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Die Zuger Feiern den Schweizermeister Titel nach dem Spiel 3 des Playoff Final Spiel der Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem Geneve Servette HC am Freitag, 7. Mai 2021 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Leonardo Genoni hat nach Davos und dem SCB auch den EVZ zum Meister gemacht. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Ein Meister des Verstandes, des Geldes und Leonardo Genonis

Der EV Zug ist der verdiente und logische Meister einer Saison ohne Zuschauer. Und Torhüter Leonard Genoni der einflussreichste Einzelspieler dieses Jahrhunderts.



Wer Meister wird, hat alles richtig gemacht. Also verneigen wir uns vor dem EV Zug, dem Meister von 2021.

Zu klären ist nur noch die Frage: Warum Zug? Was steckt hinter diesem Erfolg? Ist es Glück? Ein Wunder oder der logische Ausgang einer durch die Viruskrise durcheinandergebrachten Meisterschaft? Ist es ein Triumph der Herzen und Emotionen oder mehr einer des Verstandes und des Geldes?

Zugs zweiter Titel nach 1998 ist ein Triumph des Verstandes und des Geldes. Verstand und Geld sind die wichtigsten Zutaten zu einem Meister-Menu. Das wird oft unterschätzt. Seit Einführung der Playoffs hat nie ein Aussenseiter triumphiert. Auch nicht Ambri oder Gottéron, die mit so viel Emotionen, unendlicher Leidenschaft und grossen Herzen bis in den Final gekommen und dort gescheitert sind.

Das Geld, reichlich vorhanden in einem der reichsten «Stadtstaaten» der Welt, ist die Voraussetzung für eine perfekte Infrastruktur und die Rekrutierung des richtigen Personals.

ARCHIV - ZUM PREMIUM-INTERVIEW MIT HANS-PETER STREBEL VOM EV ZUG --- Der Apotheker und Wissenschaftler Hans-Peter Strebel (genannt HP Strebel) waehrend eines Rundganges durch das Spitzensport-Zentrum

EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel hat die Grundlagen für den Meistertitel geschaffen. Bild: keystone

Dass Geld allein aber nicht reicht, zeigen die Beispiele von Lugano (seit 2006 nie mehr Meister) oder Lausanne (noch nie Meister). Es braucht auch den Verstand. Die Weitsicht und die Geduld der Investoren um Präsident Hans-Peter Strebel und den Sachverstand seiner «Bürogeneräle». Ja, das Drehbuch dieses «Making of a Champion» kann als Lehrmittel in jeder Sportmanagement-Hochschule hinterlegt werden.

Die Finalniederlage von 2019 gegen den SC Bern war bitter. Darauf haben die Zuger nicht mit Aktionismus reagiert. Sondern mit Gelassenheit. Die, die 2019 gescheitert sind, haben die Chance erhalten, aus dem Versagen zu lernen. Und sie haben die richtigen Schlüsse gezogen.

Tangnes kriegt die nötige Zeit

Zug hat Dan Tangnes, den Finalverlierer von 2019 die Chance gegeben, ein Champion zu werden – und der charismatische Kommunikator hat sie genutzt. Ein moderner Trainer, der nun nicht mit taktischen Winkelzügen oder einem revolutionären Spielsystem triumphiert hat.

Zug spielt modernes, schnelles Hockey. Mit der Präzision von Landvermessern und jener Entschlossenheit, die es in einem unerbittlichen Wettstreit braucht, der von kräftigen Männern in ritterähnlichen Ausrüstungen, eisenbewehrten Füssen und Stöcken in der Hand ausgetragen wird. Taktik und System sind Grundvoraussetzungen für das Trainerhandwerk.

Zugs Cheftrainer Dan Tangnes gibt seinen Spielern Anweisungen, im vierten Eishockey Playoff Viertelfinalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Montag, 19. April 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Dan Tangnes durfte trotz Finalniederlage gegen Bern 2019 in Zug bleiben. Bild: keystone

Die Differenz zwischen einem guten und einem erfolgreichen Trainer ist hier ein «weicher» Faktor: Die Fähigkeit von Dan Tangnes, die Emotionen in der Kabine und auf der Spielerbank zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass im entscheidenden Moment mit Leidenschaft das beste Hockey gespielt wird. Nie war Zug in diesem Jahrhundert geduldiger, schlauer und härter als in diesem Final.

Die Dämonen des Zweifels vertrieben

Aber eine Besonderheit des Eishockeys – wir können auch sagen eine Ungerechtigkeit – ist die Abhängigkeit vom letzten Mann. Vom Torhüter. Ein Transfer ist das letzte Teilchen, das über all die Jahre zu einem Meister-Puzzle gefehlt hat. Die Verpflichtung von HCD- und SCB-Meistergoalie Leonardo Genoni im Sommer 2019.

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Das Meister-Interview mit Leonardo Genoni. Video: streamable

Nie hat ein Transfer unsere Hockeylandkarte stärker verändert. Mit Leonardo Genonis Abschied ist in Bern eine meisterliche Dynastie (drei Titel in vier Jahren) eingestürzt wie ein Kartenhaus. Und mit Leonardo Genoni ist in Zug eingekehrt, was dieser Organisation seit 1999 gefehlt hat: Die unerschütterliche Gewissheit, gut genug für den Titel zu sein. Leonardo Genoni hat in Zug die Dämonen des Zweifels aus der Arena vertrieben.

Nun können wir einwenden: Halt, Eishockey ist der letzte wahre Mannschaftsport. Noch viel mehr als im Fussball ist ein Hockey-Team wie eine Familie, die am Abend nur zum Schlafen nach Hause geht und am nächsten Tag wieder zusammenfindet. Das ist richtig. Aber alles beginnt und alles endet trotzdem mit dem Torhüter und mit einer Persönlichkeit, die eine unerschütterliche Zuversicht ausstrahlt. Die dann, wenn es zählt, die beste Leistung abruft. Mit einem Leitwolf wie Leonardo Genoni.

Zugs Torhueter Leonardo Genoni im Eishockey Spiel der National League zwischen dem EV Zug und Geneve-Servette HC am Dienstag, 19. Januar 2021, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Unscheinbar, aber äussert souverän und konstant: Leonardo Genoni. Bild: keystone

Meister-Macher Leonardo Genoni

Mit diesem Transfer hat Sportchef Reto Kläy das Fundament für den Titelgewinn gelegt. Anschliessend waren nur noch ein paar Transfer-Handgriffe notwendig, um eine Meister-Mannschaft zusammenzustellen.

Dass Leonardo Genoni der wichtigste Spieler der neuen Meister-Mannschaft ist, sehen wir an den Resultaten. Zugs Sturm war in diesem intensiven, taktisch hochstehenden Final nur noch ein laues Lüftchen. In diesem Final hatte die defensive Organisation das Primat über die offensive Herrlichkeit. Nicht die Stürmer haben den Final entschieden. Die Zuger verdanken den Titel ihrem Goalie.

Zuger Fans feiern das Tor zum 1:0, im dritten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem EV Zug und Geneve-Servette HC, am Freitag, 7. Mai 2021, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Die EVZ-Fans im Freudentaumel. Bild: keystone

Und nun wissen wir auch, warum bisher im Playoff-Zeitalter nur Teams mit viel Geld Meister geworden sind: Leonardo Genoni ist der teuerste Goalie der Liga-Geschichte und der einflussreichste Einzelspieler des Jahrhunderts. Nie ist so viel Geld – gut und gerne 800'000 Franken Jahressalär – besser investiert worden als beim Genoni-Transfer.

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