Bundesrat
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Enthüllt: So wurde Philip Morris zum Schweizer Pavillon-Sponsor für die Expo in Dubai

Der Mailaustausch zwischen Aussendepartement und Tabakkonzern zeigt: Der Sponsoring-Deal war weiter fortgeschritten als dargestellt.

Lorenz Honegger / ch media



Bild

Die Redaktion von CH Media hat Einblick in den Mailverkehr zwischen dem Aussendepartement und Philip Morris erhalten. Rechts: Die Reak­tion einer EDA-Mitarbeiterin auf die Mitteilung, dass Philip Morris das Sponsoring für Dubai 2020 unterschrieben hat. bild: ZVG/Ausrisse: CHM

Als FDP-Bundesrat Ignazio Cassis diesen Sommer nach tagelanger Dauerkritik den Spon­soring-Deal mit dem Tabak­konzern Philip Morris stoppt, lässt er über seinen Generalsekretär eine unmissverständliche Botschaft verbreiten: «Wir haben nie entschieden, mit Philip ­Morris zusammenzuarbeiten. Wir haben einzig eine Absichtserklärung unterschrieben und explorative Gespräche geführt.»

Das Credo aus dem Aussendepartement (EDA) lautet bis heute: Alles halb so wild, das Sponsoring des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung in Dubai 2020 im Umfang von 1.8 Millionen Franken ist nur eine vage Idee gewesen.

Jetzt zeigen Recherchen: Cassis’ Aussendepartement hat den Status des Sponsoring-Deals in der Öffentlichkeit verzerrt dargestellt. Die Redaktion CH Media hat gestützt auf das ­Öffentlichkeitsgesetz Einblick in den E-Mail-Austausch eines Mittelsmanns von Philip Morris mit Präsenz Schweiz erhalten, der Abteilung für Landeskommunikation des EDA.

Anhand des Schriftverkehrs lässt sich nachzeichnen, dass das EDA das Millionenspon­soring von Philip Morris keineswegs als unverbindliche Option betrachtet hat, sondern von einer «bestätigten Partnerschaft» ausgegangen ist.

Kinder wären Tabakwerbung ausgesetzt gewesen

Die zentrale Figur im Sommerskandal des Jahres 2019 ist der welsche Unternehmensberater Bastien Dubois*. Er ist schon in der Vergangenheit für Präsenz Schweiz tätig gewesen und hat den ursprünglichen Kontakt zwischen Philip Morris und dem EDA initiiert. Dubois drängt auf ein schnelles Vorgehen: Bereits am 11. April steht der Sponsoring-Deal in den Grundzügen. «Nach einigen kurzen Nächten und intensi- ven Gesprächen» habe er die «gute Neuigkeit» erhalten, dass das «Executive Comittee» von ­Philip Morris bereit sei, den Schweizer Pavillon in Dubai mit mindestens 1.5 Millionen Franken zu sponsern, schreibt er an Präsenz Schweiz.

Als Gegenleistung für sein Geld will der Tabakkonzern die Expo-Besucher unter anderem auf dem Dach des Pavillons ­seine neue Erhitzungszigarette «Iqos» ausprobieren und kaufen lassen. Philip Morris sei sich bewusst, dass auch Min­derjährige Zugang zum Pavil- lon hätten, erklärt Dubois im E-Mail. Deshalb werde das Unternehmen seine Präsenz so gestalten, dass diese «nicht attraktiv ist für Kinder».

«Wir sind sehr glücklich, Philip Morris als Partner zu haben.»

Dass Minderjährige mit Tabakwerbung in Kontakt kommen sollen, lässt beim Aussendepartement keine Alarmglocken läuten. Im Gegenteil. Der Chef «Internationale Gross­veranstaltungen» antwortet Du­bois am 16. April: «Danke vielmals für all deine Bemühungen und die erfolgreiche Verhandlung. Wir werden dir in Kürze einen Vorvertrag schicken.»

«Rauchen macht dünn, gesund und glücklich!» ... sagen diese Vintage-Werbungen für Zigaretten

Am 16. Mai übermittelt das Aussendepartement seine Offerte an den Mittelsmann von Philip Morris, inzwischen mit einem Sponsoring-Volumen von 1.8 Millionen Franken. Es folgen elf Tage Funkstille. Bei Präsenz Schweiz wächst die ­Ungeduld. «Gibt es Neuigkeiten in Bezug auf die Teilnahme von Philip Morris am Schweizer Pavillon?», fragt eine Mitar­beiterin bei Dubois nach.

Eine Woche später retourniert dieser das unterschriebene Dokument. Der Deal zwischen Tabakkonzern und Aussen­departement ist besiegelt. Die EDA-Mitarbeiterin antwortet euphorisch: «Du hast mir den Tag gerettet! Das sind grossar­tige Neuigkeiten, wir sind sehr glücklich, Philip Morris als ­Partner zu haben.»

