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Interview

«Herr Burgener besitzt die Aktien, aber der FCB gehört den Fans und der Region»

Reto Baumgartner hat sich um eine interne Lösung bemüht. Doch weil «Alleinherrscher» Bernhard Burgener andere Meinungen nicht hören will, geht der Vereinspräsident jetzt den Weg an die Öffentlichkeit. Baumgartner stellt sich im FCB-Machtkampf auf die Seite von David Degen und fordert Burgener auf, aufzugeben, bevor der FC Basel noch grösseren Schaden nimmt.
01.04.2021, 09:05
Jakob Weber / CH Media

Hatten Sie persönlich schon einmal eine rechtliche Auseinandersetzung?
Reto Baumgartner:
Nein, damit kann ich nicht dienen. Nur im Fussball nach dem Fall Sion hat mein Verein, der FC Wettingen, gegen meine Sperre Einspruch eingelegt. Da gab es dann auch eine Vorladung. Am Ende hat das Gericht den Antrag aber abgelehnt. Vor einem Zivilgericht war ich nie.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Sie haben zu diesem Gespräch geladen, weil Ihnen etwas auf dem Herzen liegt.
Dass um den FC Basel vor Gericht gestritten wird, ist ein Zustand, der einfach nicht geht. Das ist dem Verein mit seiner Kultur und seiner Fangemeinschaft unwürdig. Da mache ich mir grosse Sorgen.

Was steht in den zahlreichen E-Mails und Nachrichten, die Sie in den letzten Tagen erhalten haben?
Es ist sehr viel Unmut in der Stadt. Er herrscht eine gewisse Machtlosigkeit, die mit Besorgnis betrachtet wird. Alle fragen sich: Wie konnte es so weit kommen? Und wo führt das noch hin? Den Zustand, den wir jetzt haben, gab es noch nie und er darf sich auch nie mehr wiederholen.

Was sind Ihre konkreten Vorwürfe?
Ich will keine Vorwürfe formulieren. Ich weiss auch nur das, was ich aus den Medien weiss. Grundsätzlich positiv bewerte ich, dass die Aktien am Montag nicht an die Basel Dream & Vision AG verkauft wurden. Das ist David Degen zu verdanken, das möchte ich an dieser Stelle betonen.

Wissen Sie, ob das tatsächlich passiert wäre?
Nein, ich habe keine Verträge gesehen. Das ist meine Interpretation. Dieses Konstrukt mit einem ausländischen Investor und einer weiteren Holding über der FC Basel Holding AG will niemand in der Region. Von dem her ist das als positiv zu werten. Dass jetzt ein Gericht entscheiden muss, wie es weiter geht, finde ich schwierig. Darum appelliere ich daran, dass die Verträge, die es offenbar gibt, eingehalten werden.

Darin liegt ja genau das Problem, dass sich beide Seiten im Recht sehen. Schenken Sie der Degen-Seite mehr Glauben?
Herr Burgener betont ja immer wieder, dass er Verträge einhält. Wenn das Gericht eine superprovisorische Verfügung erteilt, gehe ich davon aus, dass etwas dahinter ist. Ohne vertragliche Details zu kennen: Wenn einer ein Vorkaufsrecht besitzt, alle Fristen eingehalten hat und auch noch eine Basler Lösung ist, sind die Kriterien eigentlich erfüllt. Der Fall sollte eigentlich klar sein.

Haben Sie als Vereinspräsident keine Möglichkeit, den Sachverhalt mit Bernhard Burgener direkt anzuschauen und zu diskutieren?
Nein. Herr Burgener ist ein Alleinherrscher. Das war er schon immer und das ist auch sein gutes Recht. Er besitzt die Aktien, aber der Klub gehört den Fans und der Region. Der FCB ist keine Firma. Das ging in letzter Zeit oft vergessen. Ich fände es eine gute Lösung, wenn die Mitglieder abstimmen könnten, ob sie Degen oder Burgener bevorzugen.

Versteht Burgener die Fan-Sicht gar nicht?
Es gibt zwei Themen, die ein grosses Problem sind: Transparenz und eine gewisse Ehrlichkeit. Ohne die gibt es bei der Basis kein Vertrauen für die Klubführung.

Warum hält sich Burgener so am Klub fest, obwohl er die ganze Stadt gegen sich hat?
So wie es aussieht, legt er keinen Wert darauf.

