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Bundesraetin Doris Leuthard spricht waehrend dem Swiss Media Forum am Freitag, 9. Mai 2014, im KKL in Luzern. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Leuthard am Freitag am Swiss Media Forum in Luzern. Bild: KEYSTONE

Interview mit Bundesrätin Doris Leuthard

«Das Portal watson ist derzeit vielleicht die einzige Innovation»

Doris Leuthard fordert die Medien zu mehr Innovation auf – und bringt eigene Ideen

christian dorer und thomas schlittler / aargauer zeitung

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Frau Bundesrätin, Sie sagen, die Schweizer Medienhäuser seien zu wenig innovativ. Wie erklären Sie sich das? 
Doris Leuthard: Ich stelle einfach fest: Medienhäuser reagieren vor allem mit Zu- und Verkäufen auf den Strukturwandel. Das Portal watson ist derzeit vielleicht die einzige Innovation. Es bräuchte mehr Ideen: neue Geschäftsmodelle, neue Apps, neue Kanäle, um Informationen zu den Leuten zu bringen. Nur so kommt man in einem Strukturwandel weiter – ändern kann man ihn nicht und jammern nützt nichts. 

Hätten Sie eine Idee, wie Schweizer Medien wieder mehr Geld verdienen könnten? 
Sie könnten zum Beispiel ins Ausland expandieren. In der Ukraine-Krise zeigt sich einmal mehr: Ausländische Intellektuelle, Politiker, Wirtschaftsführer konsumieren gerne Schweizer Medien, weil sie als ausgewogen und neutral gelten. Darauf werde ich im Ausland oft angesprochen, im Sinne von: Wenn wir nicht wissen, wem wir trauen können, dann informieren wir uns in Schweizer Medien.

«Wenn wir nicht wissen, wem wir trauen können, dann informieren wir uns in Schweizer Medien.»

Bundesrätin Leuthard

Wie soll das gehen, angesichts der Sprachbarriere? 
Nur schon der französische und der deutsche Sprachraum sind x-mal grösser als die Schweiz. Und warum sollen Schweizer Medien nicht auch englischsprachige Angebote einführen?

Was machen Schweizer Medien gut, was schlecht?
Die Konsumenten haben noch immer eine grosse Vielfalt, auch wenn es zu Konzentrationen unter den Verlagshäusern gekommen ist. Auf regionaler Ebene stelle ich fest: Die Zeitungen berichten zwar über Gemeindeversammlungen und Bauprojekte – aber sie ordnen oft nicht ein und kommentieren nicht. ​

Wie gefällt Ihnen unsere Zeitung? Es darf auch kritisch sein ... 
Wenn ich jetzt etwas herauspicke, bekommt es zu viel Gewicht. Unabhängig vom Titel, registrieren wir aber journalistische Fehlleistungen und stellen dann Korrekturen ins Netz oder thematisieren es bei Treffen mit Chefredaktoren. Ich habe auch schon direkt nach der Erscheinung eines Artikels reklamiert, dann gibt es aber manchmal am nächsten Tag gleich nochmals einen Verriss. Deshalb vermeide ich das. Medien reagieren viel sensibler auf Kritik als ein Bundesrat ...

«Medien reagieren viel sensibler auf Kritik als ein Bundesrat ...»

Bundesrätin Leuthard

Wie konsumieren Sie selber Medien? Lesen Sie am Morgen ganz normal Zeitung oder erhalten Sie von Ihren Mitarbeitern ausgewählte Artikel? 
Beides. Der Pressespiegel zeigt mir auf, wo was abgeht, wo wir reagieren müssen, wo Anfragen zu erwarten sind. Ich lese aber gern Zeitungen, meistens unterwegs im Auto, und natürlich bin ich online. Interessant ist, dass die welsche Presse oft ganz anders gewichtet als die Deutschschweizer. Das Geschrei um den Gripen zum Beispiel findet in der Westschweiz schon lange nicht mehr statt.

Weil die Landesteile unterschiedlich ticken? 
Das ist die Frage: das Land oder die Medienhäuser? Das ist nicht dasselbe. Was ich ebenfalls feststelle: Die Qualität der Zeitungen ist derzeit in der Westschweiz höher. Sie vertiefen Themen häufiger, und zwar auf aufwendige, gut gemachte Art und Weise. Sie bieten mehr umfassend eingebettete Hintergründe.

«Die jungen Leute sind ja nicht apolitisch oder desinteressiert.»

Bundesrätin Leuthard

Welche Auswirkungen hat der Medienwandel auf die direkte Demokratie? 
Die ältere Generation liest eine Tageszeitung, hört das «Echo der Zeit» und ist damit gut abgedeckt. Die Jungen hingegen lesen fast keine Zeitung mehr oder höchstens eine Gratiszeitung, ansonsten sind sie auf Social Media. Da müssen die Medien reagieren. Aber auch der Bund muss sich fragen: Wie erreichen wir die Jungen mit vertieften Informationen? Die jungen Leute sind ja nicht apolitisch oder desinteressiert. Bloss spricht sie die amtliche Verlautbarungsinformation wie beispielsweise das Abstimmungsbüchlein nicht an. Deshalb überlegen wir uns, ob wir Youtube-Filme zu den Abstimmungen machen sollen. 

