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Klinik schickt Frau weg, Baby kommt auf der Strasse zur Welt

Lizzie Hines hat Wehen, doch im Krankenhaus sagt man ihr, sie solle später wiederkommen. Nun sucht sie via Facebook den Mann, der ihr bei der Geburt half.

16.12.17, 09:46

Ein Artikel von

«Er ist da!», habe sie gerufen. Es sei wie ein Weihnachtswunder.

«An den Menschen, der seinen Schal an eine Fremde an einem kalten Tag gab und ihn um mein süsses Baby Louis wickelte, ich frage mich, ob ich dich finden kann?», mit diesen Worten sucht eine Frau via Facebook nach einem Fremden, der ihr bei der Geburt ihres Kindes geholfen hat.

screenshot: facebook

Lizzie Hines hatte vor einem Jahr ihren Sohn Louis mitten auf der Tottenham Court Road in London zur Welt gebracht – auf dem Bürgersteig. Eine Stunde vorher war sie noch auf einer Entbindungsstation. Das Krankenhaus des University College London hatte sie jedoch wieder nach Hause geschickt. Die Begründung: Die Wehen seien nach zweieinhalb Stunden noch nicht stark genug. Sie solle in etwa sechs Stunden wiederkommen.

Ihr Mann habe entschieden, ein Hotelzimmer in der Nähe zu mieten. Doch kaum waren sie dort angekommen, seien die Wehen stärker geworden. Die beiden wollten zurück ins Krankhaus, doch schafften es nicht mehr rechtzeitig. Ihr Mann habe noch versucht, sie zu tragen. Doch sie habe gewusst, dass sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen würde.

Sie erinnere sich noch an die Knöchel der umstehenden Menschen, das Gesicht ihres Mannes, der neben ihr kniete, und das Gefühl, als ihr Sohn Louis zur Welt kam, schreibt sie auf Facebook. Sie habe versucht, den anderen mitzuteilen, dass ihr Sohn in ihrer Schlafanzughose geboren war. «Er ist da!», habe sie gerufen. Es sei wie ein «Weihnachtswunder».

Krankenhaus entschuldigt sich

Jemand habe von irgendwo einen Rollstuhl besorgt. Ein anderer Mann, den sie zunächst für einen Betrunkenen gehalten habe, stellte sich als Arzt heraus, der gerade keinen Dienst hatte. Er untersuchte Louis und erklärte ihn für gesund.

Mit der Zeit habe sich eine Menschentraube um sie herum gebildet, darunter auch ein Mann, der ihren neugeborenen Sohn in einen Schal gewickelt hatte, um ihn vor der Kälte zu schützen. Genau diesen Mann sucht sie nun. Sie wolle ihm danken, schreibt Hines bei Facebook – und ihm seinen Schal zurückgeben, in den sich ihr Sohn heute noch kuschelt.

Das Krankhaus hat sich laut Medienberichten bei Hines entschuldigt. Die Mitarbeiter hätten eine schwierige Entscheidung treffen müssen. Hines kritisiert auf Facebook, wie Frauen am Anfang der Wehen behandelt werden und ist sich sicher, es werde in dem Bereich «eine Revolution» geben. Zum Glück sei bei ihre alles gut gegangen. Als Abschiedsworte schreibt sie unter ihrem Post: «Vielen Dank und Weihnachts-Liebe.»

(koe)

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Brikne, 20.7.2017
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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Feodosia 16.12.2017 22:18
    Highlight Auch in der Schweiz kann es passieren, bei einer Geburt wieder weggeschickt zu werden. Wie?
    --> Zahlungsausstände bei Krankenkasse und somit auf Liste säumiger Prämienzahler, z.B. Kanton Aargau --> nur Notfallbehandlungen werden bezahlt --> eine reguläre Geburt ist KEIN Notfall --> Das Krankenhaus kann keine Aufnahme wegen Geburt machen
    3 1 Melden
  • öpfeli 16.12.2017 13:46
    Highlight Unsichere Geburten können Spuren hinterlassen. Dem sollten sich KH's eigentlich bewusst sein.
    Die Frau hier scheint es gelassen zu nehmen, so wirkt es zumindest. Nicht alle können das.
    12 3 Melden
  • Schnuderbueb 16.12.2017 12:45
    Highlight Da bin ich auf den süssen Kleinen schon ein bisschen neidisch. Der kann mal seinen Enkeln was erzählen.
    28 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.12.2017 11:27
    Highlight "Das Krankhaus hat sich laut Medienberichten bei Hines entschuldigt. Die Mitarbeiter hätten eine schwierige Entscheidung treffen müssen."
    Schwierige Entscheidung? Es werden doch jeden Tag mehrere Frauen unter Wehen in die Klinik kommen, so dass die Abklärung eigentlich Routine sein müsste. "Schwierige Entscheidung" klingt nach Ausnahme, etwas Unvorhergesehenes, was schnell entschieden werden muss. Bei Unsicherheit lässt man die Patientin doch eher im Krankenhaus. Es war mMm (wenig Informationen) eine Fehlentscheidung oder die Geburt verlief einfach absolut ungewöhnlich.
    82 7 Melden
    • DailyGuy 16.12.2017 19:40
      Highlight Die schwierige Entscheidung ist wohl leider auf einer monetären Basis. Das britische Gesundheitswesen ist unter extremen Gelddruck und es scheint, als ob dies jetzt direkt Auswirkungen auf die Patienten hat.
      7 1 Melden
    • Xenarip 17.12.2017 00:57
      Highlight Als Hebamme: es ist wahnsinnig schwierig zu beurteilen wie schnell eine Frau „einhängt“ (also aktiv unter die Geburt kommt). Für diese Entscheidung wird das Wehenbild (wie regelmässig, wie lange,) und die Eröffnung des Muttermundes erhoben. Falls diese Befunde noch „unreif“ sind, lässt man die Frau nach Hause. Wenn die Wehen regelmässig werden, sollen die Frauen wieder kommen. „Leider“ gibt es Frauen die bereits mit wenig Wehen schnell und gut gebären, oft schickt man die Frau nach Hause und nach 1h kommen sie wieder. Fehlentscheidung vllt, aber eher nicht 100% kann man sich leider nie sein
      8 0 Melden
  • Enzasa 16.12.2017 11:05
    Highlight Viel Glück 🍀 für die Frau und das Baby 🎄
    38 3 Melden
  • Enzasa 16.12.2017 11:04
    Highlight Kliniken handeln sachlich nach Erfahrungen und Statistiken. Eine Geburt ist aber eine sehr emotionale Angelegenheit für die Frau. Schade, dass Ärzte dies zu wenig berücksichtigten.
    In der CH gibt es wenigstens einen Verantwortlichen Arzt, in D gibt es nur verantwortliche Schichten, da wird immer nur der Augenblick beurteilt, der Fehler liegt im System.
    40 7 Melden
    • öpfeli 16.12.2017 19:42
      Highlight Meine Schwester wurde auch mit Wehen nach Hause geschickt. Nicht von einem Arzt, die waren beschäftigt.
      4 1 Melden

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