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Scheidungen sind out – und das hat seine Gründe

Warum bleiben Paare länger zusammen? «Das Singledasein wurde vom Leitbild zum Leidbild», sagt François Höpflinger, emeritierter Professor für Familiensoziologe an der Uni Zürich, und erklärt die Gründe für die Trendwende.
04.08.2018, 06:25
Yannick Nock / Schweiz am Wochenende
Verliebt, verlobt und noch lange nicht getrennt: Ehen werden heute weniger schnell geschieden (okay, Diana und Charles sind ein schlechtes Beispiel)
Verliebt, verlobt und noch lange nicht getrennt: Ehen werden heute weniger schnell geschieden (okay, Diana und Charles sind ein schlechtes Beispiel)Bild: EPA PA

Gute Aussichten für alle, die den Bund fürs Leben schliessen wollen: In der Schweiz ist die Zahl der Scheidungen auf den tiefsten Stand seit 2001 gesunken. Wie die neusten Zahlen des Bundes zeigen, gingen vergangenes Jahr 15'900 Ehe in die Brüche. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 22'100 Scheidungen. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Hochzeiten auf konstant hohem Niveau. Damit hat eine über Jahre geltende Aussage ihre Gültigkeit verloren: Heute wird nicht mehr jede zweite Ehe geschieden, sondern lediglich jede Dritte. Der Rosenkrieg bleibt öfters aus.

Zu dieser Entwicklung beigetragen hat, dass Paare heute länger zusammen sind, bevor sie heiraten. Viele leben über Jahre in einer gemeinsamen Wohnung, bevor sie vor den Traualtar treten. Solche Ehen seien in der Regel stabiler, sagt François Höpflinger, emeritierter Professor für Familiensoziologe an der Uni Zürich. «Jeder kennt die Eigenheiten des Partners und wie man damit umgehen kann.» Zudem würden in der Ehe heute mehr Freiheiten gewährt. Wenn sich Paare nicht auf einen Ferienort einigen könnten, gingen sie schon mal getrennt in den Urlaub. Statt mit dem Partner sei es heute auch üblich, wenn jeder mit seinen Freunden verreist, sagt Höpflinger.

Die Leiden des Singledaseins

Zum Wunsch nach einer stabilen Beziehung beigetragen haben allerdings auch Brandherde im Ausland: Finanzkrise, Kriege, Terror. Die Krisenjahre haben Spuren hinterlassen. «In einer unsicheren, schnelllebigen Welt bildet die Familie eine Art Insel», sagt Höpflinger. «Traditionelle Werte erhalten neuen Aufwind.» Die Individualisierung habe ihren Höhepunkt überschritten. «Das Singledasein wurde vom Leitbild zum Leidbild», sagt er. Das zeigt sich auch bei den Geburten. In den vergangenen Jahren haben in der Schweiz kontinuierlich mehr Babys das Licht der Welt erblickt.

10 Pärchen-Typen, die so richtig nerven. Sorry, gäll.

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Für den Anstieg hauptverantwortlich sind nicht Mütter, die viele Babys bekommen, sondern weniger Frauen verbleiben kinderlos. Es gibt mehr Kleinfamilien.

Das hat Auswirkungen auf die Scheidungsrate. Paare, bei denen die Kinder noch zu Hause wohnen, bleiben eher zusammen als solche ohne Nachwuchs. Geschieden wird zudem erst später: So ist der Anteil der Verheirateten, die sich nach 15 Jahren trennen, in den vergangenen Jahren gestiegen. Als Trennungsgrund wird oft «Auseinanderleben» genannt oder dass sich der Ex-Partner in eine andere Person verliebt hat.

Zudem gibt es grosse kantonale Unterschiede. In ländlichen und katholischen Regionen halten die Ehen in der Regel länger. Die wenigsten Scheidungen gibt es in Uri und Appenzell Innerroden. Auch in Nidwalden, Schwyz und Graubünden bleiben Paare öfter zusammen. Hingegen kommt es in Neuenburg, Waadt oder Genf am häufigsten zu Trennungen. Auch in den Städten (Zürich, Bern, Basel) lassen sich Paare öfter scheiden. Das könne auch an den besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten für alleinerziehenden Mütter in den Städten liegen, sagt Höpflinger.

