Nationalmannschaften.» Er könne die Klubtrainer verstehen, die ihre wichtigen Spieler forcieren müssten, «weil sie wie ich als Nationalcoach auch eine Struktur und eine feste Organisation im Team brauchen». Aber: «Die Kapazität der Spieler ist nicht unendlich.» Breel Embolo ist nicht verletzt, weil er am Sonntag einen Schlag auf den Fuss bekommen hat. In einem Fall wie seinem sprechen die Ärzte rasch einmal von einem Ermüdungsbruch.

Am oberen Limit spielen in ihren Klubs etwa Manuel Akanji, Ricardo Rodriguez und Granit Xhaka. Akanji hat nach (scheinbar) überstandenen Hüftproblemen in der letzten Woche in der Bundesliga und in der Champions League innerhalb von sieben Tagen drei Mal 90 Minuten gespielt - und fällt nun wegen erneuter Hüftschmerzen aus. Rodriguez stand bei Milan in den drei Wochen seit dem letzten Nationalteam-Termin in sechs von sieben Spielen in der Serie A und in der Europa League während 90 Minuten auf dem Platz – und reiste nun mit Adduktorenproblemen nach Lugano.

Und Granit Xhaka wurde bei Arsenal im gleichen Zeitraum in Meisterschaft und Europacup in fünf von sechs Spielen forciert. Wenigstens er ist gesund im Tessin angekommen. (sda)

Die Rekordspieler der Schweizer Nati

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    Alle Leser-Kommentare
  • plaga versus 12.11.2018 21:53
    Highlight Highlight Jetzt das Gejammer, dass unsere Naticracks zu wenig Einsätze und Spiele haben. Vor einigen Monaten hat es noch geheissen, dass zu viele zu wenig spielen...

    Machts doch wie bei den Eisgenossen.
  • Nelson Muntz 12.11.2018 21:20
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