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New Work – kommt bald die Firma ohne Chef?

Homeoffice ist nur der Anfang: Immer mehr Menschen wollen selbstbestimmt arbeiten. Noch sind die Unternehmen aber zögerlich.

Tina Groll / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

Flexwork, New Work, Remote Work – hinter all diesen Begriffen steckt der Wunsch vieler Menschen, flexibel und selbstbestimmter zu arbeiten. Im Zuge der Digitalisierung hat sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahren dramatisch verändert: Dank Smartphone, iPad und Laptop haben sich die Grenzen zwischen Büroarbeit und Feierabend, zwischen Arbeitszeit und Urlaub zunehmend aufgeweicht. Was aber auch für die Einteilung der Arbeit neue Perspektiven eröffnet. Lässt sich der Job nicht auch anders organisieren? Schliesslich ist die Arbeit dank der neuen technischen Möglichkeiten nicht mehr an einen bestimmten Ort oder an eine fest geregelte Zeit gebunden. 

Vor allem Jüngere wollen ihr Leben nicht mehr um die Arbeit herumorganisieren, sondern wünschen sich flexible Modelle. Das zeigen verschiedene unterschiedlichste Studien wie etwa eine neue Umfrage unter jüngeren Akademikerinnen und Akademikern des Beratungsunternehmens Trendence. Auch Gewerkschaften wie die IG Metall konstatieren, dass der Wunsch nach flexiblem Arbeiten grösser wird. 

Welche der folgenden Aspekte bringst du am ehesten mit flexiblem Arbeiten in Verbindung?

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Umfrage von Trendence unter jungen Akademikerinnen und Akademikern.

In manchen Bereichen der Wirtschaft wird heute in Ansätzen real, was der Philosoph Frithjof Bergmann in den frühen Achtzigerjahren mit dem Begriff New Work beschrieb. Er sah angesichts der fortschreitenden Automatisierung das Ende des «Jobsystems» gekommen und prophezeite eine Bewegung der Neuen Arbeit. Die Menschen hätten durch die neuen Technologien die Chance, sich von der Knechtschaft der Lohnarbeit zu befreien und stattdessen die Arbeit zu wählen, die sie wirklich erfüllt, argumentierte er. Und zwar zu den für sie individuell passenden Bedingungen.

Dem Psychologen Markus Väth zufolge geht die Entwicklung weiter: Es finde eine Verschiebung von der Work-Life-Balance zum Work-Life-Blending statt, die mit einer Neubewertung von Arbeit einhergehe. Es gehe heute weniger um die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben, sondern um eine gelungene Kombination von beiden. 

Jüngere halten 34-Stunden-Woche für ideal

Das belegt auch die Trendence-Studie: Ihr zufolge sind fast 95 Prozent der Jüngeren davon überzeugt, dass durch flexibles Arbeiten Familie und Beruf besser vereinbart werden können. Flexibel bedeutet für die Befragten dabei Unterschiedliches, vor allem aber mehr Zeitsouveränität. So sagt die Mehrheit, dass sie nicht mehr als 39 Stunden pro Woche arbeiten will, ideal finden viele sogar eine Wochenarbeitszeit von 34 Stunden. Auch die Möglichkeit, den Arbeitsort individuell und flexibel wählen zu können, ist für viele junge Beschäftigte von zentraler Bedeutung. Das Recht auf Homeoffice setzen sie quasi voraus.

Welches Arbeitszeitmodell findest du am attraktivsten?

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Umfrage von Trendence unter jungen Akademikerinnen und Akademikern.

Um so überraschender ist, dass nur 40 Prozent der Befragten angeben, diese Option auch tatsächlich zu nutzen. Ein Grund für dieses Auseinanderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit ist, dass viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden bisher gar nicht so viel Flexibilität gestatten. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten und repräsentativen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Demnach bietet zwar jeder vierte Arbeitgeber die Möglichkeit der Arbeit aus dem Homeoffice an – aber nur als Ausnahme. Einen regelmässigen Tag pro Woche von zu Hause zu arbeiten ist nur bei einem Sechstel aller Betriebe, die überhaupt Telearbeit ermöglichen, erlaubt. Radikalere Modelle wie etwa Remote Work kommen in der Realität fast gar nicht vor.

