Migration
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So will der Bund Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren



Der Fluechtling Ali Abdirisaq bei der Arbeit, fotografiert anlaesslich einer Medienkonferenz zum Thema: Fluechtlinge als Arbeitskraefte in der Landwirtschaft, am Mittwoch, 20. Mai 2015, auf dem Hofgut von Eschbach in Fluellinsdorf Basellandschaft. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Bild: KEYSTONE

Flüchtlinge sollen besser in den Schweizer Arbeitsmarkt integriert werden. Ein Bericht empfiehlt Verbesserungen bei der Information und Vernetzung, in der Potenzialabklärung und im Coaching. Geprüft werden sollen aber auch finanzielle Anreize an Arbeitgeber.

Die Integration von Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen sei ein Schwerpunkt der Arbeit des Staatssekretariats für Migration (SEM), sagte SEM-Direktor Mario Gattiker am Dienstag vor den Medien in Bern. Die Schweiz sei aufgrund des 2012 eingeführten beschleunigten Verfahrens heute als Zielland für Flüchtlinge nicht attraktiv, wie die tiefen Asylzahlen zeigten.

Höhere Schutzquote

Die «Bleibefälle» bei Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen hätten sich aber seit 2014 etwa verdreifacht, erklärte Gattiker. Rund 70 Prozent aller Flüchtenden hätten dabei Potenzial, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und wollten dies auch. Die Integration der rund 90'000 Betroffenen sei aber aufwändig.

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Video: srf

«Ohne die Arbeitgeber und die Wirtschaft läuft nichts», sagte Gattiker. Weder staatliche Bemühungen noch die Einsatzbereitschaft der Flüchtlinge reichten für eine berufliche Integration aus.

Im Auftrag des SEM hat daher der ehemalige Sonderbotschafter für Migrationsfragen, Eduard Gnesa, den Dialog mit Arbeitgebern und Verbänden, staatlichen und kantonalen Stellen gesucht.

Gnesa verwies vor den Medien auf Pluspunkte der Schweiz bei der Integration - etwa gutes Bildungssystem, tiefe Arbeitslosigkeit, florierende Wirtschaft und sprachliche und religiöse Vielfalt. Er stellte die rhetorische Frage: Wenn Integration jetzt nicht gelingt, wann dann?

Sein Bericht kommt zum Schluss, dass fast alle Arbeitgeber motiviert sind, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene anzustellen. Als Gründe dafür nannten die Befragten unter anderem fehlende Arbeitskräfte, unbesetzte Lehrstellen, kostengünstige Arbeitskräfte und soziale Mitverantwortung.

Gnesa erinnerte auch daran, dass in den nächsten Jahren zwischen 300'000 und 400'000 Fachkräfte in der Schweiz fehlen dürften. Ende 2017 seien in der Schweiz rund 7000 Lehrstellen vakant gewesen.

Grossunternehmen hätten ihm Gespräch vor allem mangelnde Sprachkenntnisse von Flüchtlingen kritisiert. Kleinere und mittlere Unternehmen sahen den Rekrutierungs- und Betreuungsaufwand als grösstes Hindernis für Anstellungen.

Basierend auf den Gesprächen mit der Wirtschaft empfiehlt Gnesa nicht überraschend: Eine Verbesserung von Information und Vernetzung mit einer einheitlichen und schweizweiten Informationsplattform sowie Informationsveranstaltungen zur Sensibilisierung der Arbeitgeber.

Weiter soll das Potenzial aller arbeitsfähigen Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen durch die Kantone möglichst früh durch eine Selbstbeurteilung und einen Leitfaden des SEM abgeklärt werden. Ein Jobcoach soll Betroffene auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vorbereiten, bei der Stellensuche unterstützen und Ansprechperson für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sein.

Finanzielle Anreize für Arbeitgeber

Zündstoff bergen dürfte hingegen die Empfehlung, dass das SEM und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) unter Einbezug der Kantone Modalitäten für allfällige finanzielle Anreize für Arbeitgeber, etwa Einarbeitungszuschüsse oder Teillohnmodelle für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene prüfen sollen.

