Afrika-Cup
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

watson am Afrika-Cup

Der hohe Besuch mit dem unmoralischen Angebot im Schmuddelhotel 

Erst dachte ich, ich sei im grössten Schmuddelhotel von Ebebiyin gelandet. Dann traf ich dort ein Regierungsmitglied des Kongos. Dieses erzählte freimütig über Siegprämien und will mir ein Visum besorgen, damit ich auf seine Kosten nach Kinshasa kann. 

reto fehr, äquatorialguinea

Regierungen und Fussballnationalteams sind in Afrika (leider) oft sehr nah beisammen. Oftmals bestimmt nicht der Trainer, sondern ein hoher Politiker das Kader sowie die Aufstellung. Ich weiss nicht, wie das in der Demokratischen Republik Kongo (Kongo Kinshasa) läuft, aber ich kann mir – ohne irgendetwas behaupten zu wollen, versteht sich – einen hohen Einfluss vorstellen.  

Ich bin in Ebebiyin angekommen. Ein kleines Nest im Dreiländereck von Kamerun, Gabun und Äquatorialguinea. Die einzigen Hotels, welche westlichen Standards entsprechen, sind von den vier Teams besetzt. Wobei sich der Kongo erst beschwert hatte, weil nicht alle Mitglieder der Delegation in der gleichen Unterkunft Unterschlupf fanden. Ich suche also auf «lokaler Ebene». In Malabo lernte ich einen Taxifahrer kennen, der mir das Hotel seiner Schwester hier in Ebebiyin empfahl: Das Hotel Central.

CAN 2015

Mein Hotel in Ebebiyin. Bild: watson

Ich gehe von der Busstation dorthin. Als ich das Zimmer sehe, nehme ich mir einmal mehr vor, nicht immer so gutmütig Fremden zu vertrauen, wenn die mir einen Tipp geben. Die Nacht in diesem Hotel kostet 20'000 Francs (rund 40 Franken). Mein Zimmer befindet sich in einem heruntergekommenen Gebäude, das Bett ist hart und fliessend Wasser gibt es nur selten.

Dafür stehen in meiner Dusche eine Wassertonne, zwei Eimer und eine Schöpfkanne. Als ich fürs Zähneputzen doch mal noch den Wasserhahn betätige, sprudelt eine braune Sauce über mein Zahnbürste.  

CAN 2015

Jaja, ich weiss, sieht gar nicht so schlimm aus. Aber ich schwör, das Zeugs, das da aus dem Wasserhahn kam, war viel dunkler und dicker und grusiger. Bild: watson

Einer der mächtigsten Männer des Kongos als Zimmernachbar

Ich bin normalerweise nicht heikel, aber mit dem Ding will ich meine Beisserchen nicht mehr reinigen. Im 25'000-Seelen-Ort finde ich schnell eine Apotheke und kaufe mir eine neue Zahnbürste. Als ich die Frau an der Theke frage, wo ich einen Supermarkt finde, will sie mir den Weg zeigen. Sie stellt einen Stuhl in die Tür («damit niemand rein geht») und begleitet mich zum nächsten Geschäft. 

Zurück im Hotel treffe ich im Innenhof einen älteren Herrn im Fussballshirt. Wir kommen ins Gespräch und schnell stellt er sich als Regierungsmitglied des Kongos vor, sowie als einer der Chefs beim nationalen Grossklub TP Mazembe (ihr erinnert euch, das sind die mit dem hüpfenden Goalie). Ich nehme ihm dies erst nicht ab.  

CAN 2015

Die Dusche mit Wassertonne, Eimern und Schöpfkelle – fliessend Wasser gibt es nicht. Bild: watson

Reise und Visum für den Kongo?

Zum Beweis zückt er seinen Diplomatenpass und erklärt seinen Werdegang: «Ich war erst in der Regierung in der Provinz Katanga, dann wurde ich in die Landesregierung in Kinshasa gewählt. Nachfolger in Katanga ist meine Frau.» Und sowieso, ich müsse mal in seine Heimat kommen: «Ich zahle für den Flug und die Unterkunft.» 

Als ich einwerfe, dass ich wohl ein Visum benötige, meint er: «Gib mir deine Emailadresse. Ich schick dir eine persönliche Einladung, damit gehst du auf die Botschaft und du wirst sofort ein Visum erhalten.» Später werde ich seinen Namen googeln – und tatsächlich: Er ist der, für den er sich ausgibt. 

