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Interview

Die SVP ist die Partei der Impfgegner – Blocher: «Ich empfehle die Corona-Impfung allen»

Der SVP-Doyen findet die Corona-Impfung «gäbig», genauso wie das Covid-Zertifikat. In Briefen wird er deshalb als «Mörder» bezeichnet. Im Interview erklärt Blocher, wie er mit Impfskeptikern umgeht und über welches Thema er lieber redet.
29.07.2021, 07:39
Doris Kleck / ch media

51 Prozent der SVP-Wähler wollen sich nicht impfen lassen. Woher rührt diese Impfskepsis und was kann man dagegen tun?
Christoph Blocher:
Ich stelle ebenfalls fest, dass bei unseren Leuten die Impfskepsis gross ist und zahlreiche sich nicht impfen lassen wollen. In der Partei gibt es verschiedene Meinungen dazu. Das ist nicht schlimm: Sie muss in dieser Frage nicht geschlossen sein. Viele unserer Wähler leben in ländlichen Gebieten. Dort gibt es mehr Impfgegner als im urbanen Raum. Ich kenne viele Leute, die auf dem Land leben und nie zum Doktor gehen. Erst kürzlich habe ich einen 90-Jährigen getroffen, der noch nie beim Arzt war. Er hat mir gesagt, entweder gehen die Schmerzen wieder weg – oder sonst sterbe er halt. Im Toggenburg habe man sich noch nie die Hand nicht gegeben, sagte mir kürzlich jemand. Es war übrigens nicht Toni Brunner.

«Das sind Spinner»: Alt-Bundesrat Christoph Blocher über Menschen, die ihn wegen seiner Haltung zum Impfen als Mörder bezeichnen.
«Das sind Spinner»: Alt-Bundesrat Christoph Blocher über Menschen, die ihn wegen seiner Haltung zum Impfen als Mörder bezeichnen.
Bild: KEYSTONE

Sie selbst haben sich schon früh geimpft.
Ich bin ein Impfbefürworter. Ich habe mich geimpft, um mich zu schützen. Aber unsere Leute stört eben noch etwas anderes. Wenn ihnen etwas von oben befohlen wird, dann sind sie dagegen. Sie lassen sich nicht befehlen, dass ihnen jemand in den Arm spritzt. Das ist eine gesunde Skepsis gegenüber staatlichen Eingriffen in die persönliche Freiheit.

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Eine hohe Impfquote ist aber wichtig, um die staatlichen Coronamassnahmen zu beenden.
Ich empfehle die Impfung! Ich habe mich schon oft impfen lassen, früher fast vor jeder Auslandreise. Und ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Aber wenn einer keine Impfung gegen Corona will, dann muss man ihn lassen. Man muss auch schauen, wie gefährlich eine Pandemie ist. Im Moment ist die Situation nicht gravierend. Es gibt wenige Hospitalisationen und wenige Tote. Wir haben erreicht, dass 80 Prozent der über 80-Jährigen und Risikopatienten geimpft sind. Ich habe in meiner Bekanntschaft auch Leute, die nicht geimpft sind. Einzelne von ihnen sind dement: da wird vorsichtig abgewogen, ob sie geimpft werden sollen oder nicht. Wichtig ist, dass diese ungeimpften Personen nicht durch die Pflegenden gefährdet werden.

Braucht es eine Impfpflicht für das Pflegepersonal?
Auf jeden Fall muss der Schutz vorhanden sein – sei es durch Impfen oder Testen oder Immunität. Wichtig ist, dass man in diesem Punkt streng ist. Das ist nicht anders wie bei der Grippe – auch dort muss das Pflegepersonal darauf achten, die alten Leute nicht zu gefährden.

Haben Sie keine Angst vor der vierten Welle? Oder vor Mutationen?
Die kann es auch mit der Impfung geben. Wenn die vierte Welle kommt, dann muss es dann beurteilt werden.

Wie halten Sie es mit dem Covid-Zertifikat?
Ich habe eines und bin sehr froh darüber. Der Bundesrat hat beschlossen, dass nun die Selbstverantwortung gilt. So befiehlt er nicht mehr Homeoffice und Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Das ist richtig: Jeder Arbeitgeber ist verantwortlich für seine Mitarbeiter. In meiner Firma gibt es Geimpfte und Ungeimpfte. Die Geimpften müssen keine Masken mehr tragen, die Ungeimpften schon. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Wirt in seinem Restaurant nur geimpfte Personen will. Wichtig ist, dass der Einsatz des Covid-Zertifikats nicht von Oben befohlen wird. Jetzt gilt Selbstverantwortung.

Bei Grossveranstaltungen oder Clubs ist das Covid-Zertifikat aber Pflicht.
Ich habe Verständnis, dass ein Veranstalter nicht Kraut und Rüebli reinlässt. Auch bei Clubs, dort ist es ja gerade der Zweck, dass man keinen Abstand hält. Trotzdem finde ich, dass der Staat nicht vorschreiben soll, wo das Zertifikat eingesetzt wird. Wir brauchen Vereinfachungen, nicht jedes Detail muss geregelt werden. Ausser bei staatlichen Einrichtungen, dort braucht es Regeln.

Bald entscheiden die Delegierten der SVP über das Covid-Gesetz. Dabei geht es um die gesetzliche Basis des Covid-Zertifikats. Wie stehen sie dazu?
Ich habe das Covid-Gesetz bei der letzten Abstimmung abgelehnt und werde das wieder tun. Es braucht kein Sondergesetz. Ich habe keine Ahnung, was die Partei machen wird. Das ist auch keine wichtige Abstimmung.

Direkt gefragt: Raten Sie zur Corona-Impfung?
Ja, ich sage allen: «Die Impfung ist praktisch und gäbig.» Ich bin aber nicht fanatisch in dieser Frage. Zum Teil nimmt die Diskussion religiöse Züge an. Ich bekomme Briefe, wo ich als Mörder bezeichnet werde, weil ich die Leute nicht vom Impfen abhalte. Das sind Spinner.

Wie reagieren Sie auf solche Impfgegner?
Wenn die mir sagen, ich wisse ja nicht, was mir gespritzt worden sei, frage ich zurück: «Wissen Sie, was in der letzten Tablette steckte, die Sie gelutscht haben?» Natürlich ist bekannt, was in den Vakzinen steckt. Dann noch diese Verschwörungstheorien mit Bill Gates, fürchterlich. Aber eben, Impfungen sind kein Schwerpunktthema von mir. Ich hätte lieber über die Notwendigkeit der Kernenergie geredet.

Ihre Tochter Magdalena Martullo hat bereits neue AKWs gefordert.
Ich weiss, aber eine Person genügt dafür nicht! Es braucht jetzt eine Vielzahl von Leuten, die helfen, dass es keine Energielücken gibt.

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quelle: keystone / peter schneider
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