DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ex-Priester missbrauchte Mädchen im Tessin sexuell

27.07.2016, 13:5427.07.2016, 14:11

Ein 65-jähriger ehemaliger Priester muss sich seit Mittwoch vor dem Kantonsstrafgericht in Lugano wegen sexueller Nötigung und sexuellen Handlungen mit Minderjährigen verantworten. Er soll eine heute 29-Jährige während ihrer Kindheit wiederholt missbraucht haben.

Während seiner Aktivität als Priester und Religionslehrer im Tessin soll der Angeklagte darüber hinaus seine Schüler unsittlich berührt haben, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Um sich ihnen zu nähern, habe er sie eingeladen, zu ihm nach Hause zu kommen, um den Computer zu nutzen.

Vertrauen der Mutter gewonnen

Besonders schwer wiegen die Vorwürfe der wiederholten sexuellen Nötigung eines damals 12-jährigen Mädchens, das er bereits aus seiner Zeit als Religionslehrer kannte.

Ab 2001 konnte der Beschuldigte das Vertrauen der Mutter gewinnen und in der Folgezeit mit dem Kind in die Ferien fahren oder alleine den Abend verbringen. Der Mann gab vor Gericht zu, dass es in dieser Zeit wiederholt zu sexuellen Kontakten mit dem damals 12-jährigen Mädchen kam. Gemäss der Anklageschrift geschah dies allein zwischen 2001 und 2003 in insgesamt 1208 Fällen.

Auf Nachfrage der Richterin gab der Beschuldigte alle Taten zu – er habe aber nie geglaubt, dass er die Handlungen erzwungen habe.

Entwicklungsschwächen ausgenutzt

Das Kind hatte bereits vor den Übergriffen Entwicklungsschwierigkeiten – laut der Richterin hat der Angeklagte diesen Umstand ausgenutzt und ein «exklusives Verhältnis» zu dem Mädchen aufgebaut: Er ging mit ihr in Schnellrestaurants essen, in den Freizeitpark oder ins Kino. Geriet sie mit ihren Spielkameraden in Streit, verteidigte er sie.

Die so aufgebaute Vertrauensbasis habe der Angeklagte dann genutzt, um das Mädchen für seine sexuellen Vorlieben gefügig zu machen – auch als das Opfer bereits weiter herangewachsen war, nutze der Ex-Priester ihre psychische Instabilität und ihre geistige Entwicklungsschwäche aus, um sich bis 2014 weiter an ihr zu vergehen. Dies geschah gemäss Anklageschrift zwei bis drei Mal pro Monat bei gemeinsamen Ausfahrten zu Einkaufszentren.

Am Donnerstag soll das heute 29-jährige Opfer vom Gericht befragt werden – wann ein Urteil in dem Prozess gesprochen wird, ist noch unklar. Der Angeklagte sass bereits 127 Tage in Untersuchungshaft und trat im Januar 2016 vorzeitig seine Haftstrafe an. (whr/sda)

Aktuelle Polizeibilder: Balkonbrand in der Stadt St.Gallen

1 / 95
Aktuelle Polizeibilder: Lagergebäude durch Brand beschädigt
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Am liebsten per «Suizid»: Mafiamorde gehören auch in der Schweiz zum Geschäftsmodell
In letzter Zeit mehrten sich Hinweise, dass die Mafia auch in der Schweiz immer wieder Leute umbringt. Mafia-Abrechnungen gibt es also auch bei uns – jedoch sehen sie nicht wie solche aus.

In den Akten zum Fall Imponimento findet sich eine spezielle Passage. Ein im Aargau stationierter Vertrauter des Mafiabosses der Anello-Fruci in Kalabrien sagte gemäss einem V-Mann der Schweizer Bundespolizei: «Normalerweise» würde er sich bei solchen Problemen an seinen «Kollegen» wenden. Gemeint war der Mafiaboss Rocco Anello. Aber das gehe jetzt ja nicht, weil der im Gefängnis sei. Und dann folgt dieser Satz: «Er selber wisse nicht, wer kommen würde, um sie zu töten.» Aber der Kollege, der im Gefängnis sitze, «wüsste, wer das machen könnte».

Zur Story