Unter Remote Work versteht man, dass der Arbeitsort jeden Tag uneingeschränkt selbst gewählt werden kann. Man kann also von dem Ort aus arbeiten, an dem man sich gerade aufhält. Während Arbeitgeber in Skandinavien oder den Beneluxländern durchaus schon mit solchen Modellen experimentieren, scheint hierzulande diese Arbeitsform vielfach entweder unbekannt oder nicht gewünscht zu sein. Repräsentative Zahlen darüber, wie viele Firmen in der Bundesrepublik diese Möglichkeit anbieten, gibt es keine.

«Unternehmen nutzen Hierarchien und Kontrolle, um funktionieren zu können.»

Wirtschaftswissenschaftler Ayad Al-Ani, Forscher am Einstein Center Digital Future

Der Wirtschaftswissenschaftler Ayad Al-Ani, Forscher am Einstein Center Digital Future, berät Unternehmen und Organisationen beim digitalen Wandel. Ihn erstaunt es nicht, dass viele Arbeitgeber weiterhin auf Hierarchien, Präsenzzeiten sowie Kontrolle und Überwachung von Beschäftigten setzen. Denn flexible Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden rechneten sich vielfach nicht. «Unternehmen nutzen Hierarchien und Kontrolle, um funktionieren zu können. Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse erhöhen hier die Transaktionskosten und das gefährdet – so eine geläufige Sichtweise – die Wettbewerbsfähigkeit», sagt Al-Ani.

Transaktionskosten sind die Kosten, die für ein Unternehmen anfallen, um am Markt teilnehmen zu können. Dazu gehört etwa, die richtigen Mitarbeiter zu finden und sie gut zu managen. Die meisten Unternehmen setzen vor allem auf Kontrolle, um das hinzubekommen. Da die Arbeitgeber ihre Arbeitskräfte auch mit Blick auf die Ertragslage möglichst flexibel einsetzen wollen, kommen Firmen dem Wunsch ihrer Mitarbeiter nach mehr Freiheit deshalb oft nur sehr zögerlich nach. Dies belegt auch eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit: Ihr zufolge wird seitens der Unternehmen zwar viel über New Work gesprochen, aber bisher wenig Konkretes davon umgesetzt. 

Erste radikale Beispiele gibt es schon

New Work kann dabei weit mehr als nur flexible Arbeitszeiten bedeuten, sondern ganz neue Organisationsformen nach sich ziehen. Im Extremfall verändert sich die Führung, sodass es keine Führungskräfte und auch keine Hierarchie mehr gibt. Laut den Autorinnen und Autoren der Fraunhofer-Studie liegen auch über die Verbreitung dieser Managementkonzepte in der Realität keine Daten vor.

«New Work ist im Moment ein eher substanzloser Modebegriff.»

Wirtschaftswissenschaftler Ayad Al-Ani, Forscher am Einstein Center Digital Future

«New Work ist im Moment ein eher substanzloser Modebegriff. Wir befinden uns in einer Phase des Übergangs, in der sich eine neue Arbeitsorganisation noch nicht durchgesetzt hat und in der grundsätzliche Konfliktthemen wie die Macht- und Einkommensverteilung nicht angesprochen werden», sagt Al-Ani. «Da passen Managementkonzepte gut, die zwar mehr Flexibilität einfordern, aber nicht konkretisieren, wie dies passieren soll. Im Gegenteil: Ist man nicht innovativ und agil genug, ist man selbst schuld.»

