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3 Tipps, wie du dich auf einen unerwarteten Ernstfall vorbereitest

Du denkst, es trifft dich nie. Aber wenn das Schicksal unerwartet zuschlägt, ist der Papierkram das letzte, worum man sich kümmern will. Hier sind einfache Tipps, was du heute regeln solltest, um für unerwartete Urteilsunfähigkeit oder Tod gerüstet zu sein.
16.09.2021, 14:58
Olga Miler
Olga Miler
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Ganz kürzlich ist einer meiner Nachbarn plötzlich verstorben. Er war erst um die 60, alleinstehend, plötzlicher Herzstillstand. Das hat viele von uns im Haus sehr betroffen und auch nachdenklich gemacht. Man denkt, es trifft einen selber nie oder man hat noch so viel Zeit, um alles zu regeln, und dann plötzlich.... Das Leben ist unvorhersehbar, letztes Jahr sind gemäss BFS allein bei Strassenverkehrsunfällen durchschnittlich 4 Menschen pro Woche in der Schweiz gestorben, über 3700 wurden schwer verletzt, von der Pandemie ganz zu schweigen.

Wenn wir über «Vorsorge» reden, dann geht es meistens um die Anlagen, Säule 3a, Pensionskasse, und was es braucht, um genug Geld für ein langes Leben zu haben. Viel weniger kommt die Kehrseite zur Sprache, was zu tun ist, wenn es plötzlich zu unerwarteter Krankheit, Handlungsunfähigkeit oder Tod kommt.

Hand aufs Herz: Wie bist du vorbereitet, wenn dir selbst, deiner Partnerin oder deinem Partner, deinen Eltern und Verwandten plötzlich etwas passieren sollte?

Vorkehrungen für den Ernstfall sind sicherlich für die meisten von uns kein Lieblingsthema, können aber, falls etwas passiert, sehr vieles für dich selbst, aber vor allem auch deine Lieben, einfacher machen. Ich habe hier für euch eine Liste an einfachen, praktischen Tipps zusammengestellt, die euch helfen können, auf unerwartete Ereignisse vorbereitet zu sein.

Planen für verschiedene Fälle

Um für dein Vermögen vorzusorgen, hast du idealerweise einen Plan für verschiedene Fälle, die eintreten könnten, einerseits für dich selbst, aber auch für deine Lieben. Dabei geht es nicht nur um die Regelung deiner Finanzen im Falle von Tod, sondern auch darum, was passieren soll, wenn deine Urteilsfähigkeit für eine gewisse Zeit oder länger eingeschränkt ist.

Wie es dazu kommen kann, zeigen diese Beispiele aus dem wahren Leben:

Iva, alleinerziehende Mutter, ist 43 und erleidet einen Schlaganfall. Für eine gewisse Zeit verliert sie die Fähigkeit zu sprechen und kann sich fast nicht bewegen.

Marcos Vater wird plötzlich mit Alzheimer diagnostiziert. Innert weniger Wochen muss er in Pflege, da die Krankheit sehr schnell fortschreitet und aggressives Verhalten hervorruft.

Zur ersten Vorbereitung helfen oft schon die Antworten auf diese Fragen:

  • Wer weiss über meine finanzielle Situation Bescheid?
  • Habe ich eine Liste an Vermögenswerten, Konten, Versicherungen (Vermögensverzeichnis) erstellt?
  • Habe ich für den Fall, dass ich – wenn auch nur vorübergehend – urteilsunfähig werde, vorgesorgt? Zum Beispiel durch einen Vorsorgeauftrag?
  • Hat jemand Zugriff auf meine Werte? Mitinhaber? Vollmachten?
  • Wer ist im Notfall zu informieren und wissen meine Lieben, was zu tun ist?