Wann haben Sie zuletzt mit Burgener gesprochen?
Vor drei Wochen. Da musste ich aktiv auf ihn zugehen.

Um was ging es da? Die Beurlaubung von Captain Valentin Stocker, wo Sie nicht vorab informiert wurden?
Auch. Ich wünsche mir schon, dass der Vereinsvertreter im Verwaltungsrat der AG bei solchen Dingen involviert ist oder zumindest vorinformiert wird.

Das erinnert stark an den FC Sion, dem der FCB als Chaosklub der Liga langsam aber sicher den Rang abläuft.
Wenn das der Herr Constantin in Sion macht, hat das vielleicht seine Berechtigung. Aber Basel funktioniert anders. Beim FCB kann das Erfolgsrezept nicht eine Alleinherrschaft sein. Er funktioniert nur als Team. Daher fusst auch die Hoffnung in David Degen, dass er als ehemaliger Mannschaftssportler wieder den Zusammenhalt generieren kann, den der Verein braucht, um erfolgreich zu sein.

Trauen Sie Degen diese Rolle zu?
Er hat eine faire Chance verdient. Rein sportlich gesehen hat er ein Riesen-Know-how. Als Aktiver und als Geschäftsmann. Entscheidend ist, mit welchen Leuten er kommen würde.

Was halten Sie von Degens Auftritten? Hat er mit seiner GC-Lüge, den inszenierten Auftritten vor Burgeners Büro und vor der FCB-Geschäftsstelle und seinen Instagram-Posts Kredit verspielt?
Das kann ich nicht beurteilen. Es passt aber zu seiner Persönlichkeit. Er ist mit sehr viel Herzblut in dem Geschäft, das ist spürbar. Die Emotionen sehe ich positiv. Ihm liegt etwas daran, den FCB zu retten.

Nimmt Degen das Handy ab, wenn Sie anrufen?
Das muss ich mal probieren (lacht). Wir haben schon unregelmässig Kontakt, haben früher zusammen Beachsoccer gespielt. Was er jetzt aber genau vorhat, weiss ich nicht. Da mache ich mir über die Medien ein Bild.

Wäre es in Ihrer Position nicht besser, wenn Sie direkt von Degen informiert würden?
Ich gehe davon aus, dass es eine Stillschweigevereinbarung gibt und er darum gar nicht viel sagen kann. Sagen wir es so: Mir gefällt meine neutrale Rolle als Vertreter des Vereins.

In wieweit wirkt sich der Rechtsstreit auf die Mannschaft aus?
Die Unruhen haben sich vom Gefühl her schon vorher negativ auf die Mannschaft ausgewirkt. Das wird auch weiter so sein. Wenn ich als Mitarbeiter nicht weiss, wer mein Chef ist und sehe, dass es einen Rechtsstreit gibt, geht das an niemand spurlos vorbei. Ein Unternehmen funktioniert immer dann, wenn eine gewisse Harmonie herrscht, eine gute Streitkultur vorhanden ist, aber am Schluss alle am gleichen Strang ziehen. Das sollte auch beim FCB wieder so sein.

Für gewisse Leute wie zum Beispiel CEO Roland Heri oder Trainer Ciriaco Sforza hat der Ausgang des Machtkampfs ja auch persönliche Konsequenzen. Degen wird nicht mit ihnen weiterarbeiten.
Eine Professionalität ist sicher da. Aber je länger die Ungewissheit herrscht, je grösser wird der Einfluss auf die Moral aller Mitarbeitenden.

Können Sie sich erklären, warum ein ausländischer Investor eine dreistellige Summe in den FCB investieren will?
Nein, vor allem nicht, wenn er nicht auch das Sagen hat.

Sie sagten bereits, dass Sie sich mit Händen und Füssen gegen einen ausländischen Investor wehren werden. Wie machen Sie das?
Im Moment gar nicht, da das Angebot nach diesem Montag ja erstmal vom Tisch ist. Darüber bin ich sehr froh. Herr Burgeners Interpretation, dass der Verein in Basler Händen bleibt, solange er am Ruder ist, finde ich schwer nachvollziehbar. Auch von den Fans wird das so nicht goutiert. Mit noch unklareren Besitzverhältnissen als heute ist niemandem gedient.