Der Fraunhofer-Studie zufolge gibt es aber durchaus schon Ansätze von New Work in Unternehmen zu besichtigen. Sie stellt dar, dass das Einführen neuer Arbeitsmethoden und Arbeitsformen häufig reibungsloser verläuft, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter zusammen an einem Strang ziehen und dafür sorgen, dass der einzelne Mitarbeiter und die einzelne Mitarbeiterin Möglichkeiten zur individuellen Mitbestimmung bekommt. Als Beispiel wird der Daimler-Konzern genannt, in dem sich Betriebsräte, Gewerkschaften und Management unter Einbeziehung der Beschäftigten auf eine Betriebsvereinbarung für flexibleres Arbeiten geeinigt haben. Die Untersuchung offenbart auch, dass neue Arbeitsformen wie eine selbstbestimmte Wahl der Arbeitszeiten keineswegs nur in Bürojobs möglich sind. Auch in der Produktion und in Kleinbetrieben kann flexibel gearbeitet werden.

Vorreiter bei New Work: eine kleine Bäckerei

Die Studie verweist auf die Bäckerei Leonhardt aus Bretten in Baden-Württemberg, einen 1904 gegründeten Betrieb mit 30 Beschäftigten. Das kleine Unternehmen führte neue Produktionszeiten und eine flexible Schichtplanung ein. Einerseits wollte die Bäckerei dem Bericht zufolge so dem Fachkräftemangel begegnen, weil es immer schwererfiel, gutes Personal zu finden. Andererseits wollte sie durchgängig frische Ware anbieten. Das bedeutete aber auch: nicht mehr in der Nacht, sondern den ganzen Tag über backen. Zudem stellte die Bäckerei von einer Sechstagewoche auf eine Fünftagewoche um. Für viele Angestellte bedeuteten die Änderungen attraktivere Arbeitszeiten, zumal bei den Dienstplänen Rücksicht auf die Arbeitszeitwünsche der Beschäftigten genommen wird. 

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Bäckerei Leonhardt als Vorreiter. Bild: Google maps

Und auch ein Beispiel für eine Firma, die ganz ohne Chef oder Chefin auskommt, wird gebracht: das Berliner Unternehmen Dark Horse, ein Entwickler von Produkt- und Dienstleistungsinnovationen. Gegründet wurde Dark Horse von Studierenden der HPI School of Design Thinking der Universität Potsdam, die eine Firma ohne jegliche Hierarchien schaffen wollten. Alle Entscheidungen werden im Konsens gefällt. Das Unternehmen vergibt aber da, wo es zweckdienlich und von allen akzeptiert sei, mittlerweile Führungsrollen auf Zeit.  

Wirtschaftswissenschaftler Al-Ani glaubt trotzdem, dass Firmen ohne Führungskräfte noch eine Weile auf sich warten lassen werden. Angesichts der steigenden Nachfrage nach mehr flexiblen Arbeitsmodellen werde sich dennoch bald etwas ändern. Der Forscher sagt: «New Work funktioniert da, wo die Rahmenbedingungen stimmen: wenn das Unternehmen um die Leidenschaften und Interessen der Mitarbeiter herum gebaut ist, Arbeitsinhalte strukturiert sind, Kollaboration unterstützt wird und auch eine gewisse Fürsorge für das Individuum entlang seines zunehmend selbstbestimmten Pfades gezeigt wird.»

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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    Alle Leser-Kommentare
  • wolge 19.07.2019 07:05
    Highlight Highlight Schon traurig wie wenig Resonanz dieses Thema erzeugt. Kaum geht es um Geld gibt es hunderte Kommentare doch geht es um Kultur, Führung und Organisation...

    Scheinbar scheinen viele von uns auf einer relativ niedrigen Ich-Entwicklungsstufe stehen geblieben zu sein... Schade

    https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/zukunftsanalyse-nach-jane-loevinger-weg-vom-leistungsideal-a-1248816.html
  • who cares? 18.07.2019 12:08
    Highlight Highlight Ein Unternehmen ohne Chef. Und wenn etwas schief läuft, ist's keiner gewesen? Es braucht Leute, die die Verantwortung übernehmen.
    • Neruda 18.07.2019 15:22
      Highlight Highlight Haha die Chefs übernehmen heute ja bekanntlich immer die Verantwortung 😂
    • wolge 19.07.2019 14:51
      Highlight Highlight Das heutige System führt eher dazu das niemand Verantwortung übernimmt. Trotz buzz words wie Selbstverantwortung haben die Mitarbeitenden letzten Endes viel zu wenige Freiheiten und Kompetenzen um ernsthaft Verantwortung übernehmen zu können. Die Manager hätten diese übernehmen sie aber trotzdem nicht.

