DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Pro-Waffen-Meme vergleicht die Schweiz mit Honduras und geht viral – dabei stimmt es hinten und vorne nicht

01.10.2015, 11:1901.10.2015, 11:50
Der Stein des Anstosses: Ein Bild, alles falsch.<br data-editable="remove">
Der Stein des Anstosses: Ein Bild, alles falsch.
Bild: Facebook

Wer als Schweizer einige Zeit in den USA verbringt, wird früher oder später auf jemanden treffen, der vom Schweizer Waffengesetz schwärmt. Viele Amerikaner haben ein ziemlich verklärtes Bild von der hiesigen Situation – wie ein Bild voller falscher Angaben zeigt, das bei den Amerikanern auf den sozialen Medien gerade viral geht.

Das Meme vergleicht die Mordrate und die Waffengesetze von Honduras und der Schweiz, zwei Länder, die eine ähnliche Einwohnerzahl aufweisen.

  • Honduras: Verbietet seinen Bürgern den Waffenbesitz – hat die höchste Mordrate auf der ganzen Welt
  • Schweiz: Zwingt die Bürger zum Waffenbesitz – hat die niedrigste Mordrate auf der ganzen Welt

Massgeblich zur Verbreitung des Bildes hat der ehemalige Marinesoldat und Waffennarr Steve Reichert beigetragen, dessen Facebook-Titelbild sagt: «Hillary for Prison 2016». Er teilte es mit seinen knapp 300'000 Followern; daraufhin wurde es 50'000 Mal weiterverbreitet und 11'000 mal geliked.

Screenshot: Facebook

Das Bild soll aufzeigen, dass restriktive Waffengesetze nichts bringen. Wie Websites, unter anderem ReverbPress und Politifact nicht überraschend feststellten, ist es jedoch mehr als ein bisschen irreführend – weil voller Fehlinformationen.

Bevölkerung

Die Schweiz und Honduras haben 8,2 Millionen Einwohner – das kommt ungefähr hin. Daraus aber auf eine kulturelle oder sozioökonomische Ähnlichkeit zu schliessen, ist ziemlich fahrlässig.

Während die Schweiz ein wohlhabendes Land mitten in Europa ist, tobt in Honduras der Drogenhandel und daraus resultierende Waffengewalt zwischen Banden. Die Schweiz hat gemäss Weltbank ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 84'000 US-Dollar, Honduras gerade mal 2400 Dollar. Diese Verhältnisse tragen unter anderem zu mehr Verbrechen und Waffengewalt bei.

Waffengesetze

Auch hier ist alles kreuzfalsch. Es gibt in Honduras kein Gesetz, das seinen Bürgern den Waffenbesitz verbietet – sogar Ausländer dürfen Schusswaffen bei sich tragen. Das Gesetz erlaubt jedem den Besitz von bis zu fünf Waffen – unter der Bedingung, dass man sie nicht sichtbar bei sich trägt.

Wie wir wissen, gibt es in der Schweiz kein Gesetz, dass uns dazu zwingt, eine Pistole oder ein Gewehr zu besitzen. Der Mythos entspringt der Pflicht von Armeeangehörigen, ihre Waffe bei sich zuhause zu lagern – aber ohne Munition. Sobald der Militärdienst beendet ist, wird die Waffe wieder abgegeben.

Mordrate

Da hätten wir ausnahmsweise etwas, das stimmt: Honduras hat tatsächlich die höchste Mordrate der Welt.

Dass die Schweiz die niedrigste haben soll, ist jedoch nicht korrekt. Obwohl die Mordrate in der Schweiz sehr tief ist, stehen einige Länder wie Singapur, Monaco oder Island noch besser da. (rey)

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zürcher Kispi ausgelastet – Kinder werden teilweise im Gang behandelt

Ein Tweet über angebliche «Kriegszustände» am Zürcher Kinderspital sorgt im Netz für Furore. Ist es wirklich so schlimm? Wir haben nachgefragt.

Es war ein Tweet einer Ärztin, der am Dienstagabend Furore machte. Sie schilderte auf rund 280 Zeichen, wie es gerade im Kinderspital Zürich aussehe: «Gestern wurde ein sechs Wochen altes Baby mit RSV ins Spital eingewiesen – diese Erkrankung kann zu einem Atemstillstand führen – es wurde nicht aufgenommen, weil sie KEIN Bett haben!» Sie zitiert eine Kindsmutter, wonach das Kinderspital überfüllt sei: «Selbst auf den Gängen liegen Kinder – wie im Krieg!»

Ihre dramatischen Worte wurden innert …

Artikel lesen
Link zum Artikel