CAN 2015

Zimmernachbarn: Einer der wichtigsten Männer des Kongos und … äähm … ich. Bild: watson

So viel kassieren Kongos Spieler am Afrika-Cup

Doch erst erzählt er mir noch etwas aus dem Nähkästchen. Sie seien zu siebt hier und seit gestern bei der Mannschaft. Sie hätten dem Team die 15'000 Dollar Prämie pro Spieler für das Unentschieden im Startspiel überbracht.

Als ich nach den weiteren Zahlungen frage, erklärt er freimütig: «10'000 Dollar bei einer Niederlage, 15'000 bei einem Remis, 20'000 für den Sieg. Die Viertelfinalqualifikation bringt jedem Spieler 50'000 Dollar, die Halbfinals 100'000, das Endspiel 200'000 und der Titel wird mit 500'000 entlöhnt.» Sehr schön, dann hätten wir das auch geklärt. Und wer bezahlt das? «Der Staat. Die Fussballer machen ja etwas Gutes für das Land.»

CAN 2015

Wie ich finde, ein total normales Taxi. Aber fast wäre es nicht gut genug gewesen. Bild: watson

Ich begebe mich danach zum Stadion. Wie üblich sind die Strassen in einem Umkreis von gut drei Kilometern vor dem Spielort abgesperrt. Mit der Akkreditierung kann man aber meist näher ran. Dieses Mal allerdings flucht der Security-Mann: «Warum hast du so ein schlechtes Taxi genommen, das kann ich hier nicht rein lassen.» Ich will schon aussteigen, da lässt er sich doch noch erweichen: «Aber komm nie mehr mit so einem Göppel hier an.»

Nonstop-Party im Stadion

Praktisch während den ganzen 90 Minuten der Partien Sambia – Tunesien und Kap Verde – Kongo veranstalteten etwa 100 Fans eine Polonaise auf der Gegentribüne.

abspielen

Video: Youtube

abspielen

Video: watson

watson in Äquatorialguinea

watson-Sportchef Reto Fehr reist an den Afrika-Cup in Äquatorialguinea und berichtet ab dem 16. Januar regelmässig von seinen Erfahrungen – vorausgesetzt die Internetverbindung funktioniert und er erhält das versprochene Visum tatsächlich. Das kleine Land im Nacken Afrikas gilt als eines der touristisch wenigsten entwickelten und am schwierigsten zu bereisenden der Welt.

Durch Ölreichtum sind die Preise im Land unvorstellbar horrend. 2004 wies die Nation zwar die höchste Wirtschafts-Wachstumsrate (30%) aus und auf dem Papier wäre Äquatorialguinea gemessen am Pro-Kopf-Einkommen eines der reichsten Länder. In der Realität hat die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberen, fliessenden Wasser und 20 Prozent der Kinder sterben vor dem 5. Lebensjahr. In der Korruptionsliste belegt die ehemalige, spanische Kolonie regelmässig hinterste Plätze und Präsident Teodoro Obiang – das am längsten im Amt stehende, nicht royale Amtsoberhaupt der Welt – kontrolliert seine «demokratische Nation» mit viel Militärpräsenz praktisch als Diktatur.



Das könnte dich auch interessieren:

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • mrgoku 23.01.2015 14:02
    Highlight Highlight aiaiai...harter ranzen hat der Kongo-Mann
  • Baba 23.01.2015 13:43
    Highlight Highlight Herrlich, Africa as its best. Regierungsbeamte, wo man sie überhaupt nicht erwartet, 'funktionierende' Duschen (dank Kübeln) und überhaupt... Vielen Dank für diese amüsanten Berichte, ein Genuss, sie zu lesen :-).

So übel hat's Basel-Trainer Koller bei seinem Mountainbike-Sturz erwischt

Der FC Basel steht nach einem 4:1-Sieg in Pully in der 2. Runde des Schweizer Cups. Trainer Marcel Koller fehlte im Waadtland – er war tags zuvor mit dem Mountainbike schwer gestürzt. Glasscherben hätten ihn bei einem Tempo von etwa 40 km/h zu Sturz gebracht, erläuterte Koller nun im «Blick». Diese hätten seinen Reifen beschädigt.

Der 58-Jährige brach sich am Freitagabend ein Schlüsselbein, eine Schulter wurde ausgekugelt, Bänder zerstört und an der linke Körperhälfte hat er Schürfwunden. …

Artikel lesen
Link zum Artikel