      Ohne Hierarchie muss wieder jeder Verantwortung für sich selbst und seine Entscheidungen übernehmen
  • Leckerbissen 18.07.2019 10:28
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach ist eine Firma ohne "offizielle" Führungspersonen eine leichte Utopie. Selbst wenn es heissen sollte "Firma ohne Hierarchie" gibt es Leader, das liegt im Naturell der Menschen. Wer fällt schwierige zukunftsweisende Entscheide? Wer fällt Entscheidungen wieviel in was investiert wird? Ein Gremium bei dem man sich händehaltend anschaut und sich gegenseitig auf die Schulter klopft? Wer baut personal ab?

    Funktioniert solange alles im grünen liegt relativ gut, danach wird's schwierig.
    • wolge 19.07.2019 07:12
      Highlight Highlight Der grosse Unterschied hier ist, dass in einer Hierarchie irgendwelche Leute führen. Ob sie dazu qualifiziert sind oder von der Belegschaft als Anführer akzeptiert werden spielt keine Rolle. Rein die künstliche Hierarchie entscheidet darüber wer das Sagen hat.
      In einer reifen Organisation übernimmt immer der den Lead der zum aktuellen Thema die grössten Kompetenzen besitzt. Auch hier gibt es Hierarchie, diese bildet sich jedoch natürlich

      https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standard/fuehren-ohne-macht-ist-die-koenigsdisziplin/story/12969009
  • Samzilla 17.07.2019 23:30
    Highlight Highlight Strukturen ohne Hierarchie hören sich gut an, scheitern aber meistens in der Praxis. Sehr kleine, spezialisierte, Organisationen dürften dabei die Ausnahme sein.

    Natürlich alles kein Problem, solange alles gut läuft. Unzufriedene Kunden, Eskalationen, Mobbing im Team, Zeitdruck...es gibt einfach zu viele Gegebenheiten, welche nach Führung und dem Übernehmen von Verantwortung verlangen.
    • who cares? 18.07.2019 12:00
      Highlight Highlight Es funktioniert auch nur mit guten, motivierten Arbeitskräften. In den hierarchienlosen Gruppenarbeiten an der Uni (ja andere Welt, ich weiss) gab es schon einige Vollpfosten, die parasitär zur guten Note gekommen sind. Das werden diese auch im Arbeitsleben weiterführen. Vor allem, wenn es keine Feedbackgespräche etc. gibt.
    • wolge 19.07.2019 07:36
      Highlight Highlight Das stimmt so nicht. Buurtzorg startete mit 6 Mitarbeitern und beschäftigt inzwischen 14000. Es beherrscht 75% des Pflegemarktes in Holland. Die Teams organisieren und steuern sich selber, verteilen alle anfallenden Aufgaben, auch Dienst- und Ferienplanung unter sich auf und funktionieren anscheinend gut. So gut, dass sich jeden Monat viele Pflegende dort bewerben, die auch so arbeiten wollen. Ein Erfolgsmodell mit guter Pflege, zufriedenen Kunden und auch wirtschaftlich stimmt die Bilanz. Sie ist besser als in traditionell-hierarchisch organisierten Spitex-Organisationen.
  • sowhat 17.07.2019 22:59
    Highlight Highlight In diesem Zusammenhang erwähne ich gerne nochmal das Buch "Reinventing Organisations" von Frederic Laloux. Habs meinem Chef zum lesen gegeben. Er merkt, dass er nicht jede Enscheidung selber trffen muss, wenn er das Team sich selber orgenisieren lässt. HomeOffie ist da nur ein kleiner Teil. Viel wichtiger ist, dass die Gruppe das Ziel erreichen will und zwar gemeinsam.
    Funktioniert natürlich nur, wenn die Ziele nicht von oben aufoktruiert werden. :)
    • wolge 19.07.2019 07:37
      Highlight Highlight Sehr gutes Buch! Für jeden zu empfehlen. Ein absolutes Muss. Es hat meine Weltsicht grundlegend verändert. Hatte quasi eine erleuchtung
  • Nelson Muntz 17.07.2019 21:55
    Highlight Highlight Die Bäckerin, der Metzger, Taxifahrer oder die Hausärztin arbeiten gemäss New Work auch zu Hause?
    • wolge 19.07.2019 14:54
      Highlight Highlight Nochmals: new work ist viel mehr als home office. Home office ist nur eine von vielen Facetten
  • Lllll 17.07.2019 20:41
    Highlight Highlight Prinzipiell gut! Einen Chef braucht es trotzdem. Nennen wir ihn Teamleiter. Das ganze Gemüse darüber, Manager, Direktoren etc. ausgeschossen das Geschäftsführer Level, weg damit! Diese Positionen machen die Konzerne nur unnötig schwerfällig, viel weniger flexibel und transparent.
    • Samzilla 17.07.2019 23:22
      Highlight Highlight Ja, genau, funktioniert sicher auch in allen Firmengrössen und Branchen. Definieren wir mal ein paar Teamleiter in einem multinationalem Grossbetrieb.