Gnesa kritisierte in diesem Zusammenhang «zu starre Lohnbedingungen» in Gesamtarbeitsverträgen. Finanzielle Hindernisse für die Anstellung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen sollten so beseitigt werden. Laut dem Bericht ist eine «Chancen-Gleichstellung» von Flüchtlingen bei den Berufs- und Ausbildungsbedingungen mit Personen, die vergleichbare Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben - etwa Arbeitslosen, IV-Bezügern und Ausgesteuerten - anzustreben.

Als positives Beispiel führte Gnesa den Kanton Graubünden an. Hier sei ein Leitfaden für Arbeitgeber erarbeitet worden. Auch dank «Einarbeitungszuschüssen» an Arbeitgeber sei der Kanton der erfolgreichste bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Hilfreich seien dabei sicher auch die vielen Stellen im Tourismus.

SEM-Direktor Gattiker zeigte sich offen gegenüber den Empfehlungen des Berichts. Bereits heute gebe es verschiedene Informationsplattformen. Man wolle schauen, was sich da verdichten lasse. Umgesetzt würden bereits Potenzialabklärungen und Job-Coaching. Teillohnmodelle, etwa mit dem Einstieg zu tieferen Löhnen müssten mit den Sozialpartnern diskutiert werden. «Wir wollen kein Sozialdumping mit Flüchtlingen betreiben», sagte Gattiker. (sda)

«Es ist nicht richtig, die Leute in die Hölle zu schicken!»

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Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Charming 19.09.2018 03:01
    Highlight Highlight Als Ex-Jobcoach kann ich sagen: Was Hr. Gnesa erzählt gibt es teilweise schon lange oder scheiterte eben an vielen Hürden, angefangen bei der Sprache bis hin zu den nicht vorhandenen Stellen und Finanzen. Wir Fachleute wiederholen unsere Forderungen seit Jahrzehnten, die Politik und die AG wollen aber sparen, dass geht eben nicht auf! Das 70% integriert werden könnten ist Wunschdenken und eine abenteuerliche Aussage! Viele Betroffene müssten ihren Fähigkeiten entsprechend 50% arbeiten können und gleichzeitig Sprach-/Kulturkurse besuchen. Dabei wird Disziplin/Ausdauer gefordert! Schwierig!
  • NakedNorth 19.09.2018 00:30
    Highlight Highlight Liebes watson team
    Könnt ihr einen solchen artikel bitte „auf die titelseite“ bringen. Viele geflüchtete werden als faule schmarozer dargestellt, obwohl sie gerne arbeiten würden. Derweil sehen sich betriebe mit gigantischem organisatorischem zusatzaufwand konfrontiert, wenn sie einen flüchtling anstellen wollen.
    Das isch doch kei zuestand.
  • Mutbürgerin 18.09.2018 15:05
    Highlight Highlight In Eurer Zusammenfassung wird nicht erwähnt, dass nur 50% eine obligatorische Schulbildung erfahren hat (bis ca. 14 Jahre) und 20% überhaupt über eine weitergehende Ausbildung verfügen. Den anstehenden Fachkräftemangel mit Flüchtlingen abzudecken, ist weit hergeholt. Die meisten werden es zu Putzhilfen und Hilfsarbeiter bringen, wenn sie etwas mehr Lebensstandard als die Sozialhilfe haben wollen. Insgesamt ist das aber immer noch viel mehr, als sie in ihren Heimatländern erreichen können.
  • Clife 18.09.2018 14:46
    Highlight Highlight Wie wärs, wenn der Bund Stichwahlen trifft und sich bei einzelnen Vorstellungsgesprächen einbezieht? Manchmal muss ich mich nämlich doch fragen, ob die Unternehmen wirklich den geeignetsten Kandidaten wählen oder doch eher die Person, die einfach nur ein fettes Portmonnaie hat...wobei das würde auch nicht wirklich helfen, da die da mitmachen würden.
    • Scott 18.09.2018 21:25
      Highlight Highlight 💰... wat?

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