«Der Branche fehlt es an Ideen»

Medienministerin Doris Leuthard versteht das Spiel mit Zuckerbrot und Peitsche hervorragend: «Die Branche erlebt gerade den grössten Strukturwandel, den sie je verarbeiten musste», sagte sie gestern in ihrer Rede am Swiss Media Forum in Luzern und zeigte damit Verständnis für die schwierige Situation der Medienbranche. Nur um kurz darauf die Peitsche rauszuholen: «Allerdings fehlt es der Branche an Ideen.» 

Leuthard ist der Überzeugung, dass die Medien nicht den Schutz durch Paragrafen brauchen, sondern mehr Innovation und Kooperation. Sie machte gar Werbung für den Fördertopf des Bundes, die KTI (Kommission für Technologie und Innovation). «Der Bund hat schon jede Branche bei Forschung, Entwicklung und Ausbildung unterstützt, deshalb verstehe ich nicht, warum Sie das nicht nutzen», sagte sie an die Adresse der anwesenden Medienunternehmer. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • spiox123 11.05.2014 23:39
    Highlight Highlight Und auf SF3 Sport gibts die Alternativ3 für den Sport. Wird in der Freizeit geführt von begeisterten Jungs, springen nicht auf die Gerüchte auf und bieten mehr als Blick die von Sport keine Ahnuhng haben. Wer wirklich guten Journalismus lesen will und immer informiert sein soll dort mal reinschauen.
    Das Watson der Zukunft ;-)

    http://www.facebook.com/sf3sport
  • nimmersatt 11.05.2014 18:55
    Highlight Highlight http://m.srf.ch/sendungen/international/medienhypes-in-deutschland-und-die-politischen-folgen
  • papparazzi 11.05.2014 13:52
    Highlight Highlight Ja genau, Frau Bundesrätin D. Leuthard hat recht... Mehr Innovation fördert wirklich gute Kommunikation! Wann kommt eigentlich der eingebettete Jornalismus von Schweizer Bürgern in interessanten Berufsfeldern oder in der Politik? Oder wieso gibt es noch kein Social Network Platformen für private Erlebnisberichte und Stellungsnahmen zu Geschehnissen a la buttom up nach dem Wikipedia Prinzip? Top down hat auch in der Medienbranche längerfristig keine Zukunft mehr, weil wir zu einer Medien- und Informationsgesellschaft geworden sind! Watson hat den Anfang gemacht... schaut bitte dass ihr an der Spitze bleibt! ut (dp)
  • Zeit_Genosse 10.05.2014 22:47
    Highlight Highlight Innovation stört Medienmanager (nicht Verleger), die in kostenoptimierten Prozessen und Kostenreduktion denken und handeln. Innovation stört eben die so standartisierten Prozesse. Da kauft man sich lieber noch etwas digitales ins Jungportfolio und glaubt innovativ zu sein, bis das Neue im Konzern ausniveliert und zermalen wird. In die Stammprodukte investiert man nicht mehr, weil die Generation der Jungmanager damit sich bei Investoren nicht profilieren können und von klassischer Medienproduktion keine Ahnung haben. Und da sie nur digital denken, fehlt die Sicht auf Konvergenz und Suprachanneling. Die vielen Berater helfen nicht, da sie zu M&A raten (Provisionen sind höher). Zu watson: Gut gemeint, nicht wirklich etwas neues, nur ein bischen anders. Also noch nicht unverzichtbar. Aber eine Berreicherung, die ich unterstütze, damit der Konkurrenz nicht die Tastaturen einschlafen. Konkurrenz soll zu mehr Qualität und nicht zu more of the same führen. Da hat Frau Leuthard schon ein bischen recht gehabt.
    • Horseman 11.05.2014 16:44
      Highlight Highlight Kleines Herzchen für den Zeit-Genossen .. :-)
      Schau euch den Film Alphabet an, der sagt's, ganz in meinem Sinn, noch viel klar und deutlicher:
      Die Industrialisierung des Menschen, die Verkommerzialsierung der Welt ist inetwa gleich katastrophal für die Menschheit wie der Klima-Wandel mit seinen verherrenden schleichenden Auswirkungen.
      Die liebe Doris hat also schon recht und leider ist es halt so; wenn sie deutlicher werden würde, würd sie gleich mit Schmutz und Dreck beworfen.
      In einer Zeit, wo jedes Wort in der Öffentlichkeit oder über die Medien verbreitet, gleich Breitenwirkung zeigt, braucht's Mut, klare und deutliche Worte zu machen
  • kiawase 10.05.2014 20:02
    Highlight Highlight sie sollte sich eher mal dafür schämen dass die schweiz was alternativenergie betrifft am schwanz ist in europa
  • nimmersatt 10.05.2014 19:59
    Highlight Highlight Wo bleibt die Innovation, wenn man die Mediengewandtheit einer Profipolitikerin nicht nur nicht hinterfragt, sondern sie gar zu Werbezwecken bemüht.