      Diese mehreren Tausend Teamleiter sind dann natürlich direkt der Geschäftsleitung unterstellt. Momol, kommt gut....
    • satyros 18.07.2019 02:06
      Highlight Highlight Habe mal in einem Team ohne Teamleiter gearbeitet. Das administrative Zeugs hat der Chef eines kleinen anderen Teams übernommen, fachlich haben wir uns selber geführt. War eine der besten Arbeitserfahrungen, die ich machen durfte.
    • Lllll 19.07.2019 10:09
      Highlight Highlight @Samzilla betrachtet man die Relation der Kosten/Nutzen Berechnung zusätzlich der flacheren Hierarchie, sprich der kürzere Entscheidungswege wird sich diese Aufstellung sehr wohl bewähren. Diese Organisationsstruktur braucht zugegeben etwas Mut und visionäre Mentalität. Zahlt sich jedoch am Ende, zusammen mit flexiblen Arbeitszeiten, für jeden MA aus. Die Verantwortung stärken, potenziale nutzen und sich einbringen können sind der Schlüssel zum Erfolg. Gartenhag denken wird in der zukünftigen digitalen und automatisierten Arbeitswelt keinen Platz mehr finden. Wieso also nicht gleich beginnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • mrgoku 17.07.2019 20:37
    Highlight Highlight klar finden es unternehmen auch cool. als arbeitnehmer sagt man "meine buude ist richtig geil drauf" aber gleichzeitig wird 24h verfügbarkeit zur normalität... mal ab und zu zuhause arbeiten ok. aber für.mich ist zuhause immernoch zuhause. da will ich nicht such noch arbeiten!
  • Matti_St 17.07.2019 20:05
    Highlight Highlight Seit ich Home Office arbeite bin ich ausgeglichener, motivierter, arbeite konzentrierter und dadurch auch produktiver. Einen halben Tag in der Woche bin ich im Betrieb.
    Dadurch spare ich Zeit und Geld für den Arbeitsweg.
    Ich kann mir nicht mehr vorstellen jeden Tag in einem Büro zu arbeiten.
  • Scaros_2 17.07.2019 19:39
    Highlight Highlight Mit all diesen Methoden wird der Arbeitnehmerschutz Stück für Stück ad absurdum geführt. Diese neuen Methode bringen schon flexibilität aber auch gleichzeitig Risiken mit sich.

