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«Besteuert uns und zwar jetzt» – Millionäre fordern Vermögenssteuer für Superreiche

Während die Welt unter der Pandemie leidet, werden die Reichen immer noch reicher. 102 Millionäre fordern nun in einem offenen Brief eine Vermögenssteuer für die Superreichen. An wen der Brief gerichtet ist? An die Teilnehmenden des Weltwirtschaftsforums.
19.01.2022, 07:4519.01.2022, 14:50

102 Millionäre und Millionärinnen haben genug vom Weltwirtschaftsforum – genug von den dort erarbeiteten Lösungsansätzen, genug von der Ignoranz gegenüber des wahren Problems. In einem offenen Brief an die Teilnehmenden des WEF schlagen die Gruppen «Patriotic Millionaires», «Millionaires for Humanity» und «Tax Me Now» mit der Faust auf den Tisch: Superreiche hätten im Zuge der Corona-Pandemie Rekordgewinne gemacht. Es werde endlich Zeit, dass die Reichsten eine jährliche Vermögenssteuer bezahlen müssen. Und zwar sofort.

Das diesjährige WEF findet aufgrund der andauernden Corona-Pandemie nicht in regulärer Form statt.

Dieses Jahr werden virtuelle Sitzungen abgehalten, die dem Motto des geplanten Jahrestreffens entsprechen.
Dieses Jahr werden virtuelle Sitzungen abgehalten, die dem Motto des geplanten Jahrestreffens entsprechen. Bild: keystone

Stattdessen wird vom 17. bis 22. Januar die Veranstaltungsreihe «Davos Agenda» online abgehalten. Im Fokus des diesjährigen Programms steht die Frage: «Wie können wir zusammenarbeiten und das Vertrauen wiederherstellen?»

Gar nicht, finden die unterzeichnenden Millionäre. Im offenen Brief finden sie klare Worte:

«Sie werden die Antwort nicht in einem privaten Forum finden, wo sie von anderen Millionären, Milliardären und den mächtigsten Menschen der Welt umgeben sind. Wenn Sie darauf achten, werden Sie merken, dass Sie Teil des Problems sind.»

Tatsächlich wird das Weltwirtschaftsforum (WEF) immer wieder als Treffen der wohlhabenden globalen Elite kritisiert. Seit dem Jahr 1971 treffen sich am WEF jährlich Topmanager, Spitzenpolitiker, Wissenschaftler und Vertreter unterschiedlicher Organisationen, um darüber zu diskutieren, wie die Welt verbessert werden könnte. Es wird über Probleme beraten und über künftige Entwicklungen in der Weltwirtschaft und Weltpolitik diskutiert. Dieses Jahr also unter dem Motto «zusammenarbeiten, Vertrauen wiederherstellen».

Die unterzeichnenden Millionäre sehen darin ein hoffnungsloses Unterfangen: «Vertrauen – in die Politik, in die Gesellschaft, in einander – wird nicht in winzigen Nebenräumen aufgebaut, die nur für die Reichsten und Mächtigsten zugänglich sind.»

«Vertrauen – in die Politik, in die Gesellschaft, in einander – wird nicht in winzigen Nebenräumen aufgebaut, die nur für die Reichsten und Mächtigsten zugänglich sind.»

Mit einem nicht so subtilen Seitenhieb an die zwei reichsten Männer der Welt – Elon Musk und Jeff Bezos – fahren sie fort: Vertrauen werde nicht von milliardenschweren Raumfahrern aufgebaut, die mit einer Pandemie ein Vermögen verdienten, dabei fast keine Steuern und ihren Angestellten schlechte Löhne zahlten.

Müssen Kritik einstecken: Elon Musk und Jeff Bezos.
Müssen Kritik einstecken: Elon Musk und Jeff Bezos.Bild: www.imago-images.de

Was es brauche, sei eine Rechenschaftspflicht und gut funktionierende Demokratien, die ihre Bürgerinnen und Bürger unterstützten. Und die Grundlage einer starken Demokratie sei ein gerechtes Steuersystem.

Als Millionäre sei ihnen allerdings bewusst, dass das Steuersystem nicht gerecht sei. Auch ihr Wohlstand sei während der Pandemie gestiegen, geben sie zu. Dabei hätten nur wenige unter ihnen – wenn überhaupt – angemessen Steuern bezahlt. All das, während die Welt in den letzten zwei Jahren unermessliches Leid erfahren habe.

«Diese Ungerechtigkeit ist in das Fundament des internationalen Steuersystems eingebaut und hat zu einem kolossalen Mangel an Vertrauen zwischen den Menschen in der Welt und den Eliten, die die Architekten dieses Systems sind, geführt.»

Diese Kluft könne nicht mit Prestigeprojekten und philanthropischen Gesten überwunden werden. Was nötig sei, sei eine vollständige Überarbeitung des Systems. Ein System, das bisher bewusst darauf ausgerichtet gewesen sei, die Reichen noch reicher zu machen.

Die vorgeschlagene Lösung der unterzeichnenden Millionäre scheint simpel: Um das Vertrauen wiederherzustellen, müssten die Reichen besteuert werden. Und zwar sofort:

«Besteuert uns, die Reichen, und zwar jetzt.»

Vermögenssteuer zur Verringerung von Ungleichheit

Die Nothilfeorganisation Oxfam kommt in ihrem Bericht zum selben Schluss. Der internationale Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisation sieht in der Vermögenssteuer für die Reichsten eine Möglichkeit, extreme Ungleichheit zu verringern und soziale Grunddienste wie eine öffentliche Gesundheitsversorgung und Bildung zu finanzieren.

Eine neue Analyse unter dem Titel «Taxing Extreme Wealth» zeige, dass durch eine Vermögenssteuer, die bei Millionären mit zwei Prozent jährlich ansetze und bei Milliardären auf fünf Prozent jährlich steige, weltweit 2.52 Billionen Dollar pro Jahr eingenommen werden könnten. Die Analyse wurde von der Fight Inequality Alliance gemeinsam mit dem Institute for Policy Studies, Oxfam sowie den Patriotic Millionaires vorgelegt.

Ein unterernährtes Kind in Äthiopien. Die Vermögenssteuer könnte viel dazu beitragen, Menschen aus der Armut zu befreien.
Ein unterernährtes Kind in Äthiopien. Die Vermögenssteuer könnte viel dazu beitragen, Menschen aus der Armut zu befreien.Bild: keystone

Diese Summe reiche, um 2.3 Milliarden Menschen aus der Armut zu befreien, genügend Corona-Impfstoffe für die ganze Weltbevölkerung herzustellen und eine universelle Gesundheitsversorgung und sozialen Schutz für 3.6 Milliarden Menschen in ärmeren Ländern zu gewährleisten.

Gemäss der Aanalyse verfügen weltweit 3.6 Millionen Menschen über ein Vermögen von mehr als fünf Millionen Dollar. Diese sollen nun endlich zur Kasse gebeten werden, fordern die Millionäre in ihrem offenen Brief:

«Für unser aller Wohlergehen – egal, ob reich oder arm – ist es an der Zeit, die Ungleichheit zu bekämpfen und die Reichen zu besteuern.»

Unter den Unterzeichnenden befinden sich unter anderem die US-Filmproduzenten und Erben Abigail und Tim Disney, der US-Unternehmer und Risikokapitalgeber Nick Hanauer sowie die österreichische Studentin und BASF-Erbin Marlene Engelhorn. Von Schweizer Millionären und Millionärinnen hat niemand unterschrieben.

Mit Material der Nachrichtenagenturen sda, apa und afp.

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180 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schnurri
19.01.2022 08:02registriert April 2016
Schade wird dieser Brief nichts bringen. Er bringt das Problem nämlich auf den Punkt!
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Bürgerliche wollen nur Steuergeschenke für Reich
19.01.2022 08:22registriert Mai 2015
Schön, dass auch Reiche merken, dass das Steuersystem mit dem Neoliberalismus immer unfairer geworden ist. Auch in der Schweiz.
Bei uns wollen die Bürgerlichen (SVP, FDP, GLP, Mitte) diese Kluft noch vergrössern: Darum bitte gegen die Abschaffung der Stempelsteuer stimmen und das Referendum gegen die Abschaffung der Verrechnungssteuer unterschreiben.
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schuelhuusgspängschtli
19.01.2022 08:02registriert August 2019
Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich endlich was ändert. Die Frage ist jedoch, ob dies ohne Zwang möglich sein wird. Braucht es evtl. eine Transaktionssteuer um Schlupflöcher zu vermeiden? Der Grundsatz sollte sein, dass jeder seinen fairen Anteil zahlen muss.
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