Im Juni folgt ein Baustellenbesuch in Dubai, zu dem auch zwei Vertreter von Philip Morris eingeladen sind. Die EDA-Mitarbeiterin bittet Dubois, das Logo von Philip Morris in drei verschiedenen Formaten zu übermitteln. Anlässlich der Besichtigung will Präsenz Schweiz in einer Power-Point-Präsentation alle «bestätigten» Sponsoring-Partner mit Logo vorstellen. Kein Anzeichen, dass es sich um eine Partnerschaft in der exploratorischen Phase handelt.

Cassis’ Departement bleibt bei seiner Darstellung

Das Aussendepartement bleibt auf Nachfrage der Redaktion CH Media bei der Darstellung, es habe nie einen Entscheid für den Sponsoring-Deal ge­geben: Die Gespräche mit Philip Morris hätten sich in der exploratorischen Phase befunden. «In der zweiten Phase, der Validierung durch die Linie, wurde beschlossen, diesen Weg nicht fortzusetzen.»

Der Tabakkonzern Philip Morris hat sich nach der Aufkündigung der Zusammenarbeit im Juli noch verärgert gezeigt. Nun will das Unternehmen die Causa Dubai ebenfalls ad acta legen. «Für Philip Morris ist diese Angelegenheit endgültig erledigt.»

Mittelsmann Bastien Du­bois dementiert seine Rolle als ­Kontaktperson zu Philip Morris nicht, will sich jedoch «aus ­Professionalitätsgründen» nicht zu Details äussern.

*Name geändert (aargauerzeitung.ch)

Als Rauchen noch als vornehm galt

Keine Tabakwerbung mehr – zum Schutz der Minderjährigen

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

46
Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

3
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

25
Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

109
Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

41
Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

157
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

62
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

46
Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

3
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

25
Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

109
Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

41
Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

157
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

62
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ass 13.11.2019 21:24
    Highlight Highlight Jetzt kann man ja MC Donalds fragen. Ist noch schädlicher für die Kinder aber wird von den Leuten als Cool angesehen 🙉
  • DemonCore 13.11.2019 14:29
    Highlight Highlight Ekelhaft!
  • Nik G. 13.11.2019 09:23
    Highlight Highlight Autsch... Wieso können sie nicht einfach dazu stehen? Kein Rückgrat? Wetten mit Parmeli wird dasselbe in einem Jahr geschehen. Er hat die ETH Studie aktiv verhindern wollen.
  • Freebee 13.11.2019 08:28
    Highlight Highlight Uups. Der Praktikant wurde beim Luegen erwischt. Und hat wieder mal ein Glaubwuerdigkeisproblem. Zum Glueck kann er bereits in einem Monat wieder abgewaehlt werden.
  • ingmarbergman 13.11.2019 07:58
    Highlight Highlight Wenn es doch nur eine Gelegenheit gäbe, unfähige Bundesräte nicht wiederzuwählen..🤔
  • HansDampf_CH 13.11.2019 07:12
    Highlight Highlight Unsere Bundesräte sind dich alle nur noch lobbyisten. Egal ob Gesundheit oder Landwirtschaft. Gierig und Willig...
    Kein Wunderglaubt man der Politik nichts mehr
  • philosophund 13.11.2019 06:45
    Highlight Highlight Warum habe ich In den letzten Tagen das Gefühl, dass wir im Bundesrat zwei komplette Fehlbesetzungen haben?
    • tinu77 13.11.2019 12:05
      Highlight Highlight Puh, dann befasst Du Dich aber nicht sehr aktiv mit der Schweizer Politik wenn sich dieses Gefühl bei Dir erst in den letzten Tagen eingestellt hat...

«DeafVoice» – alles Wissenswerte zur Schweizer Notruf-App, bei der man nicht sprechen muss

Die neue «Deafvoice»-App ist für Gehörlose gedacht, kann aber auch in gefährlichen Situationen für Hörende praktisch sein.

Tausende Gehörlose in der Deutschschweiz können mit der neuen Notruf-App «DeafVoice» rund um die Uhr selbständig eine direkte Verbindung zur örtlichen Polizei, Feuerwehr und anderen Notfalldiensten herstellen.

«Gehörlose waren bisher für Notrufe immer auf Hilfe von Dritten angewiesen und konnten nicht selber direkt eine Blaulichtorganisation in einem Notfall informieren und alarmieren», schreibt die Gehörlosenzentrale in Rickenbach SZ in einer aktuellen Medienmitteilung. Mit «DeafVoice» …

Artikel lesen
Link zum Artikel