    Und auch für das Unternehmen bringt es Risiken mit sich. Es gibt gewisse Berufe die können nicht "von überall" aus gemacht werden. Man stelle sich vor, jemand mit hochsensibeln Daten arbeitet von einem Starbuck aus über ein unsicheres WLAN oder von Zuhause aus. Es bringt dann wenig das Unternehmen mit allem möglichen zu sichern, wenn man beim MA zuhause einfach einbrechen kann.

    Und viele MA sind naiv bei dem Thema.
    • x4253 17.07.2019 19:50
      Highlight Highlight "Man stelle sich vor, jemand mit hochsensibeln Daten arbeitet von einem Starbuck aus über ein unsicheres WLAN oder von Zuhause aus"

      Das wird jetzt schon gemacht. Fahr mal am morgen mit dem Zug von Zürich nach Bern. Da kannst du wunderbar auf Datenklau gehen.
    • DerRabe 17.07.2019 20:23
      Highlight Highlight Jaja, ihr Computer-Genies...dann tut das doch mal :D
      Ein ungesichertes Netzwerk ist nur die Hälfte, die es braucht, um Daten zu klauen. Auch die Verbindung mit der Website oder dem Dienst muss ungesichert sein. Und das findet ihr heute fast nicht mehr. Ansonsten ist den Firmen tatsächlich nicht mehr zu helfen.
    • Scaros_2 18.07.2019 00:22
      Highlight Highlight Rabe - Es kommt nicht darauf an was du glaubst heute noch tun zu können und was nicht. Fakt ist, dass durch das ganze "mobile arbeiten" für Firmen grosse Risiken entstehen die sie sonst negieren könnten, wenn man innerhalb der 4 Wände des Unternehmens arbeitet.

      Ich habe shcon gesehen, dass Leute aufs Klo gingen, an Universitäten etc. oder auch in einem Starbucks, ohne das sie ihren Computer Sperrten was man mit Windows-l ja easy machen könnte. Da reicht mir dann auch kurzerhand 1min um etwas zu entwenden.

      Viele Menschen gehen äusserst leichtsinnig mit dem Thema Security um.
    Weitere Antworten anzeigen
  • aglio e olio 17.07.2019 19:28
    Highlight Highlight Tönt ja alles schön und gut. Es besteht aber die grosse Gefahr, dass sich damit eine negative Entwicklung in Bezug auf Arbeitnehmerschutz fortsetzt.
    • wolge 19.07.2019 15:01
      Highlight Highlight Ja leider. Neue Organisations- und Führungsmodelle funktionieren nur mit reifen Managern die über eine entsprechende Ich-Entwicklungsstufe verfügen. Diese sind leider nach wie vor sehr rar gesäht...
  • Ueli der Knecht 17.07.2019 19:27
    Highlight Highlight "Die Menschen hätten durch die neuen Technologien die Chance, sich von der Knechtschaft der Lohnarbeit zu befreien und stattdessen die Arbeit zu wählen, die sie wirklich erfüllt, argumentierte er. Und zwar zu den für sie individuell passenden Bedingungen."

    Solche Wahlfreiheit ist erst mit bedingungslosem Grundeinkommen echt. Sonst ist solche Pseudo-Wahlfreiheit nur eine Täuschung, um Arbeitnehmer glauben zu lassen, sie würden sich freiwillig versklaven (bzw. sie seien selber schuld).

    Die Arbeitsrevolution startet dann mit dezentralisierten autonomen Organisationen (http://bit.ly/2Y0idzG).
  • wolge 17.07.2019 19:05
    Highlight Highlight In diesem Artikel wird sehr stark auf das Thema Arbeitszeit Fokussiert. Meines Erachtens geht es bei New Work jedoch um viel mehr. Es geht um selbstbestimmtes Arbeiten, um Selbstverantwortung, ja Selbstorganisation, um Netzwerk- statt Pyramidenorganisation, um Choaching statt Führung, um mehr Transparenz und Vertrauen und letzten Endes um mehr Menschlichkeit...
    • wolge 17.07.2019 23:01
      Highlight Highlight Dazu einige Buchempfehlungen:

      Frederic Laloux - Reinventing Organizations: Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit
      > Mein absoluter Top-Favorit!

