Motorsport
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18.05.2014; Le Mans; Motorrad - GP Frankreich;
Thomas Luethi (SUI) und sein Landsmann Dominique Aegerter, beide Suter, gratulieren sich gegenseitig. Vorne der Sieger Mika Kallio (FIN), Kalex.(Waldemar Da Rin/freshfocus

Tom Lüthi und Dominique Aegerter: Händchenhalten wird nicht lange sein. Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Schweizer Töff-Traumpaar

Eine Ehe mit zwei Schlafzimmern und viel Zoff

Tom Lüthi (27) und Dominique Aegerter (23) nächste Saison im gleichen Team. Aegerter wird stärker von dieser Ehe mit zwei Schlafzimmern und einem Haushalt profitieren. 

Beide Fahrer behalten ihre eigenständigen technischen Teams und werden auf dem Rennplatz in zwei verschiedenen Boxen arbeiten. Aber die ganze Logistik wird zusammengeführt und von Aegerters bisherigem Teammanager Fred Corminboeuf geführt. Es ist also eine Ehe mit zwei Schlafzimmern und einem Haushalt. Trotz getrennten Schlafzimmern ist die Nähe zu gross. 

Die Ehe ist offiziell geschlossen und nun beginnen die Flitterwochen. Dominique Aegerter und Tom Lüthi werden erst einmal erklären, sie seien überglücklich und im siebten Himmel. Sie hätten überhaupt kein Problem damit, nun unter dem gleichen Dach zu leben. Und dann wird darauf verwiesen, dass ja Esteve Rabat und Mika Kallio auch im gleichen Team fahren und in der WM die Plätze 1 und 2 belegen. 

31.08.2014; Silverstone; Motorsport - GP Grossbritannien 2014; Dominique Aegerter (SUI) (David Goldman/Gold&Goose/freshfocus)

Dominique Aegerter: Er wird mehr vom neuen Team profitieren. Bild: David Goldman/freshfocus

Ehe-Alltag mit Zoff und Zankereien beginnen ab den Testtagen

Es sei toll, jetzt könne man gemeinsam testen und die technischen Daten austauschen. Gemeinsam sei man stärker. Oder wie es der grosse Kampftheoretiker Generalfeldmarschall Helmut Graf von Moltke im vorletzten Jahrhundert formulierte: «Getrennt marschieren (bzw. fahren), vereint schlagen.» 

Spätestens wenn die offiziellen Tests für die nächste Saison beginnen, sind die Flitterwochen vorbei und der Ehe-Alltag beginnt. Mit Zoff und Zänkereien wie im richtigen Leben. Vergessen wir alle offiziellen Erklärungen und wenden wir uns der Wirklichkeit dieser Töff-Ehe zu. Die verspricht allerbeste Unterhaltung.  

Keine Ausreden mehr – Es geht in jedem Rennen um die Nummer 1

Das Beispiel von Mika Kallio und Esteve Rabat ist unbrauchbar: Es gibt zwar tatsächlich eine kompromisslose Rivalität auf der Rennpiste. Aber keine neben der Piste. Kallio ist Finne, Rabat Spanier. Beide verdienen also ihr Geld in zwei völlig verschiedenen Werbe- und Medien-Märkten. Tom Lüthi und Dominique Aegerter konkurrenzieren sich hingegen im kleinen Schweizer Markt. Jeder Franken, den Lüthi verdient, geht Aegerter verloren – und umgekehrt.  

04.05.2014; Jerez; Motorrad - GP Spanien 2014; Thomas Luethi (SUI) am Startplatz und dahinter Dominique Aegerter (SUI) (Waldemar Da Rin/freshfocus)

Tom Lüthi: Ist er schlau und schnell genug um Aegerter in den Schatten zu stellen? Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Jedes Training und jedes Rennen endet ab nächster Saison mit einer Niederlage beziehungsweise einem Sieg für einen der beiden Schweizer Töffhelden. Aber es gibt keine Ausreden mehr. Weil ja beide die gleichen Voraussetzungen haben. Es geht um die Nummer 1 in der Schweiz. Um die Pole Position bei den Werbeverträgen im Land. Um die bessere Selbstdarstellung in den Medien. Nächste Saison werden die offiziellen Team-Medienkonferenzen höchsten Unterhaltungswert haben. 

Austausch der technischen Daten wird es nicht geben

Rennfahrer sind sensible Alphatiere. Mit einer feinen Witterung für mögliche Benachteiligungen. Dominique Aegerter und Tom Lüthi werden wie Luchse aufpassen, dass der Teamkollege nicht irgendwo einen Vorteil «herausranggen» kann. Bereits eine Gäste-Fahrerlagerkarte mehr für den einen oder den anderen kann ein heftiges internes Hagelwetter auslösen.  

Ein Austausch der technischen Daten wird nicht stattfinden. Ganz im Gegenteil. Beide Techniker-Teams werden ihre Erkenntnisse sogar bei Tests im Quadrat besser hüten als unsere Banken die US-Kundendaten.