36.1 Prozent
der Paare lassen sich heute scheiden. Vor einigen Jahren war es noch über 50 Prozent.

«Ein tragischer Irrtum»

Doch letztlich steckt in den Zahlen nur die halbe Wahrheit. Ob ein Paar zusammen bleibt oder nicht, sei nicht vorherzusehen, sagt Paartherapeut Klaus Heer. Das Problem liege oft in den überhöhten Erwartungen. «Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass wir zu zweit glücklicher sind als alleine – und vor allem, dass uns unser Gegenüber glücklich machen wird», sagt er, «ein tragischer Irrtum». Besser sei, die Erwartungen an den Partner soweit wie möglich herunterzuschrauben.

Einen generellen Rat, wie Paare lange und befriedigend zusammenbleiben können, gibt es laut Heer nicht. Jede Beziehung sei anders. Trotzdem erkennt auch Heer einen Trend: «Dass jede Liebesgeschichte einmal eine sehr schwierige Phase durchläuft, hat sich inzwischen fast überall herumgesprochen.» Das zeigt sich auch in den gesunkenen Scheidungszahlen. 

«I am soooo in love» - Bieber und Baldwin bestätigen Verlobung

Video: srf
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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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N. Y. P. D.
04.08.2018 07:07registriert Oktober 2015
«Das Singledasein wurde vom Leitbild zum Leidbild»

Das ist mir zu einfach. Ich würde es eher so formulieren : Lieber alleine glücklich, statt solala zu zweit. Oder : Nur Zusammensein, damit man nicht allein ist, kann es eigentlich auch nicht sein.

Aber, da hat jeder seine eigene Meinung.


Besser sei, die Erwartungen an den Partner soweit wie möglich herunterzuschrauben.
(text)

Wenn man spürt, dass das Gegenüber keinerlei Erwartungen hat, ist das nicht gerade der Burner.
Wenn man Erwartungen spürt, spürt man Interesse. Alles ist lebendig. Und das ist doch schön.
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NaSkivaL
04.08.2018 13:03registriert Juni 2016
Wir haben jetzt 35 Jahre geschafft.
Streiten kann man lernen. Den Streitpunkt soll man erst ausdiskutieren, wenn sich die Gefühle wieder beruhigt haben. Anfangs brauchten wir 2-3 Tage um runterzukommen. Heute noch 2-3 Min. - falls überhaupt. Eigentlich endet ein Streit bei uns heute meist in Gelächter.
Wichtigste Werkzeuge bei der Umschiffung aller Klippen sind Verständnis, Vernunft und Humor. Ohne diese wird auch die grösste Liebe im Alltag zerschellen.

In kaputt gegangenen Beziehungen rundum hab ich beobachtet, dass In-Sich-Reinfressen und Unehrlichkeit langfristig am gefährlichsten sind.
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Stichelei
04.08.2018 09:52registriert Oktober 2015
Was nicht erwähnt wurde ist, dass eine Scheidung oft für eine oder beide Parteien finanzieller Selbstmord ist.
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Ich war mit June an meiner ersten Sexparty – oh mann, oh mann ... 🤭
Darkrooms, Dessous und Dicks – so viele neue Eindrücke und so viele sexy Menschen auf einem Haufen. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus ...

Tut mir leid, ich werde direkt ein wenig explizit, aber: Der Darkroom riecht wie eine riesige Pussy – und nach Sperma. Gar nicht mal so schlecht, irgendwie. Die Luft ist stickig, die Bässe hämmern dumpf und irgendwo in der Ecke sehe ich die Umrisse einiger Körper, die sich aneinanderschmiegen. Weiter vorne, wo es heller ist, lehnen ein paar Männer an der Wand und masturbieren, als sei es das Normalste der Welt. Ich bin fasziniert, ein wenig schockiert, aber zugleich angetan. Alle scheinen so gelassen drauf zu sein, dass es mir auch erstaunlich wohl ist in dieser für mich so neuen Umgebung.

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