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Ein Brunnen sorgt in Catania für Abkühlung. Dort wurden am Mittwoch 45 Grad gemessen.
Ein Brunnen sorgt in Catania für Abkühlung. Dort wurden am Mittwoch 45 Grad gemessen.
Bild: keystone

«48,8 Grad – da killt dich die Sonne»: So erleben Menschen in Sizilien die Rekordhitze

Süditalien glüht: Mit 48,8 Grad wurde in Siracusa die höchste jemals in Europa registrierte Temperatur gemessen. Wie bekämpft die Bevölkerung die Wahnsinns-Hitze? Gespräche mit Betroffenen.
13.08.2021, 06:0013.08.2021, 12:12

Es ist ein Rekord, um den die Stadt Siracusa im Südosten Siziliens niemand beneidet: Am Mittwochnachmittag zeigte dort das Thermometer 48,8 Grad an. Es ist dies die höchste jemals gemessene Temperatur in Europa.

«Die Sonne killt dich.»
Alessandro Rustico, Tourguide

Aber wie fühlen sich 48,8 Grad an? Tourguide Alessandro Rustico sagt in seiner Mittagspause am Telefon zu watson, dass die Rekordhitze den Körper ans absolute Limit bringe. «Die Sonne killt dich fast. Du musst immer im Schatten bleiben. Und trinken, trinken, trinken.» Der Archäologe führt normalerweise Touristen durch antike Tempel. Wegen der Hitze musste er in den letzten Tagen anstrengendere Touren absagen. «Das ist bei diesen Temperaturen zu gefährlich, Menschen könnten sterben.»

Alessandro Rustico.
Alessandro Rustico.
Bild: zvg

Klimaanlagen sorgen für Hitzeschock

Im Tourismusbüro von Siracusa hält derweil Melissa Monzante die Stellung. Der Affenhitze kann die Sizilianerin trotz Klimaanlage nicht entfliehen. «Wenn man aus den gekühlten Räumen nach draussen geht, ist es auf einen Schlag 30 Grad wärmer. Man erleidet fast einen Hitzeschock», sagt sie.

Der Bürgermeister von Siracusa schlägt Alarm: «Wir befinden uns im absoluten Ausnahmezustand», sagt Francesco Italia zu Rai. Man habe alle notwendigen Massnahmen ergriffen, um die Hitze zu bekämpfen. Freiwillige des Zivilschutzes etwa patrouillieren in der Gegend und verteilen Wasser an öffentlichen Plätzen an ältere Menschen und Kinder.

Neben der Hitze sorgen die jüngsten Ausbrüche des Ätna für Aufregung im Osten Siziliens.
Neben der Hitze sorgen die jüngsten Ausbrüche des Ätna für Aufregung im Osten Siziliens.
Bild: keystone

Das ist aber buchstäblich ein Tropfen auf den heissen Stein. Dementsprechend sind die Gassen leergefegt. Touristen verziehen sich statt an den Strand in die kühlen Katakomben im Untergrund der historischen Stadt. Der Bürgermeister ruft die Menschen auf, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. «Verkriecht euch zu Hause und wartet, bis die Hitze vorüber ist», sagt Italia.

«Verkriecht euch zu Hause und wartet, bis die Hitze vorüber ist.»
Francesco Italia, Bürgermeister von Siracusa.

Das Wasser wird knapp

Die aktuelle Hitzewelle sei schlimmer als alles andere, was er zuvor erlebt habe, sagt auch Tourguide Rustico. Denn zu den unglaublich hohen Temperaturen komme die extreme Trockenheit hinzu. «Uns geht langsam das Wasser aus, da es letzten Winter nicht geregnet hat.» Dies trifft die für Sizilien sehr wichtige Landwirtschaft. Zudem bricht der Vulkan Ätna immer wieder aus. Auf der Insel toben viele Waldbrände. «Es ist wirklich ein Horrorjahr. Aber wir werden auch das überleben», sagt Rustico.

Bild: keystone

Noch ist kein Ende der Extremtemperaturen in Sicht. Meteorologen erwarten den Hitzepeak am Freitag. Die heisse Luft bringt übrigens der Scirocco-Wind direkt aus der Sahara nach Süditalien.

Selbst auf den Inseln glüht der Beton

Dieser ist auch auf den Liparischen Inseln zu spüren, die rund 40 Kilometer nördlich vor der sizilianischen Küste liegen. Selbst auf dem Eiland mitten im Tyrrhenischen Meer steigt das Thermometer weit über 40 Grad an. Der Berner Roland Zoss lebt seit Jahrzehnten auf Filicudi.

«Barfuss kannst du nicht mehr herumlaufen, es verbrennt die sofort die Füsse.»
Roland Zoss

Er hat schon manche Hitzewelle erlebt. «Steine und Beton glühen bei solcher Hitze fast. Barfuss kannst du nicht mehr herumlaufen, es verbrennt dir sofort die Füsse», sagt er. An der Sonne erreichten die Temperaturen gegen 90 Grad. «Da kannst du Eier braten», witzelt Zoss, der derzeit noch in Bern ist und in wenigen Tagen in seine Heimat zurückfliegt. Bei diesen Temperaturen könne man nur noch im Meer baden oder zu Hause schlafen.

Bei 40 Grad hilft nur ein Sprung ins Meer: Dementsprechend voll sind die Strände in Palermo.
Bei 40 Grad hilft nur ein Sprung ins Meer: Dementsprechend voll sind die Strände in Palermo.
Bild: keystone

Längst nicht alle Leute können aber von der Hitze in gekühlte Räume flüchten. «Selbst in den Spitälern ist es keineswegs sicher, dass es eine Klimaanlage gibt», so der Berner. Auch der Flughafen von Catania sei mehr schlecht als recht gekühlt. «Da wird mich der Schlag treffen, wenn ich aus dem Flugzeug aussteige.»

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