Fussball
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Belgium's Eden Hazard, right, and Tunisia's Dylan Bronn challenge for the ball during the group G match between Belgium and Tunisia at the 2018 soccer World Cup in the Spartak Stadium in Moscow, Russia, Saturday, June 23, 2018. (AP Photo/Hassan Ammar)

Eden Hazard steht sinnbildlich für Belgiens goldene Generation. Bild: AP/AP

Darum ist Belgien die aktuell beste Fussballnation der Welt

Nach einer Dauerkrise hat Belgien dank exzellenter Nachwuchsarbeit und seinen Migranten zum Erfolg gefunden. Auch weil sie im Stil von Strassenfussballern trainieren.

markus brütsch / ch media



Von einem solchen Debüt träumen alle: Nach 101 Sekunden gibt Eden Hazard den magistralen Pass zum 1:0, und nach sieben Minuten holt er den Penalty zum 2:0 heraus. Dabei bleibt es, Chelsea besiegt Wigan.

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Hazards Premier-League-Debüt gegen Wigan. Video: YouTube/monsterMerkZ

Die Premiere des 21-jährigen Belgiers in der Premier League im August 2012 hätte kaum eindrucksvoller sein können. Sie war so etwas wie der Startschuss zur Renaissance des belgischen Fussballs. Denn das Nationalteam schaffte es 2014 erstmals nach zwölf Jahren wieder an eine WM und erreichte den Viertelfinal. Um nach einer enttäuschend verlaufenen EM 2016 bei der WM im vergangenen Sommer bis in den Halbfinal vorzustossen – und heute in der Fifa-Weltrangliste Rang 1 zu belegen.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Belgien nicht mal mehr unter den besten 50 figurierte. Eine Schmach für eine Fussballnation, die 1980 noch im EM-Final und 1986 im WM-Halbfinal gestanden hatte. Spätestens das sang- und klanglose Ausscheiden bei der WM 1998 und der Heim-EM 2000 führte dann jedoch zu einem Paradigmenwechsel. Wie aber hat dieses kleine Land mit 11,4 Millionen Einwohnern diesen derart grandios hingekriegt, dass heute eine goldene Generation vom Weltmeistertitel träumen kann?

Recherchen zeigen, dass die Wiege des Aufschwungs in Lüttich liegt, wo im Jahr 2004 die Académie Robert Louis-Dreyfus mit einer Top-Infrastruktur eröffnet wurde.

«Entscheidend dabei ist, dass den Jungen ihre Freiheit gelassen wird und die Trainer nicht auf Taktik und Kondition fixiert sind.»

Mijat Maric

Heutige Stars wie Axel Witsel, Nacer Chadli, Marouane Fellaini und Steven Defour wurden hier ausgebildet. Gent und Genk zogen nach, wie Brügge und Anderlecht. Auch die Politik steckte viele Fördergelder in die Jugendarbeit. Zuvor hatten die Klubs allzu sehr auf Ausländer gesetzt. Der KSK Beveren hatte einmal gleichzeitig 18 Spieler aus der Elfenbeinküste im Kader.

epa07120067 Standard Liege's starting eleven pose for a team photo during the UEFA Europa League soccer match between Standard Liege and FC Krasnodar, in Liege, Belgium, 25 October 2018.  EPA/OLIVIER HOSLET

Standard Lüttich war der Vorreiter der neuen belgischen Jugendarbeit. Bild: EPA/EPA

«In Belgien ist tatsächlich eine Menge in den Jugendfussball investiert worden», bestätigt Mijat Maric. Der 34-Jährige hat neun Jahre lang in Belgien gespielt und eine Trainerausbildung begonnen, bevor er vor ein paar Monaten in die Heimat und zum FC Lugano zurückgekehrt ist. «Der Verband hat eine eigene Vision entwickelt. Entscheidend dabei ist, dass den Jungen ihre Freiheit gelassen wird und die Trainer nicht auf Taktik und Kondition fixiert sind. Es geht sogar in Richtung Strassenfussball und eines Spielens ohne Tabelle.» Früher gab es nur die Defensive.

«Spieler werden geschult, im Spiel die Probleme selber zu lösen und nicht auf die Hilfe des Trainers zu warten.»

Mijat Maric

Die gezielte Nachwuchsförderung war die einzige Überlebenschance vieler Klubs: Ausbilden und dann teuer verkaufen. David Sesa war als Assistent von René Weiler beim RSC Anderlecht tätig und hatte Einblick in die Jugendakademie. Er sagt: «Die individuelle Ausbildung ist der eigentliche Hauptgrund, dass Belgien so viele Weltklassespieler hat. Und ebenfalls zentral: Die Spieler werden so geschult, dass sie im Spiel die Probleme selber lösen und nicht auf die Hilfe des Trainers warten.» Sesa sagt, dass man jetzt ernte, was vor vielen Jahren, auch in der Trainerausbildung, gesät worden sei.

«Heute hat Anderlecht die beste Akademie. Das Projekt ‹Purple Talents› hat Romelu Lukaku (ManUnited), Leander Dendoncker (Wolverhampton) und Youri Tielemans (Monaco) hervorgebracht», sagt Sesa. «Fünf Personen kümmern sich um die Jugendspieler. Die sogenannte ‹soziale Zelle› beschäftigt sich mit Problemen in der Schule und in den Familien», sagt Sesa. Und erzählt von Tielemans. «Er war schon mit 20 Jahren ein Leader. Perfekt ausgebildet und charakterlich top.» Monaco bezahlte 30 Millionen Franken.