Auch Burgeners Interpretation, dass David Degen keine Basler Lösung sein soll, sorgt für Stirnrunzeln.
Das kann ich mir auch nicht erklären. Für mich ist Degen eine Basler Lösung. Wenn es am Schluss nur an den Personen liegt, habe ich Mühe, Burgeners Entscheidung zu akzeptieren.

Der FCB wurde innert vier Jahren vom Krösus zur Lachnummer. Was macht das mit Ihnen persönlich?
Das macht mich traurig und wütend zugleich. Das ist dem FCB einfach nicht würdig und das hat er auch nicht verdient. Mit dem kann sich keiner identifizieren.

Der Reputationsschaden ist enorm. Wenn irgendwann mal wieder Fans ins Stadion dürfen, werden es deutlich weniger sein. Wird Burgener das erst realisieren, wenn es so weit ist?
Ich schaue gespannt auf die Zuschauer- und Dauerkartenzahlen, denn sie sind ein direkter Gradmesser, was die Leute von der FCB-Führung halten. Burgener weiss sicher, dass die Zahlen stark sinken werden. Die Frage ist, wie er damit umgeht. Fans und Sponsoren kommen nur, wenn die Leistung auch attraktiv ist. Das ist sie im Moment nicht. Da gilt es schleunigst die Kurve zu kriegen und da mache ich mir schon grosse Sorgen, sollte das nicht gelingen.

Was haben Sie und der Verein für Möglichkeiten, Druck auszuüben?
Wir sind völlig machtlos. Es geht nur darum, wie ernst die Meinung der Mitglieder genommen wird.

Die zählt offenbar gar nicht mehr. Das Misstrauensvotum von der letzten Generalversammlung ist bis heute nicht von Burgener kommentiert worden.
Das ist eigentlich unglaublich. Herr Burgener sagt immer, dass er es bedauert, dass die GV nicht physisch stattgefunden hat. Ich bin der Meinung, dass man heutzutage auch anders zu den Mitgliedern sprechen kann, wenn man das denn will. Fakt ist: Es fehlt die Legitimation der Basis.

Vor einem halben Jahr haben Sie noch für Verständnis für Burgener geworben. Jetzt stellen Sie sich auf die Degen-Seite. Woher kommt dieser Sinneswandel?
Ich verstehe mich als «Vermittler» zum Wohl des FCB. Ich vertrete über 8000 Mitglieder. Ich bin deren Sprachrohr, auch wenn die Konversation unangenehm wird. Der Verein fordert, dass schnell eine Lösung gefunden werden muss und wenn es Verträge gibt, sollen die auch eingehalten werden. Ich habe Angst vor einem jahrelangen Rechtsstreit, zumal Herr Burgener ja geübt ist, solche Dinge auszusitzen. Doch für den FCB wäre das Gift.

Hat sich auch Ihre persönliche Meinung im letzten halben Jahr geändert?
Die Situation hat sich zugespitzt. Vor einem halben Jahr hätte ich mir nie vorstellen können, dass es zu einem Rechtsstreit kommt. Das ist der absolute Tiefpunkt und je länger der dauert, desto mehr leidet der Klub darunter.

Sie wählen die Lokalpresse, um Ihre Meinung zu verbreiten. Liegt das auch daran, dass Sie im Januar in der BaZ angeblich falsch zitiert wurden, es dann auf der FCB-Website eine Richtigstellung gab, der Sie dann selber im FCB-Talk auf Telebasel widersprachen? Das liess den Anschein erwecken, Sie wären vom FCB zu dieser Richtigstellung gezwungen worden.
Nein. Wenn es um den Verein und dessen Unterstützung inklusive Roland Heri geht, kann ich nichts Negatives sagen. Das Verhältnis ist hochprofessionell. Wenn es aber um meine Rolle als Verwaltungsrat in der AG geht, bin ich enttäuscht. Da gibt es null Kommunikation und das finde ich schwierig.

Schauen wir in die Zukunft. Was braucht FCB jetzt, um wieder auf die Beine zu kommen?
Eine Lösung und zwar eine schnelle.

Wäre Burgener überhaupt eine Lösung oder braucht es jetzt einen Neuanfang mit frischem Blut?
Ich kann auf diese Frage nur so viel sagen: Verträge sollen eingehalten werden und von der zukünftigen Führung erwarte ich eine hohe Transparenz, eine aktive Kommunikation und das Bilden von Vertrauen.

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Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener

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quelle: keystone / georgios kefalas
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