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Das Mädchen mit den dunklen Haaren langweilt sich ganz klar. Nicht zuletzt, weil der Junge neben ihr noch so kindlich wirkt.
Das Mädchen mit den dunklen Haaren langweilt sich ganz klar. Nicht zuletzt, weil der Junge neben ihr noch so kindlich wirkt.
bild: firsthandfilms
Review

Gehypte 19-jährige Pariserin dreht Film – und scheitert wie Mbappé

Suzanne Lindon gilt als Frankreichs neues Regie- und Schauspielwunder. Wir haben uns ihr «Seize Printemps» mal genau angeschaut.
04.07.2021, 06:2204.07.2021, 15:15

Grundsätzlich habe ich grosse Sympathien für Frankreich. Für das Essen, den Wein, die Literatur, oft auch die Musik, aktuell finde ich den französischen Fussball auf charmante Art entgegenkommend ... Und dann gibt es den französischen Film. Und ich meine damit kein Weltfilmkulturerbe, sondern den ganz normalen Film, den sich Französinnen und Franzosen gern an einem ganz normalen Abend im Kino ansehen.

Der ganz normale französische Film muss unbedingt in Paris spielen und alle wohnen in wunderschönen, für Paris ungewöhnlich grossen Altbauwohnungen. Seine Heldin muss entweder Juliette Binoche sein. Oder aussehen wie Jane Birkin oder deren Tochter Charlotte Gainsbourg. Herb. So flachbrüstig, dass sie nie einen BH tragen muss. Lange Haare, die leicht stufig geschnitten sind. Simples, aber prima perfektes Make-up. Jeans. Weisse Bluse. Gerne auch: weisse Unterhemden ohne BH. Unangestrengt cool.

Charlotte Gainsbourg. Wie schon ihre Mutter eine Stilikone par excellence.
Charlotte Gainsbourg. Wie schon ihre Mutter eine Stilikone par excellence.
Bild: The Washington Post

Wenn man ihren Bauch sieht, muss der ebenfalls ganz flach sein. Obwohl sie viel isst. Denn das ist das Tolle an den Film-Französinnen, die essen nämlich immerzu und richtig, und Juliette Binoche kann hervorragend Austern öffnen. Essen im französischen Film ist ja auch nicht einfach Essen, sondern das grosse orale Vorspiel.

Und dann kommt der Mann. Meist ist er älter. Zwingend muss er Bartstoppeln haben. Immer kann man mit ihm über Literatur reden. Seine Anzüge sind tadellos. Oft steht die jüngere Frau plötzlich vor seiner Tür, seiner Bar oder seinem kleinen Théâtre und haucht: «Gleichaltrige sind so langweilig», und schon haben sie Sex. Dialoge sind egal, hört eh niemand hin.

Die drei nervigsten französischen Filme

1. Le fabuleux destin d'Amélie Poulain
Grossäugiges Mädchen will andern ständig etwas zu Liebe antun. Aggressionen triggerndes Niedlichkeitstheater.

2. Bienvenue chez les Chti's
Können Witze NOCH blöder sein als in dieser Regionalkomödie über nordfranzösische Deppen? Nein!!!

3. Rubber
Ein Killerpneu tötet. Finden Redaktionsmitglieder Patrick Toggweiler und Sarah Serafini den dümmsten Film aller bisherigen Zeiten.

Et voilà, wir befinden uns in Dutzenden bereits existierender ganz normaler französischer Filme. Und mitten im neuen Film-Hype, in «Seize Printemps», also sechzehn Frühlinge. Die Frau, die ihn gedreht und geschrieben hat und die Hauptrolle spielt und den Abspannsong mit rauchig gebrochener Stimme haucht (auch das natürlich wie die Birkin, wie die Gainsbourg ...), ist heute 21, beim Dreh war sie 19, das Drehbuch hatte sie als 15-Jährige zu schreiben begonnen. Sie heisst Suzanne Lindon, ihre Mutter ist die Schauspielerin Sandrine Kiberlain, ihr Vater der Schauspieler Vincent Lindon, sie ist also mitten ins Cinéma français hineingeboren worden und hat ihr Privileg zu ihrem Weg gemacht.

bild: firsthandfilms

Ihre 16-jährige Heldin heisst ebenfalls Suzanne, ist gelangweilte Gymnasiastin im Mini-Birkin-Gainsbourg-Look, isst und trinkt am liebsten Erdbeerfarbiges, liest Boris Vian (das Buch trägt ein erdbeerfarbisges Cover) und stalkt den 19 Jahre älteren Schauspieler Raphaël (Arnaud Valois). Grundsätzlich gleicht ihr Leben einem «La Boum»-Remake. Sie fragt ihren Papa, ob er Frauen lieber in Kleidchen oder Hosen sieht. Was der darauf wohl antwortet???

Trailer zu «Seize Printemps»

Raphaëls Quartiertheater ist reizend und sein Lieblingsbistro ein echtes Lieblingsbistro, sein Roller ist rot und ergänzt Suzannes weisse Blüschen und blaue Jeans um die dritte Farbe der Trikolore. Schliesslich gibt es keinen Grund, weshalb er sich nicht in seine kleine Stalkerin vergucken sollte. Hach, es ist alles so einfach in Frankreich. Weil Suzanne Lindon Sexszenen peinlich findet, hat sie lieber abstrakte Tanzszenen zu schwülstiger Klassik gedreht. Was irgendwie aber noch weniger eine Lösung ist, glaubt es mir. Doch der Effekt ist der gleiche: Danach muss Raphaël dringend rauchen.

Suzanne Lindon modelt jetzt für das Luxuslabel Celine, und Frankreich nennt ihren Film, der ganz ohne virtuellen Modekram auskommt, «ultramodern». Wieso, das mögen die tausend Büsis von Brigitte Bardot oder die Pflastersteine von Paris wissen. Sehr nüchtern betrachtet, steht fest, dass wohl noch nie ein so junger Mensch wie Suzanne Lindon einen derart alten Film gemacht hat. Dann doch lieber «Emily in Paris» ...

«Seize Printemps» läuft ab dem 8. Juli im Kino.

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