      Daniel Pink - Drive: Was sie wirklich Motiviert

      Felix Frei - HIERARCHIE:
      Das Ende eines Erfolgsrezepts

      Niels Pfläging - Organisation für Komplexität: Wie Arbeit wieder lebendig wird und Höchstleistung entsteht

      Hermann Arnold - Wir sind Chef: Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen verändert
  • Jein 17.07.2019 19:04
    Highlight Highlight New Work mit Home Office gleichzusetzen - worauf auch in diesem Artikel der Fokus gesetzt wird - greift viel zu kurz, zumal in vielen Jobs Home Office keine oder nur begrenzt eine Option ist.

    Das Stichwort Home Office bringt uns auch zur Frage der Entlöhnung die hier nur am Rande angesprochen wird, aus Unternehmenssicht müsste bei erhöhter Flexibilität des Arbeitnehmers seine Entlöhnung vermehrt an seinen Output statt wie jetzt an die Anzahl der Arbeitsstunden ausgerichtet werden.
    • wolge 18.07.2019 08:22
      Highlight Highlight Das sehe ich genauso. Meines Erachtens geht es um selbstbestimmtes Arbeiten, um Selbstverantwortung, ja Selbstorganisation, um Netzwerk- statt Pyramidenorganisation, um Choaching statt Führung, um mehr Transparenz und Vertrauen und letzten Endes um mehr Menschlichkeit...
  • Rupert The Bear 17.07.2019 19:01
    Highlight Highlight und wer übernimmt Verantwortung?
    • wolge 19.07.2019 15:02
      Highlight Highlight Jeder
  • Ökonometriker 17.07.2019 19:00
    Highlight Highlight New Work funktioniert auch, wenn man modernere Managementmethoden verwendet und Leistung statt Zeit erfasst. Das lohnt sich auch finanziell mehr.
    • Ueli der Knecht 17.07.2019 19:09
      Highlight Highlight Das nennt sich dann Gig Economy, was prekäre Arbeitsverhältnisse sind, auf die Spitze getrieben.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Gig_Economy

      "Modernere Managementmethoden" ist auch nur ein Euphemismus für mehr Profit durch effizientere Arbeitnehmerausbeutung. ;)
    • DichterLenz 17.07.2019 19:16
      Highlight Highlight Das ist der Punkt. Output statt Stunden messen.

      Dann wird auch klar, dass Leute die weniger, dafür gezielt und intelligent arbeiten, viel produktiver sind als die verkrusteten Stundenabsitzer.
    • aglio e olio 17.07.2019 19:24
      Highlight Highlight So NEW ist das nicht mal. Nennt sich Akkordarbeit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ETH1995 17.07.2019 18:49
    Highlight Highlight "ein Entwickler von Produkt- und Dienstleistungsinnovationen."
    Sollte ich nun verstehen, was diese Leute arbeiten?
    • Ueli der Knecht 17.07.2019 23:11
      Highlight Highlight Sie verkaufen Motivationsbücher und vermieten Motivationscoaches. So eine Art Mike Shiva für esoterisch angehauchte Unternehmen.
  • Clife 17.07.2019 18:48
    Highlight Highlight Ein Chef ist schon in Ordnung, solange dieser Chef auch etwas will, das im Bereich des Menschlichen ist. Sobald der Chef aber „schneller“, „mach es genau so und nicht anders auch wenn das andere auch zum Ziel führt“ oder „keine Fehler“ sagt, muss ich mich als Mitarbeitender, der sich ohnehin schon die grösste Mühe gibt, schon fragen, ob eben dieser Chef selber genauso „schnell und fehlerfrei“ ist wie er sich wünscht.
    • wolge 19.07.2019 15:06
      Highlight Highlight Da gebe ich dir Recht.

      Sind wir doch mal ehrlich: Ein Chef sollte allem voran mit Menschen umgehen können, menschen gerne haben, menschlich sein und Empathie haben...

      Also genau die Dinge die die wenigsten Chefs haben...

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