Belgium's Romelu Lukaku, right, celebrates with teammate Vincent Kompany after scoring his side's second goal during the UEFA Nations League soccer match between Belgium and Switzerland at the King Baudouin stadium in Brussels, Friday, Oct. 12, 2018. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)

Vincent Kompany und Romelu Lukaku: zwei der vielen Secondos im belgischen Nationalteam. Bild: AP/AP

Neben dem Faktor Ausbildung spielen – wie in der Schweiz – die Migranten eine wesentliche Rolle bei der Wiedererstarkung des Nationalteams. Lukaku, Chadli und Vincent Kompany sind wichtige Leistungsträger. Weil der Kongo einmal eine belgische Kolonie war, leben viele Menschen mit afrikanischen Wurzeln in Belgien. 1986 war Enzo Scifo noch der Einzige mit Migrationshintergrund im Team, bei der WM 2018 galt dies für die Hälfte des Kaders.

«Der Fussball ist ihre Chance im Leben. Sie geben in jedem Training alles.»

Mijat Maric

Mijat Maric hat bei Lokeren jeden Tag zu spüren bekommen, wie hungrig die jungen Spieler sind. «Der Fussball ist ihre Chance im Leben. Sie geben in jedem Training alles. Manchmal sogar zu viel. Das ist ihre Mentalität», sagt Maric. «Die Lust darauf, Fussballer zu werden, ist in Belgien noch etwas grösser als in der Schweiz», sagt Sesa. Aber man müsse schon auch sehen, dass Belgien Glück habe, gleich so viele Riesentalente in dieser goldenen Generation zu haben, sagt Maric.

Dank den Secondos hat sich der einst dauerhafte Konflikt zwischen Flamen und Wallonen entschärft. «Die verschiedenen Mentalitäten wirken gar befruchtend», sagt Sesa.

Belgien ist heute so gut wie noch nie. Für Lukaku kassierte Everton 97 Millionen Franken. Dass gleich 17 Belgier in der Premier League auflaufen und weitere in Topklubs in Spanien (Courtois), Italien (Mertens), Deutschland (Witsel) und Frankreich (Meunier), sagt alles über das Potenzial.

Finalspiel gegen Belgien

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft trifft am Sonntagabend (20.45 Uhr) in Luzern auf Belgien. Es ist das abschliessende Gruppenspiel in der Nations League und die Schweiz könnte sich gar noch den Gruppensieg sichern.

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Die Ausgangslage in der Schweizer Gruppe. Bild: srf

Belgien scheint inzwischen auch stark genug, den vor einem Monat aufgedeckten Korruptionsskandal ohne die alten Streitigkeiten zwischen den Volksgruppen zu verarbeiten. Marc Wilmots, der Vorgänger des Nationaltrainers Roberto Martinez, hat grossen Anteil daran, dass die Roten Teufel eine Einheit bilden. Er hat sie gegen separatistische Kräfte zusammengeschweisst. «Das Nationalteam bringt die Menschen zueinander», sagt Wilmots.

FCZ-Trainer Ludovic Magnin teilt gegen Leverkusen aus

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Video: watson/Angelina Graf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Toni.Stark 16.11.2018 17:56
    Highlight Highlight Es gibt nur WM oder EM-Titel. Alles andere sind Ausreden der Verlierermannschaften. Vive la France! Muhahahaaa!
  • cyrill_10 16.11.2018 09:57
    Highlight Highlight Danke für den Artikel, sehr interessant.

    Gibt es kein Synonym für sagt, damit nicht jeder 2 Satz in "sagt XY" Enden muss?
    • Adrian Buergler 16.11.2018 10:16
      Highlight Highlight @cyrill_10: Die gibt es. Aber je nach Redaktion sind solche Synonyme verpönt.
  • c-bra 16.11.2018 09:36
    Highlight Highlight Belgien ist stark, einverstanden, aber an Frankreich kommt mMn zurzeit keine Mannschaft heran.

    • RedDevil 16.11.2018 10:15
      Highlight Highlight Würd ich so nicht unbedingt behaupten. Klar Frankreich ist momentan eine absolute Macht, Belgien aber ebenso. Das Halbfinale an der WM war das mit abstand schwächste Spiel der Belgier an der WM, hätten sie da etwas besser gespielt wäre Frankreich zu packen gewesen und die Kroaten im Finale sowieso. Aber momentan sind die beiden sicher die stärksten Teams.
    • Real John Doe 16.11.2018 10:51
      Highlight Highlight Es gab vor der WM mal ein Bild von 4(!!) möglichen ersten 11 von Frankreich und jeder Name kam nur einmal vor. Jedes dieser Teams wäre international konkurrenzfähig gewesen. Von daher ja, Frankreich hat wohl das grösste Potential auch für die mittelfristige Zukunft... In Belgien gibt es eine wirklich überragende erste 11 und 3-4 weitere die den Kern ausmachen aber in der Breite niemals wie "les bleus"
    • Lauv 16.11.2018 11:22
      Highlight Highlight @ Reddevil: Frag dich mal wieso Belgien im 1/2 Finale so ein (angeblich) schlechtes Spiel gemacht hat ;) Genau, es lag am Gegner. Frankreich ist das Mass aller Dinge momentan im Fussball.
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