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Tote bei Protesten gegen kongolesischen Präsidenten



Bei Protesten gegen Kongos Präsident Joseph Kabila sind mindestens acht Menschen getötet worden. Sieben Menschen seien in der Hauptstadt Kinshasa, ein weiterer sei in der zentralen Stadt Kananga getötet worden, verlautete am Sonntag aus einer Uno-Quelle.

Die Polizei sprach von vier Toten und mehreren Verletzten. Landesweit seien etwa 120 Menschen am Rande der Proteste gegen Präsident Joseph Kabila festgenommen worden, hiess es von der Uno-Friedensmission im Kongo. Rund 80 Menschen, darunter Priester, seien in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, Kinshasa, festgenommen worden.

Der Zusammenschluss von Menschenrechtsorganisationen (ONGDH) berichtete von Hunderten Festnahmen. Sicherheitskräfte hätten sogar in mehreren Kirchen Kinshasas Tränengas eingesetzt, um Proteste zu verhindern.

Die Regierung verhängte eine Internet-Sperre, um die Organisation weiterer Proteste zu erschweren. Kommunikationsminister Emery Okundji Ndjovu hatte am Samstag die vorübergehende Abschaltung des mobilen Internets und von SMS-Diensten angeordnet. Die Sperre soll am 1. Januar überprüft werden.

Proteste verboten

Katholische Bürgerrechtler hatten zu den Protesten aufgerufen; die gesamte Opposition schloss sich dem Aufruf an. Die Polizei hatte sie verboten. Bei ähnlichen Protesten im vergangenen Jahr waren Dutzende Demonstranten von Sicherheitskräften getötet worden.

Die Proteste richten sich gegen Kabila, weil dieser seinen Posten nicht räumt. Seine Amtszeit lief eigentlich im Dezember 2016 ab. In Absprache mit der Opposition durfte er zwar dennoch vorerst an der Macht bleiben. Spätestens Ende 2017 sollte aber ein Nachfolger gewählt werden. Allerdings wurden diese Abstimmung inzwischen auf Ende 2018 verschoben.

Kritiker vermuten, dass Kabila die Zeit nutzen will, um einen Verfassungspassus zu streichen, der es ihm verbietet, sich um eine weitere Amtszeit zu bewerben.

Messdiener festgenommen

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete am Sonntag, wie Soldaten einem Mann bei einem Protestmarsch in der Stadt Kananga im Zentrum des Landes in die Brust schossen. In der Hauptstadt Kinshasa wurden mehrere Menschen verletzt, als die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgingen.

In mehreren Kirchen in Kinshasa trieben Sicherheitskräfte Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinander und feuerten Warnschüsse ab. Im Zentrum der Stadt wurden zwölf junge Messdiener festgenommen, die einen Protestzug gegen Kabila anführten, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Vor der St. Michaels-Kirche in Kinshasa drohte ein Armeeoffizier einem Reporterteam der Nachrichtenagentur AFP: Wenn die Journalisten nicht abzögen, werde er seinen Soldaten Befehl erteilen, auf sie zu schiessen. Ein Journalist des französischen Radiosenders RFI wurde vorübergehend festgenommen.

Polizei: Keine scharfe Munition

Ein Polizeisprecher erklärte, die Sicherheitskräfte hätten keine scharfe Munition verwendet. «Wir sind zur Tageszeit im Einsatz. Jeder beobachtet uns. Es ist nicht nachts.» Er bestätigte allerdings, dass Demonstranten in Gewahrsam genommen worden seien. Sie hätten Strassenbarrikaden errichtet und Reifen in Brand gesetzt.

Bereits in der Nacht waren vor den Kirchen der Stadt Polizei und Armee aufmarschiert, Strassensperren wurden eingerichtet. Die Demokratische Republik Kongo, eine frühere Kolonie Belgiens, ist mehrheitlich katholisch. (sda/afp/reu/dpa)

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