    Wenn Innovation darin besteht, sich den wirtschaftlichen Sachzwängen (ALLES IST WERBUNG, Klicks vor Inhalt) zu fügen, dann ist Watson wahrlich innovativ. Fragt sich bloss wieviel das mit Journalismus zu tun hat.
  • buco 10.05.2014 17:08
    Highlight Highlight Die Schreib- und Grammatikfehler der Kommentatoren sind hoffentlich nicht Spiegel von so genannten Hochqualifizierten.
  • Fabukk 10.05.2014 13:13
    Highlight Highlight "Ich lese aber gern Zeitungen, meistens unterwegs im Auto, und natürlich bin ich online."

    Wtf?!
    • elivi 10.05.2014 13:51
      Highlight Highlight Ja, das nennt man Fahrer ... was nichts heissen muss. Vielleicht ist es der universal geteilte Bundesratsfahrer, vielleicht geht sie normalerweise mit dem Zug, vielleicht hat sie eine Fahrgemeinschaft ... solange sie nicht sagt, dass sie ihre Zeitung gerne am Morgen im Helikopter liest, ist doch alles in Ordnung.
  • stevemosi 10.05.2014 12:18
    Highlight Highlight für mich definiert sich eine gute informationsquelle (zeitung, newsportale, tv nachrichten etc.) darüber, dass der inhalt nicht hauptsächlich aus guttenbergisierten inhalten von den grossen nachrichtenagenturen (AP, dpa, sda etc.) und möchtegern freshen beiträgen von hipsterpraktikanten besteht. es geht oft vergessen dass journalismus auch eine kunstform ist, und daher ein journalist auch eine art künstler. dies bedeuted nicht dass man z.b beim thema gripen, einen jules verne roman kreieren muss, jedoch bedeutet für mich guter journalismus, dass objektiv, investigativ und im eigenen stil berichtet wird. durchaus mit eigener meinung (ohne meinungsmache). und ich finde genau da geht watson meiner meinung nach den richtigen weg, auch wenn das angebot durchaus noch ausbaufähig ist. und auch wenn es mir jetzt kalt den rücken runterläuft, aber da gebe ich unserer bundes doris recht
    • Oberon 10.05.2014 15:07
      Highlight Highlight Da hast Du natürlich völlig recht, aber man darf trotzdem nicht vergessen das am Schluss Menschen hinter allem stehen.

    • Alnothur 10.05.2014 23:38
      Highlight Highlight Ohne Meinungsmache? Watson? Und an den Osterhase glaubst du bestimmt auch noch. Das ist eine regelrechte Propagandaseite.
  • Jol Bear 10.05.2014 10:56
    Highlight Highlight Immer wieder interessant, wenn sich Politiker oder Verwaltungsbeamte zu Strategien, Unternehmen und deren Innovationsfähigkeit äussern. Oft wissen sie offenbar sehr genau, was zu tun wäre. Besonders gut wissen es jeweils jene, die Zeit ihres Lebens noch nie ihr Geld selber auf dem Markt haben verdienen müssen oder noch nie mit ihrem eigenen Geld unternehmerische Risiken eingegangen sind.
    • Horny 10.05.2014 13:52
      Highlight Highlight Einmal mehr wird der Unterschied zwischen Theorie und Praxis aufgezeigt.
      Das belegt, dass ein guter Theoretiker noch lange kein guter Praktiker ist und Umgekehrt.

      Was im Übrigen auch ein sehr grosses Problem der Politik ist, weil immer mehr studierte ohne Praxiserfahrung in der Wirtschaft politisieren, und somit die realen Praxisbezogenen Informationen theoretisiert werden, was kaum aufgeht.
      Dies bedeutet, das die Ehre für ein Land zu Politisieren, nicht mehr vorhanden ist, sondern zum Business mutiert.

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Die Schweizer Depeschenagentur SDA musste dieses Jahr bereits einen Stellenabbau von rund 40 von 180 Arbeitsplätzen hinnehmen. Nun folgt der nächste Hammer: Der Zürcher Medienkonzern Tamedia soll den SDA-Sport-Dienst gekündet haben.

Dies berichtet die Tageswoche am Donnerstagabend. Tamedia, zu der «20 Minuten», «Tages-Anzeiger», «Der Bund» und weitere Titel gehören, bestätigt gegenüber der Zeitung die Kündigung auf Ende Jahr. 

Bei der Sportabteilung der SDA arbeiten derzeit 18 Personen. …

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