Konto-Arten und Vollmachten prüfen

Oft ist es vielen Menschen nicht bewusst, dass verschiedene Arten von Zugriffsrechten und Vollmachten auf Konti existieren und sie stellen fest, dass im Ernstfall Informationen fehlen, Konten eingefroren werden oder es eine Menge an administrativen Hürden gibt.​

«Ich war geschockt, als ich erfahren habe, wie teuer eine Beerdigung (Kremation, Begräbnis, Leichenschmaus etc.) ist und dass man auch als Ehepartner mehrere Wochen kein Zugriff auf die Konten hat. D.h. man muss für einen Todesfall Geldbündel von mind. 10k bar zu Hause aufbewahren.»
watson leserin, frauen & geld, 25. Juni 2020

Die Zugriffe auf Konti kann man verschiedentlich regeln, z.B. mit einem Gemeinschaftskonto, welches unterschiedliche Formen haben kann («Und-Konto» mit kollektiver Zeichnungsberechtigung oder ein «Und/Oder» Konto, wo jeder einzeln Zugriff hat) oder mit Vollmachten.

Allerdings sind Vollmachten auf Konti keine Garantie, dass im Fall von Urteilsunfähigkeit oder Tod die verantwortlichen Personen von der Bank auch den vollen Zugriff erhalten. Ehepartnerinnen und eingetragene Partner können zwar Alltagsgeschäfte erledigen, aber für grössere Anliegen und andere Angehörige können Hürden entstehen. Hier kann ein zusätzlicher Vorsorgeauftrag Klarheit schaffen und viel administrative Mühe und Stress ersparen.

Da sich die Gestaltung der Konti unterschiedlich auswirkt, wenn es zum Ernstfall kommt, lohnt es sich:

  • Vermögensverzeichnis zu erstellen
  • Vollmachten, Berechtigungen und Zugriffe prüfen und sicherstellen (allenfalls mit Bank prüfen), dass im Falle von Tod oder Urteilsunfähigkeit die entsprechend gewünschten Personen die notwendigen Rechte haben
  • Digitale Informationen zu Apps festhalten oder Zusatzberechtigungen einrichten

Ordnung, Dokumente, Notreserve

Ein Unfall, plötzliche Krankheit oder Tod sind neben der Tragödie auch emotionale Ausnahmeereignisse und es hilft sehr, wenn Informationen einfach und ohne grossen Aufwand zur Verfügung stehen.

Dazu gehören vor allem:

  • Übersicht über die bestehenden Dokumente, z.B. gibt es eine Patientenverfügung, ein Testament, eine Vorsorgevollmacht? Und wo sind diese hinterlegt?
  • Übersicht über die Vermögenswerte, laufenden Versicherungen aber auch Sachwerte, z.B. gibt es Bankschliessfächer? Für eine solche Übersicht kann ein Vermögensverzeichnis sehr helfen, falls dieses gar nicht existiert, allenfalls aus den Daten der letzten Steuererklärung
  • Weitere hilfreiche Dokumente: Patientenverfügung, Testament, Anordnungen für den Todesfall
  • Notreserve für Ausgaben oder falls Zugriff auf Konti nicht möglich

Neben der Dokumentenflut und Notreserve ist es aber vor allem wichtig, dass man gemeinsam mit Partner, Kindern, Eltern, Menschen des Vertrauens darüber spricht, was im Notfall zu tun ist.

Oft kann es auch sehr hilfreich sein, eine Vertrauensperson zu bestimmen, dies kann ein Familienmitglied, Freunde, Treuhänder oder Anwalt sein. Denn je besser informiert, umso besser können alle die ungewohnte Situation meistern, kostspielige Fehler vermeiden und Betrüger, welche sich nur zu gerne die Unsicherheit der Verbliebenen zunutze machen, haben so keine Chance.

Tools und Quellen:

Legacynotes.ch: digitaler Assistent für Vorsorge und Notfall, in der Gratisversion kann man die Basics wie Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Bestattungswünsche erstellen, 5 Kontakte hinterlegen. Zusatzfunktionen wie Erbplaner und Testamentsgenerator kosten 3.50 Franken pro Monat.

Charitas Vorsorgemappe: enthält Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Anordnungen für den Todesfall, Leitfaden für das Testament und kann für 28 Franken bestellt werden.

Informationen zu Vorsorgeauftrag der Kinder- und Erwachsenen Schutzbehörde KESB.

Prosenectute: Informationen zu Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung, Anordnungen für den Todesfall.

Vorsorgen für den Ernstfall braucht vielleicht etwas Zeit und Organisation, kann aber im Ernstfall für dich und deine Lieben sehr vieles einfacher machen.

Wie seid ihr auf unerwartete Ereignisse vorbereitet? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und welche Tipps habt ihr?

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Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent
bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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