Winner Suter Moto2 rider Dominique Aegerter of Switzerland celebrates during the German Grand Prix at the Sachsenring circuit in the eastern German town of Hohenstein-Ernstthal July 13, 2014. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY  - Tags: SPORT MOTORSPORT)

Mehr Schweizer Siege dank dem Schweizer Team? Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Alles in allem wird Dominique Aegerter von dieser Ehe aus zwei Gründen mehr profitieren als Tom Lüthi:

Erstens: Die höhere Qualität der Tests. Testen, testen, testen, fahren, fahren, fahren – das ist es, was Dominique Aegerter stark macht. Für ihn sind Tests noch wichtiger als für Tom Lüthi. Bisher war er bei den meisten Tests auf sich alleine gestellt. Denn sein Teamkollege Robin Mulhauser ist netter Hinterherfahrer, der keinerlei brauchbare technischen oder fahrerischen Informationen liefert. Zwar wird Tom Lüthi seine technischen Erkenntnisse nicht preisgeben – aber auf der Piste ist er bei den Tests ein hochkarätiger fahrerischer Sparringspartner für Aegerter.  

Zweitens: Der Umgang mit teaminterner Konkurrenz. Tom Lüthi war von allem Anfang an (seit 2002) immer die unumstrittene Nummer 1 in seinem Team und alles drehte sich um ihn. Er wollte nie einen zweiten Fahrer neben sich, und wenn er doch einen bekam, dann reagierte er eher negativ. Er wird sich nie richtig mit der Situation eines gleichwertigen Teamkollegen anfreunden können. 

15.06.2014; Montmelo; Motorsport - GP Katalonien 2014; Thomas Luethi (SUI) vor seinem Landsmann Dominique Aegerter (beide Suter). (Waldemar Da Rin/freshfocus)

Wer hat die Nase vorn: Lüthi (r.) oder Aegerter? Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Lüthi ist ein schlauer Fuchs

Dominique Aegerter ist hingegen erst diese Saison die unbestrittene Nummer 1 in seinem Team. Er war auf dem langen Weg nach oben seit 2006 oft nur die Nummer 2. Bei den 125ern einst hinter Weltmeister Mike DiMeglio. Auch in der Moto2-WM stand der zweite Pilot oft auf Augenhöhe oder forderte ihn heraus (Sofuoglu, Tomizawa, Krummenacher). Er hat gelernt, die Nähe eines Konkurrenten zu ignorieren. 

Aber Lühti hat im Töffgeschäft und im richtigen Leben mehr Erfahrung. Er ist ein schlauer Fuchs, wenn es darum geht, seine Interessen durchzusetzen. Auf dem Gebiet der psychologischen Nadelstiche ist er Dominique Aegerter überlegen, und wir dürfen uns auf seine mit feiner Ironie gewürzten Erklärungen freuen. Dominique Aegerter darf sich mit seinem Teampartner nicht auf Diskussionen einlassen die über rein fahrerische und technische Belange hinausgehen. Sonst könnte es Tom Lüthi gelingen, ihn zu verunsichern.



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    Alle Leser-Kommentare
  • micay 12.09.2014 17:06
    Highlight Highlight die gerüchte um ein schweizer team haben domi zugesetzt. schon beim rennen in silverstone kam er nicht in die gänge, stürzte beim rennen und belegte aber dennoch den 21. platz. und heute bei nassen bedingungen, wo sehr viele einen sturz zu beklagen hatten war domi auch wieder dabei. er der sonst fast nie gestürzt ist! ich hoffe für domi dass er seine abgeklärtheit wieder findet. die partnerschaft bringt ihn womöglich doch weiter und 2016 hoffentlich in die motoGP wo er mit dem grossen vale mitfahren kann. auf der motoranch von rossi hat er ja schon mehrmals mitgekämpft! fighte domi !!!
  • Zeit_Genosse 12.09.2014 12:47
    Highlight Highlight In erster Linie ist es toll, zwei solche Schweizer Fahrer zu haben, die sich im Moto-Zirkus behaupten können. Für das Team gibt es Synergien und auch für Sponsoren aus der Schweiz könnte die Ehe mit zwei Schlafzimmern zu viel Medienpräsenz führen und damit Geld dem Team und den Fahrern zufliessen. Wenn die Fahrer auf der Piste Profi sind und daneben noch etwas Zicken-Show bieten, dann stimmt alles. Entscheidend ist, dass sie beide schnell sind und auch mal taktisch fahren können. Bin gespannt...
  • saukaibli 12.09.2014 12:12
    Highlight Highlight Also grundsätzlich sind das alles Spekulationen, ich denke beide werden davon profitieren, einen starken Teamkollegen zu haben. Und sicherlich wird es einen Teaminternen Kampf auf der Strecke geben, aber das ist ebenfalls als positiv zu werten. Ich glaube, dass die zwei sich vertragen werden.
    Aber lieber Autor, sie scheinen in der letzten Saison hängengeblieben zu sein. Damals waren Pol Espargaro und Mika Kallio tatsächlich Teamkollegen. Vielleicht haben Sie es noch nicht gemerkt, aber 2014 fährt Pol Espargaro in der MotoGP, der Teamkollege von Kallio heisst Esteve (Tito) Rabatt.
    • Reto Fehr 12.09.2014 12:53
      Highlight Highlight Hallo
      Danke für den Hinweis, da gab es tatsächlich ein kleines Durcheinander mit den Namen. Ist jetzt korrigiert.
      Ja, natürlich sind das Spekulationen. Die Gründe dafür sind auch dargelegt. Wir werden sehen, wie es am Ende tatsächlich raus kommt.

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