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Mehmet Scholl gewann mit Bayern München achtmal den Meistertitel und 2001 die Champions League. bild: imago-images.de

Mehmet Scholl erklärt mit harten Worten, warum sein Sohn Lucas gescheitert ist



Dass Mehmet Scholl ein Mann der klaren Worte ist, hat er spätestens im Anschluss an seine Fussballkarriere als ARD-Experte eindrücklich gezeigt. Doch Scholl urteilt nicht nur knallhart über Fussballprofis aus den Topligen – sondern auch über seinen eigenen Sohn, dem genau diese steile Fussballkarriere bisher nicht geglückt ist.

Lucas Scholl hatte bei Bayern München die Jugend durchlaufen. Unter Pep Guardiola durfte er bei den Profis mittrainieren, war kurz davor, den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Doch daraus wurde nichts: Heute spielt der 24-jährige Scholl-Sprössling beim SV Horn in der 2. österreichischen Liga. In einem Podcast der «Bild»-Zeitung (ab 01:27:06 Stunden) analysiert sein Vater nun schonungslos offen, warum Lucas Scholl den Sprung in die Bundesliga nicht geschafft hat.

«Das sind diese drei Komponenten, nach denen ich unterscheide», listete Scholl auf.

  1. «Was kann er technisch, taktisch, wie stoppt er, wie passt er, wie dribbelt wer, wie verhält er sich? Da ist Lucas bei 100 Prozent», analysierte Scholl. Daran scheiterte es also nicht.
  2. «Der zweite Bereich ist körperlich: Wie ist die Athletik, wie ist die Physis, wie ist die Ausdauer? Wie ist der Körperbau? Da ist er bei 60 Prozent», so Scholl kritisch.
  3. «Und eigentlich der wichtigste Bereich: Wie ist der Charakter? Wie reagiert ein Spieler, wenn's eng wird? Wird er besser, lehnt er sich auf, legt er eine Schippe drauf oder bricht er weg? Und da ist der Lucas bei 30 Prozent.»
Bildnummer: 15116874  Datum: 24.11.2013  Copyright: imago/Lackovic     Trainer Pep Guardiola gibt Lucas Scholl Anweisungen / Fussball / FC Bayern M

Lucas Scholl durfte 2013 mit 17 unter Pep Guardiola bei den Bayern mittrainieren. bild: imago-images.de

Scholl zu seinem Sohn: «Du bist ein verhinderter Multimillionär»

Genau hier sieht Scholl also den Grund, warum es sein Sohn nicht in eine Topliga geschafft hat: «Wenn du die dritte Kategorie nicht erfüllst, ist es scheisse. Wenn du die zweite nicht zu hundert Prozent erfüllst, ist es auch scheisse.» Die erste Kategorie hingegen würden viele Profis nicht zu hundert Prozent erfüllen.

Vom Reporter darauf angesprochen, ob er seine Worte über seinen eigenen Sohn nicht etwas hart finde, sagte Scholl: «Wie soll ich es anders analysieren? Ich kann es ja nicht anders analysieren als es ist.» Und weiter: «Ich hau doch jetzt mein Kind nicht in die Pfanne. Aber das ist Realität, Fakt.»

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Lucas mit Papa Mehmet Scholl bei einem Hallenturnier im Jahr 2009. bild: imago-images.de

Er rede mit seinem Sohn ehrlich und direkt über diese Dinge, sagte Scholl. «Ich sage ihm auch ganz offen: Du bist ein verhinderter Multimillionär.» Mit den Fähigkeiten, die er habe – verglichen mit dem, was am Ende dabei herauskomme.

Das Talent wäre also da, analysierte Scholl seinen Sohn. Pep Guardiola habe schon nach dem ersten Training bei den Bayern gesagt, dass Lucas «super Fähigkeiten» habe. Auf die Frage, was danach passiert sei, antwortete Scholl: «Die Erziehung hat aufgehört. Die Erziehung zum Erfolg, die Erziehung zur Qual, die Erziehung dazu, es unbedingt schaffen zu wollen – und zwar nicht zu seinen Bedingungen, sondern zu den Bedingungen, die es braucht, damit man oben ankommt.»

Scholl über seinen Sohn: «Dann bin ich irgendwann ausgestiegen»

Lucas habe zwei, drei «katastrophale Trainer» gehabt, aber das dürfe einen Spieler auf dem Weg nach oben nicht aufhalten. «Er hat viele verschenkte Jahre gehabt.» Das beste Jahr als Fussballer habe sein Sohn unter ihm in der U13 gehabt, sagte Scholl. Doch das habe das Vater-Sohn-Verhältnis stark belastet.

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Lucas Scholl will seinen eigenen Weg gehen. bild: imago-images.de

Am Ende sei es an seinem Sohn selbst gelegen – so lässt sich Scholls Analyse final zusammenfassen, der moniert, dass Lucas auf viele Ratschläge nicht habe hören wollen:

«Wenn ein Kind mit Lothar Matthäus zusammensitzt, mit Bastian Schweinsteiger, der Papa ist noch der Mehmet, und er sucht trotzdem einen anderen Weg, als alle ihm sagen – dann bin ich irgendwann ausgestiegen. Dann hab ich gesagt: Dann mach».

Zwischenmenschlich sei jedoch alles «okay» zwischen ihm und seinem Sohn, sagte Mehmet Scholl. «Es gibt auch mal Phasen, wo man wenig Kontakt hat. Das ist einfach so.» (hau)

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