DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Meier küsst die rote Linie im Zielraum von Val d'Isère: Drei Jahre nach der Disqualifikation darf er seinen Riesenslalom-Sieg dort behalten.
Meier küsst die rote Linie im Zielraum von Val d'Isère: Drei Jahre nach der Disqualifikation darf er seinen Riesenslalom-Sieg dort behalten.
Bild: AP
Unvergessen

Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg

14. Dezember 1997: Hermann Maier gewinnt den Riesenslalom von Val d'Isère. Doch lange kann er sich nicht über seinen Erfolg freuen: Der «Herminator» wird disqualifiziert, weil er im Ziel einen Ski zu früh auszieht.
14.12.2020, 00:0514.12.2020, 06:08

54 Weltcup-Siege stehen in der Bilanz von Ski-Star Hermann Maier. In der offiziellen Bilanz. Denn nach Maiers eigener Zählweise hat er im Weltcup 55 Mal gewonnen. Der Österreicher sieht sich auch als Sieger des Riesenslaloms von Val d'Isère, den er als schnellster Fahrer bewältigt hat.

Doch die Rekordbücher sagen etwas anderes. Dort steht als Sieger der Schweizer Mike von Grünigen. Dessen Rivale aus dem Nachbarland wird als «disqualifiziert» aufgeführt.

Lächeln im Käsedress: Sieger Mike von Grünigen flankiert von Urs Kälin (links, 4.) und Steve Locher (5.).
Lächeln im Käsedress: Sieger Mike von Grünigen flankiert von Urs Kälin (links, 4.) und Steve Locher (5.).
Bild: KEYSTONE

Der Grund dafür ist eine Lappalie, eigentlich kaum der Rede wert. Aber weil die Lappalie im Regelwerk festgehalten wird und das bauernschlaue Schweizer Team dieses genau kennt, kann es einen Protest gegen die Wertung des Rennens einlegen. Denn Hermann Maier hat – o mein Gott! – nur mit einem Ski am Fuss eine rote Linie im Zielraum überquert. Nicht die Ziellinie, wo die Zeit gestoppt wird. Sondern eine Linie weiter hinten, die eben auch mit zwei Ski an den Füssen überquert werden muss.

Aufgefallen ist dies laut dem «Blick» Paul Accola. «Jetzt nimmt's mich wunder, was passiert», murmelt der Davoser, als er Maiers verfrühten Jubel sieht. Die Schweizer legen Protest ein und kommen damit durch. Schliesslich ist die rote Linie einst genau deshalb eingeführt worden, damit die Fahrer nicht schon auf der Ziellinie die Ski ausziehen und sie in die Fernsehkameras halten.

Zwillinge verwechseln Nummer
Der vielleicht kurioseste Fall, der zu einer Disqualifikation im Ski-Weltcup geführt hat, ereignet sich im Januar 1984 im bündnerischen Parpan. Dem Amerikaner Steve Mahre wird der Sieg in einem Slalom aberkannt, weil er im ersten Lauf versehentlich die Nummer mit Zwillingsbruder Phil vertauscht hat. So erbt der Luxemburger Marc Girardelli.

Die Presse feuert hin und her

Dass die Österreicher das Vorgehen der Schweizer nicht unbedingt sportlich finden, liegt auf der Hand. «Die (N)Eidgenossen spielten einen Streich mit dem berühmten Strich, von dem man seit einem Jahrzehnt keine Notiz mehr genommen hatte», schreibt «Die Presse».

Maier im Jahr 2000 in Val d'Isère wie man ihn kennt: aggressiv und schnell.
Maier im Jahr 2000 in Val d'Isère wie man ihn kennt: aggressiv und schnell.
Bild: AP

Der «Blick» schiesst im Ski-Krieg zurück und meint: «Die Österreicher messen nicht mit gleicher Elle. Sportlichkeit und Fairness verlangen sie nämlich vor allem von den andern», schreibt das Boulevardblatt und listet unsportliche Taten des historischen Erzrivalen auf. Mike von Grünigen sagt zwar, ihm tue Maier leid, «aber es gibt schliesslich Reglemente.» Der Schönrieder bedankt sich und kassiert die Siegprämie von 45'000 Franken statt die 25'000 Franken, die es für Rang 2 gibt.

Und Hermann Maier? Der zeigt sich von der Disqualifikation unbeeindruckt: «Man kann mich derzeit offensichtlich nicht anders stoppen, also kämpft man so gegen mich», sagt er cool. Ihm würden bloss die verlorenen Weltcup-Punkte weh tun, «die entgangene Siegprämie kratzt mich nicht.» Er wisse um seine überragende Form, posaunt er: «Darum muss ich wohl krank werden, damit ein anderer gewinnen kann.»

Siege en masse und ein Sturz für die Ewigkeit

So überheblich diese Aussage auch klingt: Hermann Maier hat sicher nicht Unrecht. Ihm gelingt in diesem Winter der endgültige Durchbruch. Er gewinnt zehn Rennen (nach seiner Sichtweise elf) und Ende Saison erstmals den Gesamtweltcup.

Maier gewinnt nebst der grossen Kristallkugel 1998 auch die Disziplinen-Wertungen in Super-G und Riesenslalom.
Maier gewinnt nebst der grossen Kristallkugel 1998 auch die Disziplinen-Wertungen in Super-G und Riesenslalom.
bild: keystone

Das legendärste Ereignis dieses Winters ist jedoch kein Sieg, sondern ein Sturz. In der Olympia-Abfahrt von Nagano 1998 hebt Maier spektakulär ab, landet im Fangnetz und steigt nur Tage später wie Phönix aus der Asche empor: Er verlässt Japan als Doppel-Olympiasieger in Super-G und Riesenslalom.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Didier Cuche macht den Ski-Salto

1 / 18
Didier Cuche macht den Ski-Salto
quelle: epa / oliver weiken
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wir löchern unsere Skiprofis

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Nach Federers Gegensmash schmeisst Roddick frustriert sein Racket weg

25. Oktober 2002: Roger Federer gelingt in Basel im Viertelfinal gegen Andy Roddick einer der schönsten Schläge seiner Karriere. Beim Amerikaner sitzt der Frust nach dem Gegensmash tief.

An Roger Federer wird Andy Roddick wohl nie gute Erinnerungen haben. Zu oft steht ihm der 20-fache Grand-Slam-Sieger vor der Sonne. Nur drei Mal kann «A-Rod» den Schweizer Tennis-Maestro schlagen, 21 Mal muss Roddick als Verlierer vom Platz. Einmal im US-Open-Final und sogar dreimal im Endspiel von Wimbledon.

Auch bei Federers Heimturnier in Basel setzt es für Roddick in vier Spielen vier Pleiten ab. Ans erste Duell im Jahr 2001 kann sich der Aufschlagspezialist kaum mehr erinnern. «Von all …

Artikel lesen
Link zum Artikel