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schweiz deutschland 20. april 1941 2:1

Die deutsche Elf macht bei der Hymne den Hitlergruss. bild: youtube

Unvergessen

An Hitlers Geburtstag legt die Schweiz die Nazi-Elf aufs Kreuz

20. April 1941: Ausgerechnet am höchsten Feiertag des dritten Reichs besiegt die Schweiz Deutschland 2:1. Numa Monnard bringt das Reich mit zwei Toren zum Toben.



Joseph Goebbels war ausser sich. Es dürfe, schrieb der Reichspropagandaminister erzürnt an Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, in Zukunft «kein Sportaustausch gemacht werden, wenn das Ergebnis im geringsten zweifelhaft» sei. Basta und Heil Hitler.

Soeben hatte die grossdeutsche Elf (gebildet aus den Nationalteams Deutschland und Österreichs) gegen die Schweiz, «das kleine Stachelschwein», in Bern 1:2 verloren. Für die Deutschen war diese Niederlage besonders bitter, geschah sie doch ausgerechnet an einem 20. April, an Adolf Hitlers Geburtstag, damals der höchste Feiertag im Dritten Reich.

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Die Höhepunkte des legendären 2:1. Video: YouTube/ZwoelfMagazin

Helmut Schön (1974 als Nationaltrainer Weltmeister), der damals mitspielte, erinnerte sich später: «Es grenzte an Hochverrat und Majestätsbeleidigung.» Die Deutschen hatten nach 20 Minuten noch 1:0 geführt. Dann drehten die Schweizer die Partie durch zwei Tore von Numa Monnard.

Stille Schweizer Euphorie

Das Spiel war in der Schweiz mit fiebriger Erregung erwartet worden. Torhüter Erwin Ballabio erinnerte sich noch 20 Jahre später. «Jene Auseinandersetzung mit den Deutschen im Berner Wankdorfstadion, ausgetragen in einer politisch überreizten Atmosphäre, war weit mehr als nur ein Spiel. Für uns, die wir fast alle im Militärdienst standen, galt es, Ehre einzulegen für das Vaterland. Beim Abmelden bemerkte mein Kommandant: ‹Wenn ihr gewinnt, gibt's acht Tage Urlaub.›»

schweiz deutschland 20. april 1941 bern wankdorf

Das offizielle Plakat des Freundschaftsspiels. Bild: Fussball unterm Hakenkreuz

13 Sonderzüge aus Genf, Zürich, Basel, Solothurn und Biel brachten ungefähr 15'000 Personen nach Bern und so sahen 38'000 Zuschauerinnen und Zuschauer diese Partie. Von offizieller Seite wurde der freundschaftliche Charakter der Partie betont, um ja die Deutschen nicht zu provozieren.

Vor dem Anpfiff begrüsste General Henri Guisan die Spieler einzeln per Handschlag. Während dem Abspielen der Nationalhymnen – für die Gäste wurde neben «Deutschland, Deutschland über alles» entgegenkommenderweise auch das Horst-Wessel-Lied, der Kampfgesang der Nazis, intoniert – verharrte der General in Achtungsstellung. Die ihn flankierenden Gäste aus Deutschland reckten keck den Arm zum Hitlergruss.

Der Stolz der Kleinen

Auch die Chronisten waren angehalten, den mächtigen Nachbarn ja nicht zu reizen. Eine Nummer der damaligen Fachzeitschrift «Le Sport Suisse» wurde von der Eidgenössischen Kommission für Radio- und Pressewesen (der Zensurbehörde) wegen der Matchberichterstattung beschlagnahmt und anschliessend durfte das Blatt zur Strafe einen Monat lang nicht mehr erscheinen.

Der Journalist Emile Birnbaum hatte die Partie mit dem damals schon legendären 4:2-Sieg der Schweizer gegen Grossdeutschland bei der WM 1938 in Paris verglichen. «Ohne Zweifel, die Lust, die Deutschen zu schlagen, war gross im Lande. Das sollte eine Demonstration der Unabhängigkeit werden, des Widerstandswillens wie 1938 in Paris. Welch einmalige Gelegenheit, unter dem Deckmantel des Sportes unsere wahren Gefühle zu zeigen. Die Ärzte sollten zur nationalen Hygiene jeden Monat ein solches Schauspiel verschreiben.»

Henri Guisan, ehemaliger General der Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg, verteilt Autogramme an Jugendliche, undatierte Aufnahme Ende der 1950er Jahre. (KEYSTONE/Hans-Ueli Bloechliger)

General Henri Guisan – hier umringt von jugendlichen Autogrammjägern – wandte sich in der Halbzeitpause an die Schweizer Spieler. Bild: KEYSTONE

«Ein neues Sempach»

Der Reporter provozierte im Matchbericht mit der Sprache des Krieges. Das starke Kopfballspiel der Deutschen verglich er mit den Stuka, den gefürchteten Sturzkampfbombern. «Sie dachten wohl, ihre Luftwaffe sei auch im Fussball entscheidend. Bern hat sie eines besseren belehrt.»

Das Spiel der Schweizer mahnte den Chronisten an die Kampfweise der alten Eidgenossen und an Winkelrieds Opfertod in der Schlacht von Sempach anno 1386. «Sie spielten einfach, direkt, offen, weite Pässe übers das Feld, Spielaufbau aus der Tiefe, überall Bälle um das deutsche Schema aufzureissen, den Gegner rennen zu lassen und Gelegenheiten zum Durchbrechen zu schaffen. Mächtig unterstützt von der Menge schufen die Schweizer ein neues Sempach.»

Die Schweizer Helden vom 20. April 1941 in Bern

Erwin Ballabio (Lausanne), Severino Minelli (GC), August Lehmann (GC), Albert Guinchard (Servette), Franco Andreoli (Lausanne), Harry Winkler (GC), Olivier Eggimann (YB), Lauro Amado (GC), Numa Monnard (Servette), Luigi Fornara (Lugano), Georges Aeby (Servette).

2 Siege, 2 Niederlagen während des Kriegs

Die Schweiz hat während des 2. Weltkrieges unter Nationaltrainer Karl Rappan viermal gegen Deutschland gespielt. Am 9. März 1941 unterlag sie vor 60'000 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter «Adolf-Hitler-Kampfbahn» 2:4. Am 20. April 1941 gelang die erwähnte Revanche in Bern mit einem 2:1.

Am 1. Februar 1942 erkämpften sich die Schweizer in Wien gar einen Auswärtssieg mit 2:1 und am 18. Oktober 1942 revanchierten sich die Deutschen in Bern mit 5:3. Die Deutschen hüteten sich, nochmals an einem 20. April anzutreten.

Zitate aus «Sternstunden des Schweizer Fussballs» (Christian Koller, LIT Verlag).

Unvergessen

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