Selbstversorgungsgrad in der Landwirtschaft sinkt erstmals unter 50 Prozent

11.08.17, 15:52

Schlechte Ernten im Ackerbau im vergangenen Jahr haben dazu geführt, dass der Netto-Selbstversorgungsgrad in der Landwirtschaft erstmals unter 50 Prozent liegt. Dies berichtet der statistische Dienst des Schweizer Bauernverbands Agristat auf der Basis von Schätzungen.

Gemäss dem Statistischen Monatsheft, welches am Freitag über den Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) verbreitet wurde, fiel die Ernte im Pflanzen- und Getreidebau im Jahr 2016 wetterbedingt schlecht aus. Es handle sich um ein Ausnahmejahr.

Gegenüber dem Vorjahr sei die Produktion von Nahrungsmittelenergie bei Zuckerrüben um 6 Prozent, bei Raps um 17 Prozent und bei Getreide um 24 Prozent zurückgegangen. Die Kartoffelernte sei ähnlich schwach ausgefallen wie im Vorjahr.

Insgesamt nahm laut Agristat die Inlandproduktion von pflanzlicher Nahrungsmittelenergie um rund 12 Prozent ab. Die Produktion von tierischen Produkten wie Fleisch und Milch sei stabiler verlaufen, sie habe lediglich um 1 Prozent abgenommen.

Agristat schätzt den Brutto-Selbstversorgungsgrad - also inklusive importierte Futtermittel - auf 55 Prozent und den Netto-Selbstversorgungsgrad - ohne importierte Futtermittel - auf 48 Prozent. Während der Brutto-Selbstversorgungsgrad in der Vergangenheit stabil geblieben ist, war der Netto-Selbstversorgungsgrad leicht rückläufig.

Grund dafür ist laut Agristat der sinkende Inlandanteil bei den Futtermitteln. Insbesondere Eiweissfuttermittel würden zunehmend aus dem Ausland importiert.

Populäres Anliegen

Die neusten Zahlen kommen gut sechs Wochen vor dem Urnengang über die neue Verfassungsbestimmung über die Ernährungssicherheit. Im Entwurf des Initiativtextes war auch ein Passus über einen Selbstversorgungsgrad enthalten. Dieser war aber umstritten und wurde im Laufe des politischen Prozesses gestrichen.

Die am 24. September zur Abstimmung gelangende neue Verfassungsbestimmung scheint relativ unbestritten. Gemäss einer Onlineumfrage des Medienkonzerns Tamedia tendieren 53 Prozent zu einem Ja, 27 Prozent sind dagegen. Allerdings sind 20 Prozent noch unentschieden.

Konkret soll in der Verfassung verankert werden, dass der Bund die Voraussetzungen schafft, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Erstens sollen die landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen gesichert werden, insbesondere das Kulturland. Zweitens soll die Produktion von Lebensmitteln den örtlichen Gegebenheiten angepasst und ressourceneffizient sein.

Drittens soll die Land- und Ernährungswirtschaft auf den Markt ausgerichtet sein. Viertens sollen grenzüberschreitende Handelsbeziehungen zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen. Fünftens soll der Bund die Voraussetzungen für einen ressourcenschonenden Umgang mit Lebensmitteln schaffen. (sda)

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen